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Eine Farbsehschwäche ist eine Störung der Farbwahrnehmung, bei der bestimmte Farben gar nicht oder nur eingeschränkt erkannt werden. Verantwortlich dafür sind die Zapfen – Sinneszellen in der Netzhaut, die auf Rot, Grün oder Blau reagieren. Arbeitet ein Zapfentyp eingeschränkt oder fehlt er, verändert sich die Farbwahrnehmung [1][2].
Fachlich werden mehrere Formen unterschieden [1][2]:
Wichtig ist die Abgrenzung: Eine „Rot-Grün-Schwäche“ ist nicht dasselbe wie echte Farbenblindheit. Die meisten Betroffenen sehen durchaus Farben, können einzelne Töne aber schlechter auseinanderhalten [2].
Gut zu wissen: Die häufige Rot-Grün-Schwäche ist meist angeboren und wird über das X-Chromosom vererbt. Weil Männer nur ein X-Chromosom besitzen, sind sie deutlich häufiger betroffen als Frauen – Schätzungen gehen von etwa acht bis neun Prozent der Männer und rund einem halben Prozent der Frauen aus [1][2].
In den meisten Fällen ist eine Farbsehschwäche angeboren und damit erblich bedingt [1][2]. Sie ist dann von Geburt an vorhanden und verändert sich im Lauf des Lebens kaum. Viele Betroffene bemerken sie lange nicht, weil sie ihre Farbwahrnehmung nie anders kannten.
Seltener entsteht eine Farbsehstörung erst im Lauf des Lebens (erworben). Mögliche Auslöser sind Augenerkrankungen wie eine Schädigung der Netzhaut oder des Sehnervs, aber auch Erkrankungen wie Diabetes, ein Schlaganfall oder Verletzungen des Gehirns [1]. Weil eine neu auftretende Farbsehstörung Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung sein kann, sollte sie ärztlich abgeklärt werden.
Zur Untersuchung des Farbsehens stehen mehrere Verfahren zur Verfügung, die sich in Genauigkeit und Einsatzzweck unterscheiden. Häufig kommen folgende Tests zum Einsatz [2][3]:
Die Tafeltests geben einen schnellen Überblick, sagen aber wenig über die Ausprägung aus. Für eine genaue Einordnung – etwa des Schweregrads – sind ergänzende Verfahren wie das Anomaloskop nötig [3]. Welcher Test sinnvoll ist, hängt vom Anliegen ab.
Der Ishihara-Test besteht aus Farbtafeln, auf denen viele farbige Punkte angeordnet sind. Einige Punkte unterscheiden sich farblich vom Umfeld und bilden zusammen eine Zahl oder eine Figur. Wer normal farbsichtig ist, erkennt diese Zahl problemlos; bei einer Rot-Grün-Schwäche ist sie schwer oder gar nicht zu erkennen, oder es wird eine andere Zahl gesehen [2][3].
Der Test wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom japanischen Arzt Shinobu Ishihara entwickelt und ist bis heute weit verbreitet [3]. Mit ihm lässt sich eine Rot-Grün-Schwäche zuverlässig aufdecken – das genaue Ausmass der Störung zeigt er allerdings nicht an. Dafür sind weitere Verfahren erforderlich. Für Kinder, die Zahlen noch nicht kennen, gibt es Tafeln mit einfachen Symbolen oder Linien zum Nachfahren.
Im Internet kursieren viele Online-Farbtests, die sich oft am Ishihara-Verfahren orientieren. Sie können einen ersten Eindruck geben, sind aber keine verlässliche Diagnose: Bildschirmeinstellungen, Farbwiedergabe und Lichtverhältnisse verfälschen das Ergebnis [3]. Für eine belastbare Einschätzung ist eine Untersuchung vor Ort nötig.
Farbsehtests werden von Augenärztinnen und Augenärzten sowie von Optikerinnen und Optikern durchgeführt. Geht es um die genaue Bestimmung von Art und Schweregrad oder besteht der Verdacht auf eine erworbene Störung im Zusammenhang mit einer Erkrankung, ist die augenärztliche Abklärung der richtige Weg [1][3].
Im Alltag schränkt eine angeborene Farbsehschwäche viele Betroffene erstaunlich wenig ein, da sie ihre Wahrnehmung gewohnt sind. Für einige Berufe ist eine sichere Farbunterscheidung jedoch wichtig – etwa dort, wo Farbsignale eine Rolle spielen oder Farben exakt beurteilt werden müssen. Ob eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt werden kann, hängt von den jeweiligen Anforderungen ab und wird im Einzelfall geprüft.
