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Beim Sehen muss das Licht von aussen so im Auge gebündelt werden, dass es exakt auf der Netzhaut – genauer auf der Makula – fokussiert wird. Dafür sorgen Hornhaut und Linse zusammen mit der Augenlänge. Wenn diese Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind, entsteht ein scharfes Bild.
Bei einer Hypermetropie liegt der Brennpunkt der einfallenden Lichtstrahlen hinter der Netzhaut. Das Auge ist im Verhältnis zur Brechkraft zu kurz, oder die Brechkraft von Linse und Hornhaut ist zu gering. Das Bild auf der Netzhaut erscheint unscharf [1].
Junge Augen können diesen Fehler durch die Akkommodation – die aktive Krümmungsänderung der Augenlinse – oft kompensieren. Bei niedriger Hypermetropie sieht die Person dann gut, das Auge muss aber dauerhaft mehr arbeiten. Mit zunehmendem Alter lässt die Akkommodationsfähigkeit nach, und die zuvor verborgene Hypermetropie wird sichtbar – zuerst beim Nahsehen, später auch in der Ferne.
Die Beschwerden variieren je nach Schweregrad und Alter. Charakteristisch ist das Bild der „asthenopischen Beschwerden" – ein Sammelbegriff für die Anstrengungssymptome eines überforderten Akkommodationssystems.
Typische Symptome:
Bei Kindern äussert sich eine Hypermetropie manchmal anders: Sie meiden Naharbeit, klagen über Bauchschmerzen beim Lesen oder zeigen Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule. Eine ausgeprägte Hypermetropie kann bei Kindern ein akkommodatives Schielen auslösen – das Auge wendet sich beim verstärkten Akkommodieren nach innen [2].
In der Fachliteratur wird zwischen verschiedenen Formen unterschieden, was für die Therapieentscheidung wichtig ist:
Die exakte Differenzierung erfolgt mit speziellen Refraktionsmessungen, insbesondere mit Pupillenerweiterung (Zykloplegie), die die Akkommodation kurzzeitig ausschaltet.
Drei Hauptgründe spielen eine Rolle:
Bei vielen Menschen ist die Hypermetropie genetisch mitbedingt, eine eindeutige familiäre Häufung ist aber nicht immer feststellbar. Im Säuglings- und Kleinkindalter ist eine leichte Hyperopie sogar normal – das Auge wächst noch und stabilisiert sich in der Regel bis zum Schulalter [1].
Eine vollständige Diagnose erfolgt augenärztlich oder optometrisch. Die wichtigsten Untersuchungen:
Die Stärke der Hypermetropie wird in Dioptrien (dpt) mit positiver Vorzeichengebung angegeben: +1.00 dpt ist eine schwache, +5.00 dpt eine deutliche Hyperopie.
Die Korrektur der Weitsichtigkeit verstärkt die Brechkraft des Auges, damit das Bild wieder auf der Netzhaut fokussiert wird. Mehrere Wege sind möglich:
Brille
Die einfachste und sicherste Methode. Plus-Gläser (Sammellinsen) erhöhen die Brechkraft. Bei höheren Dioptrien sind die Gläser zur Mitte hin dicker als am Rand – moderne hochbrechende Materialien (Brechungsindex 1.6 bis 1.74) machen die Brille leichter und ästhetischer.
Kontaktlinsen
Weiche oder formstabile Linsen können Hypermetropie ebenso korrigieren wie Kurzsichtigkeit. Sie sitzen direkt auf der Hornhaut und verändern die effektive Brechkraft. Manche Träger:innen bevorzugen sie, weil sie kein verstärktes Glas im Sichtfeld haben.
Refraktive Laseroperationen (LASIK, Femto-LASIK, PRK)
Bei stabiler Sehstärke und in der Regel ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Die Hornhaut wird so umgeformt, dass die Brechkraft des Auges steigt. Bei hoher Hyperopie sind diese Verfahren je nach individueller Anatomie nur eingeschränkt geeignet.
Refraktiver Linsenaustausch (RLE) oder phake Intraokularlinsen (ICL)
Bei höheren Dioptrien oder ungünstiger Hornhautanatomie wird statt der Hornhaut die Linse verändert. Beim RLE wird die natürliche Linse durch eine künstliche ersetzt, bei der ICL eine zusätzliche Linse vor die natürliche Linse eingesetzt.
Kombinierte Korrektur bei Alterssichtigkeit
Wenn zusätzlich zur Hypermetropie eine Alterssichtigkeit besteht, kommen je nach Alltag und Sehbedürfnis Gleitsichtbrillen, multifokale Kontaktlinsen oder operative Verfahren mit multifokalen beziehungsweise monofokalen Linsenkonzepten infrage. Welche Lösung geeignet ist, sollte individuell augenärztlich oder optometrisch abgeklärt werden.
Welche Lösung individuell passt, hängt von Sehstärke, Alter, Hornhautparametern und persönlichen Präferenzen ab. Eine fundierte augenärztliche Beratung ist Voraussetzung.
Bei Kindern ist die Hypermetropie eine besondere Situation, weil sie sich oft hinter einem unauffälligen Sehverhalten verbirgt – das Auge kompensiert. Wichtig:
Die obligatorische Grundversicherung übernimmt Brillen und Kontaktlinsen für Erwachsene nur bei eng definierten medizinischen Indikationen – etwa bei sehr hoher Fehlsichtigkeit oder nach bestimmten Augenerkrankungen. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Altersjahr beteiligt sich die Grundversicherung im Rahmen der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) grundsätzlich an Sehhilfen. Der Beitrag liegt bei bis zu CHF 180.– pro Jahr für Brillengläser oder Kontaktlinsen [3]. Dieser Beitrag bezieht sich auf Sehhilfen allgemein – ob und in welcher Form eine konkrete Versorgung vergütet wird, sollte vorab mit Krankenkasse und Fachperson geklärt werden.
