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Im Alltag meint veganer Nagellack vor allem: Das Produkt enthält keine Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs. Tierversuchsfreiheit („cruelty-free") ist ein verwandtes, aber separates Kriterium. Das klingt eindeutig – ist es in der Praxis aber nicht immer. Denn diese beiden Eigenschaften sind voneinander unabhängig. Ein Lack kann vegan formuliert sein, also keine tierischen Stoffe enthalten, und trotzdem Tierversuche durchlaufen haben. Umgekehrt kann ein als „cruelty-free" (tierversuchsfrei) ausgewiesenes Produkt sehr wohl tierische Inhaltsstoffe enthalten.
Wer konsequent auf beides verzichten möchte, prüft deshalb sowohl die Inhaltsstoffe als auch ein geeignetes Siegel oder die Angaben des Herstellers – mehr dazu weiter unten [2][3][4].
In einigen konventionellen Nagellacken können Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs vorkommen. Wer die gängigen Vertreter kennt, kann die INCI-Liste auf der Verpackung gezielt lesen [1]:
Besonders Karmin findet sich häufig in Rot-, Rosa-, Pink- und Violetttönen – also in einem grossen Teil der klassischen Lacksortimente. Guanin ist verantwortlich für den Schimmereffekt in Glitzerlacken. Beide Substanzen lassen sich durch vegane Alternativen ersetzen: Karmin durch synthetische oder mineralische Pigmente, Guanin häufig durch Mica (CI 77019), ein schillerndes Mineral.
Wusstest du schon? Die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) steht laut EU-Kosmetikverordnung auf jeder Kosmetikverpackung und listet alle Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge nach Anteil auf [1]. Mit ihr kannst du gezielt nach den oben genannten Bezeichnungen suchen – sie ist die verlässlichste Methode zur Inhaltsstoffprüfung.
Nein – das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. Naturkosmetik bezeichnet Produkte, die auf einen bestimmten Anteil natürlicher Inhaltsstoffe setzen und bestimmte synthetische Stoffe ausschliessen. Das sagt aber nichts darüber aus, ob diese natürlichen Bestandteile tierischen Ursprungs sind. Bienenwachs zum Beispiel ist „natürlich" – aber nicht vegan. Ein Naturkosmetiksiegel wie NATRUE oder BDIH ist deshalb kein verlässlicher Hinweis auf eine vegane Rezeptur.
Wer sichergehen möchte, braucht entweder ein spezifisches Vegan-Zertifikat oder prüft die INCI-Liste direkt.
Nein. Die beiden Begriffe werden oft synonym verwendet, meinen aber Unterschiedliches:
Ein Nagellack kann beide Eigenschaften vereinen – muss es aber nicht. Das Leaping-Bunny-Zertifikat beispielsweise belegt ausschliesslich die Tierversuchsfreiheit, sagt aber nichts über tierische Inhaltsstoffe aus. Das Logo der Vegan Society (das Sonnenblumensymbol) prüft hingegen sowohl Rezeptur als auch Produktionskette und schliesst beides aus.
Für die EU gilt: Kosmetika, die im Sinne der Kosmetikregulierung an Tieren getestet wurden, dürfen grundsätzlich nicht vermarktet werden. Das ist aber nicht identisch mit einem Vegan-Siegel, denn dieses prüft zusätzlich die tierfreie Rezeptur beziehungsweise Lieferkette [2][3].
Diese Bezeichnungen geben an, auf wie viele als problematisch geltende Inhaltsstoffe ein Lack verzichtet. Als grobe Orientierung gilt:
Wichtig: Die „Free"-Bezeichnungen sind nicht gesetzlich geschützt. Jeder Hersteller legt selbst fest, welche Stoffe er damit meint – ein einheitlicher Standard fehlt [3]. Ein Blick auf die INCI-Liste ist deshalb verlässlicher als der Aufdruck allein.
Was die regulatorische Seite betrifft: In der EU und der Schweiz unterliegen Kosmetikinhaltsstoffe der EU-Kosmetikverordnung (EG Nr. 1223/2009), auf die auch das BLV bei geregelten Stoffen verweist [1][5]. Der Photoinitiator TPO (Trimethylbenzoyl Diphenylphosphine Oxide), der in UV-Gel-Lacken zur Aushärtung eingesetzt wurde, ist seit September 2025 in Kosmetika verboten, weil er als reproduktionstoxisch eingestuft wurde [5].
