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Ein Lentikularglas ist ein Brillenglas, bei dem die optische Korrekturwirkung auf einen zentralen, oft runden Bereich beschränkt ist. Drumherum ist das Glas deutlich flacher geschliffen, ohne nennenswerte Brechkraft. Dieser Aufbau erlaubt sehr hohe Plus- oder Minuswerte bei moderatem Gewicht und Dicke [1].
In klassischer Bauweise besteht das Glas aus zwei Bereichen:
Bei hohen Pluswerten – etwa nach Entfernung der Augenlinse – wäre ein konventionelles Glas im Zentrum sehr dick und schwer. Beim Lentikularglas wird genau dieser optisch nötige Bereich beibehalten, während der äussere Bereich abgeflacht ist [1]. Bei hohen Minuswerten verhält es sich spiegelbildlich: Statt eines extrem dicken Glasrandes wird der Rand bewusst flach gehalten, das wirksame Konkavprofil bleibt in der Mitte erhalten.
Lentikulargläser sind kein Standardprodukt für leichte Sehschwächen. Sie kommen vor allem in folgenden Situationen vor:
Bei der Aphakie – dem Fehlen der natürlichen Augenlinse – muss eine sehr hohe Plus-Korrektur erfolgen, da die Brechkraft der fehlenden Linse ersetzt werden muss. Universitätskliniken weisen darauf hin, dass Kontaktlinsen in diesen Situationen oft die bevorzugte Lösung sind, weil Brillen die Netzhautbilder spürbar vergrössern und ringförmige Gesichtsfeldausfälle erzeugen können [2]. Lentikulargläser kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn Kontaktlinsen aus medizinischen oder praktischen Gründen nicht in Frage kommen, oder als ergänzende Brille zur Kontaktlinse.
Wichtig: Die Entscheidung für ein Lentikularglas ist kein reines Auswahlthema, sondern eine fachliche Empfehlung. Bei sehr hohen Sehwerten gehört die Versorgung in die Hände von Augenoptiker:innen oder – bei medizinischer Ursache – in die einer Augenärztin oder eines Augenarztes.
Die Form eines Lentikularglases unterscheidet sich deutlich von gängigen Einstärkengläsern.
Diese Bauweise hat Vor- und Nachteile. Die wichtigsten Vorteile und Grenzen im Überblick:
Für den Tragekomfort ist entscheidend, dass die Optikzone möglichst genau vor der Pupille sitzt. Augenoptiker:innen arbeiten dafür mit präziser Vermessung der Pupillendistanz und der Pupillenhöhe.
Da die optisch wirksame Zone klein ist, muss die Brillenfassung sorgfältig ausgewählt werden. Bewährt haben sich:
Sehr grosse modische Fassungen sind bei hohen Plus- oder Minuswerten in der Regel ungeeignet, weil sich Gewicht, Dicke und der Versatz zwischen Optikzone und Auge ungünstig auswirken können. Die optische Anpassung ist hier wichtiger als die rein modische Wahl.
Lentikulargläser sind eine Möglichkeit, hohe Sehwerte zu korrigieren – nicht die einzige. Welche Option im Einzelfall passt, hängt von Augenbefund, Lebenssituation und Verträglichkeit ab.
Bei sehr hohen Plus- oder Minuswerten und insbesondere bei Aphakie sind Kontaktlinsen häufig die optisch günstigere Lösung. Sie sitzen direkt auf der Hornhaut und führen zu deutlich kleineren Verzerrungs- und Vergrösserungseffekten als eine starke Brille [2]. Spezialisierte Universitätskliniken und Praxen passen Kontaktlinsen bei Aphakie auch bei Säuglingen und Kleinkindern an [2][3]. Voraussetzung sind eine gute Verträglichkeit, sorgfältige Handhabung und regelmässige Kontrollen.
Wenn die Aphakie auf einer entfernten Augenlinse beruht (zum Beispiel nach Operation eines grauen Stars), wird heute meist eine Kunstlinse (Intraokularlinse, IOL) ins Auge eingesetzt. Das ist mittlerweile der medizinische Standard bei der Kataraktoperation. In Einzelfällen – etwa bei sehr früher Operation im Säuglingsalter, bestimmten anatomischen Situationen oder Komplikationen – wird zunächst auf eine Kunstlinse verzichtet und mit Brille oder Kontaktlinse korrigiert [3].
Für moderate hohe Werte (z. B. ab –6 bis –10 dpt oder +4 bis +8 dpt) reichen oft hochbrechende sphärische oder asphärische Gläser mit einem hohen Brechungsindex (etwa 1.67 oder 1.74). Sie sind dünner und leichter als Standardgläser, aber technisch kein Lentikularglas [1]. Erst wenn auch hochbrechende Gläser optisch oder gewichtsmässig an ihre Grenzen kommen, wird ein Lentikularschliff sinnvoll.
