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Gelenkarten: Was sind Gelenke und welche Funktion haben sie?

Gelenkarten: Was sind Gelenke und welche Funktion haben sie?

Gelenke sind die beweglichen Verbindungen zwischen unseren Knochen. Sie sorgen dafür, dass wir uns bücken, greifen, drehen und gehen können, und sie federn Stösse ab, etwa beim Laufen oder Springen. Im menschlichen Körper gibt es viele unterschiedliche Gelenkarten, und jede ist auf bestimmte Bewegungen ausgelegt. Dieser Überblick erklärt verständlich, wie Gelenke aufgebaut sind, worin sich echte und unechte Gelenke unterscheiden und welche Bewegungen die einzelnen Gelenkformen ermöglichen.

Was ist ein Gelenk?

Ein Gelenk ist eine bewegliche Verbindung zwischen zwei oder mehreren Knochen. Damit sich diese Knochen gegeneinander bewegen können, ohne aneinander zu reiben, sind ihre Kontaktflächen mit einer glatten Knorpelschicht überzogen [1]. Die Gelenke halten gemeinsam mit Muskeln, Sehnen und Bändern das Skelett zusammen und ermöglichen ihm zugleich Beweglichkeit.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei grosse Gruppen: echte Gelenke und unechte Gelenke. Der Unterschied liegt im Aufbau und darin, wie viel Bewegung sie zulassen [1][2].

Wie ist ein echtes Gelenk aufgebaut?

Echte Gelenke (in der Fachsprache Diarthrosen) sind die beweglichen Verbindungen, an die die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort „Gelenk" hören – etwa Knie, Hüfte oder Schulter. Ihr Aufbau folgt im Grundprinzip immer demselben Bauplan [1]:

  • Gelenkkopf und Gelenkpfanne: Meist bildet ein Knochen den abgerundeten Gelenkkopf, der andere die passende Vertiefung, die Gelenkpfanne.
  • Gelenkknorpel: Die Gelenkflächen sind mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Sie verteilt Belastungen und sorgt dafür, dass Knochen nicht direkt auf Knochen reibt.
  • Gelenkspalt: Zwischen den Gelenkflächen liegt ein schmaler Spalt. Er ist das typische Merkmal echter Gelenke.
  • Gelenkkapsel: Eine Kapsel umschliesst das Gelenk. Ihre äussere Schicht aus straffem Bindegewebe stabilisiert, die innere Schicht bildet die Gelenkflüssigkeit.
  • Gelenkflüssigkeit (Synovia): Diese „Gelenkschmiere" verringert die Reibung und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen.

Der Knorpel besitzt keine eigenen Blutgefässe. Er wird über die Gelenkflüssigkeit ernährt, und diese verteilt sich vor allem durch Bewegung im Gelenk. Vereinfacht gesagt verhält sich der Knorpel bei Belastung und Entlastung wie ein Schwamm, der Flüssigkeit aufnimmt und wieder abgibt [3]. Deshalb ist regelmässige, massvolle Bewegung wichtig, um Gelenke geschmeidig zu halten.

Was sind unechte Gelenke?

Unechte Gelenke (Synarthrosen) sind Verbindungen zwischen Knochen, die kein echtes Gelenkspaltsystem besitzen. Statt eines beweglichen Spalts sind die Knochen hier direkt durch Füllmaterial wie Knorpel oder Bindegewebe miteinander verbunden [1][2]. Dadurch sind sie nur eingeschränkt oder kaum beweglich.

Je nach Verbindungsgewebe unterscheidet man unter anderem [2]:

  • Knorpelhafte Verbindungen: etwa die Bandscheiben zwischen den Wirbeln oder die Verbindung am Brustbein.
  • Bindegewebige Verbindungen: zum Beispiel zwischen den Schädelknochen, die im Erwachsenenalter verknöchern.
  • Bandhafte Verbindungen: etwa zwischen Elle und Speiche am Unterarm.

