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Omnivore Ernährung: Ist der Mensch ein natürlicher Allesfresser?

Omnivore Ernährung: Ist der Mensch ein natürlicher Allesfresser?

Die omnivore Ernährung ist die weltweit am weitesten verbreitete Art zu essen – die meisten Menschen wachsen damit auf, ohne sich bewusst dafür zu entscheiden. Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand gilt der Mensch tatsächlich als Allesfresser, der sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung verwerten kann [4]. Ob das automatisch die «gesündeste» Art zu essen ist, hängt allerdings weniger von der Grundsatzfrage ab, sondern davon, wie ausgewogen die Lebensmittel zusammengestellt werden. In diesem Ratgeber erfährst du, was eine omnivore Ernährung ausmacht, warum der Mensch als Omnivore gilt und worauf du bei Fleisch, Nährstoffen und Vitamin B12 achten solltest.

Was ist eine omnivore Ernährung?

Eine omnivore Ernährung umfasst sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel und wird deshalb auch als Mischkost bezeichnet. Das Wort «omnivor» stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäss «alles fressend». Je nach Land, Kultur und Jahreszeit fällt der Speiseplan unterschiedlich aus, typischerweise gehören dazu:

  • Gemüse, Obst, Kräuter und Gewürze
  • Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen
  • Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
  • Eier sowie Milch und Milchprodukte
  • Mineralstoffe wie Speisesalz

Im Unterschied zu vegetarischen oder veganen Ernährungsformen schliesst die omnivore Ernährung keine Lebensmittelgruppe grundsätzlich aus. Die meisten Menschen weltweit ernähren sich auf diese Weise [4].

Ist der Mensch von Natur aus ein Allesfresser?

Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand gilt der Mensch als Allesfresser (Omnivore) und nicht als reiner Fleisch- oder Pflanzenfresser [4]. Im Lauf der Evolution konnten sich unsere Vorfahren aus einer breiten Palette pflanzlicher und tierischer Nahrungsmittel versorgen. Diese Flexibilität gilt als ein wichtiger Grund dafür, dass der Mensch nahezu jeden Lebensraum der Erde besiedeln konnte – auch dort, wo das Nahrungsangebot je nach Jahreszeit stark schwankte [4].

In populären Diskussionen wird oft das menschliche Gebiss als «Beweis» für eine bestimmte Ernährungsform angeführt. Solche Vergleiche sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten: Die Einordnung des Menschen als Omnivore stützt sich auf das Zusammenspiel vieler anatomischer und physiologischer Merkmale sowie auf die Erforschung der menschlichen Entwicklungsgeschichte, nicht auf ein einzelnes Körpermerkmal [4]. Wichtig ist ausserdem: Dass der Mensch tierische Nahrung verwerten kann, bedeutet nicht automatisch, dass er bestimmte Mengen davon essen muss. Auch eine gut geplante vegetarische Ernährung ist aus gesundheitlicher Sicht möglich [1].

Warum war eine gemischte Ernährung ein Vorteil?

Die Fähigkeit, pflanzliche und tierische Nahrung zu nutzen, verschaffte dem Menschen in der Evolution einen Überlebensvorteil [4]. Anders als im heutigen Supermarkt gab es in der Natur immer wieder Mangelphasen. Wer sich an unterschiedliche Nahrungsquellen anpassen konnte, war weniger von einer einzigen Quelle abhängig und kam besser durch Engpässe.

Hinzu kommt ein biologischer Aspekt: Der menschliche Körper kann viele lebensnotwendige Nährstoffe nicht selbst herstellen und muss sie über die Nahrung aufnehmen. Eine vielfältige Ernährung erhöht die Chance, alle benötigten Nährstoffe abzudecken. Genau hier liegt aber auch der entscheidende Punkt: Nicht das Etikett «omnivor» macht eine Ernährung gesund, sondern die konkrete Auswahl und Zusammenstellung der Lebensmittel.

