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Die Tränendrüse (lateinisch Glandula lacrimalis) ist eine paarige Drüse, die einen Grossteil der wässrigen Tränenflüssigkeit produziert. Die Haupttränendrüse liegt oben aussen in der Augenhöhle, oberhalb des Augapfels. Sie besteht aus einem grösseren Anteil, der dem Knochen aufliegt, und einem kleineren Anteil im Augenlid [1]. Über sechs bis zwölf feine Ausführungsgänge gelangt das Sekret auf die Augenoberfläche.
Zusätzlich gibt es viele kleinere, sogenannte akzessorische Tränendrüsen in der Bindehaut. Sie sorgen für die kontinuierliche Grundbefeuchtung des Auges – auch dann, wenn keine reizbedingten oder emotionalen Tränen fliessen [2].
Wichtig zur Unterscheidung: Die Tränendrüse produziert Tränenflüssigkeit; die Tränenwege (Tränenkanälchen, Tränensack und Tränennasengang) leiten überschüssige Flüssigkeit wieder ab. Tränendrüse und Tränenwege bilden zusammen den Tränenapparat.
Die Tränendrüsen erfüllen mehrere zentrale Aufgaben für die Augengesundheit. Ihr Sekret bildet zusammen mit den Beiträgen anderer Drüsen den schützenden Tränenfilm, der die Augenoberfläche bedeckt.
Die wichtigsten Aufgaben im Überblick:
Im Durchschnitt produziert ein erwachsenes Auge in Ruhe pro Tag eine geringe Grundmenge an Tränenflüssigkeit. Bei Reizungen, starken Emotionen oder mechanischen Einflüssen kann die Produktion innerhalb von Sekunden vielfach ansteigen [1].
Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten, die jeweils von unterschiedlichen Drüsen gebildet werden. Diese Schichten arbeiten eng zusammen – fehlt oder erkrankt eine, gerät das gesamte System aus dem Gleichgewicht. Von aussen nach innen lassen sich die drei Schichten so unterscheiden:
Die wässrige Schicht ist mit Abstand die dickste, besteht überwiegend aus Wasser (rund 98 Prozent) und enthält zusätzlich Salze, Glukose und Abwehrstoffe [1, 4]. Die Muzinschicht, also der schleimige Anteil direkt auf der Hornhaut, stammt dagegen nicht aus der Tränendrüse, sondern aus den sogenannten Becherzellen der Bindehaut [4, 5]. Die Lipidschicht wiederum wird von den Meibom-Drüsen am Lidrand gebildet.
Diese Aufgabenteilung ist wichtig zu verstehen: Probleme mit „trockenen Augen" entstehen häufig nicht durch zu wenig Tränenflüssigkeit allein, sondern durch eine Störung der Lipidschicht – etwa wenn die Meibom-Drüsen verstopft sind und der Tränenfilm dadurch zu schnell verdunstet [6].
Tränen werden nicht nur produziert, sondern auch wieder abgeleitet. Der gesamte Tränenapparat besteht aus zwei funktionellen Teilen: dem produzierenden System (Tränendrüsen) und dem ableitenden System (Tränenwege).
Beim Blinzeln verteilt sich der Tränenfilm gleichmässig über die Augenoberfläche. Überschüssige Flüssigkeit sammelt sich im inneren Augenwinkel im sogenannten Tränensee und fliesst über die ableitenden Tränenwege ab. Diese bestehen aus:
Deshalb läuft beim Weinen häufig auch die Nase – die Tränenflüssigkeit gelangt direkt in die Nasenhöhle und mischt sich dort mit dem Nasensekret [2]. Ist dieser Abflussweg blockiert, etwa durch eine Verengung oder Entzündung, kann es zu ständig tränenden Augen oder einer schmerzhaften Tränensackentzündung kommen.
Tränen lassen sich grundsätzlich in drei Arten unterteilen: basale Tränen (zur dauerhaften Befeuchtung), Reflextränen (bei Reizung etwa durch Zwiebelsaft oder Fremdkörper) und emotionale Tränen [1].
Bei starken Emotionen aktivieren Nervensignale die Tränendrüsen über das vegetative Nervensystem. Dadurch wird deutlich mehr Tränenflüssigkeit produziert, als die ableitenden Tränenwege aufnehmen können – die Tränen laufen über den Lidrand. Ob emotionale Tränen sich biochemisch klar von Reflextränen unterscheiden, wird wissenschaftlich untersucht; einfache Pauschalaussagen dazu sind jedoch nicht gesichert.
Funktioniert die Tränendrüse nicht richtig, gerät das gesamte System aus dem Gleichgewicht. Sowohl eine zu geringe als auch eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit kann Beschwerden auslösen.
Häufige Probleme im Zusammenhang mit den Tränendrüsen und dem Tränenfilm:
Typische Symptome bei Problemen mit dem Tränenfilm sind brennende oder juckende Augen, ein Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, gerötete Augen und – paradoxerweise – auch tränende Augen, da die Augenoberfläche reflektorisch versucht, die Trockenheit auszugleichen [6, 7].
Zur Abklärung steht der Augenärztin oder dem Augenarzt unter anderem der Schirmer-Test zur Verfügung. Dabei wird ein kleiner Filterpapierstreifen ins untere Lid eingelegt, um die Menge der Tränenflüssigkeit innerhalb von fünf Minuten zu messen. Ergänzend werden die Tränenfilm-Aufrisszeit (BUT) sowie die Lidränder und Meibom-Drüsen beurteilt [6].
Viele Beschwerden lassen sich durch einfache Massnahmen lindern oder vorbeugen, vor allem wenn die Ursache im Alltag liegt – etwa Bildschirmarbeit oder trockene Raumluft.
