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Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von vier Muskeln, deren Sehnen den Oberarmkopf wie eine Kappe umschliessen und ihn in der Gelenkpfanne zentrieren [3]. Anders als beim Hüftgelenk ist die Gelenkpfanne der Schulter klein und flach. Das erlaubt einen sehr grossen Bewegungsradius, bietet aber wenig knöcherne Führung. Die Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette gleichen diese geringe knöcherne Stabilität aus, indem sie den Oberarmkopf aktiv in der Pfanne halten und seine Bewegungen kontrollieren [3].
Gemeinsam mit den umliegenden Strukturen bildet die Manschette eine derbe Sehnenkappe rund um das Gelenk. Sie ist nicht nur für die Stabilität zuständig, sondern auch an der Innen- und Aussendrehung des Arms sowie am seitlichen Anheben beteiligt [3]. Dieses Zusammenspiel funktioniert nur reibungslos, solange das Gelenk gleichmässig belastet wird und keine Verschleiss- oder Verletzungsschäden vorliegen.
Zur Rotatorenmanschette gehören vier Muskeln, die das Schultergelenk von vorne, oben und hinten umspannen. Ihre Lage und Hauptfunktion im Überblick:
Alle vier arbeiten zusammen, um den Oberarmkopf bei jeder Armbewegung in der Pfanne zu halten [3]. Fällt eine dieser Strukturen aus oder wird sie schwächer, gerät dieses Gleichgewicht aus dem Takt – häufig mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen als Folge.
Die Supraspinatussehne ist die mit Abstand am häufigsten betroffene Sehne der Rotatorenmanschette, weil sie anatomisch besonders exponiert liegt [6]. Sie verläuft über den oberen Teil des Gelenks durch einen engen Raum unter dem Schulterdach (Akromion). Dort ist sie bei Bewegungen mechanischem Druck ausgesetzt. Hinzu kommt, dass die Sehne nahe ihres Ansatzes vergleichsweise schlecht durchblutet ist, was die Reparaturprozesse im Gewebe erschweren kann [6].
Wegen dieser exponierten Lage führen chronische Überlastung, altersbedingte Verschleissprozesse oder ein Unfall an der Supraspinatussehne schneller zu Schäden als an den übrigen Sehnen. Sprechen Fachleute von einer Rotatorenmanschettenruptur, ist deshalb meist ein Riss der Supraspinatussehne gemeint [6]. Der Begriff «Supraspinatussehne» wird in diesem Zusammenhang oft stellvertretend für Läsionen der gesamten Manschette verwendet.
Gut zu wissen: Sehnenveränderungen der Rotatorenmanschette sind nicht immer schmerzhaft. Bildgebende Untersuchungen finden auch bei beschwerdefreien Menschen häufig altersbedingte Sehnenschäden. Ob eine Behandlung nötig ist, richtet sich deshalb nach den Beschwerden und der Funktion – nicht allein nach dem Bild [1].
Probleme der Rotatorenmanschette reichen von einer reinen Sehnenreizung bis zum vollständigen Sehnenriss. Die folgenden Beschwerdebilder hängen eng zusammen und gehen oft ineinander über:
Diese Bilder sind keine streng getrennten Krankheiten, sondern Teile eines Spektrums. Eine länger bestehende Reizung kann in degenerative Sehnenveränderungen und langfristig in einen Riss übergehen [2]. Welches Bild im Einzelfall vorliegt, lässt sich nicht allein anhand der Symptome bestimmen, sondern wird ärztlich – häufig mit einer klinischen Untersuchung und Bildgebung – abgeklärt [1][4].
Ein subakromiales Impingement entsteht, wenn der enge Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach so eingeengt wird, dass Sehne und Schleimbeutel bei Bewegungen eingeklemmt und gereizt werden [2]. Unter dem Schulterdach liegen Sehnen und Schleimbeutel auf engstem Raum dicht beieinander. Dieser Bereich ist dadurch besonders anfällig für Reizungen.
Zu den möglichen Ursachen gehören eine geschwächte oder unausgeglichene Schultermuskulatur, durch die der Oberarmkopf nicht mehr sauber zentriert wird, sowie Verschleissveränderungen, eine angeborene ungünstige Form des Schulterdachs oder eine verdickte, entzündete Bursa [2]. Reibt eine gereizte Sehne dauerhaft über den Knochen statt frei zu gleiten, kann sich daraus ein Kreislauf aus Schmerz, Schonhaltung und weiterer Reizung entwickeln. Häufig betrifft das Menschen, die beruflich oder sportlich viel über Kopf arbeiten [2].
Typisch sind Schmerzen beim Anheben oder Abspreizen des Arms, oft an der Aussenseite der Schulter und manchmal bis in den Oberarm ausstrahlend [3]. Charakteristisch ist, dass die Beschwerden in einem mittleren Bewegungsbereich beim seitlichen Anheben am stärksten sind. Viele Betroffene berichten zusätzlich über nächtliche Schmerzen, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite [3].
