Leider unterstützen wir Internet Explorer nicht mehr.

Bitte verwenden Sie Microsoft Edge, Google Chrome oder Firefox.

>
Ratgeber-Übersicht
>
Gelenke knacken: Warum es knirscht und wann du aufmerksam werden solltest

Gelenke knacken: Warum es knirscht und wann du aufmerksam werden solltest

Das Knie knirscht beim Treppensteigen, die Hüfte knarrt beim Aufstehen, die Schulter knackt beim Armkreisen – solche Gelenkgeräusche kennen viele und fragen sich, ob das schädlich ist. Die beruhigende Nachricht vorweg: In den allermeisten Fällen ist Gelenkknacken harmlos. Es gibt aber einige Situationen, in denen sich eine Abklärung lohnt. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Geräusche entstehen, was die Forschung zum Mythos „Knacken verursacht Arthrose" sagt und woran du erkennst, wann du genauer hinschauen solltest.

Warum knacken Gelenke überhaupt?

Hinter den Geräuschen stecken meist ganz natürliche Vorgänge. Fachleute unterscheiden vor allem zwei Arten von Gelenkgeräuschen: ein einzelnes, helles „Knack" und ein wiederkehrendes Reiben oder Knirschen.

Das typische einzelne Knacken – etwa wenn man die Finger „knacken" lässt – entsteht in der Gelenkflüssigkeit. Lange galt das Platzen einer Gasblase als Ursache. Eine Studie der Universität Alberta hat den Vorgang erstmals in Echtzeit per Magnetresonanztomografie sichtbar gemacht und kam zu einem etwas anderen Ergebnis: Das Geräusch entsteht im Moment, in dem sich die Gelenkflächen voneinander lösen und sich rasch ein gasgefüllter Hohlraum in der Gelenkflüssigkeit bildet [1]. Dieser Vorgang wird Tribonukleation oder Kavitation genannt. Charakteristisch ist, dass sich dasselbe Gelenk danach erst nach einer kurzen Pause erneut „knacken" lässt – die Flüssigkeit braucht Zeit, bis sich wieder ein solcher Hohlraum bilden kann.

Daneben gibt es Geräusche, die durch Sehnen und Bänder entstehen. Gleiten diese über einen Knochenvorsprung, kann das ein schnalzendes oder knackendes Geräusch erzeugen. Solche Geräusche lassen sich oft beliebig wiederholen und sind in der Regel ebenfalls harmlos.

Warum knacken Knie, Hüfte und Schulter unterschiedlich?

Jedes Gelenk hat seine eigenen anatomischen Besonderheiten, weshalb die Geräusche unterschiedlich klingen und entstehen können:

  • Knie: Beim Treppensteigen oder in die Hocke gehen können Sehnen über die Kniescheibe gleiten. Ein reibendes Knirschen kann auch entstehen, wenn die Gleitflächen im Gelenk nicht mehr ganz glatt sind.
  • Hüfte: Ein hörbares Schnappen entsteht häufig, wenn ein kräftiges Sehnenband an der Aussenseite des Oberschenkels über den Knochen springt. Dieses Phänomen wird umgangssprachlich „schnappende Hüfte" genannt.
  • Schulter: Die Schulter hat den grössten Bewegungsumfang aller Gelenke und ist von vielen Sehnen umgeben. Entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten für Schnapp- und Reibegeräusche, besonders beim Heben des Arms über den Kopf.

Solange die Geräusche ohne Schmerzen, Schwellung oder Bewegungseinschränkung auftreten, gelten sie meist als unbedenklich [3].

Ist Knacken ein reibendes Geräusch oder ein helles Knacken?

Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen dem einzelnen, hellen Knacken und einem reibenden, knirschenden Geräusch. Das knirschende Reiben wird fachlich Krepitation genannt [3]. Es entsteht, wenn Gleitflächen im Gelenk weniger glatt sind, und kann – muss aber nicht – ein Hinweis darauf sein, dass sich der Knorpel verändert hat [4]. Krepitation allein ohne Beschwerden ist häufig und nicht automatisch ein Krankheitszeichen. In Verbindung mit Schmerzen oder Steifigkeit ist es jedoch sinnvoll, die Ursache abklären zu lassen [3].

Macht Fingerknacken Arthrose? Was die Forschung sagt

Kaum ein Gelenk-Mythos hält sich so hartnäckig wie die Warnung, dass Fingerknacken Arthrose verursache. Die verfügbare Forschung stützt diese Annahme nicht. Eine vielzitierte Fall-Kontroll-Studie verglich Menschen mit und ohne Handarthrose und fand keinen Zusammenhang zwischen gewohnheitsmässigem Fingerknacken und Arthrose der Hände [2]. Auch langjähriges Knacken erwies sich darin nicht als Risikofaktor.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Knacken in jedem Fall völlig folgenlos ist: In einzelnen Untersuchungen wurden bei sehr häufigem Knacken Hinweise auf eine vorübergehende Schwellung oder eine etwas verringerte Griffkraft beschrieben [2]. Diese Beobachtungen sind kein Zeichen einer Gelenkerkrankung, sprechen aber für ein gewisses Mass statt ständigen Knackens. Wer ohne Schmerzen gelegentlich knackt, muss sich nach derzeitigem Wissensstand keine Sorgen über Arthrose machen.

