Leider unterstützen wir Internet Explorer nicht mehr.

Bitte verwenden Sie Microsoft Edge, Google Chrome oder Firefox.

>
Ratgeber-Übersicht
>
Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Ablauf, Verfahren und Ergebnisse

Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Ablauf, Verfahren und Ergebnisse

Die Gesichtsfeldmessung – fachlich Perimetrie – gehört zu den wichtigsten Untersuchungen in der Augenheilkunde. Sie prüft, ob du in deinem gesamten Sehbereich gleich gut wahrnimmst oder ob es Lücken gibt, die du im Alltag oft selbst gar nicht bemerkst. Die Untersuchung ist schmerzfrei und risikolos, erfordert aber etwas Konzentration und Mitarbeit. Dieser Ratgeber erklärt, was das Gesichtsfeld ist, wie die Messung abläuft, welche Verfahren es gibt, was das Ergebnis aussagt und warum die Perimetrie besonders beim Grünen Star (Glaukom) eine zentrale Rolle spielt.

Was ist das Gesichtsfeld?

Das Gesichtsfeld ist der gesamte Bereich, den du mit ruhig gehaltenem Blick wahrnimmst, ohne Augen oder Kopf zu bewegen – einschliesslich der Randbereiche, des sogenannten peripheren Sehens [2]. Im Zentrum siehst du scharf, zu den Rändern hin nimmt die Sehschärfe ab; das periphere Sehen dient vor allem der Orientierung und dem Erkennen von Bewegungen.

Fällt ein Teil des Gesichtsfelds aus oder ist eingeschränkt, spricht man von einem Skotom. Solche Ausfälle entstehen durch Erkrankungen an der Netzhaut, am Sehnerv oder entlang der Sehbahn im Gehirn. Das Tückische daran: Viele Gesichtsfeldausfälle entwickeln sich langsam und bleiben lange unbemerkt, weil das Gehirn fehlende Bereiche teilweise „ausfüllt" [3]. Genau deshalb braucht es eine gezielte Messung, um sie sichtbar zu machen.

Was ist eine Gesichtsfeldmessung (Perimetrie)?

Die Gesichtsfeldmessung ist eine augenärztliche Untersuchung, bei der geprüft wird, an welchen Stellen des Sehbereichs du Lichtreize wahrnimmst und an welchen nicht. Bei allen Verfahren werden Lichtreize an verschiedenen Stellen im Sehfeld dargeboten, und du gibst jeweils an, ob du sie siehst [1]. So entsteht eine Art Landkarte deines Gesichtsfelds, auf der sich Ausfälle erkennen lassen.

Wichtig zu wissen: Die beiden Augen werden in der Regel getrennt voneinander untersucht, meist in derselben Sitzung [1]. Das nicht getestete Auge wird abgedeckt, damit ein mögliches Defizit nicht vom anderen Auge ausgeglichen wird. Eine gute Mitarbeit ist entscheidend für ein verlässliches Ergebnis [4] – darauf gehen die nächsten Abschnitte ein.

Welche Verfahren der Gesichtsfeldmessung gibt es?

Es gibt mehrere Verfahren, die sich in Technik und Einsatzbereich unterscheiden. Die gängigsten lassen sich so einordnen:

  • Statische (automatisierte) Perimetrie: Lichtpunkte erscheinen an festen Stellen, ihre Helligkeit wird verändert, und du bestätigst per Knopfdruck, sobald du sie wahrnimmst [2]. Sie ist das häufigste Verfahren und kommt unter anderem in der Glaukom-Diagnostik und zur Verlaufskontrolle zum Einsatz.
  • Kinetische Perimetrie (z. B. nach Goldmann): ein Lichtpunkt wird von aussen nach innen bewegt, und du drückst den Knopf, sobald du ihn wahrnimmst [2]. Sie eignet sich vor allem für grössere und äussere Gesichtsfeldausfälle.
  • Fingerperimetrie (orientierend): eine grobe Prüfung ohne Gerät, etwa gegenübersitzend mit Handbewegungen. Sie dient der schnellen ersten Orientierung, beispielsweise im neurologischen Kontext.