Bei einem akuten, unfallbedingten Riss können die Schmerzen plötzlich einschiessen und mit einer deutlichen Kraftminderung beim Armheben einhergehen [4]. Solche Symptome geben Hinweise, ersetzen aber keine Diagnose: Ähnliche Beschwerden können von der Sehne, vom Schleimbeutel, vom Gelenk selbst oder von der Halswirbelsäule ausgehen. Welche Struktur tatsächlich betroffen ist, lässt sich nur in einer Untersuchung klären.
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Schulterschmerzen länger anhalten, immer wiederkehren oder den Alltag und Schlaf deutlich beeinträchtigen. Besonders rasch abklären lassen solltest du Beschwerden, die nach einem Sturz oder Unfall auftreten, mit einer plötzlichen Kraftlosigkeit beim Armheben einhergehen oder mit ausgeprägter Bewegungsunfähigkeit verbunden sind [1][4].
Sicherheitshinweis: Suche zeitnah ärztliche Hilfe, wenn nach einem Sturz oder Unfall starke Schulterschmerzen auftreten, die Schulter sichtbar fehlgestellt ist, ein Verdacht auf eine Auskugelung besteht oder der Arm nicht mehr angehoben werden kann. Auch starke Schwellung, Rötung, Überwärmung, Fieber, ein deutliches Krankheitsgefühl oder ein plötzlich neu auftretender Kraftverlust sollten rasch abgeklärt werden. Solche Warnzeichen können auf eine Fraktur, Luxation, Infektion oder eine akute strukturelle Verletzung hinweisen.
Eine frühzeitige Einordnung kann helfen, belastende Bewegungen sinnvoll anzupassen, Schonhaltungen zu vermeiden und ein passendes Übungs- oder Behandlungskonzept zu planen. Statt die Schulter dauerhaft zu schonen, ist es meist hilfreicher, die Ursache der Beschwerden früh einordnen zu lassen.
Die meisten Beschwerden der Rotatorenmanschette lassen sich zunächst konservativ behandeln, also ohne Operation [1][3]. Dazu gehören das Anpassen belastender Bewegungen, eine vorübergehende Schmerz- und Entzündungslinderung – etwa mit entzündungshemmenden Medikamenten nach ärztlicher Rücksprache – sowie gezielte aktive Bewegungstherapie [1][3]. Bei einem Impingement steht im Vordergrund, die Schultermuskulatur so zu kräftigen, dass der Oberarmkopf wieder besser zentriert wird [2].
Ob bei einem Sehnenriss konservativ oder operativ behandelt wird, lässt sich nicht pauschal sagen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen degenerativen und akuten, unfallbedingten Rissen. Degenerative, kleinere oder beschwerdearme Risse sowie Risse bei Menschen mit geringerem Funktionsanspruch werden häufig zunächst konservativ behandelt [1][5]. Frische traumatische Risse mit deutlichem Kraftverlust oder plötzlicher Funktionsminderung sollten dagegen zeitnah orthopädisch beurteilt werden, weil hier eine operative Versorgung eher relevant sein kann [1][4]. Die Entscheidung hängt unter anderem vom Leidensdruck, vom Aktivitätsanspruch, von Grösse und Lage des Risses, vom Zustand der Muskulatur und von möglichen Begleitverletzungen ab [1]. Eine Operation wird zudem erwogen, wenn konservative Massnahmen über längere Zeit nicht ausreichend helfen.
Für das subakromiale Impingement zeigen Übersichtsarbeiten und Leitlinien, dass eine operative Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach (subakromiale Dekompression) gegenüber einer konsequenten konservativen Therapie keinen klaren Vorteil bietet [2]. Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Diese kritische Evidenz betrifft vor allem die isolierte subakromiale Dekompression beim subakromialen Schmerzsyndrom. Sie bedeutet nicht, dass eine operative Versorgung bei einem frischen oder grossen Rotatorenmanschettenriss grundsätzlich unnötig ist. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der genauen Ursache und vom individuellen Befund ab und sollte gemeinsam mit der behandelnden Fachperson entschieden werden.
Aktive Bewegungstherapie und ein individuell dosierter Belastungsaufbau gelten als zentrale Bausteine der konservativen Behandlung von Beschwerden der Rotatorenmanschette [1][7]. Ein schrittweise gesteigertes Training der Sehne und Muskulatur – mit haltenden (isometrischen) Übungen zu Beginn und später kräftigenden Bewegungen – soll Schmerzen reduzieren, die Beweglichkeit erhalten und die Schulter stabilisieren [6][7]. Wichtig ist eine an den eigenen Befund angepasste Dosierung: Zu frühe oder zu starke Belastung kann den Heilungsverlauf stören, weshalb die Steigerung idealerweise begleitet erfolgt.
