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Pilates ist ein systematisches, ganzkörperliches Bewegungstraining, das auf den deutschen Anatomielehrer und Bewegungspädagogen Joseph Hubertus Pilates (1883–1967) zurückgeht. Im Zentrum steht die kontrollierte, präzise Ausführung von Übungen – verbunden mit bewusster Atmung und gezieltem Aufbau der Tiefenmuskulatur, insbesondere im Bereich von Rumpf, Becken und Wirbelsäule.
Joseph Pilates nannte seine Methode ursprünglich «Contrology» – die Kunst der Kontrolle. Sein Ansatz beruhte auf sechs Grundprinzipien, die bis heute jede Pilates-Stunde prägen:
Diese Prinzipien machen Pilates zu einem Trainingssystem, das deutlich über reine Gymnastik hinausgeht. Es verbindet körperliches Training mit Körperwahrnehmung und mentaler Konzentration – ähnlich wie Yoga, aber ohne dessen spirituelle Tradition.
Joseph Hubertus Pilates wurde 1883 in Mönchengladbach geboren und entwickelte seine Methode in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Während des Ersten Weltkriegs war er als deutscher Staatsbürger in Grossbritannien interniert und arbeitete in dieser Zeit erstmals systematisch an einem Übungssystem für Bewegungsmangel-bedingte Beschwerden – auch mit improvisierten Geräten aus Krankenhausbetten und Federn, die Vorläufer des heutigen Reformers wurden.
Nach dem Krieg arbeitete Pilates kurze Zeit in Hamburg, bevor er 1926 in die USA emigrierte. In New York eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Clara Pilates ein Studio in der Achten Avenue, in dem er sein System unterrichtete. Besonders die New Yorker Tanzszene – mit Choreografen wie George Balanchine und Martha Graham – machte die Methode bekannt, weil sie Tänzer:innen half, sich nach Verletzungen zu rehabilitieren und ihre Körperkontrolle zu vertiefen [1].
Erst nach Pilates' Tod 1967 verbreitete sich die Methode weltweit. Heute gibt es zahlreiche Schulen und Verbände, die unterschiedliche Akzente setzen – von puristischen «klassischen Pilates»-Schulen, die sich eng an Pilates' Original-Übungen halten, bis zu «zeitgenössischen» Strömungen, die Erkenntnisse aus Physiotherapie und Sportwissenschaft integriert haben.
Wenn dieser Artikel von «Pilates» spricht, ist primär das klassische Mat-Pilates und das Reformer-Pilates in seinen heute verbreiteten Formen gemeint. Markenmethoden wie Lagree Fitness™ / Booster Pilates sind eigenständige, deutlich intensivere Workout-Konzepte – sie folgen anderen Prinzipien und werden in einem eigenen Ratgeber behandelt.
Die wissenschaftliche Forschung zu Pilates hat in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen. Am besten untersucht ist der Effekt von Pilates bei chronischen Rückenschmerzen – einem der häufigsten Beschwerdebilder weltweit.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 36 randomisierten kontrollierten Studien zeigt, dass Pilates bei chronischen Kreuzschmerzen Schmerzintensität und funktionelle Beeinträchtigung verringern kann – mit Effekten, die über jene von «no exercise»-Vergleichsgruppen hinausgehen [2]. Eine weitere Metaanalyse weist Pilates ebenfalls einen positiven Effekt auf Schmerz und funktionelle Einschränkung zu, mit weniger deutlichem Effekt auf die Lebensqualität [3]. Eine systematische Übersicht zu Pilates bei gesunden Erwachsenen findet zudem Hinweise auf Verbesserungen bei muskulärer Kraft, Flexibilität und Gleichgewicht [4].
