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Mikroplastik in Kosmetik: erkennen, einordnen und vermeiden

Mikroplastik in Kosmetik: erkennen, einordnen und vermeiden

Ein Peeling, das die Haut angenehm glättet, ein Shampoo, das sich besonders geschmeidig anfühlt – und mittendrin winzige Kunststoffpartikel, die kaum jemand vermutet. Mikroplastik steckt in vielen Pflegeprodukten, oft versteckt hinter komplizierten chemischen Bezeichnungen. Genau hier setzt dieser Überblick an: Du erfährst, was Mikroplastik in Kosmetik eigentlich ist, warum Hersteller es einsetzen, woran du es auf der Verpackung erkennst und welche Alternativen es gibt – und was die neuen EU-Regeln für dich bedeuten.

Was ist Mikroplastik?

Mikroplastik sind feste, synthetisch hergestellte Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind [5]. Eine verbreitete wissenschaftliche Definition fasst darunter feste Polymerpartikel mit einer Grösse von unter fünf Millimetern; besonders kleine Teilchen unter etwa einem Tausendstel Millimeter (ein Mikrometer) werden häufig als Nanoplastik bezeichnet [5].

Fachlich wird zwischen zwei Entstehungswegen unterschieden [3]:

  • Primäres Mikroplastik: Partikel, die gezielt in dieser kleinen Grösse hergestellt und Produkten wie Kosmetika zugesetzt werden.
  • Sekundäres Mikroplastik: Partikel, die entstehen, wenn grössere Kunststoffteile in der Umwelt nach und nach zerfallen.

Ein wichtiger Streitpunkt: Rechtlich gelten in der EU bislang nur feste Kunststoffpartikel als Mikroplastik. Flüssige und gelartige Polymere fallen nicht unter diese Definition – Umweltorganisationen zählen sie dennoch dazu, weil auch sie aus Kunststoff bestehen [1].

Warum steckt Mikroplastik in Kosmetikprodukten?

Mikroplastik übernimmt in Kosmetik verschiedene technische Funktionen – von der mechanischen Reinigung über die Textur bis zu Farbe und Duft [1]. Es ist oft günstig, vielseitig einsetzbar und lange haltbar. Typische Einsatzbereiche sind:

  • Peelings: Feine Kunststoffkügelchen (sogenannte Mikroperlen) reiben abgestorbene Hautschüppchen mechanisch ab.
  • Shampoos und Duschgele: Polymere können ein glattes, geschmeidiges Gefühl erzeugen, ohne die Beschaffenheit von Haut oder Haar tatsächlich zu verändern.
  • Cremes und Lipgloss: Hier dienen Polymere als Binde-, Film- oder Trübungsmittel und sorgen für eine angenehme Konsistenz.
  • Make-up, Lidschatten und Puder: Kunststoffe kommen teils als Füllstoff zum Einsatz.
  • Sonnenprodukte: Polymere können die Wasserfestigkeit verbessern.
  • Zahnpasta: Vereinzelt werden Partikel zur Reinigungsunterstützung zugesetzt.

Woran erkennst du Mikroplastik in Pflegeprodukten?

Mikroplastik erkennst du an den chemischen Polymer-Bezeichnungen in der Inhaltsstoffliste (INCI) auf der Verpackung. Du musst dir nicht alle Begriffe merken – als Faustregel hilft die Vorsilbe „Poly-“, die auf Polymere, also Kunststoffe mit langen Molekülketten, hinweist.

Häufige Kunststoffe in Kosmetik sind unter anderem:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyurethan (PUR)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polystyren (PS)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Acrylate Copolymer und Acrylate Crosspolymer

Da flüssige Polymere oft nicht unter „Poly-“-Begriffe fallen oder schwerer zu erkennen sind, lohnt sich bei Unsicherheit ein Blick auf Naturkosmetik-Zertifizierungen, die synthetische Polymere ausschliessen.

Welche Auswirkungen hat Mikroplastik auf die Umwelt?

Mikroplastik gelangt über Abwasser, Abrieb und Abfälle in die Umwelt, wo es sich nur sehr langsam abbaut und sich mit der Zeit anreichert [2]. Genau das macht es zum Umweltthema: In der Schweiz gelangen jährlich schätzungsweise rund 14'000 Tonnen Makro- und Mikroplastik in Böden und Gewässer; die mit Abstand grösste Quelle ist der Reifenabrieb mit rund 8'900 Tonnen [2].

