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Bei einer Netzhautablösung löst sich die Netzhaut – die innerste, lichtempfindliche Gewebeschicht an der Rückseite des Auges – von der darunterliegenden Versorgungsschicht ab. Diese darunterliegende Schicht, das retinale Pigmentepithel und die Aderhaut, versorgt die Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Verliert die Netzhaut den Kontakt zu ihr, ist diese Versorgung unterbrochen, und das Gewebe nimmt ohne rasche Behandlung dauerhaft Schaden [1].
In der medizinischen Fachsprache heisst die Netzhautablösung Ablatio retinae oder Amotio retinae. Sie ist insgesamt selten – pro Jahr ist etwa eine von 10.000 Personen betroffen –, gilt aber immer als Notfall, weil sie unbehandelt zur Erblindung des betroffenen Auges führen kann [1][4].
Die häufigste Form ist die sogenannte rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung. Sie beginnt mit einem Loch oder Riss in der Netzhaut. Durch diese Öffnung gelangt Flüssigkeit unter die Netzhaut und hebt sie nach und nach von ihrer Unterlage ab – ähnlich wie sich eine Tapete von der Wand löst [1].
Ein solcher Riss steht oft mit Veränderungen des Glaskörpers in Zusammenhang. Der Glaskörper ist das gelartige Innere des Auges. Mit zunehmendem Alter schrumpft er und kann sich von der Netzhaut lösen. Dabei kann er an der Netzhaut ziehen und einen Riss verursachen [1][4]. Seltener entsteht eine Netzhautablösung durch Zugkräfte von Narbengewebe (etwa bei fortgeschrittener Diabeteserkrankung) oder durch Flüssigkeitsansammlungen infolge anderer Erkrankungen, Entzündungen oder Tumoren [1][3].
Typische Warnzeichen sind Lichtblitze, ein plötzlicher Schwall neuer Floaters (kleine schwarze Punkte oder „fliegende Mücken", manchmal als „Russregen" beschrieben) und ein dunkler Schatten oder „Vorhang", der sich vom Rand her ins Sichtfeld schiebt [2][4]. Diese Symptome treten meist an einem Auge auf und sind schmerzlos.
Beginnt die Ablösung am Rand der Netzhaut, fällt zunächst ein Teil des äusseren Gesichtsfelds aus. Schreitet sie bis zur Makula – der Stelle des schärfsten Sehens – fort, kommt es zu einer raschen und deutlichen Verschlechterung des zentralen Sehens [4]. Genau deshalb zählt bei der Behandlung jede Stunde: Je früher eine drohende oder beginnende Ablösung erkannt wird, desto eher lässt sich das Sehzentrum schützen [5].
Lichtblitze und Floaters können auch harmlose Ursachen haben, etwa eine altersbedingte Glaskörperabhebung ohne Netzhautriss. Da sich beides anfangs nicht sicher unterscheiden lässt, sollten neue oder plötzlich zunehmende Symptome immer augenärztlich abgeklärt werden [2].
Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Netzhautablösung. Dazu zählen vor allem eine ausgeprägte Kurzsichtigkeit, ein höheres Lebensalter, frühere Augenoperationen (zum Beispiel am Grauen Star), eine bereits durchgemachte Netzhautablösung am anderen Auge sowie eine entsprechende familiäre Vorgeschichte [6]. Auch Verletzungen des Auges und bestimmte angeborene Bindegewebserkrankungen können das Risiko steigern [1].
Wer zu einer dieser Risikogruppen gehört, sollte die Warnzeichen besonders ernst nehmen und sie mit der augenärztlichen Praxis besprechen. In manchen Fällen können vorbeugende Massnahmen wie eine Laserbehandlung von Schwachstellen oder Rissen sinnvoll sein; ob das zutrifft, lässt sich nur individuell beurteilen [3][6].
Die Diagnose stellt eine augenärztliche Praxis durch eine Untersuchung des Augenhintergrunds. Dazu wird die Pupille mit Augentropfen erweitert, damit die Netzhaut bis in die Randbereiche beurteilt werden kann [2]. Lässt sich der Augenhintergrund nicht klar einsehen – etwa bei einer Einblutung in den Glaskörper –, können bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung ergänzt werden [4].
Weil eine Netzhautablösung in der Regel nicht zufällig bei einer Routinekontrolle, sondern durch die Symptome der betroffenen Person bemerkt wird, ist das Wissen um die Warnzeichen so wichtig [5].
