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Das Steissbein (medizinisch Os coccygis) bildet das untere Ende der Wirbelsäule, unterhalb des Kreuzbeins. Es besteht aus mehreren – meist drei bis fünf – kleinen Wirbeln, die häufig miteinander verwachsen sind [1]. An ihm setzen Bänder und Muskeln des Beckens und des Beckenbodens an. Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen in diesem Bereich werden fachlich als Kokzygodynie (auch Coccygodynie) bezeichnet [1][2].
Typisch ist ein lokal begrenzter Schmerz am unteren Ende der Wirbelsäule, der sich beim Sitzen – besonders auf harten Flächen – sowie beim Aufstehen verstärkt. Manche Betroffene berichten zusätzlich über Beschwerden beim Stuhlgang oder beim Geschlechtsverkehr [1][2].
Eine häufige Ursache ist ein Sturz nach hinten auf das Gesäss, der das Steissbein prellt oder, seltener, bricht. Weitere mögliche Auslöser sind langes Sitzen auf harten Oberflächen, eine Geburt, Übergewicht sowie – seltener – entzündliche oder andere Erkrankungen im Beckenbereich [1][2]. Lässt sich keine konkrete Ursache feststellen, spricht man von einer idiopathischen Kokzygodynie; das ist eine Ausschlussdiagnose, die erst nach sorgfältiger Untersuchung gestellt wird [2].
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Das hängt unter anderem mit anatomischen Unterschieden im Beckenbereich und mit der Belastung während Schwangerschaft und Geburt zusammen [1][2].
Während und nach der Schwangerschaft können Beschwerden im Bereich von Becken und Steissbein häufiger auftreten [2]. Auch während und nach der Geburt können Steissbeinschmerzen entstehen. Welche Massnahmen in dieser Zeit geeignet sind, sollte mit der betreuenden ärztlichen Fachperson oder der Hebamme abgestimmt werden, damit schonende und passende Wege gewählt werden. Übungen oder Anwendungen sollten in der Schwangerschaft nicht eigenmächtig intensiviert werden.
In vielen Fällen bessern sich Steissbeinschmerzen mit der Zeit. Mehrere alltagsnahe Massnahmen können die Beschwerden lindern und werden in Fachpublikationen als erste, nicht-invasive Schritte beschrieben [1][2]:
Kurzfristig können entzündungshemmende Schmerzmittel die Beschwerden lindern; die Anwendung sollte mit der Ärztin oder dem Arzt oder in der Apotheke abgesprochen werden. Wichtig: Die Belege für einzelne konservative Massnahmen sind insgesamt begrenzt, auch wenn sie verbreitet empfohlen werden [1]. Sie sind als unterstützende Orientierung zu verstehen, nicht als garantierte Lösung.
Bessern sich die Beschwerden trotz dieser Massnahmen nicht, gibt es weitere Optionen, die ärztlich oder physiotherapeutisch begleitet werden. Physiotherapie kann je nach Befund manuelle Techniken, Beckenboden- und Haltungsarbeit sowie Übungen zur Stabilisierung umfassen [3]. Sie ist dabei ein individuell angepasster Baustein bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden – wie gut einzelne Massnahmen wirken, ist je nach Beschwerdebild unterschiedlich belegt [2][3]. Bei hartnäckigen Schmerzen kommen ärztliche Massnahmen wie gezielte Injektionen in Betracht. Eine operative Entfernung des Steissbeins (Kokzygektomie) bleibt seltenen, therapieresistenten Fällen vorbehalten und wird sorgfältig gegen die Risiken abgewogen [1][2]. Insgesamt lassen sich die meisten Fälle ohne Operation behandeln [2].
Gut zu wissen: Häufig werden keil- oder U-förmige Sitzkissen empfohlen, weil sie den Druck auf das Steissbein reduzieren können [1]. Der klassische Donut-Ring hilft manchen Personen, kann aber je nach Sitzposition ungünstig sein. Welche Variante passt, ist individuell – Ausprobieren und das eigene Empfinden entscheiden mit.
