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Asparaginsäure: Funktion, Vorkommen und Wirkung im Überblick

Asparaginsäure: Funktion, Vorkommen und Wirkung im Überblick

Asparaginsäure taucht immer wieder in Diskussionen über Eiweiss, Sportnahrung und Süssstoffe auf – mal als angeblicher Testosteron-Booster, mal im Zusammenhang mit Acrylamid oder Aspartam. Dahinter steckt schlicht eine Aminosäure, also ein Baustein von Eiweissen, die dein Körper grösstenteils selbst herstellt. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was Asparaginsäure im Organismus tut, in welchen Lebensmitteln sie vorkommt und wie belastbar die Versprechen rund um Nahrungsergänzungsmittel mit D-Asparaginsäure tatsächlich sind.

Was ist Asparaginsäure?

Asparaginsäure ist eine nicht-essenzielle Aminosäure, die dein Körper selbst bilden kann und deshalb nicht zwingend über die Nahrung aufnehmen muss. Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine von Proteinen. Von den rund zwanzig Aminosäuren, aus denen der Mensch seine Eiweisse zusammensetzt, sind neun essenziell – sie müssen über das Essen zugeführt werden, weil der Körper sie nicht herstellen kann. Asparaginsäure gehört nicht dazu: Sie wird im Stoffwechsel laufend neu gebildet.

Weil sie zudem in nahezu allen eiweisshaltigen Lebensmitteln vorkommt, ist ein Mangel bei normaler Ernährung praktisch nicht zu erwarten. Im Körper wird Asparaginsäure auch als Aspartat bezeichnet – das ist die Form, in der die Säure unter den Bedingungen im Organismus überwiegend vorliegt.

Worin unterscheiden sich L- und D-Asparaginsäure?

L- und D-Asparaginsäure sind zwei spiegelbildliche Varianten desselben Moleküls, von denen nur die L-Form als Baustein von Proteinen dient. Solche spiegelbildlichen Formen entstehen, weil das Molekül in zwei räumlichen Anordnungen vorliegen kann – ähnlich wie linke und rechte Hand. Die L-Form ist die natürliche, in Eiweissen verbaute Variante.

Die D-Form (oft abgekürzt als DAA für «D-Aspartic Acid») kommt in lebenden Organismen deutlich seltener vor und ist nicht Bestandteil von Proteinen. Sie lässt sich in geringen Mengen in bestimmten Geweben sowie in einzelnen pflanzlichen und verarbeiteten Lebensmitteln nachweisen. Genau diese D-Form wird als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet – worauf der Abschnitt zum Testosteron weiter unten eingeht.

Welche Funktionen hat Asparaginsäure im Körper?

Asparaginsäure ist vor allem am Eiweissaufbau, am Stickstoff- und Energiestoffwechsel sowie an der Signalübertragung im Nervensystem beteiligt. Als proteinogene Aminosäure ist sie ein Baustein zahlreicher Körpereiweisse. Darüber hinaus spielt Aspartat eine Rolle im Harnstoffzyklus, über den der Körper stickstoffhaltige Abbauprodukte unschädlich macht und ausscheidet, sowie als Ausgangsstoff bei der Bildung der Erbsubstanz (Nukleotide).

Im Gehirn wirkt Aspartat zudem als sogenannter Neurotransmitter – ein Botenstoff, der Signale von einer Nervenzelle zur nächsten weiterleitet, ähnlich wie die verwandte Glutaminsäure. Die genauen Mechanismen sind nicht in allen Details geklärt, die grundlegende Beteiligung am Stoffwechsel gilt aber als gut etabliertes Lehrbuchwissen.

In welchen Lebensmitteln steckt Asparaginsäure?

Asparaginsäure steckt vor allem in eiweissreichen Lebensmitteln – darunter Hülsenfrüchte, Nüsse, Kartoffeln, Spargel sowie Fleisch und Fisch. Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt in der Regel mehr als genug davon auf. Ein Überschuss ist nach derzeitigem Kenntnisstand unproblematisch, weil der Körper überschüssige Aminosäuren über den normalen Stoffwechsel abbaut.

Der Name verrät die Herkunft: Asparaginsäure ist eng mit der Aminosäure Asparagin verwandt, die erstmals aus Spargel (botanisch Asparagus officinalis) gewonnen wurde. Der typische Geruch des Urins nach einer Spargelmahlzeit geht übrigens nicht auf Asparaginsäure zurück, sondern auf schwefelhaltige Abbauprodukte des Spargels.

Kann D-Asparaginsäure den Testosteronspiegel erhöhen?

Nach derzeitigem Forschungsstand gibt es keinen überzeugenden Beleg, dass D-Asparaginsäure als Nahrungsergänzungsmittel den Testosteronspiegel zuverlässig erhöht oder den Muskelaufbau fördert. Anbieter bewerben DAA-Präparate gerne als «Testosteron-Booster». Diese Werbeversprechen stützen sich vor allem auf Tierversuche und einzelne kleine Studien.

Eine systematische Übersichtsarbeit, die Tier- und Humanstudien ausgewertet hat, fand zwar in Tiermodellen Hinweise auf einen Anstieg des Testosterons, beim Menschen jedoch widersprüchliche Ergebnisse – und stuft die Datenlage als spärlich und qualitativ schwach ein [4]. Eine kontrollierte Studie mit krafttrainierten Männern kam zum Schluss, dass DAA weder den Testosteronspiegel noch die Trainingsergebnisse messbar verbesserte [5]. In einer weiteren Untersuchung senkte eine hohe Tagesdosis von sechs Gramm den Testosteronwert sogar, während drei Gramm keinen Effekt zeigten [6]. Insgesamt lässt sich aus den vorliegenden Daten kein verlässlicher Nutzen ableiten; gesundheitsbezogene Werbeaussagen für solche Präparate sind in der Schweiz zudem nur in zugelassener Form erlaubt.

