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Leistenschmerzen sind Beschwerden im Übergangsbereich zwischen Unterbauch, Hüfte und Oberschenkel. Sie können stechend, scharf, ziehend oder dumpf sein, plötzlich (akut) oder über längere Zeit (chronisch) auftreten und manchmal in den Oberschenkel oder den Schambereich ausstrahlen.
Die Leiste ist anatomisch eine Art Durchgangsstrasse: Das Becken enthält den Darm, die unteren Harnleiter und die Blase sowie bei Frauen zusätzlich Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und Gebärmutterhals [1]. Beschwerden in dieser Region können deshalb von ganz unterschiedlichen Strukturen ausgehen – muskulär-skelettal, von den Verdauungs- oder Harnorganen, von Nerven oder von den Geschlechtsorganen [1].
Die häufigsten Auslöser lassen sich grob in mehrere Gruppen einteilen. Unterleibsschmerzen können durch ein Problem mit einem der Beckenorgane oder durch muskuloskelettale, neurologische oder funktionelle Faktoren verursacht oder mitbeeinflusst werden [1].
Typische Ursachengruppen lassen sich so einordnen:
Diese Einteilung ist eine erste Orientierung und ersetzt keine Diagnose. Welche Ursache tatsächlich vorliegt, lässt sich oft erst nach Gespräch, körperlicher Untersuchung und – je nach Verdacht – weiterführenden Untersuchungen feststellen [1].
Bei Frauen gehen Schmerzen in der Leiste und im Unterbauch häufig von den Geschlechtsorganen aus [1]. Zu den möglichen Auslösern zählen Eierstockzysten, eine Entzündung von Eierstöcken oder Eileitern, Myome der Gebärmutter sowie die Endometriose [1]. Auch eine Eileiterschwangerschaft – eine Schwangerschaft ausserhalb der Gebärmutter – kann Schmerzen in dieser Region verursachen und stellt im Fall einer Ruptur einen Notfall dar [1].
Bei der Endometriose siedelt sich gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter an und löst dort eine lokale Entzündungsreaktion aus, die zu Schmerzen führen kann [4]. Typisch sind starke Schmerzen während der Menstruation; im Verlauf können die Beschwerden aber auch unabhängig vom Zyklus als chronische Schmerzen auftreten [4]. Halten Unterbauchschmerzen über mehr als sechs Monate an oder kehren sie immer wieder, sprechen Fachleute von chronischen Unterleibsschmerzen, die gezielt abgeklärt werden sollten [2][3].
Gut zu wissen: Schätzungen zufolge sind rund sechs bis zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter von Endometriose betroffen – in der Schweiz etwa 190'000 bis 280'000 Frauen. Bis zur Diagnose vergehen nicht selten mehr als fünf Jahre [4]. Wer wiederkehrende oder sehr starke Regelschmerzen hat, sollte das frauenärztlich ansprechen.
In der Schwangerschaft sind ziehende Beschwerden im Becken- und Leistenbereich häufig. Ein Grund ist die hormonell bedingte Lockerung des Beckenrings: Die Bänder und die knorpelige Schambeinfuge (Symphyse) werden weicher, damit sich das Becken auf die Geburt vorbereiten kann [5]. Wird dieses Bewegungsspiel zu gross, spricht man von einer Symphysenlockerung, die mit Schmerzen im Beckenbereich einhergehen kann [5]. Beschwerden machen sich oft beim Gehen, Treppensteigen oder bei einseitiger Belastung bemerkbar. Eine schwangerschaftsbedingte Symphysenlockerung heilt in der Regel ohne spezielle Therapie ab; gezielte Physiotherapie kann den Verlauf unterstützen [5].
Nicht jeder Schmerz in der Schwangerschaft ist harmlos. Treten starke, anhaltende oder von Blutungen begleitete Unterbauchschmerzen auf, sollte umgehend die betreuende Ärztin oder der Frauenarzt kontaktiert werden [1].
Schmerzen, die vor allem bei Bewegung, beim Gehen, Laufen oder Husten auftreten, deuten häufig auf eine muskuloskelettale Ursache hin – also auf Muskeln, Sehnen, das Hüftgelenk oder einen Leistenbruch [1]. Eine Überlastung der inneren Oberschenkelmuskulatur (Adduktoren), Verschleisserscheinungen am Hüftgelenk oder eine Hernie können belastungsabhängige Beschwerden verursachen.
Gerade bei körperlich aktiven Frauen sind solche Beschwerden nicht selten. Sie lassen sich jedoch nicht zuverlässig von anderen Ursachen unterscheiden, ohne dass die Region untersucht wird. Bleiben belastungsabhängige Leistenschmerzen bestehen oder verstärken sie sich, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll, bevor man mit gezielten Übungen oder einer Behandlung beginnt.
Die meisten Ursachen von Unterleibsschmerzen sind keine Notfälle, einige erfordern jedoch eine rasche Behandlung [1]. Wenn neue, plötzlich auftretende starke Schmerzen im Unterleib oder Becken bestehen oder sich Schmerzen mit der Zeit zu sehr starken Beschwerden entwickeln, sollte so bald wie möglich ärztliche Hilfe gesucht werden [1].