Manuelle Verfahren, wie sie in Physiotherapie und Osteopathie eingesetzt werden, können ergänzend angewendet werden. Die Studienlage dazu ist allerdings uneinheitlich: Systematische Übersichtsarbeiten finden keinen eindeutigen Beleg, dass manuelle Therapie für sich genommen die Beschwerden verbessert [8]. Manche Untersuchungen deuten darauf hin, dass manuelle Techniken in Kombination mit aktiven Übungen einen zusätzlichen Nutzen haben können, doch die Belege sind begrenzt und unterschiedlich aussagekräftig [8]. Für Osteopathie speziell bei Rotatorenmanschettenbeschwerden ist die Evidenz begrenzt. Manuelle oder osteopathische Verfahren können im Einzelfall ergänzend eingesetzt werden, ersetzen aber kein aktives Übungs- und Belastungsprogramm.
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Was ist die häufigste Ursache für Schmerzen an der Rotatorenmanschette?
Häufig stecken eine Reizung oder ein Verschleiss der Supraspinatussehne sowie ein subakromiales Impingement dahinter. Weil die Supraspinatussehne in einem engen Raum unter dem Schulterdach verläuft und dort schlechter durchblutet ist, ist sie besonders anfällig für Überlastung und Verschleiss [6]. Schmerzen treten typischerweise beim Anheben des Arms und nachts auf. Die genaue Ursache sollte ärztlich abgeklärt werden [4].
Muss eine gerissene Supraspinatussehne immer operiert werden?
Nein. Ob operiert wird, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa von Grösse und Lage des Risses, vom Alter, vom Aktivitätsanspruch und vom Zustand der Muskulatur [1]. Kleinere oder beschwerdearme Risse und Risse bei geringerem Funktionsanspruch werden oft zunächst konservativ behandelt [1][5]. Frische, unfallbedingte Risse mit deutlichem Kraftverlust sollten dagegen zeitnah orthopädisch beurteilt werden, weil eine Operation hier eher infrage kommen kann [1][4]. Die Entscheidung trifft die behandelnde Fachperson individuell.
Hilft Osteopathie oder manuelle Therapie bei Schulterschmerzen?
Für manuelle Therapie bei Rotatorenmanschetten-Tendinopathie ist die Studienlage uneinheitlich. Systematische Übersichtsarbeiten finden keinen eindeutigen Beleg, dass manuelle Therapie allein die Beschwerden verbessert [8]. Für Osteopathie speziell bei Rotatorenmanschettenbeschwerden ist die Evidenz begrenzt. Manuelle oder osteopathische Verfahren können im Einzelfall ergänzend eingesetzt werden, sollten aber mit aktiver Übungstherapie kombiniert werden [7][8].
Welche Übungen sind bei Beschwerden der Rotatorenmanschette sinnvoll?
Sinnvoll ist ein schrittweise gesteigertes Training, das mit haltenden Übungen beginnt und später kräftigende Bewegungen einbezieht, um die Schulter zu stabilisieren [6][7]. Bewegungen über Kopf, die Schmerzen auslösen, werden anfangs vermieden [3]. Welche Übungen geeignet sind und wie stark belastet werden darf, hängt vom Befund ab und wird am besten individuell festgelegt und begleitet.
Wie lange dauert die Heilung?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Sehnengewebe braucht oft Wochen bis Monate, um sich zu erholen und wieder belastbar zu werden [1][5]. Bei Reizungen und kleineren Beschwerden kann sich die Schulter mit angepasster Belastung und Training schrittweise bessern. Nach einer Operation folgt eine längere, mehrstufige Nachbehandlung. Der Verlauf ist individuell und hängt von Ursache, Befund und Mitarbeit ab.
[1] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2025, S2k-Leitlinie Rotatorenmanschettenruptur (187-055), register.awmf.org. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-055
[2] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2021, S2e-Leitlinie Subacromiales Impingement (033-056), register.awmf.org. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-056
[3] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, Verletzung der Rotatorenmanschette/Subakromiale Bursitis, msdmanuals.com. https://www.msdmanuals.com/de/heim/verletzungen-und-vergiftung/sportverletzungen/verletzung-der-rotatorenmanschette-subakromiale-bursitis
[4] Praxis (Hogrefe), 2019, Rotatorenmanschettenruptur: Wann ist die konservative und wann die operative Therapie indiziert?, econtent.hogrefe.com. https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/1661-8157/a003193
[5] Thieme, Physiotherapie der Rotatorenmanschette, thieme-connect.com. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0977-9279.pdf
[6] Lewis J. et al., 2018, Supraspinatus Tendon Pathomechanics: A Current Concepts Review, International Journal of Sports Physical Therapy, PMC. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6253746/
[7] Powell J. K. et al., 2023, Exercise for rotator cuff tendinopathy: Proposed mechanisms of recovery, PMC. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10268139/
[8] Desjardins-Charbonneau A. et al., 2015, The Efficacy of Manual Therapy for Rotator Cuff Tendinopathy: A Systematic Review and Meta-analysis, Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, jospt.org. https://www.jospt.org/doi/10.2519/jospt.2015.5455
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