Eine Einordnung dazu: Die statische, computergestützte Perimetrie ist heute das Standardverfahren, weil sie auch kleine Ausfälle genau erfasst [2]. Die kinetische Perimetrie bewegt einen Lichtpunkt aus der Peripherie zur Mitte; sie eignet sich gut, um die äusseren Grenzen des Gesichtsfelds zu bestimmen [2]. Die Fingerperimetrie ist nur eine grobe Orientierungsprüfung und ersetzt keine apparative Messung.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Bei der häufigsten, statischen Perimetrie sitzt du vor einem halbkugelförmigen Gerät und legst Kinn und Stirn auf eine Stütze. Du fixierst einen zentralen Punkt und drückst jedes Mal einen Knopf, sobald am Rand oder innerhalb deines Sehfelds ein Lichtpunkt aufleuchtet [2]. Das Gerät verändert dabei die Helligkeit der Punkte und protokolliert, welche du wahrnimmst und welche nicht. Der Raum ist dafür meist abgedunkelt.

Wichtig ist, dass du den zentralen Punkt ruhig fixierst und nicht den leuchtenden Punkten „hinterherschaust". Da die Untersuchung Konzentration verlangt, können Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit das Ergebnis verfälschen [4]. Lass dich davon nicht verunsichern – die Untersuchung kann bei Bedarf wiederholt werden.

Wie lange dauert die Gesichtsfeldmessung und tut sie weh?

Die Gesichtsfeldmessung ist völlig schmerzfrei und ohne Risiko. Je nach Verfahren und Fragestellung dauert eine Gesichtsfelduntersuchung zwischen etwa 30 und 60 Minuten, wobei beide Augen separat geprüft werden [1]. Einzelne, kürzere Testprogramme sind möglich; die genaue Dauer hängt vom verwendeten Gerät und vom Untersuchungsumfang ab.

Es sind keine Augentropfen zur Pupillenerweiterung nötig, und du kannst direkt danach wieder deinem Alltag nachgehen. Trägst du normalerweise eine Brille, wird die Messung in der Regel mit der passenden Korrektur durchgeführt – kläre das am besten vorab in der Praxis.

Wann ist eine Perimetrie sinnvoll?

Eine Gesichtsfeldmessung ist vor allem sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung von Netzhaut, Sehnerv oder Sehbahn besteht oder ein bekannter Befund über die Zeit beobachtet werden soll. Typische Anlässe sind die Abklärung und Verlaufskontrolle eines Glaukoms, der Verdacht auf Netzhauterkrankungen sowie Gesichtsfeldausfälle nach neurologischen Ereignissen.

Besonders wichtig ist die Perimetrie beim Grünen Star (Glaukom). Diese Erkrankung verläuft über Jahre langsam und „still": Das zentrale Sehen bleibt lange erhalten, während zuerst das periphere Sehen verloren geht – bis hin zu einem Tunnelblick [3]. Da Betroffene diese Ausfälle anfangs kaum selbst bemerken, ist die regelmässige augenärztliche Untersuchung des Augendrucks und des peripheren Sehens entscheidend, um Veränderungen früh zu erkennen und zu verfolgen [3].

Gut zu wissen: Die Gesichtsfeldmessung zeigt, ob bereits Ausfälle vorliegen, und eignet sich sehr gut zur Verlaufskontrolle. Als alleinige Früherkennung ist sie jedoch begrenzt, weil sich Gesichtsfeldausfälle beim Glaukom erst zeigen, wenn das zentrale Sehen oft noch normal wirkt [3]. Deshalb gehört sie zu einer vollständigen Augenuntersuchung dazu und wird mit weiteren Untersuchungen kombiniert.

Was bedeutet ein auffälliges Ergebnis?

Ein auffälliges Ergebnis bedeutet, dass an einer oder mehreren Stellen des Gesichtsfelds Lichtreize nicht oder nur abgeschwächt wahrgenommen wurden. Das ist zunächst ein Befund, keine fertige Diagnose: Wo und wie die Ausfälle liegen, gibt Hinweise auf die mögliche Ursache, die dann mit weiteren Untersuchungen geklärt wird.

Ein auffälliges Ergebnis kann auch durch mangelnde Mitarbeit, Müdigkeit oder eine falsche Fixation entstehen – deshalb wird die Untersuchung bei Unklarheiten wiederholt [4]. Welche Bedeutung dein konkretes Ergebnis hat, ordnet die behandelnde Augenärztin oder der Augenarzt im Zusammenhang mit der Vorgeschichte und weiteren Befunden ein. Die hier genannten Punkte sind deshalb als allgemeine Orientierung zu verstehen.