Konkret zeigen Studien:
Wichtig zur Einordnung: Die berichteten Effekte sind vielversprechend, sollten aber vorsichtig interpretiert werden. Die methodische Qualität der Pilates-Studien ist heterogen, und Pilates ist anderen Bewegungsformen nicht prinzipiell überlegen, sondern vergleichbar wirksam wie andere systematische Bewegungs- und Trainingsformen [2, 3]. Pilates ersetzt zudem keine medizinische Behandlung bei behandlungsbedürftigen Beschwerden – es kann eine sinnvolle Ergänzung sein.
Pilates ist nicht gleich Pilates. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich verschiedene Stile und Formen entwickelt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die wichtigsten Stile im Überblick:
Wichtigste Erkenntnis: Mat-Pilates ist der einfachste Einstieg – es braucht nur eine Matte und passt in jede Wohnung. Reformer- und Tower-Pilates bieten mehr Vielfalt durch Federwiderstand, sind aber an Studios gebunden. Klinisches Pilates wird oft physiotherapeutisch begleitet, während Lagree Fitness eine klar abweichende, deutlich intensivere Markenmethode ist.
Eine der häufigsten Fragen von Einsteiger:innen: «Soll ich mit Pilates oder Yoga beginnen?» Beide Methoden haben Gemeinsamkeiten, aber auch klare Unterschiede. Die wichtigsten Merkmale im Vergleich:
Wichtigste Erkenntnis: Pilates ist klarer auf körperliche Funktion (Kraft, Stabilität, Haltung) ausgerichtet, Yoga verbindet Bewegung mit einer breiteren Praxis aus Atmung, Meditation und Philosophie. Wer vor allem gezielt die Tiefenmuskulatur stärken und seine Haltung verbessern möchte, ist mit Pilates oft schneller am Ziel. Wer Beweglichkeit und mentale Ruhe sucht, findet eher im Yoga seinen Weg. Beide Methoden lassen sich auch sehr gut kombinieren.
Pilates gilt als gelenkschonendes, niedrig-impactives Training und ist für viele Menschen geeignet:
Mit Vorsicht oder nach ärztlicher Abklärung sollte Pilates angegangen werden bei: akuten Bandscheibenproblemen, frischen Operationen, schweren Bluthochdruck-Episoden oder unklaren Schmerzen. Ein Erstgespräch mit einer qualifizierten Trainerin oder einem Physiotherapeuten klärt, welche Übungen geeignet sind.
Beide Wege haben ihre Berechtigung – es kommt auf deine Ziele und deine Voraussetzungen an:
Pilates im Studio bietet:
Pilates zu Hause bietet:
Für den Einstieg empfiehlt sich oft eine Mischform: Erst einige Studio-Stunden, um die Bewegungsausführung zu lernen und individuelle Korrekturen zu bekommen, dann mit YouTube, App oder Buch zu Hause weiterüben. Wer ohne Anleitung beginnt, riskiert Fehlbelastungen, die im schlimmsten Fall Beschwerden verschlimmern statt lindern.
Die Kosten für Pilates variieren je nach Format und Region. Typische Spannen [5]:
Die Spannen sind Orientierungswerte und variieren je nach Stadt, Studio und Lehrperson. Reformer-Pilates ist in der Regel teurer als Mat-Pilates, weil die Geräteausstattung und kleinere Gruppengrössen aufwendiger sind. Klinisches Pilates kann bei ärztlicher Verordnung über die Grundversicherung oder Zusatzversicherung abgerechnet werden – das hängt vom Anbieter und der individuellen Situation ab und sollte mit der Krankenkasse vorab geklärt werden.
Pilates ist allgemein gelenkschonend und sicher. Damit du nachhaltig profitierst, sind einige Punkte hilfreich:
Wenn du unsicher bist, welche Form für dich passt, sind Schnupper- oder Probestunden ideal. Viele Studios bieten kostenlose oder vergünstigte Einstiegsstunden an.
