Leider unterstützen wir Internet Explorer nicht mehr.

Bitte verwenden Sie Microsoft Edge, Google Chrome oder Firefox.

>
Ratgeber-Übersicht
>
Rot-Grün-Schwäche: Ursachen, Vererbung und Diagnose

Rot-Grün-Schwäche: Ursachen, Vererbung und Diagnose

Bei einer Rot-Grün-Schwäche fällt es schwer, rote und grüne Farbtöne sicher voneinander zu unterscheiden. Sie ist die häufigste Form der Farbsehschwäche und meist angeboren. Viele Betroffene bemerken sie lange nicht, weil sie Farben durchaus sehen – nur eben weniger klar abgrenzbar als Normalsichtige. Dieser Ratgeber erklärt, was eine Rot-Grün-Schwäche ist, wie sie vererbt wird, wie sie sich von einer echten Farbenblindheit unterscheidet, wie der Test abläuft und was sie im Alltag bedeutet.

Was ist eine Rot-Grün-Schwäche?

Eine Rot-Grün-Schwäche ist eine meist angeborene Störung des Farbensehens, bei der das Erkennen und Unterscheiden von Rot- und Grüntönen erschwert ist [1][2]. Sie gehört zu den sogenannten Farbsinnstörungen. Verantwortlich für das Farbensehen sind spezielle Sinneszellen in der Netzhaut, die Zapfen. Es gibt Zapfentypen für rotes, grünes und blaues Licht. Sind die Zapfen für Rot oder Grün in ihrer Funktion verändert, verschiebt sich die Farbwahrnehmung.

Wichtig ist die Unterscheidung der Begriffe. «Farbenblindheit» wird umgangssprachlich oft für jede Farbsehstörung verwendet, ist medizinisch aber nur die sehr seltene Form, bei der gar keine Farben, sondern nur Hell und Dunkel wahrgenommen werden [1]. Die weitaus häufigere Rot-Grün-Schwäche ist dagegen keine Blindheit: Betroffene sehen Rot und Grün, können sie aber schlechter auseinanderhalten.

Gut zu wissen: Auch der oft gehörte Begriff «Rot-Grün-Blindheit» ist nicht ganz präzise. Bei einer Rotblindheit oder Grünblindheit ist ein Zapfentyp weitgehend funktionslos, sodass bestimmte Rot- oder Grünanteile deutlich anders wahrgenommen oder kaum unterschieden werden [1][2]. Bei der häufigeren Rot-Grün-Schwäche ist die Funktion dagegen nur abgeschwächt, aber nicht vollständig ausgefallen.

Mediziner:innen unterscheiden nach dem betroffenen Zapfentyp und nach dem Schweregrad. Eine Schwäche («-anomalie») bedeutet eine abgeschwächte Funktion, eine Blindheit («-anopie») den weitgehenden Ausfall eines Zapfentyps.

Welche Formen der Farbsehschwäche gibt es?

Je nachdem, welcher Zapfentyp betroffen ist und ob er nur abgeschwächt oder weitgehend ausgefallen ist, werden verschiedene Farbsehstörungen unterschieden:

  • Protanomalie: Die Rot-Zapfen sind in ihrer Funktion abgeschwächt. Es besteht eine Rotschwäche mit verminderter Empfindlichkeit für rotes Licht.
  • Protanopie: Die Rot-Zapfen sind weitgehend ausgefallen – man spricht von einer Rotblindheit.
  • Deuteranomalie: Die Grün-Zapfen sind abgeschwächt. Es besteht eine Grünschwäche mit verminderter Empfindlichkeit für grünes Licht.
  • Deuteranopie: Die Grün-Zapfen sind weitgehend ausgefallen – man spricht von einer Grünblindheit.

Die Rot-Grün-Schwäche ist insgesamt die häufigste angeborene Farbsehstörung; die Grünschwäche (Deuteranomalie) kommt dabei häufiger vor als die Rotschwäche (Protanomalie) [1][2]. Auch benachbarte Farben im Spektrum, etwa Türkis oder Violett, können anders wahrgenommen werden, weil sie Rot- oder Grünanteile enthalten.

Wie wird eine Rot-Grün-Schwäche vererbt?

Die angeborene Rot-Grün-Schwäche wird genetisch weitergegeben. Die Erbinformation für die Rot- und Grünwahrnehmung liegt auf dem X-Chromosom und wird X-chromosomal-rezessiv vererbt [1][2]. Daraus erklärt sich, warum Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen.

