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Keratokonus: Symptome, Ursachen und Behandlung der Hornhauterkrankung

Keratokonus: Symptome, Ursachen und Behandlung der Hornhauterkrankung

Keratokonus ist eine Erkrankung der Hornhaut, bei der sich diese zunehmend verdünnt und kegelförmig nach vorne wölbt. Das Wort setzt sich aus den griechischen Begriffen für Horn(kerato) und Kegel(konus) zusammen. Weil die Hornhaut das einfallende Licht bündelt, führt diese Verformung zu einer verzerrten, unscharfen Sicht, die sich mit einer gewöhnlichen Brille oft nur unzureichend ausgleichen lässt. Dieser Ratgeber erklärt dir, woran du einen Keratokonus erkennst, wie er diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen. Die Erkrankung beginnt meist im Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter und schreitet über Jahre langsam voran, bevor sie sich häufig von selbst stabilisiert. Ein Keratokonus lässt sich nicht im eigentlichen Sinne heilen, aber sein Fortschreiten kann mit den heutigen Methoden in vielen Fällen aufgehalten werden[1][3]

Was ist ein Keratokonus?

Ein Keratokonus ist eine fortschreitende Hornhauterkrankung, bei der die Hornhaut dünner wird und sich kegelförmig vorwölbt. Die Hornhaut ist die klare, gewölbte Schicht an der Vorderseite des Auges. Sie bricht das einfallende Licht und leitet es zur Netzhaut weiter – sie funktioniert also wie eine Linse. Verändert sich ihre Form, wird das Licht unregelmässig gebündelt, und das Bild auf der Netzhaut wird unscharf [1][4].

Fachleute vermuten als Ursache eine gestörte Stabilität des kornealen Stützgerüsts: Die Verbindungen zwischen den Kollagenfasern der Hornhaut sind geschwächt, wodurch das Gewebe dem normalen Augeninnendruck weniger Widerstand entgegensetzt [1][4]. Der Keratokonus betrifft typischerweise beide Augen, oft jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Gut zu wissen: Keratokonus ist nicht zu verwechseln mit einer gewöhnlichen Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). Zwar verursacht der Keratokonus ebenfalls eine Verkrümmung, diese ist aber unregelmässig und nimmt im Verlauf zu – während ein einfacher Astigmatismus meist stabil bleibt und sich gut mit Brille korrigieren lässt.

Wie häufig ist Keratokonus?

Keratokonus galt lange als seltene Erkrankung mit einer Häufigkeit von etwa einer von 2'000 Personen. Neuere Untersuchungen mit modernen Diagnosegeräten deuten allerdings darauf hin, dass die Erkrankung häufiger vorkommt als früher angenommen. In einer niederländischen Studie wurde eine Häufigkeit von rund einer von 375 Personen ermittelt [4].

Diese Unterschiede erklären sich vor allem dadurch, dass feine Frühformen heute besser erkannt werden. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen. Die Erkrankung tritt in allen Bevölkerungsgruppen auf.

Welche Symptome treten beim Keratokonus auf?

Die häufigsten Symptome sind eine zunehmende Sehverschlechterung, verschwommenes oder verzerrtes Sehen und eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Im Frühstadium bleibt ein Keratokonus oft unbemerkt oder wird für eine gewöhnliche Fehlsichtigkeit gehalten [3][5].

Typische Anzeichen sind:

  • häufig wechselnde Werte bei Brille oder Kontaktlinsen, die nie ganz zufriedenstellen
  • zunehmende Kurzsichtigkeit und unregelmässige Hornhautverkrümmung
  • verschwommenes, verzerrtes Sehen, das sich mit Brille nicht vollständig korrigieren lässt
  • Lichthöfe (sogenannte Halos) und Schlieren um Lichtquellen, besonders nachts
  • erhöhte Blend- und Lichtempfindlichkeit

Im frühen Stadium sind die Beschwerden gering. Mit fortschreitender Vorwölbung wird die Korrektur mit einer Brille immer schwieriger, weil die Hornhautoberfläche zunehmend unregelmässig wird [5].

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Die genaue Ursache des Keratokonus ist trotz umfangreicher Forschung nicht abschliessend geklärt. Als wahrscheinlich gilt ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und äusseren Einflüssen [4][5]. In manchen Familien tritt die Erkrankung gehäuft auf.

