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Ein Ulcus cruris venosum ist eine offene, chronische Wunde am Unterschenkel, die als Folge einer chronischen Venenschwäche entsteht. Der lateinische Begriff lässt sich mit „Unterschenkelgeschwür" übersetzen, der Zusatz „venosum" verweist auf die venöse Ursache.
Von einer chronischen Wunde sprechen Fachleute, wenn eine Wunde trotz korrekter Behandlung über mehrere Wochen keine Heilungszeichen zeigt – während eine gewöhnliche, nicht genähte Wunde normalerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen auf dem Weg zur Heilung ist [5]. Das venöse Unterschenkelgeschwür gilt als schwerste Ausprägung der chronischen Venenkrankheit (früher chronisch-venöse Insuffizienz genannt) [2][5].
Chronische Wunden am Unterschenkel kommen häufiger vor, als viele denken: Schätzungen zufolge entwickelt rund ein Prozent der Bevölkerung im Lauf des Lebens ein offenes Bein, jenseits des 80. Lebensjahres steigt der Anteil auf etwa vier Prozent [5].
Wichtig: Dieser Ratgeber beschreibt das venös bedingte Unterschenkelgeschwür allgemein. Welche Untersuchungen und Behandlungen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt von der Ursache, vom Befund und von Begleiterkrankungen ab und wird individuell ärztlich entschieden.
Das Leitsymptom ist eine offene, oft nässende Wunde am Unterschenkel, die typischerweise oberhalb des Innenknöchels liegt und nicht von selbst abheilt [2]. Häufig tritt aus der Wunde eine klare bis leicht trübe Flüssigkeit aus, die die umgebende Haut aufweichen kann.
Meist gehen dem Geschwür über längere Zeit andere Hautveränderungen voraus. Dazu zählen Schwellungen (Ödeme), bräunliche Verfärbungen, eine verhärtete oder glänzende Haut sowie eine juckende, schuppende Stauungsdermatitis – eine Hautentzündung infolge des chronischen Ödems [2]. Erst wenn diese Veränderungen fortschreiten, zerfällt die Haut an einer Stelle und es bildet sich ein Ulkus [2].
Grundsätzlich gilt: Eine Wunde am Bein, die nach mehreren Wochen nicht abheilt, gehört ärztlich abgeklärt. Nur so lässt sich feststellen, welche Ursache zugrunde liegt und welche Behandlung passt.
Ursache ist eine gestörte Funktion der Beinvenen, die das Blut nicht mehr ausreichend zum Herzen zurücktransportieren. Venen leiten das sauerstoffarme Blut aus den Beinen zurück Richtung Herz; Venenklappen verhindern dabei, dass das Blut zurücksackt [2].
Funktionieren diese Klappen nicht mehr richtig – etwa bei Krampfadern oder nach einer tiefen Beinvenenthrombose –, staut sich das Blut in den Beinvenen und der Druck in den Gefässen steigt [2][5]. In der Folge sammelt sich Flüssigkeit im Gewebe (Ödem), die Haut wird schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und zunehmend empfindlich. Schon kleine Verletzungen können dann zu einer Wunde führen, die kaum noch heilt [2].
Neben dem venösen Ulkus gibt es weitere Formen des Unterschenkelgeschwürs, die sich in der Ursache unterscheiden. Die drei häufigsten Formen im Überblick:
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung je nach Ursache deutlich unterscheidet [1][5]. Welche Form vorliegt, lässt sich nicht allein am Aussehen festmachen, sondern wird ärztlich abgeklärt – unter anderem mit einer Ultraschalluntersuchung der Gefässe [6].
Das Risiko steigt vor allem mit zunehmendem Alter und mit Erkrankungen, die den Blutfluss in den Beinen beeinträchtigen. Einige Faktoren lassen sich nicht beeinflussen, andere schon:
Wer beeinflussbare Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht oder Rauchen angeht, kann den Verlauf einer bestehenden Venenkrankheit günstig beeinflussen – ein Ersatz für die eigentliche Behandlung ist das aber nicht.