Männer besitzen nur ein X-Chromosom (und ein Y-Chromosom). Liegt auf diesem einen X-Chromosom die Veränderung vor, zeigt sich die Farbsehschwäche. Frauen haben zwei X-Chromosomen: Liegt die Veränderung nur auf einem davon, bleibt die Farbsehschwäche meist unauffällig oder ist deutlich schwächer ausgeprägt; sie können die Anlage aber an ihre Kinder weitergeben [2].

Entsprechend unterschiedlich sind die Häufigkeiten: Bei Menschen nordeuropäischer Abstammung sind etwa 8 % der Männer und unter 1 % der Frauen von einer angeborenen Rot-Grün-Sehschwäche betroffen; in anderen Bevölkerungsgruppen liegen die Werte teils niedriger [5]. Da die Veränderung bereits in den Genen angelegt ist, besteht die angeborene Rot-Grün-Schwäche von Geburt an und verändert sich im Lauf des Lebens nicht [2].

Neben der angeborenen Form gibt es auch erworbene Farbsehstörungen. Sie können etwa durch Erkrankungen des Sehnervs entstehen [1]. Eine neu auftretende Farbsehstörung sollte deshalb augenärztlich abgeklärt werden, um eine zugrunde liegende Ursache nicht zu übersehen.

Wie macht sich eine Rot-Grün-Schwäche bemerkbar?

Viele Betroffene bemerken die Fehlsichtigkeit selbst lange nicht – besonders, wenn sie angeboren ist und sie nie eine andere Farbwahrnehmung kannten [2][5]. Im Grossen und Ganzen sehen Menschen mit Rot-Grün-Schwäche die Welt ähnlich wie andere; die Unterschiede betreffen vor allem die Abgrenzung bestimmter Farbtöne.

Typisch ist, dass Rot- und Grüntöne matter und weniger klar voneinander abgegrenzt erscheinen. Im Alltag kann das beim Unterscheiden ähnlicher Farben auffallen – etwa bei farbcodierten Grafiken, reifen und unreifen Früchten oder farbigen Markierungen. Oft wird eine Farbsehschwäche erst entdeckt, wenn sie gezielt getestet wird [1].

Wie wird eine Rot-Grün-Schwäche festgestellt?

Eine Farbsehschwäche lässt sich mit speziellen Sehtests feststellen. Zwei Verfahren sind dabei besonders gebräuchlich.

Der bekannteste ist der Ishihara-Test mit pseudoisochromatischen Farbtafeln. Auf den Tafeln sind aus vielen farbigen Punkten Zahlen zusammengesetzt, deren Farbe sich vom Hintergrund nur für Normalsichtige klar abhebt. Wer farbtüchtig ist, erkennt die Zahlen; bei einer Rot-Grün-Störung werden bestimmte Zahlen nicht oder falsch gelesen [3]. Der Ishihara-Test eignet sich gut, um eine Rot-Grün-Schwäche zuverlässig aufzudecken, bestimmt aber nicht ihr genaues Ausmass [3].

Für die genaue Einordnung von Art und Schweregrad dient das Anomaloskop. Dabei mischt die getestete Person aus Rot und Grün einen Gelbton, der einem vorgegebenen Gelb entsprechen soll. An den typischen Mischfehlern lässt sich erkennen, ob und wie stark eine Rot- oder Grünschwäche vorliegt [3]. Das Anomaloskop gilt als genaues Verfahren zur Bestätigung der Diagnose [3].

Online-Farbsehtests können einen ersten Eindruck vermitteln, ersetzen aber keine fachliche Untersuchung – schon weil die Farbwiedergabe an Bildschirmen variiert. Für eine verlässliche Diagnose ist die Untersuchung bei einer augenärztlichen oder optometrischen Fachperson sinnvoll.

Lässt sich eine Rot-Grün-Schwäche behandeln?

Eine angeborene Rot-Grün-Schwäche ist nicht heilbar, da sie genetisch bedingt ist [1][2]. Es gibt jedoch Hilfsmittel, die im Alltag unterstützen können. Spezielle Farbfilter-Brillen mit getönten Gläsern können bei manchen Betroffenen den Kontrast zwischen Rot und Grün erhöhen und die Unterscheidung erleichtern. Die Wirkung ist individuell unterschiedlich und sollte vor einer Anschaffung mit einer Fachperson besprochen werden, da solche Brillen die Farbwahrnehmung verändern, aber nicht normalisieren.

Auch technische Hilfen helfen im Alltag: Viele Smartphones, Computer und Fernseher bieten Farbfilter-Einstellungen für Farbsehschwächen, die die Farbwiedergabe anpassen.