Hilfreiche Massnahmen im Überblick:
Augentropfen sind kein Heilmittel, sondern unterstützen die Tränenfilm-Stabilität. Bei länger andauernden Beschwerden lohnt sich eine augenärztliche Abklärung, um die zugrundeliegende Ursache zu finden.
Nicht jede Reizung der Augen ist ein Notfall – aber bestimmte Anzeichen sollten ärztlich abgeklärt werden. Dazu gehören anhaltende Trockenheit oder Tränen über mehrere Wochen, eine plötzliche Schwellung am äusseren oberen Lidwinkel, einseitige Schmerzen im Bereich der Tränendrüse oder eine zunehmende Sehverschlechterung. Auch bekannte Grunderkrankungen wie Sjögren-Syndrom, rheumatische Erkrankungen oder Schilddrüsenerkrankungen können die Tränenproduktion beeinflussen und erfordern regelmässige Kontrollen [6].
Eine Fachperson kann den Tränenfilm umfassend beurteilen, zwischen den verschiedenen Ursachen unterscheiden und eine passende Therapie einleiten – von angepassten Augentropfen über die Behandlung der Meibom-Drüsen bis zu speziellen Verfahren wie Punctum Plugs bei stark vermindertem Tränenfluss.
Wenn du den Verdacht hast, dass deine Beschwerden mit den Tränendrüsen oder dem Tränenfilm zusammenhängen, findest du auf truVuna Augenärzt:innen in deiner Region und kannst passende Anlaufstellen für eine Abklärung vergleichen.
Wo befindet sich die Tränendrüse genau?
Die Haupttränendrüse liegt am oberen, äusseren Rand der Augenhöhle, oberhalb des Augapfels. Sie besteht aus einem grösseren Anteil, der dem Knochen aufliegt, und einem kleineren Anteil im Augenlid. Zusätzlich gibt es zahlreiche kleinere akzessorische Tränendrüsen in der Bindehaut, die für die Grundbefeuchtung sorgen.
Kann man die Tränenproduktion gezielt anregen?
Eine direkte, willentliche Anregung der Tränendrüsen ist nicht möglich. Indirekt lässt sich der Tränenfilm aber stabilisieren – etwa durch bewusstes Blinzeln, ausreichend Flüssigkeit, ein angenehmes Raumklima und gegebenenfalls künstliche Tränen. Bei dauerhaften Beschwerden ist eine augenärztliche Abklärung sinnvoll.
Warum tränen meine Augen, obwohl sie eigentlich trocken sind?
Das wirkt paradox, ist aber typisch für das Sicca-Syndrom: Wenn der Tränenfilm instabil ist – etwa durch eine Störung der Lipidschicht – reizt die ungeschützte Augenoberfläche die Nerven, was reflektorisch eine erhöhte Tränenproduktion auslöst. Diese reflektorischen Tränen können die ursprüngliche Trockenheit aber meist nicht ausgleichen.
Was ist der Schirmer-Test?
Der Schirmer-Test ist eine einfache augenärztliche Untersuchung, bei der ein kleiner Filterpapierstreifen am Unterlid eingelegt wird. Nach fünf Minuten lässt sich an der Befeuchtungslänge ablesen, wie viel Tränenflüssigkeit produziert wird. Er hilft bei der Diagnose eines trockenen Auges, ist aber nur ein Baustein der Abklärung.
Sind trockene Augen wirklich so häufig?
Ja. Schätzungen von Fachgesellschaften gehen davon aus, dass etwa 15 bis 17 Prozent der Bevölkerung von einer Form des trockenen Auges betroffen sein können – mit steigender Tendenz, vor allem durch hohe Bildschirmnutzung und älter werdende Bevölkerung. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, insbesondere nach der Menopause.
[1] Bron AJ, de Paiva CS, Chauhan SK, et al. (2017): TFOS DEWS II pathophysiology report. The Ocular Surface 15(3): 438–510. Peer-reviewed wissenschaftlicher Konsensbericht zur Tränenfilm-Physiologie, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1542012417301106
[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten (Stand 2024): Schutzmerkmale des Auges. Neutrale, redaktionell betreute medizinische Informationsquelle, https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/augen-und-sehkraft/schutzmerkmale-des-auges
[3] Willcox MDP, Argüeso P, Georgiev GA, et al. (2017): TFOS DEWS II Tear Film Report. The Ocular Surface 15(3): 366–403. Peer-reviewed Konsensbericht zum Tränenfilm-Aufbau, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1542012417300630
[4] Georgiev GA, Eftimov P, Yokoi N (2019): Contribution of Mucins towards the Physical Properties of the Tear Film: A Modern Update. International Journal of Molecular Sciences 20(24): 6132. Peer-reviewed Übersichtsarbeit zu Muzin-Funktionen im Tränenfilm, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6941008/
[5] Paulsen FP et al. (2003): Tränenabfluss. Die Ophthalmologie (Springer), peer-reviewed Übersichtsartikel zu Muzinen und TFF-Peptiden im Tränenabflusssystem, https://link.springer.com/article/10.1007/s00347-003-0842-y
[6] Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) und Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinie Nr. 11 „Trockenes Auge" (Sicca-Syndrom) und Blepharitis. Stand 08.03.2021. Leitlinie der deutschen Fachgesellschaften für Augenheilkunde, https://augeninfo.de/leit/leit11.pdf
[7] Müller C (2016): Sicca-Syndrom: Den Durchblick behalten. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 12/2016. Fachjournal-Artikel mit Bezug zur BVA/DOG-Prävalenzangabe, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-122016/den-durchblick-behalten/
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