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Vitiligo ist eine erworbene Pigmentstörung, bei der die pigmentbildenden Zellen der Haut nach und nach zerstört werden und dadurch weisse Flecken entstehen [2]. Diese Zellen heissen Melanozyten und produzieren das Pigment Melanin, das der Haut ihre Farbe gibt. Werden sie geschädigt oder funktionsunfähig, wird in den betroffenen Arealen kein neues Melanin mehr gebildet – die Haut bleibt dort weiss.
Die Erkrankung gehört zu den häufigsten Pigmentstörungen und betrifft je nach Schätzung bis zu rund zwei Prozent der Bevölkerung weltweit [2]. In einer grossen deutschen Untersuchungsgruppe lag die Häufigkeit bei etwa 0,8 Prozent [5]. Vitiligo kann in jedem Alter beginnen, zeigt sich aber häufig schon im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter [2].
Vitiligo zeigt sich durch weisse, scharf begrenzte Flecken, die nicht oder nur schwach pigmentiert sind und unterschiedlich gross sein können [1]. Die Flecken haben oft unregelmässige Ränder, können von einigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern reichen und mit der Zeit ineinander übergehen. Manche Betroffene bemerken in Phasen, in denen neue Flecken entstehen, einen leichten Juckreiz.
Grundsätzlich können die depigmentierten Stellen am ganzen Körper auftreten. Besonders häufig zeigen sie sich an folgenden Stellen [2]:
Auch Haare, die auf depigmentierten Hautstellen wachsen, können ihre Farbe verlieren und weiss erscheinen.
Mediziner:innen unterscheiden heute vor allem zwei Hauptformen [1]:
Diese Einteilung ist mehr als eine Formalität: Sie beeinflusst, wie aktiv die Erkrankung eingeschätzt wird und welche Behandlung sinnvoll erscheint [1]. Welche Form vorliegt, klärt eine dermatologische Untersuchung.
Die genaue Ursache der Vitiligo ist nicht abschliessend geklärt, nach heutigem Wissensstand handelt es sich aber um eine Autoimmunerkrankung mit genetischer Veranlagung [1][2]. Dabei richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen die eigenen Melanozyten und zerstört sie nach und nach. Da Melanin dann nicht mehr produziert wird, entstehen die typischen weissen Flecken.
Eine genetische Komponente gilt als wahrscheinlich, denn Vitiligo tritt familiär gehäuft auf [2]. Eine Veranlagung bedeutet jedoch nicht, dass die Erkrankung zwangsläufig ausbricht. Als mögliche Auslöser oder Verstärker von Schüben werden unter anderem starke Sonnenbrände und andere Hautreizungen sowie körperlicher und seelischer Stress diskutiert [1]. Manche Betroffene beobachten, dass an gereizten oder verletzten Hautstellen neue Flecken entstehen – ein Hinweis auf eine aktive Erkrankungsphase.
Vitiligo kann gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten, besonders häufig mit Schilddrüsenerkrankungen [1][2]. Weil das Immunsystem bei Autoimmunerkrankungen fehlgesteuert ist, können sich verschiedene solcher Erkrankungen kombinieren. Neben der Schilddrüse betrifft das zum Beispiel den kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata).
Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, bei der Abklärung auch Blutwerte wie die Schilddrüsen- und Blutzuckerwerte zu kontrollieren [2]. Ob und wie engmaschig solche Kontrollen nötig sind, entscheidet die behandelnde Fachperson anhand des individuellen Befunds.
Gut zu wissen: Da Vitiligo mit Schilddrüsenerkrankungen einhergehen kann, gehört eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte häufig zur ärztlichen Abklärung dazu [2]. So lassen sich begleitende Erkrankungen frühzeitig erkennen.
Vitiligo lässt sich meist anhand des typischen Hautbildes erkennen, ergänzt durch ein Gespräch zur Krankengeschichte und gezielte Untersuchungen [2]. Im Anamnesegespräch interessiert die Fachperson unter anderem, seit wann die Flecken bestehen, wo sie sitzen, ob Familienmitglieder betroffen sind und ob weitere Erkrankungen vorliegen.
Zur Absicherung wird die Haut häufig mit einer sogenannten Wood-Lampe betrachtet – einer speziellen UV-Lampe, unter der Vitiligo-Flecken deutlich hervortreten [2]. Andere Tests wie eine Hautbiopsie sind nur selten nötig. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung sinnvoll sein, etwa um Schilddrüsenwerte zu prüfen [2].
Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen heller Hautflecken. Dazu zählen zum Beispiel Pilzinfektionen, eine Hypopigmentierung nach Entzündungen, Pityriasis alba oder die seltene Erbkrankheit Piebaldismus [2]. Diese Unterscheidung ist ein Grund, weshalb helle Hautflecken ärztlich abgeklärt werden sollten, statt sie selbst zu deuten.
Eine Behandlung kann die Vitiligo nicht heilen, aber ihr Fortschreiten bremsen und in vielen Fällen eine teilweise Rückpigmentierung anstossen [2][3]. Welche Massnahme infrage kommt, hängt von der Form, der Ausdehnung, der Krankheitsaktivität und den Wünschen der Betroffenen ab und wird gemeinsam mit der Fachperson entschieden [1].
