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Trockene Augen entstehen, wenn die Augenoberfläche nicht mehr ausreichend befeuchtet wird – entweder weil zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet wird oder weil sie zu schnell verdunstet [2]. Beide Mechanismen können auch zusammen auftreten. Fachlich spricht man von einer Störung des Tränenfilms, bei der das empfindliche Gleichgewicht der Augenoberfläche aus dem Takt gerät [3].
Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer äusseren Fettschicht aus den Meibom-Drüsen am Lidrand, einer mittleren wässrigen Schicht aus den Tränendrüsen und einer inneren Schleimschicht direkt auf der Hornhaut [2]. Jede Schicht hat eine Aufgabe: Die Fettschicht bremst die Verdunstung, die wässrige Schicht befeuchtet und versorgt die Augenoberfläche, die Schleimschicht sorgt dafür, dass der Film gleichmässig haftet. Mit jedem Lidschlag wird dieser Film neu über das Auge verteilt. Ist eine der Schichten gestört, wird er instabil und reisst zu schnell auf. Häufig liegt das Problem nicht an zu wenig «Wasser», sondern an der Fettschicht: Funktionieren die Meibom-Drüsen nicht richtig, verdunstet der Tränenfilm zu rasch [2][3]. Das erklärt, warum manche Menschen trotz scheinbar feuchter, sogar tränender Augen unter Trockenheit leiden.
Die Ursachen sind vielfältig und reichen von Alltagsgewohnheiten über Umwelteinflüsse bis zu Erkrankungen [2]. Die Häufigkeit steigt mit dem Alter und betrifft Frauen häufiger als Männer [2].
Zu den häufigen Auslösern und Risikofaktoren zählen:
Gerade die Bildschirmarbeit spielt heute eine grosse Rolle. Normalerweise blinzeln wir rund 10 bis 15 Mal pro Minute; bei konzentriertem Blick auf den Monitor sinkt die Lidschlagrate deutlich ab [1]. Dadurch wird der Tränenfilm seltener erneuert und verdunstet stärker – ein Mechanismus, der umgangssprachlich auch «Office-Eye-Syndrom» oder «Büro-Auge» genannt wird. Da wir heute nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit viel auf Smartphone und Tablet blicken, summiert sich die Belastung oft über den ganzen Tag.
Neben den äusseren Faktoren gibt es auch innere Ursachen. Mit den Jahren lässt die Tränenproduktion natürlicherweise nach, und hormonelle Umstellungen können den Tränenfilm zusätzlich verändern [2]. Manche Medikamente begünstigen trockene Augen ebenfalls. Und in einem Teil der Fälle ist die Trockenheit Ausdruck einer übergeordneten Erkrankung – darauf gehen wir im Abschnitt zur Abklärung ein.
Typisch sind ein Trockenheits- oder Fremdkörpergefühl, Brennen, Rötung, müde Augen und – paradoxerweise – auch zeitweise tränende Augen [2]. Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend und verstärken sich im Tagesverlauf oder unter belastenden Bedingungen wie Bildschirmarbeit, trockener Luft oder Wind.
Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, «Sand im Auge» zu haben. Manche bemerken eine schwankende, kurzzeitig verschwommene Sicht, die sich nach dem Blinzeln bessert, oder eine schlechtere Verträglichkeit von Kontaktlinsen. Häufig sind die Augen morgens noch wenig gereizt und werden im Lauf des Tages zunehmend unangenehm, besonders nach langen Phasen am Bildschirm. Dass die Augen zwischendurch tränen, ist kein Widerspruch: Die gereizte Augenoberfläche löst Reflextränen aus, die das eigentliche Problem aber nicht beheben [2]. Bleibt eine ausgeprägte Trockenheit länger unbehandelt, kann sich die Augenoberfläche entzünden [3].
Bei leichten Beschwerden helfen oft schon einfache Anpassungen im Alltag, die den Tränenfilm entlasten und die Verdunstung verringern. Sie setzen genau dort an, wo die häufigsten Auslöser liegen: bei Bildschirmgewohnheiten und Raumklima.
