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Ein Merkelzellkarzinom ist ein bösartiger Hauttumor mit neuroendokrinen Eigenschaften, der seinen Namen von den Merkelzellen der Haut hat. Diese Merkelzellen sitzen in der äusseren Hautschicht und sind am Tastsinn beteiligt; die Krebszellen ähneln ihnen in mehreren Merkmalen, weshalb der Tumor so bezeichnet wird [1][6]. Fachlich wird er auch als kutanes neuroendokrines Karzinom bezeichnet.
Verglichen mit anderen Hautkrebsarten ist das Merkelzellkarzinom selten: In Europa erkranken pro Jahr etwa zwei bis vier von einer Million Menschen daran, womit es rund 30-mal seltener ist als der schwarze Hautkrebs (Melanom) [6]. Trotz dieser Seltenheit ist der Tumor wichtig, weil er rasch wächst und sich früh ausbreiten kann [1][6].
Typisch ist ein fester, kuppelförmiger, rötlich bis violett gefärbter Knoten, der schnell wächst und in der Regel keine Schmerzen verursacht [1][6]. Er entsteht bevorzugt an Hautstellen, die häufig der Sonne ausgesetzt sind – etwa im Gesicht, am Kopf, im Nacken sowie an Armen und Beinen [2][6].
Gerade weil der Knoten unauffällig wirkt und an eine harmlose Zyste erinnern kann, wird ein Merkelzellkarzinom klinisch nur selten auf den ersten Blick richtig eingeordnet [1][6]. Hellhörig machen sollten vor allem die Kombination aus raschem Wachstum innerhalb von Wochen, fehlenden Schmerzen und dem Auftreten auf sonnengeschädigter Haut bei älteren Menschen.
Sicherheitshinweis: Ein neuer, schmerzloser Hautknoten, der innerhalb weniger Wochen deutlich wächst – besonders auf sonnenexponierter Haut bei Menschen über 50 –, sollte zeitnah dermatologisch abgeklärt werden. Je früher ein Merkelzellkarzinom erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten [1][3].
Die sichere Diagnose erfolgt über eine Gewebeprobe (Biopsie), die feingeweblich und immunhistochemisch untersucht wird [1][2][4]. Da der Tumor auf der Haut wenig charakteristisch aussieht und Ähnlichkeit mit anderen Hautveränderungen haben kann, lässt er sich erst unter dem Mikroskop eindeutig zuordnen [1][2].
Für die Einordnung nutzen Fachleute bestimmte Marker: Merkelzellkarzinome zeigen typischerweise das Zytokeratin CK20 sowie neuroendokrine Marker wie Synaptophysin [1][4]. Nach der Diagnose des Ersttumors wird mit bildgebenden Verfahren nach einer Ausbreitung gesucht – etwa per Ultraschall der Lymphknoten sowie mittels CT, MRT oder PET/CT, um Absiedlungen (Metastasen) zu erkennen [1][6]. Häufig wird zusätzlich der sogenannte Wächterlymphknoten – der dem Tumor am nächsten liegende Lymphknoten – entnommen und untersucht, weil sich Lymphknotenabsiedlungen oft frühzeitig und unbemerkt bilden [1][4].
Wegen der Aggressivität des Tumors und der komplexen Diagnostik wird empfohlen, das Vorgehen bereits bei Erstdiagnose in einem interdisziplinären Tumorboard festzulegen, also in der Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen [1].
Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und kombiniert in der Regel mehrere Verfahren. Bei örtlich begrenzten Tumoren steht die vollständige operative Entfernung mit ausreichendem Sicherheitsabstand im Vordergrund, ergänzt durch die Untersuchung des Wächterlymphknotens [1]. Welche Verfahren im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet das behandelnde Team individuell.
Folgende Bausteine kommen je nach Situation zum Einsatz:
Nach der Behandlung sind regelmässige Kontrollen wichtig, weil Rückfälle vor allem in den ersten Jahren auftreten [1]. In dieser Zeit wird engmaschig nachkontrolliert, später folgen die Termine in grösseren Abständen; das genaue Schema legt das behandelnde Team je nach Stadium und individuellem Risiko fest [1].
Zur Nachsorge gehören neben der körperlichen Untersuchung und dem Abtasten der Lymphknoten auch Ultraschall- und bei Bedarf weitere bildgebende Untersuchungen [1]. Ergänzend ist die regelmässige Selbstkontrolle der Haut sinnvoll: Wer Veränderungen an der ehemaligen Tumorstelle oder neue verdächtige Knoten bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind höheres Lebensalter, intensive UV-Belastung, helle Haut und ein geschwächtes Immunsystem [2][5][6]. Das Merkelzellkarzinom wird im Durchschnitt um das 75. Lebensjahr diagnostiziert, kann aber bei Menschen mit Immunschwäche auch früher auftreten [2].
Im Einzelnen gelten als Risikofaktoren:
Da UV-Strahlung der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist, bleibt konsequenter Sonnenschutz die zentrale Vorbeugung gegen Hautkrebs allgemein: Schatten in den intensiven Mittagsstunden, Kleidung und Hut sowie ergänzend Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor [3].