Rot-Grün-Schwäche im Alltag und Strassenverkehr

Für die meisten Menschen stellt eine Rot-Grün-Schwäche im Alltag keine grosse Einschränkung dar. Relevant kann sie jedoch in bestimmten Situationen und Berufen sein, in denen das sichere Erkennen von Farben wichtig ist.

Ein häufig diskutierter Punkt ist der Strassenverkehr. In der Schweiz gibt es laut den verkehrsmedizinischen Richtlinien keine gesetzliche Regelung, die farbenschwache oder farbenblinde Personen vom Verkehr ausschliesst; das Farbensehen muss bei der verkehrsmedizinischen Beurteilung des Sehvermögens nicht geprüft werden [4]. Eine Rot-Grün-Schwäche steht dem Erwerb des gewöhnlichen Führerausweises also grundsätzlich nicht entgegen. Wer betroffen ist, sollte sich der Schwäche jedoch bewusst sein und sich an Ampeln zusätzlich an der Position der Lichter orientieren.

Wenn du den Verdacht hast, eine Farbsehschwäche zu haben, oder eine neu aufgetretene Veränderung deines Farbsehens bemerkst, kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein. Auf truVuna findest du Augenärzt:innen und Optiker:innen in deiner Nähe, die Farbsehtests anbieten.

Häufige Fragen zur Rot-Grün-Schwäche

Ist eine Rot-Grün-Schwäche dasselbe wie Farbenblindheit?

Nein. Bei einer Rot-Grün-Schwäche sind Rot- und Grüntöne schwerer zu unterscheiden, werden aber weiterhin gesehen. Echte Farbenblindheit, bei der nur noch Hell und Dunkel wahrgenommen werden, ist dagegen sehr selten [1]. Umgangssprachlich werden beide Begriffe oft vermischt, medizinisch sind sie aber zu trennen.

Warum sind Männer häufiger betroffen als Frauen?

Weil die Erbanlage für die Rot- und Grünwahrnehmung auf dem X-Chromosom liegt und rezessiv vererbt wird [1][2]. Männer haben nur ein X-Chromosom – ist es betroffen, zeigt sich die Schwäche. Frauen mit zwei X-Chromosomen sind meist unauffällig, wenn nur ein X-Chromosom betroffen ist. Bei Menschen nordeuropäischer Abstammung sind etwa 8 % der Männer und unter 1 % der Frauen betroffen [5].

Kann eine Rot-Grün-Schwäche wieder verschwinden?

Eine angeborene Rot-Grün-Schwäche bleibt lebenslang bestehen und verändert sich in ihrer Ausprägung nicht [1][2]. Verschwindet das Farbsehen dagegen neu oder verschlechtert es sich plötzlich, kann eine erworbene Ursache dahinterstecken – das sollte augenärztlich abgeklärt werden [1].

Darf man mit Rot-Grün-Schwäche Auto fahren?

In der Schweiz schliesst eine Rot-Grün-Schwäche den gewöhnlichen Führerausweis nicht aus; das Farbensehen wird bei der verkehrsmedizinischen Sehprüfung nicht geprüft [4]. Für bestimmte Berufe mit erhöhten Anforderungen an das Farbsehen kann eine Farbsehschwäche dagegen relevant sein.

Quellen

[1] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Andere Augensymptome (Farbenblindheit), Merck & Co., https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/symptome-von-augenkrankheiten/andere-augensymptome

[2] National Eye Institute (NEI), National Institutes of Health (USA), Color Blindness (Types, Causes, Diagnosis), https://www.nei.nih.gov/eye-health-information/eye-conditions-and-diseases/color-blindness

[3] ASU – Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin, 2021, Vergleich zweier Screening-Verfahren zur Farbsinnprüfung: Ishihara-Tafeln vs. digitales Replikat, peer-reviewed Fachzeitschrift, https://www.asu-arbeitsmedizin.com/wissenschaft/vergleich-zweier-screening-verfahren-zur-farb-sinnpruefung-ishihara-tafeln-vs

[4] Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM), Sektion Verkehrsmedizin, 2023, Verkehrsmedizinische Beurteilung des Sehvermögens, https://sgrm.ch/inhalte/Verkehrsmedizin/Richtlinien_Sehvermoegen_SOG-SGRM_September2023.cleaned.pdf

[5] A Global Perspective of Color Vision Deficiency: Awareness, Diagnosis, and Lived Experiences, 2025, peer-reviewed Review (PubMed Central, NCBI), https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC12385717/

Das könnte dich auch interessieren

Verstecktes Schielen (Heterophorie): Anzeichen, Diagnose und wann eine Abklärung sinnvoll ist