Kosmetik trägt dazu vergleichsweise wenig bei: Laut einem Bericht des Bundesrats gelangen jährlich etwa drei Tonnen Mikroplastik aus Kosmetika in Gewässer und Böden [3]. Zwar wird aus Kosmetik, Textilien und anderen Anwendungen deutlich mehr ins Abwasser eingetragen, doch der grösste Teil wird in Kläranlagen zurückgehalten – vollständig herausfiltern lassen sich die feinen Partikel jedoch nicht [3]. Was in die Umwelt gelangt, kann von Lebewesen aufgenommen werden; Mikroplastik wurde in der Schweiz bereits im Verdauungstrakt von Fischen und Vögeln nachgewiesen [3].

Ist Mikroplastik in Kosmetik schädlich für die Gesundheit?

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft schätzt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik für den Menschen als eher gering ein – bei gleichzeitig weiterhin offenem Forschungsbedarf [4]. Die meisten Partikel können vom Körper nicht aufgenommen werden, und die aufgenommenen Mengen sind vermutlich zu gering, um gesundheitliche Schäden zu verursachen [4].

Mikroplastik wurde inzwischen in verschiedenen menschlichen Geweben und Körperflüssigkeiten nachgewiesen, etwa im Blut, in der Plazenta und in der Lunge [5]. Solche Funde belegen zunächst aber nur, dass der Körper Mikroplastik ausgesetzt ist – einen ursächlichen Zusammenhang mit Erkrankungen zeigen sie nicht, da bisherige Studien meist nur Zusammenhänge (Assoziationen) und keine Kausalität beschreiben [4].

Eine häufig zitierte, im Auftrag des WWF erstellte Schätzung geht davon aus, dass Menschen im weltweiten Durchschnitt bis zu etwa fünf Gramm Mikroplastik pro Woche aufnehmen könnten – ungefähr das Gewicht einer Kreditkarte [5]. Diese Zahl beruht jedoch auf der Zusammenfassung sehr unterschiedlicher Studien mit teils kleinen Stichproben und ist wissenschaftlich nicht abschliessend gesichert [4]. Den grössten Teil nimmt der Mensch ohnehin über Nahrung, Wasser und Luft auf; Mikroplastik in Kosmetik ist daher vor allem aus Umweltsicht relevant [5].

Was regeln die EU und die Schweiz?

Seit Oktober 2023 schränkt die EU bewusst zugesetztes Mikroplastik schrittweise ein: Kosmetika mit Mikroperlen, wie sie in Peelings vorkamen, dürfen nicht mehr in Verkehr gebracht werden, für andere Produktgruppen gelten Übergangsfristen von bis zu zwölf Jahren [1]. Grundlage ist eine Beschränkung im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH, die eine breit gefasste Definition synthetischer Polymerpartikel unter fünf Millimeter verwendet [1].

Gut zu wissen: Flüssige und gelartige Polymere zählen rechtlich nicht zu den „Mikroplastikpartikeln“ und sind von der EU-Beschränkung ausgenommen. Umweltorganisationen kritisieren dies, weil auch diese Stoffe aus Kunststoff bestehen [1].

Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und nicht verpflichtet, diese Regeln zu übernehmen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) verfolgt die Entwicklungen in der EU jedoch und prüft laufend mögliche Anpassungen, auch wegen der engen wirtschaftlichen Verflechtung [2]. In der Praxis profitieren Konsument:innen in der Schweiz oft indirekt, weil viele Produkte für den gesamten europäischen Markt umgestellt werden.

Welche Alternativen gibt es zu Produkten mit Mikroplastik?

Wer Mikroplastik vermeiden möchte, greift am einfachsten zu zertifizierter Naturkosmetik und achtet auf die Inhaltsstoffliste. Folgende Punkte helfen im Alltag:

  • Auf Siegel achten: Anerkannte Naturkosmetik-Zertifizierungen schliessen synthetische Polymere in der Regel aus.
  • Peelings bewusst wählen: Statt Produkten mit Mikroperlen eignen sich Enzym-Peelings oder Peelings mit natürlichen Körnern wie Salz, Zucker, gemahlenen Kernen oder Kaffeesatz. Auch natürliche Partikel sollten sanft und nicht zu häufig angewendet werden, um die Haut nicht zu reizen.
  • Verpackung mitdenken: Plastiksparende oder plastikfreie Verpackungen verringern zusätzlich die Entstehung von sekundärem Mikroplastik.