Ein wiederkehrend beschriebener Faktor ist intensives, häufiges Augenreiben, das die geschwächte Hornhaut zusätzlich belasten kann. Auch ein Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen und mit bestimmten genetischen Syndromen wurde beobachtet [4]. Diese Beobachtungen erklären die Entstehung jedoch nicht vollständig – sie gelten als Hinweise, nicht als gesicherte alleinige Auslöser.

Wie wird ein Keratokonus diagnostiziert?

Die Diagnose stellt eine augenärztliche Fachperson mithilfe spezieller Messverfahren, die die Form und Dicke der Hornhaut genau erfassen. Eine reine Sehtestung reicht nicht aus, da ein früher Keratokonus dabei unentdeckt bleiben kann.

Zentrale Untersuchungen sind die Hornhaut-Topografie und die Tomografie, die ein detailliertes Höhen- und Dickenprofil der Hornhaut erstellen. Damit lassen sich auch sehr frühe Formen erkennen, bevor deutliche Beschwerden auftreten [4]. Fast keine andere Augenerkrankung ist heute einer so frühen apparativen Diagnose und einer stadiengerechten Behandlung so gut zugänglich wie der Keratokonus [4].

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Im Vordergrund stehen zwei Ziele: das Sehvermögen so gut wie möglich zu erhalten und ein weiteres Fortschreiten aufzuhalten [1][4]. Je nach Stadium kommen unterschiedliche Massnahmen zum Einsatz:

  • Frühes Stadium mit geringer Ausprägung: Eine Brille oder weiche Kontaktlinsen gleichen die Fehlsichtigkeit aus.
  • Fortschreitende Erkrankung mit dünner werdender Hornhaut: Die Hornhautvernetzung (Crosslinking) soll die Hornhaut stabilisieren und das Fortschreiten aufhalten.
  • Stärkere Verkrümmung: Formstabile (harte) Kontaktlinsen oder Speziallinsen gleichen die unregelmässige Hornhautoberfläche aus.
  • Weit fortgeschrittene Erkrankung: Eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) kann die Sicht wiederherstellen.

Welche Massnahme im Einzelfall geeignet ist, legt die behandelnde augenärztliche Fachperson individuell fest. Mehrere Ansätze können auch kombiniert werden.

Brille und Kontaktlinsen

In frühen Stadien lässt sich die Sehschärfe häufig noch mit einer Brille oder weichen Kontaktlinsen ausgleichen. Wird die Hornhautverkrümmung stärker und unregelmässiger, kommen formstabile (harte) Kontaktlinsen oder spezielle Keratokonuslinsen zum Einsatz. Sie legen sich über die unregelmässige Hornhaut und schaffen so eine glattere optische Oberfläche [1].

Hornhautvernetzung (Crosslinking)

Die Hornhautvernetzung, auch Crosslinking oder CXL genannt, ist ein Verfahren, das die Hornhaut stabilisieren und das Fortschreiten aufhalten soll. Dabei wird die Hornhaut mit Riboflavin (Vitamin B2) und ultraviolettem Licht behandelt. Diese Kombination regt zusätzliche Verbindungen zwischen den Kollagenfasern an, wodurch das Gewebe mechanisch gefestigt wird [1][2].

Studien deuten darauf hin, dass das Crosslinking das Fortschreiten eines progressiven Keratokonus in vielen Fällen verlangsamen oder aufhalten kann. Eine kontrollierte Studie an jugendlichen Patient:innen zeigte, dass in der behandelten Gruppe deutlich seltener ein Fortschreiten auftrat als in der unbehandelten Vergleichsgruppe [6]. Systematische Übersichtsarbeiten kommen zu vergleichbaren Einschätzungen, weisen jedoch auf Unterschiede zwischen den Studien und auf den Bedarf an längerfristigen Daten hin [2]. Das Verfahren kann den Zustand nicht rückgängig machen – im besten Fall wird die Vorwölbung stabilisiert [1].

Wichtig: Beschreibungen von Ablauf, Methode und Eignung des Crosslinkings können sich je nach Klinik, verwendetem Protokoll und Stadium der Erkrankung unterscheiden. Ob und wann ein Eingriff sinnvoll ist, lässt sich nur in einer persönlichen augenärztlichen Untersuchung beurteilen.

Hornhauttransplantation

Bei weit fortgeschrittenem Keratokonus, wenn andere Massnahmen nicht mehr ausreichen, kann eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) notwendig werden. Dabei wird erkranktes Hornhautgewebe durch Spendergewebe ersetzt. Dieser Eingriff ist heute gut etabliert, wird aber erst in Betracht gezogen, wenn das Sehvermögen anders nicht mehr zu erhalten ist [1][4].

