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Ein Knick-Senkfuss ist eine kombinierte Fehlstellung des Fusses, bei der das Längsgewölbe abgeflacht ist (Senkfuss) und die Ferse nach innen wegkippt (Knickfuss). [1] In der Fachsprache heisst diese Kombination Pes planovalgus. Bei einer ausgeprägten Abflachung, bei der nahezu die gesamte Fusssohle den Boden berührt, spricht man von einem Plattfuss (Pes planus). [1]
Das Fussgewölbe wirkt im gesunden Fuss wie eine Feder: Es verteilt das Körpergewicht und federt Belastungen beim Gehen und Stehen ab. Sinkt das Gewölbe ab, geht diese Dämpfung teilweise verloren, und der Fuss wird ungleichmässig belastet. [1]
Gut zu wissen: „Knick-Senkfuss", „Plattfuss" und „Senkfuss" werden umgangssprachlich oft vermischt. Gemeint sind verwandte Ausprägungen derselben Grundproblematik – ein abgesenktes Fussgewölbe in unterschiedlichem Ausmass. Entscheidend für die Frage einer Behandlung ist nicht der Name, sondern ob Beschwerden bestehen. [1]
Ob ein Knick-Senkfuss behandelt werden muss, hängt stark vom Alter und davon ab, ob er flexibel oder fixiert ist.
Bei Kindern ist ein flexibles, abgeflachtes Fussgewölbe in den ersten Lebensjahren normal. Bis etwa zum dritten Lebensjahr haben praktisch alle Kinder Plattfüsse; danach beginnt sich das Gewölbe zu entwickeln. [2] Ein flexibler kindlicher Knick-Senkfuss bildet sich häufig von selbst zurück und muss in der Regel nicht behandelt werden. Erst wenn ein älteres Kind dadurch Schmerzen oder Krämpfe hat, können zum Beispiel Einlagen sinnvoll sein. [2]
Beim Erwachsenen ist der erworbene Knick-Senkfuss häufig die Folge einer Schwäche der hinteren Schienbeinsehne (Tibialis-posterior-Sehne), die das Fussgewölbe stützt. [3] Lässt ihre Funktion mit der Zeit nach, sinkt das Gewölbe zunehmend ab. Diese Form betrifft besonders häufig Frauen im mittleren Lebensalter. [3]
Die Ursachen sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Alter. Häufig genannt werden:
Welche Ursache vorliegt, lässt sich nicht allein am äusseren Erscheinungsbild ablesen. Bei Beschwerden hilft eine fachliche Untersuchung, die zugrunde liegende Ursache einzuordnen.
Viele Menschen mit einem Knick-Senkfuss haben gar keine Beschwerden und bemerken die Fehlstellung kaum. [1] Treten Symptome auf, sind sie meist belastungsabhängig:
Da die Beschwerden schleichend beginnen können, werden sie anfangs leicht unterschätzt. Nehmen sie zu oder halten sie an, ist eine Abklärung sinnvoll.
Die Diagnose stellt eine Ärztin oder ein Arzt – meist in der Orthopädie – anhand der Schilderung der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung des Fusses. [3] Dabei wird unter anderem beurteilt, ob die Fehlstellung flexibel oder fixiert ist und wie stark die Ferse abknickt.
Ergänzend können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen unter Belastung eingesetzt werden, um das Ausmass der Fehlstellung genauer zu bestimmen. [3] Bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung kommen weitere Untersuchungen hinzu.
Ein symptomatischer Knick-Senkfuss lässt sich in den meisten Fällen konservativ, also ohne Operation, behandeln. [4][5] Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, den Fuss zu stützen und – wo möglich – das Fortschreiten zu verlangsamen. Wichtig zu wissen: Eine bestehende knöcherne Fehlstellung lässt sich durch konservative Massnahmen in der Regel nicht „rückgängig machen", die Beschwerden aber oft deutlich verbessern.
Häufig eingesetzte Bausteine sind:
Bei fortgeschrittenen, schmerzhaften oder fixierten Fehlstellungen, die auf konservative Massnahmen nicht ansprechen, kann eine Operation erwogen werden. [3][4] Ob und wann ein solcher Eingriff sinnvoll ist, hängt vom Stadium und vom individuellen Befund ab und wird mit einer Fachperson besprochen.
Die Physiotherapie ist bei einem symptomatischen Knick-Senkfuss ein zentraler konservativer Baustein – oft in Kombination mit Einlagen. Sie setzt daran an, die Muskulatur zu stärken, die das Fussgewölbe aktiv stützt, und die Beinachse besser zu kontrollieren.
