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Das Lisfranc-Gelenk ist die Verbindung zwischen der Fusswurzel und den Mittelfussknochen – fachlich auch Tarsometatarsalgelenk (TMT-Gelenk) genannt. [1][2] Es liegt etwa in der Mitte des Fussrückens und verbindet die fünf Mittelfussknochen mit den dahinterliegenden Fusswurzelknochen.
Der Name geht auf den französischen Chirurgen Jacques Lisfranc de St. Martin (1787–1847) zurück, der eine Verletzung in diesem Bereich beschrieb. [3] Heute fasst der Begriff „Lisfranc-Gelenk" einen ganzen Komplex aus Knochen, Gelenken und Bändern zusammen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte Lisfranc-Band: ein kräftiges Band, das den zweiten Mittelfussknochen mit einem der Fusswurzelknochen (dem inneren Keilbein) verbindet. [1] Es gilt als wichtigster Stabilisator dieses Gelenkbereichs. [2] Zusammen bilden die Knochen einen leicht gewölbten Bogen, ähnlich einem Brückenbogen, der dem Mittelfuss seine Stabilität gibt. [2] Diese Bauweise erklärt, warum der Bereich Belastungen beim Gehen, Laufen und Springen gut standhält – aber bei bestimmten Krafteinwirkungen verletzlich ist.
Von einer Lisfranc-Verletzung spricht man, wenn einer oder mehrere Mittelfussknochen aus ihrer normalen Position verschoben werden (Luxation) und/oder brechen (Fraktur). [1][2] Häufig sind dabei Bänder und Knochen gleichzeitig betroffen. [2]
Diese Verletzung ist selten – und sie wird häufig übersehen: Schätzungen zufolge wird rund jede fünfte Lisfranc-Verletzung anfangs nicht oder erst verspätet erkannt, vor allem bei leichteren Unfallmechanismen. [3] Sie entsteht typischerweise durch zwei Mechanismen: durch direkte Gewalteinwirkung (etwa wenn ein schwerer Gegenstand auf den Fuss fällt oder bei einem Verkehrsunfall) oder durch eine indirekte Drehbewegung, bei der der Fuss in gestreckter Stellung verdreht oder gestaucht wird. [1] Letzteres kann beispielsweise beim Sport passieren, etwa wenn man unglücklich auf dem nach unten gestreckten Fuss landet. [1]
Wichtig: Eine Lisfranc-Verletzung wird in der Anfangsphase häufig übersehen, weil die Anzeichen auf den ersten Blick einer einfachen Verstauchung ähneln können. [4] Bleibt sie unerkannt oder wird verzögert behandelt, drohen anhaltende Schmerzen, ein Einsinken des Fussgewölbes und vorzeitiger Gelenkverschleiss (Arthrose). [1][3] Bei starken Mittelfussschmerzen nach einem Unfall solltest du den Fuss deshalb ärztlich abklären lassen.
Die Beschwerden hängen vom Ausmass der Verletzung ab. Typische Anzeichen sind:
Keines dieser Zeichen beweist für sich allein eine Lisfranc-Verletzung – aber in Kombination sind sie ein Grund, den Fuss zeitnah untersuchen zu lassen. Da die Beschwerden einer harmlosen Verstauchung ähneln können, ist die ärztliche Einordnung entscheidend.
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt – in der Regel in der Orthopädie oder Unfallchirurgie. Zur Untersuchung gehören ein Abtasten und Bewegungstests des Fusses sowie bildgebende Verfahren. [1]
Wichtig sind dabei Röntgenaufnahmen unter Belastung, also während der Fuss das Körpergewicht trägt. [1] Dabei kann sichtbar werden, ob sich der Abstand zwischen erstem und zweitem Mittelfussknochen vergrössert – ein wichtiger Hinweis auf eine Instabilität. [1] Weil feine Verletzungen im Röntgenbild leicht übersehen werden, kommt bei unklaren Fällen häufig eine Computertomografie (CT) zum Einsatz, die feinere Knochendetails zeigt. [1][3]
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob die Knochen verschoben sind und wie stabil das Gelenk ist. Die Entscheidung trifft die behandelnde Fachperson auf Basis der Befunde.
Die grundsätzlichen Behandlungswege im Überblick:
Bei stabilen Verletzungen ohne Verschiebung kann eine nicht-operative (konservative) Behandlung ausreichen: Der Fuss wird über mehrere Wochen ruhiggestellt und entlastet, begleitet von Röntgenkontrollen, um sicherzustellen, dass sich die Knochen nicht verschieben. [3][5]
Sind die Knochen verschoben oder das Gelenk instabil, ist meist eine Operation nötig. Dabei werden die Knochen wieder in die richtige Position gebracht und mit Schrauben oder Platten stabilisiert. [1][3] Eine genaue Wiederherstellung der Knochenstellung gilt als wichtigster Faktor für ein gutes Ergebnis. [3]
Nach der ärztlichen Erstbehandlung – ob mit Gips oder Operation – beginnt die eigentliche Genesung. Hier kommt die Physiotherapie ins Spiel: Sie unterstützt den Weg zurück zu Beweglichkeit, Kraft und sicherem Gehen.
Typischerweise verläuft die Rehabilitation in Phasen. In den ersten Wochen stehen Ruhigstellung, Schonung und das Abschwellen im Vordergrund; der Fuss wird oft nur teilweise oder gar nicht belastet, und Gehhilfen kommen zum Einsatz. [6] In den späteren Phasen wird die Belastung schrittweise gesteigert. [5][6] Wie schnell das geschehen darf, legt das Behandlungsteam individuell fest – abhängig von Verletzung, Behandlungsweg und Heilungsverlauf.