Eine bestehende Netzhautablösung wird operativ behandelt; Ziel ist es, den Riss zu verschliessen und die Netzhaut wieder anzulegen [4]. Welches Verfahren gewählt wird, hängt von Art, Lage und Ausmass der Ablösung ab und wird augenärztlich individuell entschieden. Gebräuchliche Verfahren sind:
Wird ein Netzhautriss erkannt, bevor sich die Netzhaut grossflächig abgelöst hat, kann er häufig mit Laser oder Kältebehandlung (Kryotherapie) abgedichtet werden, um eine Ablösung zu verhindern [3]. Ein Wiederanlegen der Netzhaut gelingt mit der Operation in einem grossen Teil der Fälle [5]. Wie gut das Sehvermögen sich erholt, hängt aber wesentlich davon ab, ob die Makula bereits betroffen war und wie lange die Ablösung bestand – ein weiterer Grund, früh zu handeln [5]. Wie jede Operation ist auch ein solcher Eingriff mit Risiken verbunden, und in einem Teil der Fälle ist ein zweiter Eingriff nötig [2].
Eine Netzhautablösung lässt sich nicht mit Hausmitteln behandeln, und es gibt keine Selbsthilfe, die einen ärztlichen Eingriff ersetzt. Das Wichtigste, was du selbst tun kannst, ist, die Warnzeichen zu kennen und im Ernstfall sofort zu handeln, statt abzuwarten.
Wenn du zu einer Risikogruppe gehörst, lohnt sich das Gespräch mit deiner augenärztlichen Praxis darüber, wie engmaschig Kontrollen sinnvoll sind und worauf du achten solltest. Treten akute Warnzeichen auf, ist eine augenärztliche Notfallstelle oder Augenklinik die richtige Anlaufstelle.
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Ist eine Netzhautablösung immer ein Notfall?
Ja. Eine Netzhautablösung gilt immer als augenärztlicher Notfall, weil das Gewebe ohne Versorgung dauerhaft Schaden nehmen und die Sehkraft des Auges verloren gehen kann. Je früher behandelt wird, desto besser sind die Aussichten [1][2].
Welche Symptome sind die wichtigsten Warnzeichen?
Typisch sind plötzliche Lichtblitze, ein Schwall neuer schwarzer Punkte („Russregen") und ein dunkler Schatten oder Vorhang, der sich ins Sichtfeld schiebt. Die Symptome sind meist schmerzlos und betreffen ein Auge. Beim Auftreten solltest du sofort augenärztliche Hilfe suchen [2][4].
Kann sich das Sehvermögen nach einer Netzhautablösung wieder erholen?
Eine Operation kann die Netzhaut in vielen Fällen wieder anlegen. Wie gut sich das Sehen erholt, hängt vor allem davon ab, ob die Stelle des schärfsten Sehens (Makula) betroffen war und wie schnell behandelt wurde. Eine vollständige Wiederherstellung ist nicht immer möglich [5].
Wie wird eine Netzhautablösung operiert?
Je nach Befund kommen eine von aussen aufgenähte Silikonplombe, die Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) mit Gas- oder Ölfüllung oder das Einbringen einer Gasblase in Betracht. Welches Verfahren geeignet ist, entscheidet die behandelnde augenärztliche Fachperson individuell [1][2][3].
Kann man einer Netzhautablösung vorbeugen?
Vollständig verhindern lässt sie sich nicht. Bei erkannten Schwachstellen oder Rissen kann jedoch eine vorbeugende Laser- oder Kältebehandlung sinnvoll sein. Menschen mit erhöhtem Risiko sollten Warnzeichen ernst nehmen und Kontrollintervalle augenärztlich abklären [3][6].
[1] Universitätsspital Zürich (USZ), Netzhautablösung, usz.ch, https://www.usz.ch/krankheit/netzhautabloesung/
[2] American Academy of Ophthalmology, Detached Retina, aao.org, https://www.aao.org/eye-health/diseases/detached-torn-retina
[3] StatPearls / National Center for Biotechnology Information (NIH), Retinal Detachment, ncbi.nlm.nih.gov, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK551502/
[4] Yorston D, Jackson TL, Emergency management: retinal detachment, Community Eye Health Journal / PMC (NIH), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6253314/
[5] PMC / National Center for Biotechnology Information (NIH), Treatment of retinal detachment during the COVID-19 pandemic (retrospektive Analyse einer Universitäts-Augenklinik), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7547549/
[6] Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Retinologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte (BVA), 2020, S1-Leitlinie Risikofaktoren und Prophylaxe der rhegmatogenen Netzhautablösung bei Erwachsenen, AWMF-Register, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/045-019
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