Typische Ansatzpunkte sind:
Welche Übungen sinnvoll sind, hängt vom Befund und vom Stadium ab. Eine individuelle Anleitung ist hilfreicher als pauschale Übungsprogramme, da ein Knick-Senkfuss sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.
Ein beschwerdefreier Knick-Senkfuss muss meist nicht behandelt werden. Treten jedoch Schmerzen am Innenrand des Fusses, am Innenknöchel oder in den Beinen auf, ermüden die Füsse rasch oder verändert sich die Fussform spürbar, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. [3] Auch bei Kindern mit Schmerzen oder auffälliger, zunehmender Fehlstellung lohnt sich eine Untersuchung. [2]
Wenn die Diagnose steht und es um gezielte Übungen, Belastungssteuerung und die Begleitung über mehrere Wochen geht, ist die Physiotherapie eine sinnvolle Anlaufstelle. In der Schweiz wird sie bei ärztlicher Verordnung in der Regel über die Grundversicherung abgerechnet; Details zur Kostenübernahme klärst du am besten direkt mit deiner Versicherung.
Auf Physiotherapievergleich.ch findest du Physiotherapie-Anbieter:innen in deiner Region. Du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren, um die Behandlung eines Knick-Senkfusses zu begleiten.
Ist ein Knick-Senkfuss dasselbe wie ein Plattfuss?
Die Begriffe überschneiden sich. Der Knick-Senkfuss (Pes planovalgus) bezeichnet die Kombination aus abgesenktem Längsgewölbe und nach innen knickender Ferse. Als Plattfuss bezeichnet man meist die ausgeprägte Form, bei der das Gewölbe nahezu vollständig abgeflacht ist. Es handelt sich also um verwandte Ausprägungen derselben Grundproblematik. [1]
Muss ein Knick-Senkfuss immer behandelt werden?
Nein. Viele Menschen haben einen Knick-Senkfuss ohne Beschwerden und brauchen keine Behandlung. Ein flexibler kindlicher Knick-Senkfuss bildet sich häufig von selbst zurück. Erst wenn Schmerzen oder andere Beschwerden auftreten, sind Massnahmen wie Einlagen, Übungen oder Physiotherapie sinnvoll. [1][2]
Kann man einen Knick-Senkfuss mit Übungen korrigieren?
Übungen können die fussstützende Muskulatur kräftigen, Beschwerden lindern und die Belastung verbessern. Eine bereits bestehende knöcherne Fehlstellung lässt sich damit aber in der Regel nicht vollständig zurückbilden. Bei Erwachsenen geht es vor allem darum, Symptome zu verringern und ein Fortschreiten zu bremsen. [3]
Helfen Einlagen bei einem Knick-Senkfuss?
Orthopädische Einlagen können das Längsgewölbe stützen, die Belastung gleichmässiger verteilen und Schmerzen lindern. Besonders wirksam sind sie meist in Kombination mit Kräftigungsübungen. Welche Einlage passt, hängt vom individuellen Befund ab und wird fachlich angepasst. [3][4]
Wann ist eine Operation nötig?
Eine Operation kommt vor allem bei fortgeschrittenen, schmerzhaften oder fixierten Fehlstellungen infrage, die auf konservative Massnahmen nicht ausreichend ansprechen. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Fachperson anhand von Stadium und Befund. [3][4]
[1] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2024, Plattfuss (Pes planus) – Übersicht und Einordnung, https://www.msdmanuals.com/de/heim/multimedia/image/plattfu%C3%9F-pes-planus
[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2024, Klumpfuss und andere Fussdefekte (flexibler Plattfuss bei Kindern), https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-kindern/geburtsfehler-der-knochen-gelenke-und-muskeln/klumpfu%C3%9F-und-andere-fu%C3%9Fdefekte
[3] Geideman W. M., Johnson J. E., 2000, Posterior Tibial Tendon Dysfunction, Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy 30(2):68–77, https://www.jospt.org/doi/10.2519/jospt.2000.30.2.68
[4] American College of Foot and Ankle Surgeons, 2020, Adult Acquired Flatfoot Deformity – Clinical Consensus Statement, https://www.acfas.org/ACFAS/media/ACFAS_Media/Adult-Acquired-Flatfoot-Deformity-CSS.pdf
[5] Arain A., Harrington M. C., Rosenbaum A. J., 2024, Progressive Collapsing Foot Deformity, StatPearls (NCBI Bookshelf), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK542178/
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