Wie viel Fleisch ist gesund?

Für gesunde Erwachsene empfehlen das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) maximal zwei bis drei Portionen Fleisch pro Woche, was rund 200 bis 360 Gramm entspricht – Geflügel und verarbeitete Fleischwaren eingerechnet [1]. Eine Portion liegt dabei bei etwa 100 bis 120 Gramm. Tatsächlich liegt der durchschnittliche Konsum in der Schweiz deutlich höher: Pro Person werden rund 50 Kilogramm Fleisch pro Jahr gegessen, also etwa ein Kilogramm pro Woche und damit ungefähr dreimal so viel wie empfohlen [1].

Fleisch liefert hochwertiges Eiweiss sowie Nährstoffe wie Eisen, Zink und Vitamin B12. Gleichzeitig raten die Schweizer Ernährungsempfehlungen dazu, pflanzliche Proteinquellen wie Hülsenfrüchte stärker einzubeziehen und die verschiedenen Eiweissquellen über die Woche abzuwechseln [1].

Wie ist rotes und verarbeitetes Fleisch zu bewerten?

Verarbeitetes Fleisch stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO als krebserregend für den Menschen ein (Gruppe 1), rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend (Gruppe 2A) – jeweils mit Bezug auf Darmkrebs [2]. Zu rotem Fleisch zählt das Muskelfleisch von Säugetieren wie Rind, Schwein, Kalb, Lamm oder Pferd; verarbeitetes Fleisch sind etwa Wurstwaren, Schinken oder Speck.

Die IARC nennt dazu auch Grössenordnungen: Pro 50 Gramm verarbeitetem Fleisch täglich stieg das Darmkrebsrisiko in den ausgewerteten Studien um rund 18 Prozent, pro 100 Gramm rotem Fleisch täglich um etwa 17 Prozent [2]. Diese Werte beschreiben das relative Risiko. Das zusätzliche Risiko für die einzelne Person bleibt nach Einschätzung der Fachleute klein, gewinnt in einer Bevölkerung mit vielen Konsumierenden aber an Bedeutung [2].

Gut zu wissen: Die IARC-Einstufung in «Gruppen» beschreibt, wie stark die wissenschaftlichen Belege für einen Zusammenhang sind – nicht, wie hoch das persönliche Risiko im Alltag ausfällt [2]. Dass verarbeitetes Fleisch in derselben Beleg-Kategorie wie Tabak steht, bedeutet also nicht, dass es gleich gefährlich ist.

Wie ist die Versorgung mit Vitamin B12?

Vitamin B12 ist für die Blutbildung und das Nervensystem wichtig und kommt in nennenswerten Mengen praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor [3]. Wer regelmässig Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte isst, deckt seinen Bedarf in der Regel gut ab. Das Vitamin selbst wird ursprünglich nicht vom Tier, sondern von Mikroorganismen gebildet und gelangt über tierische Lebensmittel zu uns [3].

Weil der Körper Vitamin B12 über Jahre in der Leber speichern kann, macht sich eine Unterversorgung oft erst spät bemerkbar [3]. Ein erhöhtes Risiko für einen Mangel haben vor allem Menschen, die sich vegan ernähren, aber auch Vegetarier:innen sowie ältere Menschen und Personen mit bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen [3]. Wer sich rein pflanzlich ernährt, sollte Vitamin B12 nach ärztlicher Rücksprache als Nahrungsergänzung einnehmen [3]. Ein Mangel lässt sich mit einem Bluttest abklären – sinnvoll ist das vor allem bei den genannten Risikogruppen oder bei anhaltenden Beschwerden.

Ist die omnivore Ernährung gesund?

Eine ausgewogene Mischkost gilt als geeignete Grundlage, um den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen – entscheidend ist aber die konkrete Lebensmittelauswahl, nicht das Etikett «omnivor». Die Schweizer Ernährungsempfehlungen rücken pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen in den Vordergrund und empfehlen einen massvollen Fleischkonsum [1]. Stark verarbeitete Produkte, viel rotes und verarbeitetes Fleisch sowie ein hoher Zucker- und Salzkonsum gelten dagegen als ungünstig [1][2].