Gut zu wissen: Das einzelne „Knack" beim Fingerknacken und das reibende Knirschen bei Arthrose entstehen auf völlig unterschiedliche Weise. Das eine ist ein physikalischer Vorgang in der Gelenkflüssigkeit, das andere hängt mit den Gleitflächen im Gelenk zusammen. Ein Geräusch allein sagt deshalb wenig über den Zustand eines Gelenks aus.

Wann solltest du Gelenkgeräusche abklären lassen?

Die Geräusche selbst sind selten das Problem – entscheidend ist, ob Begleitsymptome auftreten. Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn das Knacken zusammen mit einem oder mehreren der folgenden Zeichen auftritt [3]:

  • Schmerzen, die mit dem Geräusch einhergehen
  • Schwellung, Rötung oder Überwärmung des Gelenks
  • eine spürbare Bewegungseinschränkung oder ein Blockieren des Gelenks
  • ein Gefühl von Instabilität, als würde das Gelenk „wegknicken"
  • Geräusche, die erstmals nach einem Sturz, Umknicken oder einer Überlastung auftreten

In diesen Fällen geht es nicht um das Geräusch an sich, sondern darum, die dahinterliegende Ursache einzuordnen – etwa eine Reizung, eine Verletzung oder beginnende Verschleisserscheinungen. Erste Anlaufstelle ist in der Regel die haus- oder fachärztliche Praxis.

Was hilft bei knackenden Gelenken?

Bei harmlosem Knacken ist keine Behandlung nötig. Wer aber das Gefühl hat, dass die Gelenke „instabil" sind oder häufig knacken, profitiert oft von gezielter Bewegung. Eine kräftige, ausgeglichene Muskulatur stabilisiert die Gelenke und kann dazu beitragen, dass sie kontrollierter geführt werden. Allgemein gilt regelmässige, gelenkschonende Bewegung als günstig für die Gelenkgesundheit [4].

Treten Geräusche zusammen mit Beschwerden auf oder fühlt sich ein Gelenk instabil an, kann die Physiotherapie unterstützen – etwa, indem sie gezielt Kraft, Koordination und Beweglichkeit rund um das betroffene Gelenk fördert. Welche Übungen sinnvoll sind, hängt von der jeweiligen Ursache ab und wird individuell festgelegt. Auf truVuna findest du Physiotherapie-Anbieter:innen in deiner Region; du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren.

Häufige Fragen zum Gelenkknacken

Ist es schädlich, ständig mit den Fingern zu knacken?

Nach derzeitigem Wissensstand verursacht Fingerknacken keine Arthrose – eine Studie fand keinen Zusammenhang zwischen gewohnheitsmässigem Knacken und Handarthrose [2]. Bei sehr häufigem Knacken wurden in einzelnen Untersuchungen eine vorübergehende Schwellung oder eine leicht verringerte Griffkraft beschrieben. Treten Schmerzen auf, ist eine Abklärung sinnvoll.

Warum knacken meine Gelenke morgens besonders?

Nach längerer Ruhe, etwa über Nacht, sammelt sich in den Gelenken Gas in der Gelenkflüssigkeit. Die erste Bewegung am Morgen kann dann eine Kavitation auslösen – das typische Knacken [1]. Das ist in der Regel harmlos und ein normaler Begleiteffekt der ersten Bewegungen nach Ruhephasen.

Ist knirschen im Knie immer ein Zeichen für Arthrose?

Nein. Ein reibendes Knirschen (Krepitation) ist häufig und tritt auch bei gesunden Gelenken auf. Es kann auf Veränderungen der Gleitflächen hindeuten, ist aber ohne Schmerzen oder Schwellung meist unbedenklich [3]. Kommen Beschwerden hinzu, sollte die Ursache ärztlich eingeordnet werden.

Wann sollte ich mit knackenden Gelenken zum Arzt?

Wenn das Knacken mit Schmerzen, Schwellung, Bewegungseinschränkung oder einem Instabilitätsgefühl einhergeht oder erstmals nach einer Verletzung auftritt [3]. Das Geräusch allein ist kein Grund zur Sorge; die Begleitsymptome geben den Ausschlag.

