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Teufelskralle: Wirkung, Anwendung und worauf du achten solltest

Teufelskralle: Wirkung, Anwendung und worauf du achten solltest

Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine afrikanische Heilpflanze, deren Wurzel traditionell bei leichten Gelenk-, Rücken- und Verdauungsbeschwerden angewendet wird [1]. Bekannt ist sie vor allem als pflanzliche Option bei Arthrose und länger anhaltenden Rückenschmerzen – wobei ihre Wirkung erst nach mehreren Wochen einsetzt und sie sich nicht für akute Schmerzen eignet [2]. In diesem Ratgeber erfährst du, wie die Teufelskralle eingesetzt wird, was die Studienlage zeigt und worauf du bei der Einnahme achten solltest – besonders bei Vorerkrankungen oder wenn du andere Medikamente nimmst.

Was ist die Teufelskralle?

Die Teufelskralle ist eine krautige Pflanze aus dem südlichen Afrika, deren getrocknete Speicherwurzel als pflanzliches Arzneimittel verwendet wird [1]. Sie wächst vor allem in den trockenen Savannen Namibias, Botswanas und der Kalahari-Region. Ihren Namen verdankt sie den Früchten mit ihren auffälligen Widerhaken – für Heilzwecke werden jedoch nicht die Früchte, sondern die Wurzeln genutzt.

Neben der Afrikanischen Teufelskralle gibt es in Europa ähnlich benannte Pflanzen wie die Kugel- oder die Ährige Teufelskralle. Diese sind botanisch nicht mit Harpagophytum procumbens verwandt und werden nicht in den hier beschriebenen Präparaten verwendet.

Die Wirkung der Wurzel wird vor allem ihren Bitterstoffen vom sogenannten Iridoidtyp zugeschrieben. Der bekannteste davon ist das Harpagosid; daneben enthält die Wurzel weitere Pflanzenstoffe wie Phenylethanolderivate und Flavonoide [1].

Wie wirkt die Teufelskralle?

Der Teufelskralle werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben, die vor allem auf die enthaltenen Bitterstoffe wie Harpagosid zurückgeführt werden [1]. In Laboruntersuchungen zeigen sich Hinweise darauf, dass Inhaltsstoffe der Wurzel in Entzündungsprozesse eingreifen können. Wie stark sich diese Effekte auf den Menschen übertragen lassen, ist allerdings nur begrenzt untersucht (mehr dazu im Abschnitt zur Studienlage).

Im Verdauungstrakt wirken die Bitterstoffe auf andere Weise: Sie regen die Speichel- und Magensaftbildung an und können so den Appetit sowie die Verdauung anregen. Deshalb wird die Teufelskralle traditionell auch bei Völlegefühl, Blähungen und Appetitlosigkeit eingesetzt [1].

Bei welchen Beschwerden wird die Teufelskralle angewendet?

Die Teufelskralle wird vor allem bei leichten Gelenk- und Rückenschmerzen sowie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit angewendet [1]. Der zuständige Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ordnet Präparate aus Teufelskrallenwurzel diesen Anwendungsgebieten zu – ausdrücklich auf Grundlage der langjährigen traditionellen Verwendung [1].

Die wichtigsten Anwendungsbereiche und die jeweils übliche Darreichungsform lassen sich so zusammenfassen – die genannten Zuordnungen beruhen dabei auf der traditionellen Verwendung und sind keine Wirkversprechen:

  • Leichte Gelenk- und Rückenschmerzen (z. B. bei Arthrose): Hier werden der Wurzel traditionell entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben; meist kommen standardisierte Kapseln, Tabletten oder eine Tinktur zum Einsatz.
  • Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen: Die enthaltenen Bitterstoffe regen traditionell Verdauung und Gallenfluss an; üblich sind hier Tee oder Tropfen.
  • Appetitlosigkeit: Auch hier sollen die Bitterstoffe den Appetit anregen; angewendet wird die Teufelskralle in diesem Fall ebenfalls als Tee oder in Tropfenform.

Die Teufelskralle ist als ergänzende, sanfte Option gedacht. Bei ausgeprägten oder akuten Beschwerden ersetzt sie keine ärztlich abgestimmte Behandlung.