Was die Kosten betrifft: Die Gesichtsfeldmessung ist Teil der augenärztlichen Untersuchung. Ob und in welchem Umfang die Kosten übernommen werden, hängt von der medizinischen Indikation und der individuellen Versicherungssituation ab. Eine verlässliche Auskunft erhältst du in der Praxis und bei deiner Krankenkasse.

Wenn bei dir eine Gesichtsfeldmessung ansteht oder du Beschwerden abklären lassen möchtest, findest du auf truVuna Augenärztinnen und Augenärzte sowie Augenkliniken in deiner Region. Du kannst Profile und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren, um einen Termin zu vereinbaren.

Häufige Fragen zur Gesichtsfeldmessung

Wie lange dauert eine Gesichtsfeldmessung?

Je nach Verfahren und Umfang dauert die Untersuchung etwa 30 bis 60 Minuten, wobei beide Augen getrennt geprüft werden [1]. Kürzere Testprogramme sind möglich. Die genaue Dauer hängt vom Gerät und von der Fragestellung ab.

Tut die Gesichtsfeldmessung weh?

Nein, die Perimetrie ist schmerzfrei und ohne Risiko [1]. Du blickst auf einen Punkt und drückst einen Knopf, sobald du Lichtpunkte wahrnimmst. Nötig sind vor allem etwas Konzentration und eine ruhige Fixation.

Muss ich meine Brille zur Untersuchung mitnehmen?

Ja, nimm deine aktuelle Brille mit. Die Messung wird in der Regel mit der passenden Korrektur durchgeführt, damit das Ergebnis nicht durch eine unscharfe Abbildung verfälscht wird. Kläre die Details am besten vorab in der Praxis.

Was bedeutet es, wenn das Gesichtsfeld „nicht in Ordnung" ist?

Ein auffälliges Ergebnis zeigt, dass an bestimmten Stellen Lichtreize schlechter oder nicht wahrgenommen wurden. Das ist ein Hinweis, keine fertige Diagnose, und kann auch durch Müdigkeit oder mangelnde Mitarbeit entstehen [4]. Die Ursache wird mit weiteren Untersuchungen abgeklärt und ärztlich eingeordnet.

Kann ich mein Gesichtsfeld selbst testen?

Eine grobe Selbstkontrolle (z. B. abwechselndes Abdecken der Augen und Achten auf fehlende Bereiche) kann auffällige Veränderungen bemerkbar machen, ersetzt aber keine apparative Messung. Bei Verdacht auf einen Gesichtsfeldausfall ist eine augenärztliche Perimetrie nötig, da viele Ausfälle im Alltag unbemerkt bleiben [3].

Quellen

[1] Universitätsklinik für Augenheilkunde, Inselspital Bern, 2026, Gesichtsfeldmessung, https://augenheilkunde.insel.ch/de/unser-angebot/diagnostik/gesichtsfeld

[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Die Augenuntersuchung, https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/diagnose-von-augenerkrankungen/die-augenuntersuchung

[3] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Glaukom (Grüner Star), https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/glaukom-gr%C3%BCner-star/glaukom-gr%C3%BCner-star

[4] Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Klinik für Augenheilkunde, 2026, Gesichtsfelduntersuchung, https://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institute/augenheilkunde/leistungsspektrum/spezialuntersuchungen/gesichtsfeld-untersuchung

Das könnte dich auch interessieren

Kinesiologischer Muskeltest: Methode, Ablauf und worauf du achtest

Der kinesiologische Muskeltest ist das zentrale Werkzeug der Kinesiologie – einer Methode aus dem Bereich der Komplementärtherapie. Viele Menschen begegnen ihm zum ersten Mal in einer Sitzung und fragen sich danach: Was wird hier eigentlich getestet, und wie ist das einzuordnen? Dieser Ratgeber erklärt dir verständlich, was der Muskeltest ist, wie eine Sitzung abläuft, welche Richtungen es gibt, wofür Kinesiologie typischerweise genutzt wird, was eine Behandlung in der Schweiz kostet und worauf du bei der Wahl einer Begleitung achten kannst.