Je nach Phase kann die Physiotherapie an unterschiedlichen Zielen ansetzen:
Studien zur Rehabilitation nach Lisfranc-Verletzungen zeigen, dass die Vorgehensweisen je nach Schwere und Versorgung deutlich variieren; ein einheitliches, für alle gültiges Reha-Schema gibt es nicht. [5][6] Wichtig zu wissen: Die Rehabilitation kann mehrere Monate dauern, und zeitweise Beschwerden in dieser Phase sind nicht ungewöhnlich. [5]
Welche konkreten Übungen und welcher Zeitplan sinnvoll sind, hängt vom individuellen Befund ab und wird zwischen ärztlicher Behandlung und Physiotherapie abgestimmt. Eine eigenständige Belastung oder Übungen ohne fachliche Anleitung können den Heilungsverlauf gefährden.
Wer nach einem Sturz, Sportunfall oder Aufprall anhaltende Schmerzen und eine Schwellung im Mittelfuss hat und den Fuss kaum belasten kann, sollte ihn zeitnah ärztlich untersuchen lassen. Da die Verletzung leicht unterschätzt wird, gilt: Lieber einmal zu viel abklären lassen als eine ernsthafte Verletzung zu übersehen. [4]
Wenn die Akutbehandlung abgeschlossen ist und es um die Wiederherstellung von Beweglichkeit und Belastbarkeit geht, ist eine begleitende Physiotherapie ein zentraler Baustein. In der Schweiz wird sie bei ärztlicher Verordnung in der Regel über die Grund- oder Unfallversicherung abgerechnet; Details zur Kostenübernahme klärst du am besten direkt mit deiner Versicherung.
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Ist eine Lisfranc-Verletzung dasselbe wie eine Verstauchung?
Nein. Eine Verstauchung betrifft die Bänder und heilt meist ohne Operation aus. Eine Lisfranc-Verletzung kann Bänder und Knochen im Mittelfuss betreffen und das Gelenk instabil machen. Weil sich beide Verletzungen anfangs ähnlich anfühlen können, ist eine ärztliche Abklärung wichtig, damit eine Lisfranc-Verletzung nicht übersehen wird. [4]
Muss eine Lisfranc-Verletzung immer operiert werden?
Nicht zwingend. Stabile Verletzungen ohne Verschiebung der Knochen können unter ärztlicher Kontrolle mit Ruhigstellung und Entlastung behandelt werden. Sind die Knochen verschoben oder das Gelenk instabil, ist in der Regel eine Operation nötig. Welcher Weg passt, entscheidet die behandelnde Fachperson anhand der Befunde. [3][5]
Wie lange dauert die Genesung?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Die Rehabilitation kann mehrere Monate dauern; der genaue Verlauf hängt von Verletzung, Behandlung und Heilungsverlauf ab. Zwischenzeitliche Beschwerden in dieser Zeit sind nicht ungewöhnlich. [5][6]
Wann sollte ich zur Ärztin oder zum Arzt?
Bei starken Schmerzen, deutlicher Schwellung im Mittelfuss und der Unfähigkeit, den Fuss nach einem Unfall zu belasten, solltest du zeitnah eine ärztliche Abklärung suchen. Je früher eine Lisfranc-Verletzung erkannt wird, desto besser lassen sich Spätfolgen vermeiden. [1][4]
Welche Folgen drohen, wenn die Verletzung unbehandelt bleibt?
Eine übersehene oder verzögert behandelte Lisfranc-Verletzung kann zu anhaltenden Mittelfussschmerzen, einem Absinken des Fussgewölbes und vorzeitigem Gelenkverschleiss (Arthrose) führen. [1][3] Das unterstreicht, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose ist.
[1] MSD Manual, Profi-Ausgabe, 2023, Luxationsfraktur des Mittelfusses (Lisfranc-Verletzung), https://www.msdmanuals.com/de/profi/verletzungen-vergiftungen/frakturen/luxationsfraktur-des-mittelfu%C3%9Fes-lisfranc-verletzung
[2] Rammelt S. et al., 2024, Luxationsverletzungen im Lisfranc-Gelenk, Orthopädie und Unfallchirurgie – eMedpedia, Springer Medizin, https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/orthopaedie-und-unfallchirurgie/luxationsverletzungen-im-lisfranc-gelenk
[3] Moracia-Ochagavía I., Rodríguez-Merchán E. C., 2019, Lisfranc fracture-dislocations: current management, EFORT Open Reviews 4(7):430–444, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31423327/
[4] Universimed (Orthopädie & Traumatologie), 2025, Behandlungskonzept der Lisfranc-Gelenksverletzungen, https://www.universimed.com/ch/article/orthopaedie-traumatologie/behandlungskonzept-lisfranc-gelenksverletzungen-267546
[5] Robertson GAJ et al., 2019, Return to sport following Lisfranc injuries: A systematic review and meta-analysis, Foot and Ankle Surgery, https://med-fom-sportsmedicine.sites.olt.ubc.ca/files/2024/02/Return-to-Sport-Following-Lisfranc-Injuries_MetaAnalyisis_Robertson.pdf
[6] Poutoglidou F. et al., 2024, Acute Lisfranc injury management, The Bone & Joint Journal 106-B(12):1431–1442, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39615511/
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