Welche Lösung sich je nach Korrekturbereich anbietet, im Überblick:
Lentikulargläser sind Spezialanfertigungen und werden in der Regel nach individueller Verordnung gefertigt. Konkrete Preisangaben sind seriös nur für den jeweiligen Einzelfall möglich, weil folgende Faktoren stark ins Gewicht fallen:
Für eine konkrete Preisrange lohnt sich eine direkte Anfrage bei Augenoptiker:innen in deiner Region. Bei medizinisch begründeter Versorgung – beispielsweise bei Aphakie oder kindlicher Hochkurzsichtigkeit – kann ein Teil der Kosten unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse oder der Invalidenversicherung getragen werden. Die genauen Voraussetzungen sind in der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) sowie in den IV-Bestimmungen geregelt. Hier hilft ein Gespräch mit deinem Augenarzt oder deiner Augenärztin sowie mit der Krankenkasse weiter.
Wenn du wegen einer hohen Sehkorrektur eine Beratung suchst, hilft ein strukturierter Termin:
Eine fachliche Einordnung ist gerade bei hohen Korrektionswerten wertvoll, weil sich Optik, Kosmetik und medizinische Aspekte überschneiden.
Lentikulargläser sind ein Nischenthema, das nicht alle Augenoptiker:innen täglich versorgen. Spezialisierte Fachgeschäfte und Praxen verfügen über die nötige Erfahrung, geeignete Lieferanten und Vermessungstechnik.
Auf truVuna findest du Augenoptiker:innen in deiner Region und kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen. So bekommst du einen ersten Überblick und kannst gezielt nachfragen, ob Erfahrung mit Lentikulargläsern oder sehr hohen Korrektionswerten vorhanden ist.
Lentikulargläser sind in der Regel ab etwa +8 Dioptrien bei Weitsichtigkeit oder –10 bis –12 Dioptrien bei Kurzsichtigkeit eine Überlegung wert. Darunter reichen oft hochbrechende Standard- oder asphärische Gläser. Die endgültige Entscheidung trifft die Augenoptikerin oder der Augenoptiker zusammen mit dir auf Basis der konkreten Sehwerte, deiner Tragegewohnheiten und der Verträglichkeit anderer Optionen wie Kontaktlinsen.
Nein. Lentikulargläser werden sowohl für sehr hohe Plus- als auch für sehr hohe Minusstärken gefertigt. Der Aufbau unterscheidet sich technisch, das Grundprinzip ist aber gleich: Die wirksame Optikzone liegt im Zentrum, der Rand ist dünner geschliffen. Bei extremer Kurzsichtigkeit reduziert das vor allem die Glasdicke am Rand, bei extremer Weitsichtigkeit das Gewicht im Zentrum.
Ja, in begrenztem Umfang. Spezialisierte Hersteller bieten Lentikulargläser auch in Bifokal- oder Gleitsichtvarianten an, bei denen ein Nahbereich integriert ist. Diese Versorgungen sind anspruchsvoll und erfordern erfahrene Anpasser:innen sowie eine sorgfältige Fassungswahl. Wenn du auch im Nahbereich starke Korrektur brauchst, sprich gezielt nach diesen Möglichkeiten – sie sind nicht in jedem Fachgeschäft Standard.
Bei kindlicher Aphakie oder hochgradiger Fehlsichtigkeit werden Lentikulargläser durchaus eingesetzt, weil sie leichter sind als vergleichbare Standardgläser. In vielen Fällen ist allerdings die Kontaktlinse die bevorzugte Lösung, weil sie optische Nebenwirkungen reduziert und das Sehenlernen besser unterstützt [2][3]. Die Entscheidung gehört zu spezialisierten Kinderaugenärzt:innen, idealerweise an einer Klinik mit Erfahrung in Kinder-Augenheilkunde.
Bei medizinisch begründeter Versorgung – etwa bei Aphakie oder bestimmten Sehbehinderungen – können Anteile der Kosten von der obligatorischen Krankenversicherung oder bei Kindern durch die Invalidenversicherung übernommen werden. Voraussetzungen und Beträge sind in der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) sowie in den IV-Bestimmungen geregelt und ändern sich gelegentlich. Eine verlässliche Auskunft erhältst du direkt bei deiner Krankenkasse oder bei der IV-Stelle.
[1] OPTIKSCHWEIZ – Fachverband für Augenoptik und Optometrie: Brillen / Brillengläser. https://www.optikschweiz.ch/brillen/ – zu Glas-Bauformen, sphärisch/asphärisch, hochbrechenden Gläsern.
[2] Universitätsklinikum Giessen und Marburg, Augenklinik: Spezialkontaktlinsen / Aphakie. https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/umr_aug/11793.html – zur Versorgung bei Aphakie, Vor- und Nachteilen Brille vs. Kontaktlinse, Säuglings- und Kleinkindversorgung.
[3] Universitätsklinik Freiburg, Sektion Neuroophthalmologie und Kinderophthalmologie: Aufklärung und Versorgung bei Aphakie nach kongenitaler Katarakt (PDF). https://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/07_kliniken/augen/NKS/DO_1-2021_Gilles_Aufkla__rung_und_Versorgung_kongenitaler_Katarakt_04.pdf – fachliche Einordnung zur Versorgung kindlicher Aphakie.
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