Für die augenärztliche Untersuchung und Refraktion gilt die KVG-Regelung der ambulanten Leistungen – mit Anteil aus Franchise und Selbstbehalt. Refraktive Operationen (LASIK, ICL, RLE) sind in der Regel nicht Teil der Grundversicherung und werden privat bezahlt; einige Zusatzversicherungen leisten anteilige Beträge.
Nicht jede gemessene Hyperopie braucht zwingend eine Brille. Entscheidend sind drei Faktoren:
Ein Optometrist oder Augenarzt kann anhand der Refraktionsmessung, der Symptome und einer Eignungseinschätzung individuell entscheiden, welche Korrektur sinnvoll ist.
Eine gut korrigierte Hypermetropie hat in der Regel keinen Einfluss auf die Lebensqualität – die meisten Träger:innen kommen mit Brille oder Kontaktlinsen gut zurecht. Wichtig sind:
Wer plötzlich eine deutliche Sehverschlechterung, Doppelbilder, Lichtblitze oder Schmerzen erlebt, sollte umgehend augenärztlich abklären lassen – das gilt unabhängig von der bekannten Fehlsichtigkeit.
Eine Hypermetropie lässt sich nicht durch Augenübungen oder Lebensstil „wegtrainieren". Wer aber bereits korrigiert ist, kann mit ein paar Gewohnheiten Augenstress reduzieren:
Insbesondere bei Kindern ist die augenärztliche Kontrolle vor und während der Schullaufbahn wichtig, da viele Hyperopien unbemerkt bleiben und nur durch eine Untersuchung auffallen.
Beide Sehfehler führen zu Schwierigkeiten beim Nahsehen, sind aber grundverschieden. Die Unterschiede im Überblick:
Wer schon vorher hyperop war, merkt die Alterssichtigkeit häufig früher und stärker – die beiden Effekte summieren sich.
Wenn du Hinweise auf eine Weitsichtigkeit bei dir oder deinem Kind bemerkst oder eine Veränderung beim Sehen wahrnimmst, ist eine augenärztliche oder optometrische Abklärung der erste Schritt. Auf truVuna findest du Optiker:innen in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen – und frage gezielt nach, ob eine Refraktionsbestimmung oder eine Beratung zu Brillen und Kontaktlinsen angeboten wird.
Was ist der Unterschied zwischen Hypermetropie und Kurzsichtigkeit?
Bei der Hypermetropie ist das Auge zu kurz oder die Brechkraft zu schwach, das Bild fokussiert hinter der Netzhaut – besonders das Nahsehen wird schwierig. Bei der Kurzsichtigkeit (Myopie) ist das Auge zu lang oder die Brechkraft zu stark, der Brennpunkt liegt vor der Netzhaut – das Fernsehen wird unscharf. Korrigiert werden beide mit unterschiedlichen Linsenstärken: Plus-Gläsern bei Hyperopie, Minus-Gläsern bei Myopie.
Welche Symptome sind typisch für Weitsichtigkeit?
Müde Augen nach Naharbeit, Kopfschmerzen, Druckgefühl, verschwommene Sicht beim Lesen oder am Bildschirm und – bei stärkerer Ausprägung – auch unscharfe Fernsicht. Bei Kindern können Konzentrationsprobleme oder akkommodatives Schielen Hinweise sein. Eine fachliche Refraktionsmessung schafft Klarheit.
Kann sich eine Hypermetropie verschlechtern?
Die zugrundeliegende anatomische Form bleibt im Erwachsenenalter weitgehend stabil. Was sich verändert, ist die Kompensationsfähigkeit des Auges: Mit nachlassender Akkommodation ab Mitte 40 wird eine vorher latente Hyperopie spürbar und wirkt sich auf das Sehen aus.
Welche Korrekturmöglichkeiten gibt es?
Brille mit Plus-Gläsern, Kontaktlinsen, refraktive Laseroperationen (LASIK, PRK, Femto-LASIK), refraktiver Linsenaustausch oder phake Intraokularlinsen. Welche Lösung passt, hängt von Sehstärke, Alter und Augenanatomie ab – eine augenärztliche Beratung ist Voraussetzung.
Übernimmt die Krankenkasse Brille oder Operation?
Die Grundversicherung übernimmt Brillen und Kontaktlinsen für Erwachsene nur bei eng definierten medizinischen Indikationen. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Altersjahr besteht im Rahmen der MiGeL ein Beitrag von bis zu CHF 180.– pro Jahr für Sehhilfen. Refraktive Operationen sind in der Regel nicht in der Grundversicherung enthalten und werden selbst getragen; einige Zusatzversicherungen leisten anteilige Beträge.
[1] Majumdar S, Tripathy K. Hyperopia. In: StatPearls. StatPearls Publishing, 2024. National Library of Medicine. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK560716/
[2] Lembo A, Serafino M, Strologo MD, Saunders RA, Trivedi RH, Villani E, Nucci P. Accommodative esotropia: the state of the art. International Ophthalmology, 2019. DOI: 10.1007/s10792-018-0821-6. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29332227/
[3] Bundesamt für Gesundheit (BAG): Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) – Kapitel 25 "Sehhilfen". Offizielle Schweizer Verordnung des EDI nach Art. 33 KVG. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/versicherungen/krankenversicherung/krankenversicherung-leistungen-tarife/Mittel-und-Gegenstaendeliste.html
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