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Genitalherpes ist eine durch Herpesviren ausgelöste Infektion im Bereich der Geschlechtsorgane. Ausgelöst wird sie durch das Herpes-simplex-Virus, von dem es zwei Typen gibt: HSV-1 verursacht typischerweise Lippenherpes, HSV-2 ist hauptsächlich für Genitalherpes verantwortlich [3][1]. Beide Typen können jedoch grundsätzlich an beiden Stellen vorkommen: Wer beispielsweise einen Lippenherpes hat und Oralsex praktiziert, kann HSV-1 in den Genitalbereich übertragen [5]. In den letzten Jahren verursacht HSV-1 zunehmend auch genitale Infektionen [1].
Nach der ersten Ansteckung verbleiben die Viren lebenslang im Körper. Sie ziehen sich in die Nervenknoten zurück und bleiben dort in einem inaktiven Zustand, aus dem sie immer wieder reaktiviert werden können [3][5]. Deshalb ist Genitalherpes eine chronische Infektion, die zwar behandelbar, aber nicht heilbar ist [1].
Genitalherpes ist weltweit weit verbreitet und zählt zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trugen 2020 rund 520 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 49 Jahren das Virus HSV-2 in sich – das entspricht etwa 13 Prozent dieser Altersgruppe [2]. In der Schweiz tragen laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund 20 Prozent der Bevölkerung HSV-2 und etwa 70 Prozent HSV-1 in sich [1].
Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer: Sie infizieren sich fast doppelt so oft mit HSV-2, weil die Übertragung vom Mann zur Frau leichter erfolgt als umgekehrt [2][1].
Genitalherpes zeigt sich bei Frauen vor allem durch schmerzhafte Bläschen, Juckreiz und Brennen im Intimbereich – häufig verläuft die Infektion aber ganz ohne Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, können sie folgende Bereiche und Anzeichen betreffen:
Die Bläschen entstehen bei Frauen vor allem an den Schamlippen und rund um den Scheideneingang, können sich aber auch zu den Oberschenkeln, zum Gesäss oder rund um den After ausbreiten [3]. Zusätzlich können grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten [1]. Ein erster Ausbruch verläuft in der Regel stärker als spätere [3].
Wichtig ist: Viele Frauen merken von der Infektion nichts. Bis zu 90 von 100 angesteckten Personen haben keine oder nur sehr leichte, untypische Symptome [5].
Gut zu wissen: Weil viele Infizierte keine Beschwerden bemerken, wissen sie oft nicht, dass sie das Virus tragen – und können es unbemerkt weitergeben. Das Virus kann auch dann übertragen werden, wenn keine Bläschen sichtbar sind [5][1].
Genitalherpes wird in den allermeisten Fällen beim Sex übertragen, also durch direkten Schleimhaut- und Hautkontakt. Die Übertragung erfolgt beim vaginalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr sowie durch Kontakt mit infizierter Haut oder Körperflüssigkeiten [1]. Besonders ansteckend sind sichtbare Bläschen und Geschwüre, da sie grosse Mengen an Viren enthalten [5].
Entscheidend ist aber: Ein Ansteckungsrisiko besteht auch dann, wenn keine Symptome vorhanden sind, weil das Virus zeitweise unbemerkt ausgeschieden wird [1]. Das erklärt, warum sich die Infektion so leicht verbreitet.
Genitalherpes kann zudem das Risiko für eine HIV-Infektion erhöhen: Über die kleinen Hautverletzungen können HI-Viren leichter eindringen [5][2].
Ein erster Ausbruch klingt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, wiederkehrende Ausbrüche dauern oft nur etwa eine Woche [5][3]. Die Erstinfektion fällt in der Regel stärker und länger aus, da der Körper noch keine Abwehr gegen das Virus aufgebaut hat [3].
Die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Anzeichen kann von einigen Tagen bis zu einigen Wochen reichen. Sowohl Dauer als auch Intensität der Beschwerden lassen sich durch eine antivirale Behandlung verringern [3]. Mit der Zeit werden wiederkehrende Ausbrüche bei vielen Frauen schwächer und seltener [5].
Genitalherpes kann immer wieder auftreten, weil die Viren nach der ersten Infektion dauerhaft im Körper bleiben und aus den Nervenknoten heraus reaktiviert werden können [5][3]. Ob und wie oft es dabei erneut zu Symptomen kommt, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich – manche haben nie wieder Beschwerden, andere mehrmals im Jahr.
Verschiedene Faktoren können einen erneuten Ausbruch begünstigen, etwa fieberhafte Infekte, ein geschwächtes Immunsystem oder körperlicher und seelischer Stress [3][5]. Wer mehr als sechsmal pro Jahr Symptome hat, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob eine vorbeugende Dauerbehandlung mit antiviralen Medikamenten sinnvoll ist [1].
Genitalherpes ist nicht heilbar, lässt sich aber gut behandeln und kontrollieren. Nach der Erstinfektion verbleiben die Herpesviren dauerhaft im Körper, und es gibt kein Medikament, das die Viren vollständig entfernt [1][3]. Antivirale Medikamente können jedoch die Beschwerden lindern, einen Ausbruch verkürzen und das Ansteckungsrisiko sowie die Häufigkeit erneuter Ausbrüche verringern [3][1].
Die Diagnose erfolgt meist anhand der typischen Hautveränderungen, bei Unklarheit ergänzt durch einen Labortest. Behandelnde Fachpersonen erkennen Genitalherpes häufig bereits an den charakteristischen Bläschen; zur Bestätigung kann ein Abstrich aus einer Läsion entnommen und mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) untersucht werden, die als empfindlichste Methode gilt [4].