Auf truVuna findest du Yoga- und Pilates-Studios in deiner Nähe – vom klassischen Mat-Pilates über Reformer- bis zu spezialisierten Studios. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen, um einen Einstieg zu finden, der zu deinen Bedürfnissen passt – und kontaktiere die Anbieter:innen direkt für ein Erstgespräch oder eine Probestunde.
Erste Effekte – bessere Körperwahrnehmung, ruhigere Atmung, eine festere Mitte – berichten viele bereits nach 2 bis 4 Wochen regelmässiger Praxis (ca. zwei Einheiten pro Woche). Spürbare Veränderungen in Kraft, Haltung und Beweglichkeit zeigen sich meist nach 8 bis 12 Wochen. Pilates ist eine Methode, die Geduld belohnt – wer dranbleibt, erreicht meist mehr als wer kurzfristig hohe Intensität sucht.
Ja. Auch wenn Pilates oft als «weibliches» Training wahrgenommen wird, ist es für alle Geschlechter konzipiert und insbesondere bei Sportlern und Tänzern fest etabliert. Joseph Pilates selbst war Boxer, Turner und Selbstverteidiger – sein System richtete sich ursprünglich an alle Menschen. Krafttraining-erfahrene Männer empfinden Pilates oft als überraschend anspruchsvoll, weil Tiefenmuskulatur und Körperkontrolle anders gefordert werden als beim klassischen Hanteltraining.
Pilates kann chronische Rückenschmerzen lindern, ist aber kein «Heilmittel». Studien zeigen positive Effekte auf Schmerzintensität und funktionelle Beeinträchtigung bei chronischen Kreuzschmerzen. Bei akuten oder unklaren Rückenschmerzen sollte vor Trainingsbeginn ärztlich abgeklärt werden, welche Übungen geeignet sind. Klinisches Pilates – durchgeführt durch Physiotherapeut:innen mit Pilates-Zusatzausbildung – kann bei medizinisch relevanten Rückenbeschwerden besonders sinnvoll sein.
Für den Einstieg reicht eine Yogamatte und bequeme Kleidung. Wer regelmässig zu Hause übt, kann eine Pilates-Rolle oder einen Soft-Ball ergänzen – beides ist günstig und vielseitig einsetzbar. Reformer- oder Tower-Pilates erfordern hingegen Studio-Geräte, die im Privatbereich nur in Ausnahmefällen sinnvoll sind. Online-Kurse und Apps helfen, zu Hause strukturiert zu üben.
Wells C, Kolt GS, Bialocerkowski A. (2012). Defining Pilates exercise: A systematic review. Complementary Therapies in Medicine, 20(4):253–262. PubMed: 22579438
Hofstetter L, Häusler M, Rotzler S, et al. (2023). Effectiveness of Pilates exercise on low back pain: a systematic review with meta-analysis. Disability and Rehabilitation, 46(16). PubMed: 37632387
Yu Z, Yin Y, Wang J, et al. (2023). Efficacy of Pilates on Pain, Functional Disorders and Quality of Life in Patients with Chronic Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis. International Journal of Environmental Research and Public Health. PMC9956295
Cruz-Ferreira A, Fernandes J, Laranjo L, et al. (2011). A Systematic Review of the Effects of Pilates Method of Exercise in Healthy People. Archives of Physical Medicine and Rehabilitation, 92(12):2071–2081. PubMed: 22133255
Schröpfen gehört zu den ältesten bekannten Heilverfahren und erlebt heute – etwa im Sport, in der Naturheilkunde und in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – wieder viel Zuspruch. Bei der Methode werden Gläser oder Saugnäpfe auf die Haut gesetzt; der dabei entstehende Unterdruck regt die örtliche Durchblutung an und soll Verspannungen lösen. Welche Wirkung beim Schröpfen tatsächlich nachvollziehbar ist, welche Vorstellungen aus der Tradition stammen, welche Methoden es gibt, was eine Behandlung in der Schweiz kostet und worauf du bei der Sicherheit achten solltest, erfährst du in diesem Ratgeber.