Schmerzen nach einem Sturz auf das Gesäss sind zunächst nicht ungewöhnlich und klingen oft von selbst ab. Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden stark sind, sich nicht allmählich bessern, immer wieder auftreten oder von Begleitsymptomen begleitet werden. Rasch ärztlich beurteilt werden sollten insbesondere [1][4]:
Sicherheitshinweis: Treten zusammen mit Schmerzen im unteren Rücken eine Taubheit im Reithosenbereich oder Störungen von Blase oder Darm auf, ist das ein Notfall und erfordert sofortige ärztliche Hilfe [4]. Solche Beschwerden gehören nicht in die Selbstbehandlung.
Erste Anlaufstelle ist in der Regel die Hausärztin oder der Hausarzt, die je nach Befund an die passende Fachrichtung weiterverweisen können – etwa Orthopädie bei knöchernen Problemen. Für die konservative, bewegungsorientierte Behandlung ist Physiotherapie eine sinnvolle Ergänzung, häufig auf ärztliche Verordnung.
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Können Steissbeinschmerzen ohne erkennbaren Grund auftreten?
Ja. Wenn sich keine konkrete Ursache wie ein Sturz finden lässt, spricht man von einer idiopathischen Kokzygodynie [2]. Treten Beschwerden ohne Auslöser plötzlich auf und halten an oder kommen weitere Symptome hinzu, ist eine ärztliche Abklärung ratsam.
Wie lange dauern Steissbeinschmerzen nach einem Sturz?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Häufig bessern sich Beschwerden nach einer Prellung über Tage bis Wochen. Verschwinden sie nicht oder verstärken sie sich, oder zeigt sich ein grösserer Bluterguss, sollte ein möglicher Bruch ärztlich abgeklärt werden [1].
Welches Sitzkissen hilft bei Steissbeinschmerzen?
Entlastende Kissen sollen den Druck auf das Steissbein beim Sitzen verringern. Häufig werden keil- oder U-förmige Kissen empfohlen; der klassische Donut-Ring hilft manchen Personen, kann aber je nach Sitzposition ungünstig sein [1]. Welche Form sich am besten eignet, hängt vom persönlichen Empfinden ab.
Hilft Physiotherapie bei Steissbeinschmerzen?
Physiotherapie wird als Teil der konservativen Behandlung beschrieben und kann manuelle Techniken, Beckenboden- und Haltungsarbeit umfassen [3]. Wie wirksam einzelne Massnahmen sind, ist je nach Beschwerdebild unterschiedlich gut belegt; ein individuell angepasster Plan ist sinnvoll.
Muss ein Steissbein operiert werden?
Nur selten. Die meisten Beschwerden lassen sich ohne Operation behandeln. Eine Entfernung des Steissbeins kommt nur bei anhaltenden, therapieresistenten Schmerzen und nach Abwägung der Risiken infrage [1][2].
[1] Bain HL, Mabrouk A, Foye P, 2025 (Stand 9. August 2025), Coccyx Pain, StatPearls Publishing/NCBI Bookshelf, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK563139/
[2] Andersen GØ, Milosevic S, Jensen MM et al., 2022, Coccydynia – The Efficacy of Available Treatment Options: A Systematic Review, Global Spine Journal 12(7):1611–1623, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34927468/
[3] White WD, Avery M, Jonely H et al., 2022, The interdisciplinary management of coccydynia: A narrative review, PM&R 14(9):1143–1154, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34333873/
[4] MSD Manual Ausgabe für Patienten, 2025, Kauda-Syndrom, https://www.msdmanuals.com/de/heim/st%C3%B6rungen-der-hirn-r%C3%BCckenmarks-und-nervenfunktion/erkrankungen-des-r%C3%BCckenmarks/kauda-syndrom
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