Viele Menschen wissen im Grunde, dass mehr Gemüse und weniger Fertigprodukte guttäten – im Alltag fällt die Umsetzung aber oft schwer. Eine individuelle Ernährungsberatung kann dabei helfen, realistische Ziele zu setzen, den eigenen Essalltag einzuordnen und eine Ernährung zu finden, die zum eigenen Leben passt.

Wenn du deine Ernährung umstellen oder ausgewogener gestalten möchtest, findest du auf truVuna Anbieter:innen für Ernährungsberatung in deiner Nähe. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt für ein Beratungsgespräch.

Häufige Fragen zur omnivoren Ernährung

Ist der Mensch ein Fleischfresser oder ein Allesfresser?

Nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand ist der Mensch ein Allesfresser (Omnivore) und kein reiner Fleisch- oder Pflanzenfresser [4]. Im Lauf der Evolution konnte er sich aus pflanzlichen wie tierischen Quellen ernähren. Diese Flexibilität half dabei, sehr unterschiedliche Lebensräume zu besiedeln. Dass der Körper tierische Nahrung verwerten kann, sagt jedoch nichts über eine ideale Menge aus.

Wie viel Fleisch pro Woche wird in der Schweiz empfohlen?

Das BLV und die SGE empfehlen gesunden Erwachsenen maximal zwei bis drei Portionen Fleisch pro Woche, also rund 200 bis 360 Gramm inklusive Geflügel und Wurstwaren [1]. Eine Portion entspricht etwa 100 bis 120 Gramm. Verarbeitetes Fleisch wie Wurst sollte besonders zurückhaltend gegessen werden. Der durchschnittliche Konsum in der Schweiz liegt deutlich über dieser Empfehlung [1].

Bekomme ich als Mischköstler:in genug Vitamin B12?

Wer regelmässig Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte isst, ist meist gut mit Vitamin B12 versorgt, da das Vitamin vor allem in tierischen Lebensmitteln vorkommt [3]. Ein erhöhtes Mangelrisiko besteht vor allem bei veganer Ernährung, teilweise auch bei Vegetarier:innen, älteren Menschen und bei bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen [3]. Im Zweifel lässt sich der Status mit einem Bluttest ärztlich abklären.

Ist eine omnivore Ernährung automatisch gesund?

Nein, eine omnivore Ernährung ist nicht automatisch gesund – entscheidend ist die Auswahl der Lebensmittel. Viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte sowie ein massvoller Fleischkonsum gelten als günstig [1]. Viel rotes und verarbeitetes Fleisch sowie stark verarbeitete Produkte werden dagegen kritischer bewertet [1][2]. Eine Ernährungsberatung kann bei der Umsetzung unterstützen.

Quellen

[1] Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) & Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE), 2024, Schweizer Ernährungsempfehlungen / «Gesund und nachhaltig essen», blv.admin.ch / sge-ssn.ch.

[2] Bouvard V., Loomis D., Guyton K. Z. et al. (International Agency for Research on Cancer, WHO), 2015, Carcinogenicity of consumption of red and processed meat, The Lancet Oncology 16(16):1599–1600, https://doi.org/10.1016/S1470-2045(15)00444-1.

[3] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2024, FAQ «Was ist Vitamin B12?» – bei pflanzenbasierter Ernährung auf eine angemessene Versorgung achten, bfr.bund.de.

[4] Springer Nature (Fachpublikation), Der Mensch als omnivorer Biophage, in: Ernährungsphysiologie/Springer-Buchreihe, link.springer.com.

[5] Deutsches Ärzteblatt, 2015, WHO-Behörde stuft rotes Fleisch und Wurst als krebserregend ein, aerzteblatt.de.

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