Gerade weil ein Merkelzellkarzinom rasch wächst, ist es sinnvoll, neue oder sich verändernde Hautstellen ernst zu nehmen und untersuchen zu lassen. Wenn du eine verdächtige Hautveränderung bei dir bemerkst oder regelmässige Hautkontrollen wahrnehmen möchtest, ist eine dermatologische Praxis die richtige Anlaufstelle. Auf truVuna findest du Anbieter:innen für Dermatologie in deiner Nähe – vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Praxen direkt.
Das Merkelzellkarzinom zählt zu den seltenen Hauttumoren, mit in Europa etwa zwei bis vier Neuerkrankungen pro einer Million Menschen und Jahr [6]. Zum Vergleich: In der Schweiz erkranken jährlich rund 3'500 Menschen an einem Melanom und schätzungsweise etwa 25'000 an hellem Hautkrebs – das Merkelzellkarzinom ist demgegenüber deutlich seltener [30 entfällt][3].
In den letzten Jahren wird allerdings eine steigende Häufigkeit beobachtet, was unter anderem mit der alternden Bevölkerung und einer besseren Erkennung zusammenhängen dürfte [1][6]. Betroffen sind überwiegend ältere Menschen; Männer erkranken etwas häufiger als Frauen [2][4].
Die Prognose hängt stark davon ab, in welchem Stadium der Tumor entdeckt wird – je früher und örtlich begrenzter, desto besser [1]. Das Merkelzellkarzinom gilt als aggressiv und neigt zu früher Streuung: Bereits bei der Erstdiagnose hat etwa ein Drittel der Betroffenen Absiedlungen in den regionalen Lymphknoten [6].
Mit zunehmender Ausbreitung verschlechtert sich die Prognose; bei Fernmetastasen war die Aussicht vor Einführung der Immuntherapie deutlich eingeschränkt [1][5]. Die neueren Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren haben die Behandlungsergebnisse beim fortgeschrittenen Merkelzellkarzinom in den letzten Jahren spürbar verbessert [5]. Rückfälle treten vor allem in den ersten zwei Jahren nach der Behandlung auf, weshalb die Nachsorge in dieser Zeit besonders engmaschig ist [1]. Konkrete Überlebenszahlen lassen sich nur im individuellen Fall sinnvoll einordnen – sie hängen von Stadium, Alter, Immunstatus und Therapieansprechen ab und sollten mit dem behandelnden Team besprochen werden.
Ist ein Merkelzellkarzinom ansteckend?
Nein, ein Merkelzellkarzinom ist nicht ansteckend und wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Zwar gilt das weit verbreitete Merkelzell-Polyomavirus als ein möglicher Faktor bei der Entstehung, doch der Tumor selbst ist nicht übertragbar [2][5]. Krebs entsteht durch unkontrolliertes Zellwachstum im Körper der erkrankten Person und kann nicht angesteckt werden.
Tut ein Merkelzellkarzinom weh?
In der Regel verursacht ein Merkelzellkarzinom keine Schmerzen. Typisch ist gerade das schmerzlose, schnelle Wachstum eines festen, rötlichen Knotens [1][6]. Weil Schmerzen oder Juckreiz meist fehlen, wird der Knoten anfangs oft unterschätzt. Genau deshalb sind rasches Wachstum und das Auftreten auf sonnenexponierter Haut wichtige Warnzeichen, die eine zeitnahe Abklärung sinnvoll machen.
Kann man einem Merkelzellkarzinom vorbeugen?
Einen vollständigen Schutz gibt es nicht, doch konsequenter UV-Schutz senkt das Risiko für Hautkrebs allgemein. Empfohlen werden Schatten in den Mittagsstunden, Kleidung und Hut sowie ergänzend Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor; von Solarienbesuchen wird abgeraten [3]. Zusätzlich hilft es, die eigene Haut regelmässig zu beobachten und neue oder wachsende Knoten frühzeitig abklären zu lassen.
Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, sobald ein neuer Hautknoten auffällt, der schnell wächst, schmerzlos ist oder sich verändert – besonders auf sonnenexponierter Haut bei älteren Menschen [1][3]. Da ein Merkelzellkarzinom rasch streuen kann, ist eine zügige dermatologische Beurteilung wichtig. Auch bei Unsicherheit gilt: lieber einmal mehr untersuchen lassen, denn eine frühe Diagnose verbessert die Behandlungsmöglichkeiten.
[1] Becker JC et al., 2023, S2k-Leitlinie Merkelzellkarzinom – Update 2022, JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft / AWMF (Deutsche Krebsgesellschaft), https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/ddg.14930_g
[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Merkelzellkarzinom, https://www.msdmanuals.com/de/heim/hauterkrankungen/hautkrebs/merkelzellkarzinom
[3] Krebsliga Schweiz, Bundesamt für Gesundheit, Suva, Schweizerische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie, Früherkennung und Schutz vor Hautkrebs, https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/frueherkennung/hautkrebs
[4] Deutsche Krebsgesellschaft, ONKO-Internetportal, Merkelzellkarzinom – seltener Hautkrebs, https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/merkelzellkarzinom-seltener-hautkrebs.html
[5] Deutsches Ärzteblatt, 2018, Merkel-Zellkarzinom: Avelumab ist ein neuer Standard, https://www.aerzteblatt.de/archiv/merkel-zellkarzinom-avelumab-ist-ein-neuer-standard-5e2b5477-85fa-4aa8-89ec-34c6b3ef3a26
[6] Universitätsspital Zürich (USZ), Merkelzellkarzinom, https://www.usz.ch/krankheit/merkelzellkarzinom/
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