Eine Sonderform sind die sogenannten Amphiarthrosen (straffe Gelenke). Sie besitzen zwar Merkmale eines echten Gelenks, sind aber durch sehr straffe Bänder so fest verbunden, dass kaum Bewegung möglich ist – ein Beispiel ist das Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk) [2].

Gut zu wissen: Unechte Gelenke spielen vor allem während des Wachstums eine wichtige Rolle. Manche dienen als Wachstumszonen der Knochen und verknöchern später ganz, etwa an den Schädelknochen [2].

Welche Gelenkformen gibt es bei echten Gelenken?

Echte Gelenke werden zusätzlich nach ihrer Form eingeteilt. Die Form bestimmt, in welche Richtungen und um wie viele Achsen sich das Gelenk bewegen lässt. Fachleute sprechen dabei von Freiheitsgraden: Je mehr Bewegungsachsen ein Gelenk hat, desto beweglicher ist es [1].

Die wichtigsten Gelenkformen mit ihrer Beweglichkeit und je einem typischen Beispiel im Körper:

  • Kugelgelenk: in alle Richtungen, drei Bewegungsachsen – typisches Beispiel ist das Schultergelenk.
  • Scharniergelenk: Beugung und Streckung, eine Achse – typisches Beispiel ist das Ellenbogengelenk.
  • Sattelgelenk: zwei Achsen, keine Drehung – typisches Beispiel ist das Daumengrundgelenk.
  • Eigelenk: zwei Achsen, vier Richtungen – typisches Beispiel ist das körpernahe Handgelenk.
  • Drehgelenk: Drehung um die Längsachse, eine Achse – typisches Beispiel ist das Ellen-Speichen-Gelenk.

Die Begriffe lassen sich am eigenen Körper gut nachvollziehen [1]:

  • Kugelgelenk: Ein kugelförmiger Gelenkkopf sitzt in einer Pfanne. Das ermöglicht die grösste Beweglichkeit – vor und zurück, zur Seite und Drehbewegungen. Die Schulter ist das bekannteste Kugelgelenk. Eine Sonderform ist das Nussgelenk: Hier umschliesst die Pfanne den Kopf weiter, was den Bewegungsspielraum etwas einschränkt, dafür aber mehr Stabilität gibt. Das Hüftgelenk ist ein solches Nussgelenk.
  • Scharniergelenk: Wie ein Türscharnier lässt es nur Beugen und Strecken in einer Ebene zu. Beispiele sind das Ellenbogengelenk und die Fingergelenke.
  • Sattelgelenk: Zwei sattelförmige Flächen sitzen aufeinander. Möglich sind Bewegungen in zwei Richtungen, aber keine freie Drehung. Das Daumengrundgelenk ist das klassische Beispiel und ein Grund dafür, dass der Daumen so beweglich ist.
  • Eigelenk: Ein eiförmiger Kopf in einer ovalen Pfanne erlaubt Bewegungen um zwei Achsen, etwa beim körpernahen Handgelenk.
  • Drehgelenk: Hier dreht sich ein zapfenförmiges Knochenende in einer Führung. So lässt sich zum Beispiel der Unterarm zwischen Elle und Speiche drehen.

In der Praxis sind viele Gelenke Mischformen. Das Kniegelenk etwa verbindet Eigenschaften eines Scharnier- und eines Drehgelenks, weshalb es gebeugt auch ein Stück weit gedreht werden kann [1].

Welche Funktion haben Gelenke im Alltag?

Gelenke erfüllen drei zentrale Aufgaben zugleich: Sie verbinden die Knochen, sie ermöglichen gezielte Bewegungen und sie dämpfen Belastungen ab. Ohne sie wären weder das Greifen einer Tasse noch das Treppensteigen möglich.

Damit Gelenke ihre Funktion behalten, sind sie auf Bewegung angewiesen. Bewegung hält die Gelenkflüssigkeit geschmeidig und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen [3]. Wird ein Gelenk dagegen über lange Zeit kaum bewegt, kann die Versorgung des Knorpels leiden. Die Rheumaliga Schweiz weist darauf hin, dass regelmässige Alltagsbewegung Gelenke, Muskeln und das umliegende Gewebe unterstützt [3]. Das bedeutet nicht, dass intensiver Sport nötig ist – gemeint ist regelmässige, dem eigenen Körper angepasste Bewegung.