Ein verbreitetes Missverständnis betrifft den Führerausweis: In der Schweiz gehört das Farbensehen nicht zu den medizinischen Mindestanforderungen für den Führerausweis. Geprüft werden Sehschärfe, Gesichtsfeld, Doppelbilder sowie Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit – eine gesetzliche Prüfpflicht für das Farbensehen besteht nicht [4]. Eine Rot-Grün-Schwäche ist somit grundsätzlich kein Hindernis für den Erwerb des Führerausweises.
Ein Farbsehtest ist sinnvoll, sobald ein Kind zuverlässig mitmachen kann – für ältere Kinder eignen sich Zahlentafeln, für jüngere gibt es Tafeln mit Symbolen [3]. Eine angeborene Rot-Grün-Schwäche verursacht meist keine Beschwerden und fällt deshalb oft erst bei Routineuntersuchungen auf. Da eine Farbsehstörung in seltenen Fällen auch Anzeichen einer Augenerkrankung sein kann, ist eine frühzeitige Abklärung von Auffälligkeiten ratsam [1].
Eine angeborene Farbsehschwäche lässt sich nicht heilen [1]. Für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche gibt es spezielle Filterbrillen, die den Kontrast zwischen Rot und Grün verstärken und das Unterscheiden erleichtern können. Sie lassen die Schwäche jedoch nicht verschwinden, sondern mildern sie nur ab, und die Wirkung fällt individuell sehr unterschiedlich aus. Für vollständig farbenblinde Menschen gibt es derzeit keine geeignete Brille.
Wenn du bei dir oder deinem Kind eine Farbsehschwäche vermutest oder eine genaue Einschätzung benötigst, hilft eine Untersuchung bei einer Fachperson weiter. Auf truVuna findest du Augenärztinnen und Augenärzte sowie Optikergeschäfte in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt.
Wie zuverlässig ist ein Online-Farbsehtest?
Online-Tests können einen ersten Hinweis geben, sind aber nicht für eine Diagnose geeignet. Bildschirm, Farbwiedergabe und Beleuchtung beeinflussen das Ergebnis stark [3]. Für eine verlässliche Einschätzung ist eine Untersuchung bei einer Augenärztin, einem Augenarzt oder in einem Optikergeschäft nötig.
Kann man eine Rot-Grün-Schwäche behandeln?
Eine angeborene Rot-Grün-Schwäche ist nicht heilbar [1]. Spezielle Filterbrillen können das Unterscheiden von Rot und Grün erleichtern, wirken aber nicht bei allen Betroffenen gleich gut und beheben die Ursache nicht.
Darf ich mit einer Farbsehschwäche in der Schweiz Auto fahren?
Ja. Das Farbensehen gehört in der Schweiz nicht zu den medizinischen Mindestanforderungen für den Führerausweis; geprüft werden unter anderem Sehschärfe, Gesichtsfeld und Doppelbilder [4]. Eine Rot-Grün-Schwäche steht dem Führerausweis daher grundsätzlich nicht entgegen.
Warum sind Männer häufiger betroffen als Frauen?
Die angeborene Rot-Grün-Schwäche wird über das X-Chromosom vererbt. Männer haben nur ein X-Chromosom, sodass ein verändertes Gen direkt zum Tragen kommt. Frauen haben zwei und können den Defekt eher ausgleichen – deshalb sind sie deutlich seltener betroffen [1][2].
[1] gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG), 2021, Farbenblindheit: Anzeichen und Diagnostik, https://gesund.bund.de/farbenblindheit
[2] MSD Manual, Profi-Ausgabe, 2025, Untersuchung bei Augenkrankheiten (Prüfung des Farbsinns), https://www.msdmanuals.com/de/profi/augenkrankheiten/untersuchung-bei-augenkrankheiten/untersuchung-bei-augenkrankheiten
[3] Krastel H. et al. / Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), 2009, Qualitätsanforderungen an die Untersuchung des Farbensinns, https://dog.org/wp-content/uploads/sites/11/2010/02/Krastel2009DEOP-Farbe-QuaSi.pdf
[4] Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft (SOG) und Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM), 2023, Verkehrsmedizinische Beurteilung des Sehvermögens, https://sgrm.ch/inhalte/Verkehrsmedizin/Richtlinien_Sehvermoegen_SOG-SGRM_September2023.cleaned.pdf
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