Ganz ohne Kompromisse geht es nicht immer: Manche flüssigen Polymere sind schwer zu erkennen, und nicht jede „mikroplastikfrei“-Auslobung ist einheitlich geregelt. Ein prüfender Blick auf die Inhaltsstoffe bleibt daher sinnvoll.

Wenn du deine Pflegeroutine gezielt auf mikroplastikfreie Produkte umstellen oder die für deinen Hauttyp passenden Alternativen finden möchtest, kann eine persönliche Hautberatung weiterhelfen. Auf truVuna findest du Kosmetikstudios und Hautberatung in deiner Nähe – vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt.

Häufige Fragen zu Mikroplastik in Kosmetik

Ist Mikroplastik in Kosmetik in der Schweiz verboten?

Nein, ein generelles Schweizer Verbot gibt es bislang nicht. Die EU schränkt bewusst zugesetztes Mikroplastik seit Oktober 2023 schrittweise ein, etwa Mikroperlen in Peelings [1]. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und nicht zur Übernahme verpflichtet, das BAFU beobachtet die Entwicklung aber und prüft Anpassungen [2]. Viele Produkte werden zudem für den gesamten europäischen Markt umgestellt.

Woran erkenne ich Mikroplastik auf der Inhaltsstoffliste?

Achte in der Inhaltsstoffliste (INCI) auf Bezeichnungen mit der Vorsilbe „Poly-“, etwa Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) oder Polymethylmethacrylat (PMMA). Sie weisen auf Polymere, also Kunststoffe, hin. Da flüssige Polymere schwerer zu erkennen sind, bietet zertifizierte Naturkosmetik, die synthetische Polymere ausschliesst, eine zusätzliche Orientierung.

Ist Mikroplastik in Pflegeprodukten gesundheitsschädlich?

Nach derzeitigem wissenschaftlichem Stand schätzt das BfR das Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik als eher gering ein, bei weiterhin offenem Forschungsbedarf [4]. Die meisten Partikel sind nicht bioverfügbar und die aufgenommenen Mengen vermutlich zu klein für gesundheitliche Schäden [4]. Den Grossteil nimmt der Mensch über Nahrung, Wasser und Luft auf; Mikroplastik in Kosmetik ist vor allem ein Umweltthema [5].

Welche Kosmetik ist frei von Mikroplastik?

Als verlässlichste Orientierung gilt zertifizierte Naturkosmetik, die synthetische Polymere ausschliesst. Zusätzlich hilft ein Blick auf die Inhaltsstoffliste: Produkte ohne „Poly-“-Begriffe und ohne synthetische Filmbildner sind meist die bessere Wahl. Bei Peelings sind Varianten mit natürlichen Partikeln oder Enzymen eine gute Alternative zu Mikroperlen.

Quellen

[1] Europäische Kommission (Vertretung in Deutschland), 2023, Neue EU-Verordnung verhindert Umweltverschmutzung durch Mikroplastik, https://germany.representation.ec.europa.eu/news/neue-eu-verordnung-verhindert-umwelt-verschmutzung-durch-mikroplastik-2023-09-25_de

[2] Bundesamt für Umwelt (BAFU), 2025, Kunststoffe in der Umwelt, https://www.bafu.admin.ch/de/kunststoffe-in-der-umwelt

[3] Der Bundesrat / Bundesamt für Umwelt (BAFU), 2022, Kunststoffe in der Umwelt (Bericht), https://www.bafu.admin.ch/dam/it/sd-web/ry12wAAQGPQG/bericht-kunststoffe-in-der-umwelt-in-erfuellung.pdf

[4] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2025, Mikroplastik – Was wissen wir heute?, https://www.bfr.bund.de/presseinformation/mikroplastik-was-wissen-wir-heute/

[5] Plastic pollution and health, 2023, peer-reviewter Übersichtsartikel, PMC / National Library of Medicine, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10314155/

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