Die Behandlung erfolgt mit sogenannten Virostatika – Medikamenten, welche die Vermehrung der Viren hemmen. Wirksam sind Wirkstoffe wie Aciclovir, Valaciclovir und Famciclovir [3]. Sie können entweder bei akuten Ausbrüchen eingenommen werden oder, bei häufigen Episoden, als vorbeugende Dauertherapie [1]. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der Häufigkeit der Ausbrüche und vom individuellen Leidensdruck ab und wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt entschieden.
Weil Genitalherpes häufig ohne Symptome verläuft, ist eine sichere Selbsteinschätzung nicht möglich. Bei Bläschen, Schmerzen oder anderen Auffälligkeiten im Intimbereich – oder wenn ein:e Sexualpartner:in positiv getestet wurde – ist eine ärztliche Abklärung der richtige Weg, um Klarheit zu bekommen.
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In der Schwangerschaft kann Genitalherpes in seltenen Fällen auf das Neugeborene übertragen werden – meist während der Geburt – und für das Kind gefährlich werden. Das Risiko hängt stark davon ab, wann sich die Frau ansteckt. Wer sich bereits vor oder zu Beginn der Schwangerschaft infiziert hat, gibt das Virus nur selten weiter, weil das mütterliche Immunsystem Antikörper gebildet hat, die über den Mutterkuchen auch das Kind schützen [6]. In einer grossen Studie kam es in dieser Konstellation bei etwa 1 von 100 Geburten zu einer Infektion des Säuglings [6].
Deutlich höher ist das Risiko bei einer Erstansteckung im letzten Schwangerschaftsdrittel: Dann wird das Virus schätzungsweise bei 30 bis 50 von 100 Geburten auf das Kind übertragen [6]. In solchen Situationen kann eine vorbeugende Behandlung – in der Regel mit dem Wirkstoff Aciclovir – eingesetzt und gegebenenfalls eine Entbindung per Kaiserschnitt erwogen werden, um eine Ansteckung zu vermeiden [6].
Sicherheitshinweis: Eine Herpesinfektion des Neugeborenen ist selten, kann aber schwer verlaufen. Sprich in der Schwangerschaft frühzeitig mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, wenn du Genitalherpes hast oder hattest. Zeigt ein Neugeborenes Anzeichen wie Fieber, Teilnahmslosigkeit, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge, ist rasch ärztlicher Rat nötig [6].
Der wichtigste Schutz ist, beim Sex Kondome zu verwenden und während eines akuten Ausbruchs auf Kontakt mit den betroffenen Stellen zu verzichten. Kondome bieten allerdings keinen hundertprozentigen Schutz, da sich Bläschen auch ausserhalb des bedeckten Bereichs befinden können – sie reduzieren das Risiko aber [1]. Bei sichtbaren Bläschen oder Geschwüren im Genitalbereich sollte auf Sex verzichtet werden, bei dem es zu Kontakt mit diesen Stellen kommt [1].
Weil viele Infektionen unbemerkt verlaufen, ist es zudem sinnvoll, sich bei neuen Sexualkontakten oder Unsicherheiten auf sexuell übertragbare Infektionen testen zu lassen [1]. Eine offene Kommunikation mit Partnerin oder Partner hilft, das Ansteckungsrisiko gemeinsam zu senken.
Ist Genitalherpes gefährlich?
Für die meisten Frauen ist Genitalherpes unangenehm, aber nicht gefährlich. Die Beschwerden klingen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen ab [5]. Ernster ist die Lage in der Schwangerschaft, da das Virus selten auf das Neugeborene übergehen und dann schwer verlaufen kann [6]. Zudem kann Genitalherpes das Risiko für eine HIV-Infektion erhöhen [2].
Kann man Genitalherpes vollständig heilen?
Nein, Genitalherpes ist nicht heilbar. Nach der Ansteckung bleiben die Viren lebenslang im Körper [1]. Antivirale Medikamente wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir können aber die Beschwerden lindern, Ausbrüche verkürzen und ihre Häufigkeit verringern [3][1].
Kann ich Genitalherpes auch ohne Symptome übertragen?
Ja. Das Virus kann auch dann weitergegeben werden, wenn keine Bläschen sichtbar sind und keine Beschwerden bestehen [1]. Da bis zu 90 von 100 Infizierten kaum oder gar keine Symptome bemerken, wissen viele nicht, dass sie das Virus tragen [5]. Deshalb sind Kondome und regelmässige Tests sinnvoll.
Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei Bläschen, Schmerzen oder anderen Auffälligkeiten im Intimbereich sowie wenn ein:e Partner:in positiv getestet wurde. Wer mehr als sechsmal pro Jahr Symptome hat, sollte eine vorbeugende Dauerbehandlung besprechen [1]. In der Schwangerschaft sollte ein bekannter oder vermuteter Genitalherpes immer frühzeitig ärztlich begleitet werden [6].
[1] Bundesamt für Gesundheit (BAG), Herpes simplex (HSV-1, HSV-2), bag.admin.ch, https://www.bag.admin.ch/de/herpes-simplex-hsv-1-hsv-2-de
[2] World Health Organization (WHO), 2025, Herpes simplex virus (Fact sheet), who.int, https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/herpes-simplex-virus
[3] MSD Manual Ausgabe für Patienten, 2024, Genitalherpes, msdmanuals.com, https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/infektionen/herpesvirusinfektionen/genitalherpes
[4] MSD Manual Profi-Ausgabe, 2023, Herpes Genitalis, msdmanuals.com, https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/infektionskrankheiten/herpesviren/herpes-genitalis
[5] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Genitalherpes, gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/genitalherpes.html
[6] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Genitalherpes in der Schwangerschaft, gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/genitalherpes-in-der-schwangerschaft.html
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