Was sagt die Studienlage zur Wirkung bei Gelenk- und Rückenbeschwerden?

Für leichte Gelenk- und Rückenschmerzen gibt es Hinweise auf eine schmerzlindernde Wirkung, die Belege sind jedoch begrenzt und uneinheitlich. Übersichtsarbeiten kommen zu einer moderaten Evidenz dafür, dass ein auf rund 60 mg Harpagosid standardisiertes Präparat bei degenerativen Veränderungen von Wirbelsäule, Hüfte und Knie helfen kann; eine ähnliche Einschätzung gilt für einen wässrigen Extrakt mit etwa 100 mg Harpagosid bei akuten Verschlechterungen länger bestehender, unspezifischer Rückenschmerzen [2].

Ein systematischer Cochrane-Review zu Rückenschmerzen fand ebenfalls Hinweise, dass auf 50 oder 100 mg Harpagosid standardisierte Tagesdosen die Schmerzen stärker lindern als ein Scheinmedikament – allerdings auf Basis von Studien mit eingeschränkter Aussagekraft [2][3]. Eine einzelne Untersuchung deutete eine vergleichbare Wirkung wie ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel an, war aber von sehr geringer methodischer Qualität [2].

Die vorhandenen Studien sind insgesamt schwer vergleichbar: Sie sind oft kurz, verwenden unterschiedliche Präparate und Messmethoden und sind für eine chronisch verlaufende Erkrankung wie Arthrose meist zu kurz angelegt [4]. Diese Befunde sind interessant, sollten aber vorsichtig interpretiert werden. Viele Anwender:innen beschreiben die Teufelskralle dennoch als hilfreiche, gut verträgliche Begleitung bei leichten, länger bestehenden Beschwerden – was gut dazu passt, dass sie als sanfte, ergänzende Option verstanden wird und nicht als Ersatz für eine notwendige Behandlung.

Wie wird die Teufelskralle angewendet?

Die Teufelskralle wird meist als standardisiertes Fertigpräparat in Form von Kapseln oder Tabletten eingenommen, daneben gibt es Tee, Tinkturen und äusserlich anwendbare Salben. Welche Form sinnvoll ist, hängt vom Beschwerdebild ab: Bei Verdauungsbeschwerden oder Appetitlosigkeit kommt traditionell ein bitterer Tee oder Tropfen zum Einsatz. Bei Gelenk- und Rückenbeschwerden werden dagegen meist standardisierte Präparate gewählt, weil ein Tee in der Regel zu wenig der potenziell wirksamen Inhaltsstoffe enthält [2].

Wichtig ist Geduld: Die mögliche Wirkung bei Gelenkbeschwerden setzt erst nach mehreren Wochen kontinuierlicher Einnahme ein. Für akute, plötzlich auftretende Schmerzen ist die Teufelskralle deshalb nicht geeignet [2]. Halten Beschwerden trotz Anwendung über mehrere Wochen an oder verschlimmern sie sich, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll [1].

Gut zu wissen: Der Gehalt an Harpagosid – dem wichtigsten Inhaltsstoff – kann zwischen verschiedenen Präparaten deutlich schwanken. Standardisierte Fertigarzneimittel geben den Wirkstoffgehalt an, sodass sich die Dosierung besser einschätzen lässt. Im Zweifel hilft eine Beratung in der Apotheke weiter.

Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind möglich?

Die Teufelskralle gilt in den üblichen Dosierungen als gut verträglich; am häufigsten treten leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Blähungen auf [1]. Möglich sind ausserdem Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Nesselsucht oder Schwellungen im Gesicht; gelegentlich werden auch Kopfschmerzen oder Schwindel berichtet [1].

In einigen Situationen sollte die Teufelskralle nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden. Weil ihre Bitterstoffe die Magensäure- und Gallenproduktion anregen, ist sie bei einem aktiven Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür nicht geeignet [1]. Bei Gallensteinen ist vor der Anwendung eine ärztliche Rücksprache wichtig, da der angeregte Gallenfluss Beschwerden auslösen kann. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen wird die Einnahme mangels ausreichender Daten nicht empfohlen [1].