Ernährung bei Schilddrüsenunterfunktion: Wie du deine Schilddrüse unterstützen kannst

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenige Hormone – und viele Betroffene fragen sich, ob sie mit der richtigen Ernährung etwas dazu beitragen können. Die kurze Antwort: Eine ausgewogene, nährstoffbewusste Ernährung kann die Schilddrüse unterstützen und das Wohlbefinden fördern, sie ersetzt aber keine ärztlich verordnete Hormontherapie. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Nährstoffe für die Schilddrüse wichtig sind, welche Lebensmittel sie liefern und worauf du achten solltest, wenn du Schilddrüsenhormone einnimmst.

Ausschlag am Körper: Ursachen, Symptome und Behandlung im Überblick

Ein Ausschlag am Körper kann plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln – und die Bandbreite möglicher Ursachen ist gross. Hinter geröteter, juckender oder schuppiger Haut können harmlose Reizungen stecken, aber auch Allergien, Infektionen oder chronische Hauterkrankungen. Dieser Ratgeber erklärt dir, wie sich ein Hautausschlag äussern kann, welche Auslöser häufig sind, wie die Behandlung grundsätzlich abläuft und woran du erkennst, dass eine ärztliche Abklärung sinnvoll oder sogar dringend ist.

Bio Sauna: Klima, Wirkung und worauf du beim Besuch achten solltest

Nicht jede:r mag die kompromisslose Hitze einer finnischen Sauna. Wer eine sanftere, feuchtere Alternative sucht, findet sie in der Bio Sauna – einer Niedertemperatursauna mit milderen Temperaturen und deutlich höherer Luftfeuchtigkeit. Sie gilt als die ideale Sauna für Einsteiger:innen, ältere Menschen und alle, die längere Sauna-Aufenthalte bevorzugen. In diesem Ratgeber erfährst du, was eine Bio Sauna ist, wie sie sich vom Sanarium unterscheidet, wie du sie richtig anwendest, welche Wirkung sie haben kann und worauf du beim Besuch achten solltest.

Thermalquellen in der Schweiz: Wirkung, Tradition und die schönsten Adressen

Warmes Wasser, das aus der Tiefe der Erde sprudelt, mit Mineralien angereichert und über Jahrtausende von Gestein gefiltert – Thermalquellen üben seit der Antike eine besondere Anziehungskraft aus. In der Schweiz haben sie eine besonders reiche Tradition: Vom Tessin bis ins Wallis, vom Aargau bis nach Graubünden gibt es Orte, an denen Menschen seit Jahrhunderten in das wohltuende Thermalwasser eintauchen. Heute sind diese Quellen das Herzstück moderner Wellness-Anlagen – mit Wohlfühlbädern, Saunabereichen und ganzen Spa-Welten. In diesem Ratgeber erfährst du, was Thermalwasser ausmacht, wie es wirken kann, welche Tradition dahinter steht und welche Schweizer Thermalquellen besonders sehenswert sind.

Hormonyoga: Was die Forschung wirklich zeigt

Hormonyoga – auch Hormone Yoga Therapy (HYT) oder Hormonelle Yogatherapie genannt – wird seit den 1990er-Jahren als spezielle Yoga-Form für Frauen vermarktet, die unter Wechseljahresbeschwerden, hormonellen Schwankungen oder unerfülltem Kinderwunsch leiden. Die Methode wurde von der brasilianischen Yoga-Therapeutin Dinah Rodrigues entwickelt und kombiniert dynamische Asanas, kraftvolle Atemtechniken und Visualisierungen mit dem Ziel, die Hormonproduktion zu unterstützen. Soviel zur Tradition. Wissenschaftlich ist die Lage deutlich nüchterner: Die spezifische Methode «Hormone Yoga Therapy» ist bisher kaum unabhängig peer-reviewed untersucht – die meisten Wirkungs-Aussagen beruhen auf der Forschung der Methoden-Begründerin selbst und auf Erfahrungsberichten. Allgemeines Yoga dagegen ist bei Wechseljahresbeschwerden besser untersucht – mit moderaten, aber realistisch eingeordneten Effekten. In diesem Ratgeber erfährst du, was Hormonyoga ist, was die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit zeigt, welche Übungen typisch sind und worauf du achten solltest, bevor du mit Hormonyoga beginnst. Ziel ist eine fundierte Einordnung – kein Werbe-Pitch.