Quellen

[1] Kawchuk GN, Fryer J, Jaremko JL, Zeng H, Rowe L, Thompson R, Real-Time Visualization of Joint Cavitation, PLoS ONE, 2015, https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0119470

[2] deWeber K, Olszewski M, Ortolano R, Knuckle Cracking and Hand Osteoarthritis, Journal of the American Board of Family Medicine, 2011, https://www.jabfm.org/content/24/2/169

[3] MSD Manual Ausgabe für Patienten, Gelenkgeräusche (Krepitation), https://www.msdmanuals.com/de/heim/knochen-gelenk-und-muskelerkrankungen/symptome-von-muskel-skelett-erkrankungen/gelenkger%C3%A4usche

[4] Rheumaliga Schweiz, Arthrose und Gelenkgesundheit, https://www.rheumaliga.ch/rheuma-von-a-z/arthrose

Das könnte dich auch interessieren

Dreifacher Erwärmer (San Jiao): Funktion, Organuhr und Praxis

Der dreifache Erwärmer gehört zu den faszinierendsten und zugleich rätselhaftesten Konzepten der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Er trägt einen Namen, aber keine eindeutige anatomische Form – und wird trotzdem mit zentralen Aufgaben wie Wärmeregulation, Flüssigkeitshaushalt und Stoffwechsel in Verbindung gebracht. Dieser Ratgeber erklärt dir verständlich, was der dreifache Erwärmer (chinesisch San Jiao) in der TCM bedeutet, welche Rolle er in der inneren Organuhr spielt und wie du seinen Funktionskreis im Alltag unterstützen kannst. Die wissenschaftliche Einordnung kommt dabei ebenso zur Sprache wie die traditionelle Sichtweise – klar getrennt, damit du beides einordnen kannst.

Phototherapie: Symptome und Krankheiten mit Licht behandeln

Blaues, weisses und rotes Licht wird in der Schulmedizin genauso wie in der Naturheilkunde für verschiedene Therapien eingesetzt. Die meisten Menschen kennen die Neugeborenen-Gelbsucht, bei der eine solche Phototherapie eingesetzt wird. Doch auch Hautkrankheiten, Depressionen, Schlafstörungen als Diagnose können eine Phototherapie nötig machen. Wir schauen uns die verschiedenen Therapieformen einmal näher an und beantworten die wichtigsten Fragen rund um Lichttherapie, Phototherapie und ihre Wirkung.

Getönte Tagescreme: Was sie kann – und für wen sie sich lohnt

Hand aufs Herz: Wie oft hast du morgens eine Creme nach der anderen aufgetragen, nur um danach zu warten, dass alles einzieht, bevor du das Make-up anfassen kannst? Für viele ist genau das der Moment, in dem die getönte Tagescreme zum Lieblingsprodukt wird. Sie vereint Pflege und ein bisschen Farbe in einem einzigen Schritt – und spart dabei nicht nur Zeit, sondern auch Platz in der Kosmetiktasche. Doch was steckt wirklich dahinter? Und ist sie für jeden Hauttyp geeignet? Das schauen wir uns hier gemeinsam an.

Augenbrauenstifte richtig anwenden: Farbe, Technik und Auswahl

Volle, gleichmässig definierte Augenbrauen rahmen das Gesicht und prägen den Gesichtsausdruck – doch nicht jede Braue ist von Natur aus dicht oder ebenmässig gewachsen. Ein Augenbrauenstift gleicht kleine Lücken aus, betont die Form und sorgt mit wenigen Strichen für einen frischeren Blick. Damit das Ergebnis natürlich wirkt und nicht hart oder aufgemalt aussieht, kommt es vor allem auf die passende Farbe, die richtige Stiftart und eine ruhige Hand an. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du deinen Augenbrauenstift Schritt für Schritt aufträgst, welche Farbe zu deinem Typ passt und worauf du bei Produkten und empfindlicher Haut achten solltest.

Kniescheibe rausgesprungen? Ursachen und Therapien bei einer schmerzhaften Verrenkung des Kniegelenks

Wenn die Kniescheibe herausgesprungen ist, spricht der Facharzt von einer Patellaluxation. Die Verrenkung ist mit starken Schmerzen verbunden und kann bei falscher Behandlung weitere Verletzungen und gesundheitliche Beschwerden nach sich ziehen. Daher ist es umso wichtiger zu wissen, was in so einem Fall zutun ist und worauf du unbedingt achten solltest. Die häufigsten Ursachen, Therapiemöglichkeiten und viele hilfreiche Tipps bei einer Kniegelenksverrenkung haben wir dir nachfolgend zusammengestellt.

Kundalini Meditation – die tantrische Lehre von der inneren Körperkraft

Kaum eine andere Meditationsform ist so geheimnisvoll umrankt wie die Kundalini Meditation. Sie spricht von einer schlummernden Energie an der Basis der Wirbelsäule, die durch bestimmte Übungen geweckt werden soll – und sich dann in Form einer aufsteigenden Kraft durch den Körper bewegt. Was zunächst nach mystischer Esoterik klingt, hat eine jahrtausendealte Tradition: Die Kundalini-Lehre stammt aus dem indischen Tantrismus und wurde im 20. Jahrhundert vor allem durch Yogi Bhajan im Westen bekannt. Heute findet sich Kundalini Meditation in zwei Welten gleichzeitig: in spezialisierten Yoga-Studios und Sangha-Gemeinschaften, aber auch in modernen Studios, die sie als wirkungsvolle Achtsamkeitspraxis anbieten. In diesem Ratgeber erfährst du, was genau hinter der Kundalini-Meditation steckt, wie sie sich von anderen Meditationsformen unterscheidet, welche Wirkungen sie hat – und welche Sicherheitsaspekte du beachten solltest, denn gerade diese Praxis hat ihre eigenen Vorsichtshinweise.