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Adipositas: Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten

Adipositas: Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten

Adipositas – im Alltag oft Fettleibigkeit genannt – ist mehr als ein kosmetisches Thema. Sie gilt heute als chronische Erkrankung, die das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen erhöht und die Lebensqualität spürbar beeinträchtigen kann [1]. In der Schweiz ist das Thema weit verbreitet: Rund 43 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind übergewichtig oder adipös, etwa 12 Prozent leben mit Adipositas [2]. Dieser Ratgeber erklärt dir verständlich, was Adipositas ausmacht, ab welchem BMI sie beginnt, welche Ursachen und Folgen sie hat und welche Behandlungswege es gibt.

Was ist Adipositas?

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, bei der sich so viel Körperfett ansammelt, dass die Gesundheit gefährdet ist [1]. Sie entsteht meist über Jahre und betrifft Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche. In der Schweiz waren 2023 bei den 6- bis 12-Jährigen rund 12 Prozent von Übergewicht und 3 Prozent von Adipositas betroffen [2].

Wichtig ist die Einordnung: Adipositas hat eine Doppelrolle. Sie ist einerseits selbst eine Erkrankung und gleichzeitig ein bedeutender Risikofaktor für andere nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und einige Krebsarten [2]. Menschen mit Adipositas werden zudem häufig stigmatisiert – das ist eine zusätzliche Belastung, die ernst genommen werden sollte [2].

Ab welchem BMI spricht man von Adipositas?

Von Adipositas spricht man ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 [8]. Der BMI ist ein einfaches Mass, das das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergrösse setzt. Du berechnest ihn so: Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch Körpergrösse (in Metern) zum Quadrat [8].

Die gängige Einteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anhand des BMI in kg/m² gliedert sich so:

  • 18,5–24,9: Normalgewicht.
  • 25–29,9: Übergewicht (Präadipositas).
  • 30–34,9: Adipositas Grad 1.
  • 35–39,9: Adipositas Grad 2.
  • ab 40: Adipositas Grad 3 (Adipositas permagna).

Mit steigendem Grad nimmt das Risiko für Folgeerkrankungen tendenziell zu [4]. Bei Adipositas Grad 3 können bereits alltägliche Bewegungen schwerfallen.

Gut zu wissen: Der BMI ist nur eine grobe Orientierung. Er unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse – sehr muskulöse Menschen können einen hohen BMI haben, ohne gesundheitlich gefährdet zu sein. Deshalb werden zusätzlich der Taillenumfang und die Fettverteilung berücksichtigt [4].

Neben dem Gewicht spielt die Fettverteilung eine Rolle. Bauchbetontes Fett im Inneren des Bauchraums (sogenanntes viszerales Fett, «Apfeltyp») gilt als gesundheitlich riskanter als Fettpolster an Hüften und Oberschenkeln («Birnentyp»). Bei einem Taillenumfang ab etwa 88 Zentimetern bei Frauen beziehungsweise ab 102 Zentimetern bei Männern besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen [4].

Welche Ursachen hat Adipositas?

Adipositas entsteht, wenn dem Körper über längere Zeit mehr Energie zugeführt wird, als er verbraucht – beeinflusst von vielen Faktoren [3]. Eine energiereiche Ernährung mit viel Zucker und Fett sowie Bewegungsmangel begünstigen die Gewichtszunahme.

Adipositas ist jedoch selten auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Neben Ernährung und Bewegung spielen weitere Faktoren eine Rolle, etwa Stress, Schlafmangel, bestimmte Medikamente, der Hormonhaushalt, das Darmmikrobiom und die genetische Veranlagung [3]. Die Erkrankung ist also kein blosses Zeichen von fehlender Willenskraft, sondern ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Einflüsse.

Welche Folgen kann Adipositas für die Gesundheit haben?

Adipositas erhöht das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkbeschwerden und einige Krebsarten [2]. Je ausgeprägter das Übergewicht ist, desto höher ist in der Regel auch das Risiko.

Zu den möglichen Folgen zählen unter anderem:

  • Typ-2-Diabetes und gestörter Zuckerstoffwechsel
  • Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • vorzeitiger Verschleiss der Gelenke
  • bestimmte Krebserkrankungen
  • Belastungen der psychischen Gesundheit und der Lebensqualität

Übergewicht und Adipositas gehören weltweit zu den wichtigen Risikofaktoren für nicht übertragbare Krankheiten und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen zählen [1]. Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, diese Risiken zu senken.

Wie wird Adipositas behandelt?

Adipositas wird in der Regel mit einer Kombination aus Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und verhaltensbezogener Unterstützung behandelt; in bestimmten Fällen kommen Medikamente oder eine Operation hinzu [6]. Fachleute empfehlen einen mehrgliedrigen, fächerübergreifenden Ansatz, weil die Erkrankung viele Ursachen hat [6].

