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Enterale Ernährung: Nährstoffzufuhr über eine Sonde

Enterale Ernährung: Nährstoffzufuhr über eine Sonde

Wenn Menschen über den Mund nicht mehr genug Nahrung aufnehmen können, ihr Magen-Darm-Trakt aber funktioniert, kann eine enterale Ernährung die Versorgung mit Nährstoffen sichern. Dabei gelangt eine flüssige Nahrung über eine dünne Sonde direkt in den Magen oder Dünndarm [1][2]. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was enterale Ernährung bedeutet, welche Formen es gibt, wann sie eingesetzt wird, wo die Grenzen liegen und worin sie sich von der parenteralen Ernährung unterscheidet.

Was ist enterale Ernährung?

Enterale Ernährung ist eine Form der künstlichen Ernährung, bei der flüssige Nahrung über eine Sonde in den Magen-Darm-Trakt geleitet wird [1][2]. Der Begriff geht auf das griechische Wort «enteron» für Darm zurück. Charakteristisch ist, dass der Verdauungstrakt weiterhin genutzt wird: Magen und Darm verarbeiten die zugeführte Nahrung wie gewohnt.

Eingesetzt wird die enterale Ernährung bei Menschen, deren Magen-Darm-Trakt grundsätzlich normal arbeitet, die aber über den Mund nicht genügend Nährstoffe aufnehmen können oder wollen [1][2]. Eine dünne Sonde aus Kunststoff transportiert dabei eine bilanzierte Flüssignahrung, die Eiweiss, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine und Spurenelemente enthält [2]. Die Zufuhr erfolgt entweder mithilfe der Schwerkraft über ein Tropfsystem oder gesteuert über eine Pumpe [2].

Welche Formen und Sonden gibt es?

Enterale Ernährung lässt sich grob in eine sondenfreie und eine sondengebundene Form unterteilen. Zur sondenfreien Variante zählt die Trinknahrung, also eine hochkalorische Flüssignahrung, die über den Mund getrunken wird. Reicht diese nicht aus oder ist das Schlucken nicht mehr möglich, kommt eine Sonde zum Einsatz.

Welche Sonde gewählt wird, hängt vor allem davon ab, wie lange die Ernährung voraussichtlich nötig ist:

  • Transnasale Sonde (nasogastrale Sonde): Ein dünner Schlauch wird durch die Nase über die Speiseröhre in den Magen oder Dünndarm gelegt. Sie eignet sich vor allem für eine kürzere Anwendung, in der Regel bis etwa vier bis sechs Wochen [1][2][4].
  • PEG-Sonde: Die Abkürzung steht für «perkutane endoskopische Gastrostomie». Dabei wird die Sonde mithilfe einer Magenspiegelung durch die Bauchdecke direkt in den Magen gelegt. Sie wird gewählt, wenn die Ernährung voraussichtlich länger als vier bis sechs Wochen nötig ist [1][2][4].
  • Jejunale Sonden (z. B. PEJ): Ist eine Ernährung über den Magen nicht möglich, kann die Sonde direkt in den Dünndarm (Jejunum) gelegt werden [1].

Die perkutane endoskopische Gastrostomie gilt als verbreitete Möglichkeit für eine längerfristige Ernährung und kann unter Beachtung der Voraussetzungen und der Nachsorge komplikationsarm angelegt werden [3].

Worin unterscheiden sich enterale und parenterale Ernährung?

Der entscheidende Unterschied liegt im Weg, den die Nährstoffe nehmen: Die enterale Ernährung nutzt den Magen-Darm-Trakt, die parenterale Ernährung umgeht ihn vollständig und führt die Nährstoffe über eine Infusion direkt in die Blutbahn zu [1][2]. Beide gehören zur künstlichen Ernährung und kommen dann infrage, wenn jemand sich nicht ausreichend selbst ernähren kann.

Die parenterale Ernährung wird vor allem dann eingesetzt, wenn der Verdauungstrakt nicht oder nur eingeschränkt nutzbar ist. Sie verwendet hochkonzentrierte Nährlösungen, die über einen Venenzugang verabreicht werden [1]. Bei funktionierendem Magen-Darm-Trakt wird in der Regel die enterale Ernährung bevorzugt, und es wird angestrebt, möglichst rasch von einer parenteralen auf eine enterale Versorgung umzustellen [1].

Gut zu wissen: Ein Vorteil der enteralen gegenüber der parenteralen Ernährung besteht darin, dass Magen und Darm weiter mit Nahrung in Kontakt bleiben und so aktiv und funktionsfähig gehalten werden [1].

Wann kommt eine Sondenernährung zum Einsatz?