Sicherheitshinweis: Wenn du regelmässig Medikamente einnimmst – etwa Blutverdünner, Blutdruck- oder Diabetesmedikamente –, kläre die Anwendung vorab ärztlich oder in der Apotheke ab. Systematische Daten zu Wechselwirkungen fehlen weitgehend, weshalb hier Vorsicht angebracht ist [1].

Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Bei starken, plötzlich auftretenden oder länger anhaltenden Beschwerden sowie bei unklarer Ursache ist eine ärztliche Abklärung wichtig, bevor du zu pflanzlichen Mitteln greifst. Warnzeichen wie ein stark gerötetes, geschwollenes Gelenk, Fieber oder rasch zunehmende Schmerzen gehören ärztlich beurteilt, da dahinter behandlungsbedürftige Ursachen stehen können.

Die Teufelskralle kann eine sanfte, ergänzende Begleitung sein – sie ersetzt aber keine notwendige medizinische Behandlung. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es sinnvoll, die Anwendung in das Gesamtkonzept der ärztlichen oder physiotherapeutischen Behandlung einzubetten, statt sie an deren Stelle zu setzen.

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Häufige Fragen zur Teufelskralle

Ab wann wirkt die Teufelskralle?

Bei Gelenk- und Rückenbeschwerden setzt die mögliche Wirkung erst nach mehreren Wochen regelmässiger Einnahme ein. Die Teufelskralle ist daher kein Mittel gegen akute Schmerzen, sondern eher zur längerfristigen Anwendung bei leichten, anhaltenden Beschwerden gedacht. Zeigt sich nach einigen Wochen keine Besserung oder verstärken sich die Beschwerden, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll [1][2].

Hilft die Teufelskralle bei Arthrose?

Es gibt Hinweise, dass die Teufelskralle bei leichten arthrosebedingten Gelenkschmerzen lindernd wirken kann. Übersichtsarbeiten sprechen von moderater Evidenz für standardisierte Präparate, betonen aber, dass die Studien begrenzt und uneinheitlich sind [2][4]. Sie kann als ergänzende Option versucht werden, ersetzt aber keine ärztlich abgestimmte Arthrosebehandlung.

Wer sollte die Teufelskralle nicht einnehmen?

Bei einem aktiven Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür ist die Teufelskralle nicht geeignet. Bei Gallensteinen sollte sie nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen wird von der Einnahme mangels Daten abgeraten [1].

Tee oder Kapseln – was ist sinnvoller?

Das hängt vom Ziel ab. Bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit ist der bittere Tee traditionell üblich, da hier die Bitterwirkung im Vordergrund steht. Bei Gelenk- und Rückenbeschwerden werden dagegen standardisierte Kapseln oder Tabletten bevorzugt, weil ein Tee meist zu wenig der potenziell wirksamen Inhaltsstoffe enthält [1][2].

Kann ich die Teufelskralle mit anderen Medikamenten kombinieren?

Dazu gibt es bislang nur wenige verlässliche Daten. Vorsicht ist vor allem bei Blutverdünnern, Blutdruck- und Diabetesmedikamenten angebracht. Wenn du regelmässig Medikamente einnimmst, solltest du die Anwendung vorab ärztlich oder in der Apotheke besprechen [1].

Quellen

[1] European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), 2016, European Union herbal monograph on Harpagophytum procumbens DC. and/or Harpagophytum zeyheri Decne., radix, https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/harpagophyti-radix

[2] Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), Behandlung mit Teufelskralle (komplementäre Ansätze), https://www.dgrh.de/lesen/empfehlungen/komplementaere-ansaetze/teufelskralle/

[3] Oltean H, Robbins C, van Tulder MW, Berman BM, Bombardier C, Gagnier JJ, 2014, Herbal medicine for low-back pain, Cochrane Database of Systematic Reviews, CD004504, https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD004504.pub4/full

[4] Cochrane Österreich / Medizin-Transparent (Universität für Weiterbildung Krems), Teufelskralle bei Arthrose: Ausweg aus dem Schmerz?, https://medizin-transparent.at/teufelskralle-arthrose/

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