Plötzlich erscheint ein Gegenstand zweifach – nebeneinander, übereinander oder leicht versetzt. Das nennt sich Diplopie, im Alltag „Doppelbilder sehen“. Manchmal steckt eine harmlose Ursache dahinter, etwa Müdigkeit. Doppelbilder können aber auch ein Warnzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein. Dieser Beitrag erklärt, wie Doppelbilder entstehen, welche Ursachen infrage kommen, wann es schnell gehen muss und wie eine Abklärung abläuft.
„Fettverbrennung ankurbeln“ – kaum ein Versprechen taucht in Diättipps häufiger auf. Doch was steckt dahinter, und welche Massnahmen bringen wirklich etwas? Kurz gesagt: Fett verlierst du vor allem dann, wenn dein Körper über den Tag mehr Energie verbraucht, als er über die Nahrung aufnimmt. Bewegung, ausreichend Eiweiss, genug Schlaf und ein gelassener Umgang mit Stress können dich dabei unterstützen. Einzelne „Wundermittel“ oder Lebensmittel, die Fett von allein schmelzen lassen, gibt es hingegen nicht. Dieser Ratgeber ordnet die bekanntesten Tipps rund um Fettverbrennung und Stoffwechsel ein, trennt verbreitete Mythen von belegtem Wissen und zeigt dir, worauf es im Alltag wirklich ankommt.
Stärke ist ein Polysaccharid (Mehrfachzucker) und damit ein Kohlenhydrat. Sie kommt in der Natur vor allem in Kartoffeln, Reis, Weizen und Maniok vor. Stärke hat stabilisierende, bindende und verdickende Eigenschaften, weshalb sie vor allem zum Abbinden von Sossen verwendet wird. Für die industrielle Verarbeitung von Lebensmitteln hat natürliche Stärke keine optimalen Eigenschaften. Erst durch eine Modifikation entspricht sie exakt den Produktionsbedürfnissen. Das Ergebnis ist die modifizierte Stärke – ein Zusatzstoff auf pflanzlicher Basis. Modifizierte Stärke quillt besser auf und ist kälte- und hitzestabiler als das Otiginal. Hier erfährst du Wissenswertes zur Kennzeichnung und Verwendung von modifizierter Stärke in der Ernährung.
Ein störendes Muttermal im Gesicht, ein erhabener Leberfleck, der ständig an der Kleidung reibt, oder ein Fleck, der sich verändert hat – es gibt viele Gründe, über das Entfernen eines Muttermals nachzudenken. Wichtig ist dabei eines: Bevor ein Muttermal entfernt wird, sollte immer eine dermatologische Beurteilung stehen. Denn die Methode hängt davon ab, ob das Muttermal eindeutig gutartig ist oder ob eine bösartige Veränderung ausgeschlossen werden muss. Dieser Ratgeber erklärt die gängigen Methoden, was sie in der Schweiz ungefähr kosten, warum du ein Muttermal nie selbst entfernen solltest und woran du auffällige Hautveränderungen erkennst.
Eine Schambeinentzündung – medizinisch Osteitis pubis – macht sich meist durch Schmerzen im Bereich des vorderen Beckens bemerkbar, die in die Leiste, die Hüfte oder den Unterbauch ausstrahlen können. Trotz des Namens steckt dahinter in den allermeisten Fällen keine bakterielle Entzündung, sondern eine schmerzhafte Überlastungsreaktion der Schambeinfuge und der umliegenden Strukturen [1]. Sie betrifft häufig sportlich aktive Menschen, kann aber auch in der Schwangerschaft auftreten. Die gute Nachricht: Die Beschwerden bilden sich in der Regel von selbst zurück – allerdings brauchst du dafür oft Geduld. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die typischen Anzeichen erkennst, welche Ursachen dahinterstecken, wie lange eine Schambeinentzündung dauert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.