Es gibt drei verlässliche Wege:
1. Zertifikate auf der Verpackung Das Logo der Vegan Society (Sonnenblume) verlangt unter anderem, dass Lieferkette und Produkt keine tierischen Inhaltsstoffe, Nebenprodukte oder Tierversuche durch das Unternehmen beziehungsweise in seinem Auftrag enthalten [3]. Das Leaping Bunny steht dagegen für Tierversuchsfreiheit entlang der Lieferkette – es ist kein Nachweis für vegane Inhaltsstoffe [4].
2. INCI-Liste prüfen Achte auf folgende Einträge, die auf nicht-vegane Inhaltsstoffe hinweisen:
3. Hersteller direkt anfragen Viele vegane Marken kommunizieren ihre Rezeptur transparent auf ihrer Website. Fehlen Zertifikat und INCI-Informationen, lohnt sich eine kurze Nachfrage beim Hersteller – seriöse Anbieter antworten in der Regel zuverlässig.
Auch UV-Gel-Lacke und Shellac sind nicht automatisch vegan – die Grundfrage ist dieselbe wie beim normalen Lack: Enthält das Produkt tierische Inhaltsstoffe? Es gibt vegane Gel-Lacksortimente, aber allein die Bezeichnung „Gel" oder „Shellac" sagt darüber nichts aus. Wer im Nagelstudio vegane Produkte möchte, fragt am besten direkt beim Studio nach, welche Lacke eingesetzt werden. Viele Studios geben darüber auf ihrer Website oder in ihrem Profil Auskunft.
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Ist veganer Nagellack besser für die Nägel?
Veganer Nagellack ist nicht automatisch schonender für die Nagelsubstanz als herkömmlicher Lack. Der Verzicht auf tierische Inhaltsstoffe beeinflusst die Nagelgesundheit nicht direkt. Wenn vegane Produkte gleichzeitig auf bestimmte Lösungsmittel oder Weichmacher verzichten – was oft, aber nicht immer der Fall ist –, kann das die Belastung reduzieren. Entscheidend ist die Gesamtrezeptur, nicht das Vegan-Label allein.
Wie erkenne ich auf der Verpackung, ob ein Nagellack vegan ist?
Der zuverlässigste Weg ist die INCI-Liste auf der Verpackung. Enthält sie Karmin (CI 75470), Guanin (CI 75170), Keratin, Cera Alba oder Lanolin, ist das Produkt nicht vegan. Zertifikate wie das Logo der Vegan Society oder das PETA-Label „Vegan & Cruelty-Free" sind ebenfalls verlässliche Hinweise.
Was bedeutet „cruelty-free" beim Nagellack?
Cruelty-free bedeutet, dass das Produkt ohne Tierversuche entwickelt und hergestellt wurde. Das sagt nichts über die Inhaltsstoffe aus: Ein cruelty-free Lack kann tierische Bestandteile wie Karmin oder Guanin enthalten. Wer beides ausschliessen möchte, sollte auf Produkte achten, die explizit als vegan und cruelty-free ausgewiesen sind.
Ist Naturkosmetik-Nagellack immer vegan?
Nein. Naturkosmetik und vegan sind verschiedene Konzepte. Naturkosmetikprodukte können tierische Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Lanolin enthalten. Wer sichergehen möchte, prüft die INCI-Liste oder achtet auf ein spezifisches Vegan-Zertifikat.
Sind Gel-Lacke im Nagelstudio meistens vegan?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Es gibt vegane und konventionelle Gel-Lacke – der Begriff „Gel" allein gibt keine Auskunft über die Inhaltsstoffe. Wer vegane Produkte möchte, fragt am besten direkt beim Nagelstudio nach.
[1] Europäische Kommission, 2009, Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, EUR-Lex, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32009R1223
[2] Europäische Kommission, Ban on animal testing, https://single-market-economy.ec.europa.eu/sectors/cosmetics/ban-animal-testing_en
[3] The Vegan Society, Vegan Trademark Standards, https://www.vegansociety.com/trademark/vegan-trademark-standards
[4] Leaping Bunny, Frequently Asked Questions, https://www.leapingbunny.org/frequently-asked-questions
[5] Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), 2025, Verbot TPO in Kosmetika – Information, https://www.blv.admin.ch/dam/blv/de/dokumente/gebrauchsgegenstaende/rechts-und-vollzugsgrundlagen/verbot-tpo-in-kosmetika.pdf.download.pdf/Verbot%20TPO%20in%20Kosmetika%20-%20BLV%20Information.pdf
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