Im Zentrum steht die Behandlung der Ursache, also der gestörte venöse Blutrückfluss – ergänzt durch eine sorgfältige Wundversorgung [1][6]. Beide Bausteine greifen ineinander: Ohne Verbesserung des Blutflusses heilt die Wunde meist nicht dauerhaft ab. Die Behandlung zieht sich häufig über Wochen bis Monate hin und braucht Geduld [5].
Die Kompressionstherapie ist die Basis der konservativen Behandlung und soll den gestörten Blutrückfluss aus den Beinen verbessern. Dabei kommen Kompressionsverbände oder medizinische Kompressionsstrümpfe zum Einsatz, die von aussen Druck auf das Bein ausüben und so den Rückstrom des Blutes unterstützen [1][4]. Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration zeigen, dass eine Kompressionstherapie die Heilung eines venösen Unterschenkelgeschwürs gegenüber keiner Kompression verbessert und dass Mehrkomponentensysteme tendenziell wirksamer sind als Einkomponentensysteme [4].
Entscheidend ist allerdings, dass vor der Kompression die arterielle Durchblutung abgeklärt wird: Bei einer fortgeschrittenen arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist eine Kompressionstherapie nicht oder nur eingeschränkt geeignet [4]. Deshalb gehört die Entscheidung über Art und Stärke der Kompression in fachliche Hände.
Ziel der Wundbehandlung ist es, die Wunde sauber zu halten, das Abheilen zu unterstützen und Infektionen vorzubeugen. Dazu wird die Wunde regelmässig gereinigt, Beläge und abgestorbenes Gewebe werden entfernt und es kommen geeignete, möglichst schmerzarme Wundauflagen zum Einsatz [1]. Welche Wundauflage passt, hängt vom Zustand der Wunde ab und wird im Verlauf angepasst.
Lässt sich eine konkrete venöse Ursache feststellen, kann zusätzlich ein Eingriff am Venensystem sinnvoll sein. Wird etwa ein Rückfluss in den oberflächlichen Venen festgestellt, kann eine frühzeitige Sanierung dieser Venen die Abheilung unterstützen; dafür stehen offen-chirurgische und schonendere, über die Vene eingebrachte (endovaskuläre) Verfahren zur Verfügung [6]. Auch Bewegung hilft: Durch die Aktivierung der Wadenmuskulatur wird der Blutfluss angeregt, sodass sich das Blut weniger in den Unterschenkeln staut.
Eine Wunde am Unterschenkel, die nach mehreren Wochen nicht abheilt, sollte immer ärztlich abgeklärt werden. Je früher Ursache und passende Behandlung feststehen, desto eher lässt sich ein langwieriger Verlauf vermeiden [5]. Auch wiederkehrende Schwellungen, Hautverfärbungen oder eine juckende, entzündete Haut am Unterschenkel sind ein guter Anlass, die Venen untersuchen zu lassen – noch bevor ein Geschwür entsteht.
Sicherheitshinweis: Eine bestehende Wunde kann sich mit Bakterien infizieren. Zunehmende Schmerzen, eine sich ausbreitende Rötung und Überwärmung der Haut rund um die Wunde oder Fieber können auf eine Infektion (etwa eine Wundrose) hindeuten [2]. In diesem Fall solltest du zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Nach der Abheilung ist die Vorbeugung eines Rückfalls zentral, denn erneute Geschwüre sind häufig. Eine fortgesetzte Kompressionstherapie nach dem Abheilen verringert möglicherweise das Risiko, dass erneut ein Ulcus cruris venosum auftritt [3]. Wie lange und mit welcher Stärke die Kompression sinnvoll ist, wird individuell festgelegt.