Welche Risiken sind mit Asparaginsäure verbunden?

Über die normale Ernährung gilt Asparaginsäure als unbedenklich – relevant sind vor allem zwei indirekte Zusammenhänge: Acrylamid und der Süssstoff Aspartam. Beim starken Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel über etwa 120 °C kann sich Acrylamid bilden. Ausgangsstoffe sind reduzierende Zucker und die Aminosäure Asparagin (die nahe Verwandte der Asparaginsäure) [2]. Acrylamid wirkte in Tierversuchen erbgutschädigend und krebserregend, weshalb Fachbehörden die Aufnahme als gesundheitlich bedenklich einstufen und empfehlen, sie so gering wie möglich zu halten [2][3].

Gut zu wissen: Auslöser der Acrylamidbildung ist nicht die Asparaginsäure selbst, sondern die eng verwandte Aminosäure Asparagin. Die beiden Namen werden oft verwechselt, bezeichnen aber unterschiedliche Stoffe [2].

In der Praxis lässt sich die Acrylamidbildung beim Kochen begrenzen: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) rät dazu, stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffelprodukte nicht zu lange und nicht zu heiss zuzubereiten – kurz gesagt «vergolden statt verkohlen» [3].

Der zweite Zusammenhang betrifft den Süssstoff Aspartam, der im Körper unter anderem zu Asparaginsäure abgebaut wird. Nach Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gilt Aspartam in den üblichen Mengen als sicher; eine Ausnahme bilden Menschen mit der seltenen Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie (PKU), die Aspartam meiden müssen – allerdings wegen des ebenfalls enthaltenen Phenylalanins, nicht wegen der Asparaginsäure [1].

Steht Asparaginsäure auf der Doping-Liste?

Nein, Asparaginsäure zählt nicht zu den verbotenen Substanzen im Sport. Es handelt sich um eine körpereigene Aminosäure, die in zahlreichen Alltagslebensmitteln wie Kartoffeln, Spargel, Nüssen oder Hülsenfrüchten vorkommt und die der Organismus ohnehin selbst bildet. Eine Substanz mit diesen Eigenschaften flächendeckend zu verbieten, wäre kaum praktikabel. Da zudem kein verlässlicher leistungssteigernder Effekt belegt ist (siehe Abschnitt zum Testosteron), besteht dafür auch kein Anlass.

Häufige Fragen zu Asparaginsäure

Ist Asparaginsäure essenziell?

Nein, Asparaginsäure ist eine nicht-essenzielle Aminosäure. Das bedeutet, dass dein Körper sie selbst herstellen kann und du sie nicht zwingend über die Nahrung aufnehmen musst. Sie kommt ausserdem in fast allen eiweisshaltigen Lebensmitteln vor. Ein Mangel allein durch zu wenig Asparaginsäure ist bei normaler, ausgewogener Ernährung deshalb nicht zu erwarten.

Was ist der Unterschied zwischen Asparaginsäure und Asparagin?

Asparaginsäure und Asparagin sind zwei eng verwandte, aber unterschiedliche Aminosäuren. Asparaginsäure besitzt eine saure Seitenkette, Asparagin eine neutrale. Im Stoffwechsel können sie ineinander umgewandelt werden. Wichtig ist die Unterscheidung beim Thema Acrylamid: Ausgangsstoff für dessen Bildung beim Erhitzen ist das Asparagin, nicht die Asparaginsäure [2].

Bringt D-Asparaginsäure als Supplement etwas für den Muskelaufbau?

Nach aktueller Studienlage ist kein verlässlicher Nutzen für den Muskelaufbau belegt. Kontrollierte Untersuchungen an krafttrainierten Männern fanden keine messbare Verbesserung von Testosteron oder Trainingsergebnissen, in einem Fall sank der Testosteronwert bei hoher Dosierung sogar [5][6]. Die vorhandenen Humandaten gelten als wenige und qualitativ schwach [4].

Wie kann ich die Acrylamidaufnahme beim Kochen senken?

Stärkehaltige Lebensmittel schonend zubereiten – nicht zu lange und nicht zu heiss. Das BLV empfiehlt, Kartoffelprodukte und Gebäck nur goldgelb statt dunkelbraun zu garen («vergolden statt verkohlen») und beim Frittieren rechtzeitig zu stoppen [3]. Rohe, nicht erhitzte Lebensmittel enthalten praktisch kein Acrylamid.

Quellen

[1] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), 2013, Aspartam: EFSA schliesst vollständige Risikobewertung ab und kommt zum Schluss, dass es in den derzeitigen Expositionsmengen sicher ist, EFSA, https://www.efsa.europa.eu/en/press/news/131210

[2] EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM), 2015, Scientific Opinion on acrylamide in food, EFSA Journal, https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2015.4104

[3] Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Acrylamid, BLV, https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel-und-ernaehrung/lebensmittelsicherheit/stoffe-im-fokus/kontaminanten/acrylamid.html

[4] Roshanzamir F. und Safavi S. M., 2017, The putative effects of D-Aspartic acid on blood testosterone levels: A systematic review, International Journal of Reproductive BioMedicine, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5340133/

[5] Melville G. W., Siegler J. C. und Marshall P. W. M., 2017, The effects of d-aspartic acid supplementation in resistance-trained men over a three month training period: A randomised controlled trial, PLOS ONE, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5571970/

[6] Melville G. W., Siegler J. C. und Marshall P. W., 2015, Three and six grams supplementation of d-aspartic acid in resistance trained men, Journal of the International Society of Sports Nutrition, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4384294/

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