Sicherheitshinweis: Hole umgehend ärztliche Hilfe (im Zweifel über den Notfall), wenn ein plötzlicher, sehr starker Unterbauch- oder Leistenschmerz auftritt, der Bauch hart und berührungsempfindlich ist, oder wenn bei einer möglichen Schwangerschaft Schmerzen zusammen mit Schwindel oder Blutungen auftreten. Solche Beschwerden können auf eine ernste Ursache wie eine Blinddarmentzündung oder eine gerissene Eileiterschwangerschaft hinweisen, die rasch behandelt werden muss [1].
Unabhängig davon gilt: Auch Schmerzen, die immer wiederkehren, sich nicht durch normale Regelschmerzen erklären lassen oder wiederholt beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder bei Bewegung auftreten, gehören ärztlich beurteilt [1].
Eine gute erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die die Beschwerden einordnet und bei Bedarf weiterüberweist. Bestehen Hinweise auf eine gynäkologische Ursache oder besteht eine Schwangerschaft, ist die frauenärztliche Abklärung der nächste Schritt [1]. Zur Diagnostik gehören ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung; je nach Verdacht folgen eine gynäkologische Untersuchung mit Tastuntersuchung und Ultraschall, Labor- und Urinuntersuchungen sowie gegebenenfalls weitere bildgebende Verfahren [1][4].
Bei länger anhaltenden, unklaren Beschwerden kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) sinnvoll sein – sie erlaubt einen direkten Blick in den Bauchraum und kann zum Beispiel Endometrioseherde sichtbar machen [2][4]. Welche Untersuchungen im Einzelfall nötig sind, hängt von den Beschwerden und vom individuellen Befund ab.
Wenn ernste und behandlungsbedürftige Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind und muskulär-skelettale Beschwerden im Vordergrund stehen, kann gezielte Bewegung helfen. Eine kräftige Rumpf-, Bauch- und Beckenmuskulatur stabilisiert den Bereich und kann Fehl- und Überlastungen vorbeugen. Übungen sollten an deine Situation angepasst sein – gerade bei stärkeren oder länger bestehenden Beschwerden ist eine fachliche Begleitung sinnvoll, damit du nichts falsch belastest.
Genau hier kann eine fachliche Begleitung ansetzen: In der Physiotherapie oder Osteopathie werden muskulär-skelettale Beschwerden individuell beurteilt und Übungen angeleitet. Voraussetzung bleibt, dass mögliche ernste Ursachen vorab ärztlich geklärt sind.
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Sind Leistenschmerzen in der Schwangerschaft normal?
Ziehende Beschwerden im Becken und in der Leiste sind in der Schwangerschaft häufig, etwa durch die Dehnung der Mutterbänder und die hormonell bedingte Lockerung des Beckenrings [5]. Diese Beschwerden sind meist harmlos und bessern sich oft ohne spezielle Behandlung [5]. Treten jedoch starke, anhaltende Schmerzen oder Schmerzen zusammen mit Blutungen auf, solltest du umgehend die betreuende Ärztin oder den Frauenarzt kontaktieren [1].
Können Leistenschmerzen ein Zeichen für Endometriose sein?
Möglich ist das. Bei einer Endometriose siedelt sich gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter an und kann Schmerzen im Unterbauch und Becken auslösen – zunächst oft rund um die Menstruation, später teils unabhängig vom Zyklus [4]. Weil bis zur Diagnose häufig Jahre vergehen, lohnt es sich, wiederkehrende oder sehr starke Regelschmerzen frauenärztlich abklären zu lassen [4].
Was kann ich bei muskulär bedingten Leistenschmerzen selbst tun?
Wenn ernste Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind, können angepasste Bewegung und eine kräftige Rumpf- und Beckenmuskulatur unterstützen und Überlastungen vorbeugen. Übe nichts gegen den Schmerz und steigere Belastungen behutsam. Bei stärkeren oder länger bestehenden Beschwerden ist eine fachliche Begleitung durch Physiotherapie oder Osteopathie sinnvoll, damit die Übungen zu dir passen.
Wann sollte ich mit Leistenschmerzen nicht abwarten?
Bei plötzlich auftretenden, sehr starken Schmerzen im Unterbauch oder in der Leiste, einem harten, druckempfindlichen Bauch oder Schmerzen mit Schwindel und Blutung bei möglicher Schwangerschaft solltest du umgehend ärztliche Hilfe suchen [1]. Solche Beschwerden können auf eine ernste Ursache hinweisen, die rasch behandelt werden muss [1].
[1] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2024, Unterleibsschmerzen bei Frauen, https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/symptome-gyn%C3%A4kologischer-erkrankungen/unterleibsschmerzen-bei-frauen
[2] Deutsche Schmerzgesellschaft e. V., Patienteninformationen, Chronischer Unterbauchschmerz der Frau, https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/chronischer-unterbauchschmerz-der-frau
[3] Frauengesundheitsportal (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA), Chronische Unterleibsschmerzen, https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/chronische-unterleibsschmerzen/
[4] UniversitätsSpital Zürich (USZ), Endometriose: Symptome & Behandlung, https://www.usz.ch/krankheit/endometriose/
[5] Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Radiologie, Symphysenlockerung, https://radiologie.charite.de/diagnostik/gelenkerkrankungen_muskuloskelettale_diagnostik/symphysenlockerung
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