Wie verläuft ein Keratokonus?

Ein Keratokonus schreitet typischerweise über Jahre langsam fort und stabilisiert sich häufig ab dem dritten bis vierten Lebensjahrzehnt von selbst [4][5]. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich: Bei manchen Menschen bleibt die Erkrankung mild, bei anderen schreitet sie schneller voran.

Wird ein fortschreitender Keratokonus früh erkannt und behandelt, sind die Aussichten auf einen Erhalt des Sehvermögens gut. Eine frühzeitige Diagnose ist deshalb von zentraler Bedeutung – gerade weil die Anfangsstadien oft unbemerkt bleiben.

Wann solltest du augenärztlichen Rat suchen?

Sinnvoll ist eine augenärztliche Abklärung, wenn sich deine Sehschärfe wiederholt verschlechtert, die Brillenwerte sich häufig ändern oder du verzerrt siehst und vermehrt Lichthöfe wahrnimmst. Auch wenn in deiner Familie ein Keratokonus bekannt ist, kann eine frühzeitige Kontrolle ratsam sein.

Eine fachkundige Untersuchung schafft Klarheit darüber, ob tatsächlich ein Keratokonus vorliegt und in welchem Stadium er sich befindet. Auf truVuna findest du Augenärzt:innen in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt für einen Termin zur Abklärung.

Häufige Fragen zum Keratokonus

Ist Keratokonus heilbar?

Ein Keratokonus lässt sich nicht im eigentlichen Sinne heilen. Mit modernen Methoden wie der Hornhautvernetzung kann das Fortschreiten in vielen Fällen jedoch aufgehalten werden. Ziel der Behandlung ist es, das Sehvermögen zu erhalten und eine weitere Verschlechterung zu verhindern. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten.

Macht Keratokonus blind?

Ein Keratokonus führt in der Regel nicht zur vollständigen Erblindung. Unbehandelt kann er aber zu einer deutlichen Sehbeeinträchtigung führen, die den Alltag stark einschränkt. In fortgeschrittenen Fällen lässt sich das Sehvermögen häufig durch eine Hornhauttransplantation wiederherstellen.

Sollte man bei Keratokonus auf Augenreiben verzichten?

Häufiges, kräftiges Augenreiben wird wiederholt als möglicher belastender Faktor für die geschwächte Hornhaut beschrieben. Es gilt deshalb als sinnvoll, starkes Reiben zu vermeiden. Wenn die Augen oft jucken, etwa durch Allergien, lohnt sich eine augenärztliche Beratung zum Umgang damit.

Ab welchem Alter tritt Keratokonus auf?

Ein Keratokonus beginnt meist im Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter. Über die folgenden Jahre kann er fortschreiten, bevor er sich oft ab dem dritten bis vierten Lebensjahrzehnt stabilisiert. Weil gerade junge Verläufe schneller fortschreiten können, ist eine frühzeitige Abklärung bei Beschwerden besonders wichtig.

Quellen

[1] Klinik für Augenheilkunde, Universitätsspital Bern (Inselspital); Seiler T. G. et al. (2022). Behandlungsindikationen für das korneale Crosslinking und klinische Ergebnisse neuer Crosslinking-Techniken. Die Ophthalmologie. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35147774/

[2] Sykakis E. et al. (2017). Corneal Collagen Cross-Linking for Treating Keratoconus: A Systematic Review. PMC / Cochrane-basierte Übersicht. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5485290/

[3] Theuring A. et al.; Springer Medizin (2017). Keratoconus und dessen Behandlung mit Hornhautvernetzung und Kontaktlinsen: ein Überblick. springermedizin.at. https://www.springermedizin.at/keratoconus-und-dessen-behandlung-mit-hornhautvernetzung-und-kon/14917894

[4] Flockerzi E. et al. (2021). Stadiengerechte Therapie des Keratokonus. Die Ophthalmologie / PMC. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8492599/

[5] Romero-Jiménez M. et al.; Scientific Reports / Springer Nature (2014). Corneal collagen cross-linking in keratoconus: A systematic review and meta-analysis. Scientific Reports. https://www.nature.com/articles/srep05652

[6] Larkin D. F. P. et al. (2021). Effect of Corneal Cross-linking versus Standard Care on Keratoconus Progression in Young Patients (KERALINK). Ophthalmology (AAO). https://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(21)00297-9/fulltext

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