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Die Atkins-Diät ist eine stark kohlenhydratarme, fett- und eiweissbetonte Ernährungsform mit dem Ziel der Gewichtsabnahme. Charakteristisch ist, dass Kohlenhydrate weitgehend reduziert werden, während Fett und Eiweiss in grosszügigen Mengen erlaubt sind und die Kalorienmenge nicht streng begrenzt wird. Bekannt gemacht wurde das Konzept in den 1970er-Jahren von Robert Atkins, einem US-amerikanischen Kardiologen.
Zur Einordnung: Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen empfehlen, rund 45 bis 55 Prozent der täglichen Energie über Kohlenhydrate zu decken, vorzugsweise aus Vollkornprodukten, Gemüse, Früchten und Hülsenfrüchten [3]. Die Atkins-Diät liegt mit ihrem niedrigen Kohlenhydratanteil deutlich darunter und zählt damit zu den Low-Carb- beziehungsweise Very-Low-Carb-Ernährungsformen.
Die Atkins-Diät senkt die Kohlenhydratzufuhr so stark, dass der Körper vermehrt auf Fett als Energiequelle umstellt. Kohlenhydrate sind normalerweise der wichtigste Energielieferant [3]. Stehen sie nur noch in kleinen Mengen zur Verfügung, greift der Körper zunächst auf seine Kohlenhydratspeicher (Glykogen) und anschliessend verstärkt auf Fettreserven zurück. In der Leber entstehen dabei sogenannte Ketonkörper, die als Ersatz-Energiequelle dienen – diesen Stoffwechselzustand nennt man Ketose.
Ein Teil der raschen Gewichtsabnahme zu Beginn ist allerdings nicht auf Fettabbau zurückzuführen: Durch die Kohlenhydratreduktion scheidet der Körper zunächst vermehrt Wasser aus.
Gut zu wissen: Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass mit der Einschränkung von Kohlenhydraten zu Beginn ein Verlust von etwa 2 bis 3 Kilogramm Körperwasser einhergeht [1]. Die Zahl auf der Waage sinkt also anfangs auch deshalb schnell, weil Wasser verloren geht – nicht allein wegen abgebautem Körperfett.
Die Atkins-Diät gliedert sich in vier Phasen, in denen die erlaubte Kohlenhydratmenge schrittweise steigt. In der ersten Phase, der Einleitung, geht es darum, den Stoffwechsel auf die Fettverwertung umzustellen; die Kohlenhydrate werden dafür sehr stark reduziert, auf einen Richtwert von etwa 20 Gramm pro Tag. In der zweiten Phase, der Reduktion, soll weiter Gewicht verloren werden, wobei die Kohlenhydratmenge langsam ansteigt. In der dritten Phase, der Vor-Erhaltung, nähert man sich dem Zielgewicht an und erhöht die Kohlenhydrate weiter. Die vierte Phase, die Erhaltung, dient schliesslich dazu, das Gewicht dauerhaft zu halten, und ist als langfristige Ernährungsform angelegt.
Die Atkins-Diät ist damit als langfristige Ernährungsumstellung gedacht und nicht nur als kurze Kur. Gerade in der ersten Phase ist die Umstellung gross. In dieser Anfangszeit berichten manche Menschen über vorübergehende Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schwindel, während sich der Stoffwechsel anpasst. Je nach Atkins-Variante können die genauen Kohlenhydratmengen und der Ablauf etwas unterschiedlich ausfallen.
Erlaubt sind vor allem eiweiss- und fettreiche Lebensmittel, während stark kohlenhydrathaltige Produkte gemieden werden. Auf dem Speiseplan stehen typischerweise:
Stark eingeschränkt oder gemieden werden dagegen Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Süssigkeiten und zuckerhaltige Getränke. Auch kohlenhydratreiches Obst wird in den strengen Phasen deutlich reduziert. Genau hier setzt ein zentraler Kritikpunkt an: Werden Gemüse, Früchte und Vollkornprodukte stark begrenzt, sinkt die Zufuhr von Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind [3].
Kohlenhydratarme Diäten wie Atkins führen kurzfristig zu einem Gewichtsverlust, unterscheiden sich langfristig aber kaum von anderen Ernährungsformen. Ein umfangreicher Cochrane-Review verglich Low-Carb-Diäten mit Diäten, die einen ausgewogenen Kohlenhydratanteil enthalten: Die Unterschiede beim Gewicht fielen klein aus und lagen teilweise im Bereich natürlicher Gewichtsschwankungen [1]. Eine Metaanalyse randomisierter Studien kam zu einem ähnlichen Ergebnis – kohlenhydratarme Diäten zeigten kurzfristig einen grösseren Gewichtsverlust, ohne klaren Vorteil über längere Zeit [2].
Auch die aktualisierte S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas betont, dass die genaue Makronährstoffverteilung – also «Low Carb» oder «Low Fat» – beim Abnehmen eine eher untergeordnete Rolle spielt. Entscheidend ist letztlich das erreichte Energiedefizit; verschiedene Kostformen können zum Ziel führen, weshalb einseitige Konzepte vermieden werden sollten [4]. In dieselbe Richtung weist das MSD Manual: Eine vernünftige Gewichtsabnahme gelingt vor allem über dauerhafte Veränderungen des Lebensstils und nicht über Modediäten, die nur kurzfristig wirken [5].
Diese Befunde bedeuten nicht, dass die Atkins-Diät wirkungslos ist – kurzfristig kann sie beim Abnehmen helfen und durch das sättigende Eiweiss den Appetit dämpfen. Sie ist anderen Ansätzen langfristig aber nicht eindeutig überlegen, und der häufig beschriebene Jo-Jo-Effekt nach Diätende bleibt eine Herausforderung.