Eine enterale Ernährung ist angezeigt, wenn jemand über längere Zeit nicht genug Nahrung über den Mund aufnehmen kann, will oder darf, der Magen-Darm-Trakt aber funktioniert [1][2]. Mediziner:innen sprechen in diesem Zusammenhang von einer Indikation. Die ärztliche Verordnung erfolgt immer individuell und richtet sich nach der Grunderkrankung und der gesamten Situation.

Häufige Gründe für eine Sondenernährung sind:

  • Schluckstörungen (Dysphagie), etwa nach einem Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen [2]
  • ein erhöhter Nährstoffbedarf oder starker Gewichtsverlust, zum Beispiel im Rahmen einer Krebserkrankung [1]
  • Bewusstseinsstörungen oder Beeinträchtigungen nach Verletzungen, bei denen eine orale Nahrungsaufnahme nicht möglich ist [1]
  • Mangelernährung im Alter, wenn unterstützende Massnahmen wie angereicherte Kost und Trinknahrung nicht mehr ausreichen [1]
  • Erkrankungen oder Operationen im Bereich von Speiseröhre, Magen oder Darm [1]

Grundsätzlich wird versucht, so lange wie möglich auf eine möglichst natürliche Ernährung oder auf Trinknahrung zu setzen, bevor eine Sonde gelegt wird [1].

Wann ist eine Sondenernährung nicht geeignet?

Gegen eine enterale Ernährung sprechen vor allem Situationen, in denen der Magen-Darm-Trakt nicht nutzbar ist – dann liegt eine sogenannte Kontraindikation vor [1]. Dazu zählen etwa ein Darmverschluss (Ileus), eine Entzündung des Bauchfells, schwere Blutungen im Magen-Darm-Bereich oder andere lebensbedrohliche Erkrankungen im Bauchraum [1].

In solchen Fällen kann anstelle der enteralen die parenterale Ernährung eingesetzt werden, bei der die Nährstoffe über die Vene zugeführt werden und der Verdauungstrakt umgangen wird [1]. Ob und welche Form der künstlichen Ernährung sinnvoll ist, hängt von der Ursache, dem Befund und dem Patientenwillen ab und wird ärztlich entschieden [3].

Welche Ziele verfolgt die enterale Ernährung?

Das grundlegende Ziel der enteralen Ernährung ist es, eine Mangelernährung zu vermeiden und den Körper mit ausreichend Energie und Nährstoffen zu versorgen [3]. Je nach Ausgangslage stehen unterschiedliche Schwerpunkte im Vordergrund.

Dazu kann gehören, Körpergewicht und Muskelmasse zu erhalten oder wieder aufzubauen, den Heilungsverlauf zu unterstützen oder eine bestehende Grunderkrankung mitzubehandeln [3]. In manchen Situationen ist die Sondenernährung eine Überbrückung, bis wieder eine Ernährung über den Mund möglich ist; in anderen Fällen begleitet sie Betroffene über längere Zeit, auch zu Hause [3][4].

Welche Risiken und Nebenwirkungen kann es geben?

Bei fachkundiger Anwendung gilt die enterale Ernährung als vergleichsweise risikoarm, ganz ohne mögliche Beschwerden ist sie jedoch nicht [3]. Komplikationen lassen sich durch eine sorgfältige Verabreichung und Überwachung in vielen Fällen verringern.

Mögliche unerwünschte Wirkungen sind unter anderem:

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl oder Durchfall, etwa wenn die Nahrung zu schnell oder zu kalt verabreicht wird [2]
  • Reflux, also ein Zurückfliessen von Mageninhalt in die Speiseröhre
  • Aspiration, das versehentliche Einatmen von Nahrung in die Atemwege [1][2]
  • Verstopfen der Sonde, beispielsweise durch schlecht lösliche Medikamente oder bestimmte Zubereitungen [2]

Um das Risiko einer Aspiration zu senken, wird empfohlen, den Oberkörper während der Nahrungszufuhr und noch eine Weile danach erhöht zu lagern [2]. Treten Beschwerden auf, ist es sinnvoll, frühzeitig die behandelnde Fachperson oder den betreuenden Dienst zu informieren.

Wer übernimmt die Kosten in der Schweiz?

In der Schweiz können die Kosten einer enteralen Ernährung zu Hause unter bestimmten Voraussetzungen aus der obligatorischen Grundversicherung übernommen werden [5]. Massgeblich sind die Richtlinien der Gesellschaft für Klinische Ernährung der Schweiz (GESKES), die im Rahmen der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) gelten [5].