Die wichtigsten Ansätze im Überblick:
Die Schmalband-UV-B-Phototherapie gilt als am besten dokumentierter Ansatz, vor allem wenn grössere Flächen betroffen sind; sie wird oft mit äusserlichen Wirkstoffen kombiniert [3]. Mit der Ruxolitinib-Creme steht seit Kurzem auch in der Schweiz eine neuere äusserliche Therapie zur Verfügung: Der Wirkstoff wurde Anfang 2025 von Swissmedic für die nicht-segmentale Vitiligo bei Personen ab 12 Jahren zugelassen und seit Juni 2025 unter bestimmten Bedingungen von der Grundversicherung erstattet [4]. Vorgesehen ist sie unter anderem, wenn das Gesicht betroffen ist und zuvor andere äusserliche Mittel angewendet wurden; für bestimmte Personengruppen – etwa über 65-Jährige oder Raucher:innen – gelten besondere Vorsichtshinweise [4].
Wichtig bleibt der Schutz der weissen Hautstellen vor der Sonne: Da ihnen das Pigment als Eigenschutz fehlt, verbrennen sie leicht, und eine langanhaltende ungeschützte Sonnenbelastung kann die Haut schädigen und das Hautkrebsrisiko erhöhen [2]. Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und bedeckende Kleidung sind deshalb sinnvoll.
Nach heutigem Stand der Medizin ist Vitiligo nicht heilbar, viele Flecken bleiben dauerhaft bestehen [2][3]. Mit einer frühzeitigen Behandlung lässt sich das Fortschreiten jedoch oft verlangsamen oder aufhalten, und einzelne Stellen können sich teilweise wieder pigmentieren. In seltenen Fällen bildet sich die Depigmentierung auch spontan, also ohne Behandlung, teilweise zurück [2]. Eine vollständige und dauerhafte Rückbildung aller Flecken ist allerdings die Ausnahme.
Neben der körperlichen Seite spielt die psychische Belastung eine wichtige Rolle: Sichtbare Flecken können das Selbstbild und den Alltag beeinflussen [3][5]. Wer darunter stark leidet, sollte das offen ansprechen – auch psychologische Unterstützung kann Teil der Begleitung sein.
Neu auftretende oder sich ausbreitende helle Hautflecken sollten dermatologisch abgeklärt werden, um die Ursache sicher zu bestimmen [2]. Helle Flecken können verschiedene Ursachen haben, und nur eine fachliche Untersuchung kann Vitiligo von anderen Pigmentstörungen oder Hautveränderungen unterscheiden. Weil ein früher Behandlungsbeginn das Fortschreiten besser aufhalten kann, lohnt es sich, nicht lange zuzuwarten [3].
In der Dermatologie lassen sich die Diagnose stellen, mögliche Begleiterkrankungen erkennen und die passenden Behandlungsschritte gemeinsam besprechen. Auf truVuna findest du Praxen für Dermatologie in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt, um einen Termin zur Abklärung zu vereinbaren.
Ist Vitiligo ansteckend?
Nein, Vitiligo ist nicht ansteckend. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die pigmentbildenden Zellen der Haut angreift [1][2]. Die Erkrankung wird weder durch Berührung noch durch Erreger übertragen. Eine genetische Veranlagung kann allerdings dazu führen, dass Vitiligo in manchen Familien gehäuft vorkommt.
Ist Vitiligo gefährlich?
Vitiligo ist an sich nicht gefährlich und nicht lebensbedrohlich, wird von Fachgesellschaften aber nicht als rein kosmetisches Problem eingestuft [3]. Sie kann seelisch belasten und mit anderen Autoimmunerkrankungen einhergehen. Zudem sind die weissen Hautstellen besonders sonnenempfindlich und brauchen guten Lichtschutz [2].
Kann sich Vitiligo von selbst zurückbilden?
In seltenen Fällen können sich einzelne weisse Flecken spontan teilweise zurückbilden [2]. Häufiger bleiben die Flecken jedoch bestehen oder breiten sich aus. Eine frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten bremsen und eine teilweise Rückpigmentierung unterstützen, eine vollständige Heilung ist nach heutigem Wissen aber nicht möglich [3].
Welche Fachperson behandelt Vitiligo?
Für Diagnose und Behandlung von Vitiligo ist die Dermatologie (Hautärztin oder Hautarzt) zuständig [2]. Dort wird die Diagnose anhand des Hautbildes und ergänzender Untersuchungen gestellt und die passende Therapie besprochen. Bei Hinweisen auf Begleiterkrankungen wie eine Schilddrüsenstörung kann zusätzlich eine weitere fachärztliche Abklärung sinnvoll sein.
[1] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2021, S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo (AWMF-Register-Nr. 013-093), https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-093
[2] MSD Manual (Profi- und Patientenausgabe), 2024, Vitiligo (Pigmentierungsstörungen), https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-der-haut/pigmentierungsst%C3%B6rungen/vitiligo
[3] Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), 2021/2022, Leitlinie zu Diagnose und Therapie der Vitiligo erschienen: Keine kosmetische Störung, sondern eine ernste Autoimmunerkrankung, https://derma.de/presse/detail/leitlinie-zu-diagnose-und-therapie-der-vitiligo-erschienen-keine-kosmetische-stoerung-sondern-eine-ernste-autoimmunerkrankung
[4] Universimed (Schweiz), 2025, Vitiligo – Neues zur Therapie, Dermatologie, https://www.universimed.com/ch/article/dermatologie/vitiligo-neues-therapie-525764
[5] Quality of life, disease burden and healthcare need of patients with vitiligo, 2024, PMC (National Library of Medicine), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC11065915/
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