Ist ein Gelenk steif, schmerzhaft oder instabil, verändern sich oft auch Bewegungsmuster, Muskelkraft und die Art, wie das Gelenk belastet wird – häufig unbewusst. Solche Veränderungen können andere Gelenke und die umliegende Muskulatur zusätzlich beanspruchen. Hier setzt die Physiotherapie an: Sie kann gezielt an Beweglichkeit, Muskelkraft, Koordination und einer gelenkschonenden Belastung arbeiten. Welche Massnahmen sinnvoll sind, richtet sich nach der jeweiligen Ursache und wird individuell festgelegt.

Wann ist eine fachliche Abklärung sinnvoll?

Dieser Artikel erklärt den anatomischen Aufbau und ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Anhaltende Gelenkschmerzen, Schwellungen, deutliche Bewegungseinschränkungen oder Beschwerden nach einem Sturz sollten ärztlich abgeklärt werden, damit die Ursache eingeordnet werden kann.

Bei vielen Beschwerden des Bewegungsapparats spielt die Physiotherapie eine Rolle – etwa, um Beweglichkeit und Muskelkraft rund um ein Gelenk gezielt zu fördern. Welche Massnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt von der jeweiligen Ursache ab und wird individuell festgelegt.

Wenn du auf der Suche nach Unterstützung für deine Gelenkgesundheit bist, findest du auf truVuna Physiotherapie-Anbieter:innen in deiner Region. Du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren.

Häufige Fragen zu Gelenkarten

Wie viele Gelenke hat der menschliche Körper?

Eine exakte Zahl lässt sich nicht eindeutig festlegen, weil die Zählweise davon abhängt, ob man echte und unechte Gelenke zusammenfasst und wie man zusammengesetzte Gelenke zählt. In anatomischen Darstellungen werden die echten Gelenke häufig mit rund hundert oder mehr angegeben [1]. Für den Alltag ist weniger die genaue Zahl wichtig als das Verständnis, dass jede Gelenkart eine bestimmte Funktion erfüllt.

Was ist der Unterschied zwischen echten und unechten Gelenken?

Echte Gelenke besitzen einen Gelenkspalt, eine Gelenkkapsel und Gelenkflüssigkeit und sind frei beweglich, etwa Knie oder Schulter. Unechte Gelenke haben keinen Gelenkspalt; die Knochen sind direkt durch Knorpel oder Bindegewebe verbunden und nur eingeschränkt beweglich, zum Beispiel die Bandscheiben oder die Schädelnähte [1][2].

Warum ist Bewegung für die Gelenke wichtig?

Der Gelenkknorpel hat keine eigenen Blutgefässe und wird über die Gelenkflüssigkeit ernährt. Diese verteilt sich vor allem durch Bewegung, die abwechselnd Belastung und Entlastung auf den Knorpel bringt [3]. Regelmässige, massvolle Bewegung unterstützt daher die Versorgung des Knorpels und den Erhalt der Beweglichkeit.

Welches ist das beweglichste Gelenk?

Die grösste Beweglichkeit bieten Kugelgelenke, weil sie Bewegungen um mehrere Achsen erlauben. Das Schultergelenk gehört zu den beweglichsten Gelenken des Körpers, ist dafür aber weniger stabil als etwa das Hüftgelenk, das als Nussgelenk eine tiefere Pfanne und damit mehr Halt besitzt [1].

Quellen

[1] Schünke M, Schulte E, Schumacher U, Prometheus – Lernatlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem, Thieme, 2018.

[2] Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at), 2021, Gelenke – Anatomie, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/koerper/bewegungsapparat/gelenke.html

[3] Rheumaliga Schweiz, Bewegung und Gelenkgesundheit, https://www.rheumaliga.ch/medien/bewegung-in-alltaeglicher-dosis-4-tipps-der-rheumaliga-schweiz

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