Eine enterale Ernährung zu Hause gilt demnach als angezeigt, wenn die Ernährung über eine Sonde erforderlich ist [5]. Die sondenfreie Form (Trinknahrung) kann bei Erkrankungen mit einem Risiko für Mangelernährung indiziert sein [5]. Für die konkrete Kostenübernahme braucht es eine ärztliche Verordnung und eine entsprechende Kostengutsprache; die Details klärst du am besten direkt mit deiner Krankenkasse und dem behandelnden Team ab.

Die Versorgung und Schulung zu Hause erfolgt häufig über anerkannte Homecare-Anbieter, oft begleitet durch Ärztinnen und Ärzte sowie Ernährungsfachkräfte [4][5]. Auch bei Fragen rund um Mangelernährung, Ernährungsumstellung oder den Übergang von der Sonden- zurück zur oralen Ernährung kann eine fachliche Ernährungsberatung unterstützen. Auf truVuna findest du Anbieter:innen für Ernährungsberatung in deiner Region – du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren.

Häufige Fragen zur enteralen Ernährung

Was ist der Unterschied zwischen Sondennahrung und Trinknahrung?

Trinknahrung wird über den Mund getrunken, Sondennahrung über eine Sonde direkt in den Magen oder Dünndarm geleitet. Beide zählen zur enteralen Ernährung und nutzen den funktionierenden Magen-Darm-Trakt. Trinknahrung wird in der Regel bevorzugt, solange Schlucken und orale Aufnahme möglich sind; reicht sie nicht aus oder ist Schlucken nicht möglich, kommt eine Sonde infrage [1][2].

Wie lange bleibt eine Sonde liegen?

Das hängt von der voraussichtlichen Dauer der Ernährung ab. Für eine kürzere Anwendung bis etwa vier bis sechs Wochen wird meist eine Sonde durch die Nase gelegt. Ist eine längere Versorgung absehbar, wird in der Regel eine PEG-Sonde durch die Bauchdecke eingesetzt [1][2][4]. Die genaue Dauer richtet sich nach der Grunderkrankung und dem Verlauf.

Kann enterale Ernährung auch zu Hause durchgeführt werden?

Ja, eine enterale Ernährung kann nach ärztlicher Verordnung auch zu Hause fortgeführt werden. Betroffene und Angehörige werden dafür im Umgang mit dem Ernährungssystem angeleitet, häufig mit Unterstützung von Homecare-Anbietern und Ernährungsfachkräften [4][5]. Wichtig sind dabei eine sorgfältige Handhabung der Sonde und eine regelmässige Überprüfung des Ernährungszustands.

Übernimmt die Krankenkasse in der Schweiz die Kosten?

Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Die Kosten einer enteralen Ernährung zu Hause können aus der Grundversicherung übernommen werden, wenn die Indikation gemäss den GESKES-Richtlinien vorliegt – bei der enteralen Ernährung insbesondere dann, wenn eine Ernährung über eine Sonde erforderlich ist [5]. Voraussetzung sind eine ärztliche Verordnung und eine Kostengutsprache; Einzelheiten klärst du mit deiner Krankenkasse.

Quellen

[1] MSD Manual, Profi-Ausgabe, Enterale Ernährung über Sonden, msdmanuals.com, https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/ern%C3%A4hrungsbedingte-st%C3%B6rungen/unterst%C3%BCtzende-ma%C3%9Fnahmen-zur-ern%C3%A4hrung/enterale-ern%C3%A4hrung-%C3%BCber-sonden

[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, Sondenernährung, msdmanuals.com, https://www.msdmanuals.com/de/heim/ern%C3%A4hrungsst%C3%B6rungen/ern%C3%A4hrungsunterst%C3%BCtzung/sondenern%C3%A4hrung

[3] Bischoff SC et al., 2024, S3-Leitlinie Heimenterale und heimparenterale Ernährung der DGEM in Zusammenarbeit mit GESKES (Schweiz) und AKE, Aktuelle Ernährungsmedizin 2024;49:73–155, dgem.de, https://www.dgem.de/sites/default/files/PDFs/Leitlinien/S3-Leitlinien/07a_Leitlinie_DGEM_Online-PDF_watermarked.pdf

[4] Bischoff SC et al., 2020, ESPEN guideline on home enteral nutrition, Clinical Nutrition, https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(19)30198-0/fulltext

[5] Bundesamt für Gesundheit (BAG), Richtlinien der Gesellschaft für Klinische Ernährung der Schweiz (GESKES) über Home Care, künstliche Ernährung zu Hause (KLV Anhang 1), admin.ch, https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/versicherungen/krankenversicherung/krankenversicherung-leistungen-tarife.html

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