Die Atkins-Diät kann durch ihre einseitige Lebensmittelauswahl die Versorgung mit Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen verschlechtern und ist nicht für jede Person geeignet. Weil Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Früchte – wichtige Ballaststoff- und Nährstoffquellen – stark reduziert werden, weicht die Ernährung deutlich von den Empfehlungen für eine ausgewogene Kost ab [3]. Auch Fachleitlinien raten von einseitigen Ernährungskonzepten ab und empfehlen, die Ernährungstherapie individuell anzupassen [4].
Hinzu kommt der hohe Anteil an Eiweiss und Fett. Die langfristigen Auswirkungen sehr kohlenhydratarmer Diäten auf die Nierenfunktion sind wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt, und auch die Folgen für die Blutfettwerte werden unterschiedlich beurteilt [2]. Wer eine stark kohlenhydratarme Ernährung erwägt und bereits Vorerkrankungen hat – etwa an Nieren, Leber oder Herz-Kreislauf-System –, sollte das Vorgehen deshalb vorab ärztlich abklären lassen. Gleiches gilt in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Diabetes oder der Einnahme von Medikamenten. Die Schweizer Ernährungsempfehlungen richten sich an gesunde Erwachsene und sind je nach individuellen Bedürfnissen anzupassen [3].
Die Atkins-Diät kommt am ehesten für gesunde Erwachsene infrage, die kurzfristig Gewicht reduzieren möchten und mit einer kohlenhydratarmen Ernährung gut zurechtkommen. Wer den Verzicht auf Brot, Pasta und Süsses im Alltag dauerhaft als belastend empfindet, hat es dagegen schwer, eine solche Ernährung durchzuhalten – und genau die Beständigkeit ist für einen anhaltenden Erfolg entscheidend [5].
Welche Ernährungsform langfristig zu dir passt, hängt von deinen Vorlieben, deinem Alltag und deiner gesundheitlichen Ausgangslage ab. Statt einer strikten Diät führt eine schrittweise, ausgewogene Ernährungsumstellung in Kombination mit mehr Bewegung meist nachhaltiger zum Ziel. Eine fachliche Begleitung kann helfen, eine Lösung zu finden, die sich gut in deinen Alltag einfügt und alle wichtigen Nährstoffe abdeckt.
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Wie schnell nimmt man mit der Atkins-Diät ab?
Zu Beginn sinkt das Gewicht oft schnell, langfristig gleichen sich die Ergebnisse mit anderen Diäten aber weitgehend an. Ein Teil der anfänglichen Abnahme beruht auf Wasserverlust durch die Kohlenhydratreduktion und nicht allein auf Fettabbau [1]. Studien zeigen für kohlenhydratarme Diäten kurzfristig einen grösseren Gewichtsverlust, jedoch keinen klaren Vorteil über längere Zeiträume [2]. Tempo und Ausmass hängen stark von der individuellen Ausgangslage ab.
Ist die Atkins-Diät dasselbe wie die ketogene Diät?
Nein, beide sind kohlenhydratarm, die ketogene Diät ist jedoch strenger. Bei der Atkins-Diät steigt die erlaubte Kohlenhydratmenge über die Phasen hinweg schrittweise an, während die ketogene Ernährung dauerhaft sehr wenige Kohlenhydrate und einen hohen Fettanteil vorsieht, um den Körper konstant in der Ketose zu halten. Beide zählen zur Gruppe der Low-Carb-Ernährungsformen, unterscheiden sich aber im Ausmass der Kohlenhydratreduktion.
Darf man bei der Atkins-Diät unbegrenzt Fleisch und Fett essen?
Das Konzept erlaubt grosszügige Mengen an Eiweiss und Fett, ganz ohne Einschränkung ist das aus gesundheitlicher Sicht aber nicht ratsam. Eine sehr einseitige, stark fleisch- und fettlastige Ernährung kann die Versorgung mit Ballaststoffen und Mikronährstoffen verschlechtern [3]. Auf die Qualität der Lebensmittel zu achten und ausreichend Gemüse einzubauen, ist deshalb auch im Rahmen einer kohlenhydratarmen Ernährung sinnvoll.
Ist die Atkins-Diät für jeden geeignet?
Nein, sie eignet sich nicht für alle Menschen. Bei Vorerkrankungen an Nieren, Leber oder Herz-Kreislauf-System, bei Diabetes, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten sollte vor einer stark kohlenhydratarmen Ernährung eine ärztliche Abklärung erfolgen [2][3]. Für eine langfristige Gewichtsabnahme gilt eine dauerhafte, ausgewogene Ernährungsumstellung als nachhaltiger als eine strikte Diät [5].
[1] Naude CE et al., 2022, Low-carbohydrate versus balanced-carbohydrate diets for reducing weight and cardiovascular risk, Cochrane Database of Systematic Reviews, https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013334.pub2/full
[2] Silverii GA et al., 2022, Effectiveness of low-carbohydrate diets for long-term weight loss in obese individuals: A meta-analysis of randomized controlled trials, Diabetes, Obesity and Metabolism, https://dom-pubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/dom.14709
[3] Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) / Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), 2024, Schweizer Ernährungsempfehlungen und Empfehlungen zu Kohlenhydraten, https://www.sge-ssn.ch
[4] Wirth A et al. / Springer (Die Innere Medizin), 2025, Therapieprinzipien bei Adipositas – was ändert sich in der aktualisierten S3-Leitlinie?, https://link.springer.com/article/10.1007/s00108-025-01900-w
[5] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Adipositas, https://www.msdmanuals.com/de/heim/ern%C3%A4hrungsst%C3%B6rungen/adipositas-und-metabolisches-syndrom/adipositas
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