Unterstützend wirken regelmässige Bewegung, das konsequente Behandeln der zugrunde liegenden Venenkrankheit sowie das Beachten beeinflussbarer Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen [5]. Regelmässige Kontrolltermine helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Wenn eine schlecht heilende Wunde oder anhaltende Venenbeschwerden abgeklärt werden sollen, ist die Dermatologie eine mögliche erste Anlaufstelle – oft in Zusammenarbeit mit Gefäss- oder Venenmedizin und Wundversorgung. Auf truVuna findest du Hautärztinnen und Hautärzte in deiner Nähe. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt für einen Termin.
Ist ein Ulcus cruris venosum heilbar?
Viele venöse Unterschenkelgeschwüre heilen mit konsequenter Behandlung ab, vor allem mit Kompressionstherapie und Wundversorgung. Die Heilung zieht sich aber oft über Wochen bis Monate hin, und Rückfälle sind nicht selten [1][5]. Eine dauerhafte Behandlung der zugrunde liegenden Venenkrankheit ist deshalb wichtig.
Wie lange dauert die Heilung?
Die Behandlung dauert in den meisten Fällen mehrere Wochen, teils Monate – abhängig von Grösse und Dauer der Wunde sowie von Begleiterkrankungen [5]. Auch nach der Abheilung sind regelmässige Kontrollen sinnvoll, um einen Rückfall früh zu erkennen.
Darf man bei einem offenen Bein immer Kompression tragen?
Nein. Vor einer Kompressionstherapie muss die arterielle Durchblutung abgeklärt werden, da eine fortgeschrittene arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) eine Kompression einschränkt oder ausschliesst [4]. Deshalb sollte die Kompression ärztlich festgelegt und angepasst werden.
Welche Fachrichtung behandelt ein offenes Bein?
Ein offenes Bein wird häufig interdisziplinär behandelt. Die Dermatologie ist eine mögliche Anlaufstelle, oft gemeinsam mit Gefäss- beziehungsweise Venenmedizin, Hausarztmedizin und spezialisierter Wundversorgung [1][6]. Welche Stelle führend ist, hängt von Ursache und Befund ab.
Kann man einem Ulcus cruris venosum vorbeugen?
Eine frühzeitige Behandlung von Venenleiden senkt das Risiko. Krampfadern und Schwellungen ernst zu nehmen, sich regelmässig zu bewegen sowie eine ärztlich empfohlene Kompression konsequent zu tragen, kann der Entstehung vorbeugen [3][5]. Auch das Angehen von Risikofaktoren wie Übergewicht und Rauchen wirkt unterstützend.
[1] Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) u. a., 2024, S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum" (AWMF-Registernummer 037-009), AWMF. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-009
[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten/Profi-Ausgabe, Chronisch-venöse Insuffizienz und postthrombotisches Syndrom sowie Stauungsdermatitis. https://www.msdmanuals.com/de/heim/herz-und-gef%C3%A4%C3%9Fkrankheiten/erkrankungen-der-venen/chronisch-ven%C3%B6se-insuffizienz-und-postthrombotisches-syndrom
[3] de Moraes Silva MA u. a., 2024, Kompressionstherapie zur Vorbeugung des erneuten Auftretens von Ulcus cruris venosum, Cochrane Database of Systematic Reviews (CD002303). https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD002303.pub4/abstract/de
[4] Springer Medizin, Evidenz der Kompressionstherapie bei Ulcus cruris venosum (mit Bezug auf Cochrane-Metaanalysen), springermedizin.de. https://www.springermedizin.de/postthrombotisches-syndrom/beinulkus/evidenz-der-kompressionstherapie-unter-besonderer-beruecksichtig/17741716
[5] Universitätsspital Zürich (USZ), Offenes Bein (Ulcus cruris) – Patienteninformation. https://www.usz.ch/krankheit/offenes-bein/
[6] Springer, 2024, Chirurgische Aspekte der neuen Leitlinie zum Ulcus cruris venosum, Gefässchirurgie. https://link.springer.com/article/10.1007/s00772-024-01106-8
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