Manche Menschen klagen über Kopfschmerzen beim Lesen, müde Augen am Bildschirm oder gelegentliche Doppelbilder, ohne dass von aussen etwas auffällt. Eine mögliche Ursache ist ein verstecktes Schielen – fachlich Heterophorie genannt. Anders als das offen sichtbare Schielen bleibt es im Alltag meist verborgen, weil das Gehirn die leichte Fehlstellung der Augen ausgleicht. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter dem versteckten Schielen steckt, welche Beschwerden auftreten können, wie es festgestellt wird und wann eine Abklärung sinnvoll ist. Verstecktes Schielen ist meist nicht sichtbar und verursacht häufig keine Beschwerden – es ist sehr verbreitet und deutlich häufiger als ein dauerhaft sichtbares Schielen [1]. Erst wenn der Ausgleich durch das Gehirn unter Belastung nicht mehr gelingt, können Symptome wie müde Augen, Kopfschmerzen oder Doppelbilder auftreten.

Angioödem – Definition, Ursachen und Behandlung

Das Angioödem ist eine Schwellung der Haut. Es kommt durch Flüssigkeitsansammlung zustande und kann sich auf weitere Gewebe ausbreiten. Das Angioödem wird auch Quincke-Ödem genannt, nach dem Internisten Heinrich Quincke, der es im späten 19. Jahrhundert erstmals beschrieb. Es entwickelt sich rasch und kann ein bis sieben Tage anhalten. Im Gesicht betrifft die Schwellung vorwiegend Augenlider, Stirn, Wangen oder Lippen. Schmerzen oder Juckreiz kommen nur selten vor. Sind die Zunge oder die Schleimhaut des Kehlkopfes betroffen, kann das die Atemwege blockieren. Ebenso besteht die Möglichkeit einer Ausbreitung auf die Darmwand. Ursache für das Angioödem ist eine erhöhte Durchlässigkeit der Gefässwände.

Hautpilz am Rücken: Ursachen, Symptome und Behandlung

Helle oder dunkle Flecken am Rücken, die sich leicht schuppen und im Sommer stärker auffallen – dahinter steckt häufig ein Hautpilz. In den meisten Fällen handelt es sich um die sogenannte Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor), eine oberflächliche und harmlose Pilzinfektion der Haut [1][2]. Sie ist zwar lästig und kann das Hautbild über Wochen verändern, ist aber weder ansteckend noch gefährlich [1][4]. Dieser Ratgeber erklärt, wie Hautpilz am Rücken aussieht, wie er entsteht, wie er behandelt wird und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Sakkaden – was hat es mit den schnellen Augenbewegungen auf sich?

Bewegen sich beide Augen gleichzeitig und sehr schnell zwischen zwei oder mehr Fixierungsphasen in die gleiche Richtung, bezeichnet man das als Sakkaden. Soweit zumindest die Definition. Aber warum ist das so? Wo liegt der Unterschied zur normalen Blickbewegung? Zuerst einmal gibt es Sakkaden nur bei der Fixation. Ein typisches Beispiel für so eine Blickbewegung ist der Lesevorgang: Die Vorwärtssprünge sind völlig normal. Aber was ist, wenn die Wahrnehmung leidet? Können Augenbewegungsstörungen hinter Sakkaden stecken? Wir haben uns schlau gemacht und beantworten dir die wichtigsten Fragen!

Endophthalmitis: Die Entzündung im Auge erkennen und eine passende Behandlung finden

Das Auge schmerzt und du bemerkst eine Entzündung im Augeninneren? Möglicherweise leidest du unter einer Endophthalmitis. Schnelles Handeln ist jetzt gefragt, denn unbehandelt löst die Augenkrankheit Folgeerscheinungen aus, die unser sensibles Auge betreffen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, die Endophthalmitis von anderen Augenkrankheiten zu unterscheiden – denn viele Probleme, die mit dem Augeninneren zusammenhängen, weisen ähnliche Symptome auf. Wie du eine Endophthalmitis erkennst und welche Behandlung hilft, zeigt dir der folgende Beitrag.

Slow Jogging: Der neue und gemütliche Fitnesstrend

Gehörst du auch zu den Leuten, die sich beim Sport gerne so richtig auspowern und alles geben? Dann ist Joggen in schnellem Tempo sicher etwas für dich. Die Bewegung tut dir gut und lässt Pfunde nur so purzeln, für deine Gelenke aber kann das Joggen pures Gift bedeuten. Aus diesem Grund gibt es jetzt einen neuen Fitnesstrend, den du unbedingt ausprobieren solltest. Die Rede ist vom Slow Jogging, einer speziellen Lauftechnik, die du ganz bewusst einsetzen solltest.