Bewährte Massnahmen sind:
Diese Massnahmen lindern Symptome, ersetzen aber keine Diagnose. Welche Form des trockenen Auges vorliegt und welche Tropfen geeignet sind, lässt sich individuell besser beurteilen – die Auswahl hängt von der Art der Benetzungsstörung ab [2][3]. Wer über Wochen viele Tropfen benötigt oder das Gefühl hat, dass nichts richtig hilft, sollte die Beschwerden fachlich einordnen lassen, statt immer höher dosierte Selbsthilfe zu betreiben.
Eine augenärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder trotz Selbsthilfe nicht besser werden. Auch wenn du dir bei den Symptomen unsicher bist, ist eine Untersuchung der bessere Weg, als auf Verdacht zu behandeln.
Besonders ratsam ist ein Termin bei:
Bei der Untersuchung werden Augenoberfläche und Tränenfilm beurteilt, häufig an der Spaltlampe, und Tränenmenge sowie Tränenfilmstabilität können gemessen werden [2]. Auf dieser Grundlage lässt sich die Behandlung gezielt auswählen; in hartnäckigeren Fällen kommen entzündungshemmende Augentropfen oder kleine Eingriffe wie der Verschluss der Tränenpünktchen infrage [3].
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Warum tränen meine Augen, obwohl sie trocken sind?
Das ist typisch und kein Widerspruch. Die gereizte, schlecht benetzte Augenoberfläche löst eine reflexartige, wässrige Tränenproduktion aus [2]. Diese Reflextränen überdecken das Trockenheitsgefühl kurz, stabilisieren den Tränenfilm aber nicht und fliessen rasch wieder ab. Befeuchtende Augentropfen sind hier oft hilfreicher als der natürliche Reflex.
Helfen Augentropfen aus der Drogerie?
Bei leichten Beschwerden können befeuchtende Augentropfen den Tränenfilm stabilisieren und Linderung verschaffen [2]. Welches Präparat passt, hängt von der Art der Benetzungsstörung ab – bei Verdunstungsproblemen sind oft lipidhaltige Tropfen sinnvoll. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden ist eine augenärztliche Beratung der sicherere Weg.
Können trockene Augen durch den Bildschirm entstehen?
Lange Bildschirmarbeit ist ein häufiger Auslöser. Beim konzentrierten Blick auf den Monitor sinkt die Lidschlagrate stark ab, der Tränenfilm wird seltener erneuert und verdunstet schneller [1]. Pausen nach der 20-20-20-Regel, bewusstes Blinzeln und ein gutes Raumklima können hier viel bewirken.
Sind trockene Augen gefährlich?
In den meisten Fällen sind trockene Augen unangenehm, aber nicht gefährlich. Bleibt eine ausgeprägte Trockenheit jedoch über längere Zeit unbehandelt, kann sich die Augenoberfläche entzünden [3]. Deshalb sollten anhaltende oder schmerzhafte Beschwerden augenärztlich abgeklärt werden.
Was hat das Sjögren-Syndrom mit trockenen Augen zu tun?
Trockene Augen können in einem Teil der Fälle Symptom einer systemischen Erkrankung sein, etwa des Sjögren-Syndroms, einer Autoimmunerkrankung [2]. Hinweise sind trockene Augen zusammen mit trockenem Mund, Müdigkeit oder Gelenkschmerzen. In solchen Fällen ist neben der augenärztlichen auch eine rheumatologische Abklärung sinnvoll.
[1] Berufsverband der Augenärzte Deutschlands / Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (2023). Leitlinie Nr. 11: Trockenes Auge (Sicca-Syndrom) und Blepharitis. https://augeninfo.de/leit/leit11.pdf
[2] Kantonsspital Winterthur (2026). Trockene Augen – Ursachen und Behandlung. https://www.ksw.ch/gesundheitsthemen/trockene-augen/
[3] Craig J. P., Nichols K. K., Akpek E. K. et al. (2017). TFOS DEWS II Definition and Classification Report / Management and Therapy Report. The Ocular Surface, 15(3). https://www.tfosdewsreport.org/
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