Die wichtigsten Bausteine im Überblick:

  • Ernährungstherapie: dauerhafte Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten statt kurzfristiger Diäten.
  • Bewegungstherapie: mehr Alltagsbewegung und gezielte körperliche Aktivität.
  • Verhaltenstherapie: Unterstützung dabei, Gewohnheiten zu erkennen und langfristig zu verändern.
  • Medikamente: nur unter ärztlicher Begleitung und als Ergänzung der übrigen Massnahmen.
  • Bariatrische Chirurgie (Magenverkleinerung): für bestimmte Fälle bei starkem Übergewicht.

Bewegung ist ein zentraler Bestandteil. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche [7]. Bei starkem Übergewicht eignen sich besonders gelenkschonende Aktivitäten wie Schwimmen oder Radfahren – am besten nach Rücksprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, vor allem wenn du längere Zeit inaktiv warst.

Sicherheitshinweis: Greife nicht eigenständig zu frei verkäuflichen Appetitzüglern oder Abnehmpräparaten. Eine medikamentöse Unterstützung gehört in ärztliche Hände, weil Wirkung, Risiken und Eignung individuell abgeklärt werden müssen [6].

Wann ist eine Magenverkleinerung sinnvoll?

Eine Magenverkleinerung (bariatrische Operation) kommt in der Regel ab einem BMI von 40 infrage – oder ab 35, wenn bereits schwere Folgeerkrankungen bestehen und andere Massnahmen nicht ausreichend gewirkt haben [5]. Sie wird also erst erwogen, wenn konservative Wege ausgeschöpft sind.

Die Studienlage zeigt: Im Vergleich zu nicht-chirurgischen Behandlungen führt eine bariatrische Operation tendenziell zu einer stärkeren Gewichtsabnahme, und Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck können sich verbessern [5]. Gleichzeitig ist ein solcher Eingriff mit Risiken und möglichen Komplikationen verbunden, und die langfristigen Effekte sind je nach Verfahren unterschiedlich gut belegt [5]. Ob eine Operation sinnvoll ist, hängt vom individuellen Befund ab und wird gemeinsam mit einem medizinischen Team entschieden.

Weil Adipositas und Typ-2-Diabetes häufig zusammen auftreten, ist bei einer diagnostizierten Zuckerkrankheit oft auch die Diabetologie eingebunden – der medizinische Fachbereich, der sich mit der Vorbeugung und Behandlung von Diabetes befasst.

Was bringt eine Ernährungsberatung – und zahlt die Krankenkasse?

Eine Ernährungsberatung hilft dir, die Ursachen deines Übergewichts zu erkennen, deine Ernährung umzustellen und realistische Ziele zu setzen; bei ärztlicher Verordnung kann die Grundversicherung die Kosten übernehmen [9]. Sie ist damit ein wichtiger Baustein der Adipositas-Behandlung.

In einer Ernährungsberatung geht es typischerweise darum, Essgewohnheiten zu verstehen, einen alltagstauglichen Plan zu entwickeln und Schritt für Schritt neue Routinen aufzubauen – statt um kurzfristige Verbote. Eine konsequente, dauerhafte Umstellung ist entscheidend, um ein gesünderes Gewicht zu erreichen und zu halten.

Zur Kostenfrage in der Schweiz: Wird die Ernährungsberatung ärztlich verordnet und liegt eine medizinische Indikation wie Adipositas vor, übernimmt die Grundversicherung die Kosten in der Regel – abzüglich Franchise und Selbstbehalt – sofern die Beratung von anerkannten, diplomierten Ernährungsberater:innen durchgeführt wird [9]. Ohne ärztliche Verordnung tragen Betroffene die Kosten meist selbst; sie hängen von Dauer und Anbieter:in ab. Welche Bedingungen in deinem Fall gelten und wie viele Sitzungen übernommen werden, klärst du am besten direkt mit deiner Krankenkasse.

Eine dauerhafte Gewichtsabnahme gelingt selten allein mit guten Vorsätzen. Eine fachliche Begleitung kann helfen, die Ursachen des Übergewichts zu verstehen, machbare Ziele zu setzen und neue Gewohnheiten nachhaltig aufzubauen. Auf truVuna findest du Anbieter:innen für Ernährungsberatung in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt.

Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, sobald du dauerhaft stark übergewichtig bist, rasch an Gewicht zunimmst oder Beschwerden wie Atemnot, Gelenkschmerzen oder Anzeichen von Diabetes bemerkst. Die Ärztin oder der Arzt kann den BMI und die Fettverteilung beurteilen, mögliche Ursachen und Folgeerkrankungen abklären und gemeinsam mit dir die passenden nächsten Schritte festlegen [6]. Auch wenn du eine Ernährungsberatung über die Grundversicherung in Anspruch nehmen möchtest, ist die ärztliche Verordnung der erste Schritt [9].

Häufige Fragen zu Adipositas

Ab welchem BMI spricht man von Adipositas?

Von Adipositas spricht man ab einem Body-Mass-Index von 30 [8]. Zwischen 25 und 29,9 gilt man als übergewichtig (Präadipositas), ab 40 spricht man von Adipositas Grad 3 oder Adipositas permagna. Der BMI ist allerdings nur eine grobe Orientierung – Taillenumfang und Fettverteilung werden zusätzlich berücksichtigt, weil sie das Gesundheitsrisiko mitbestimmen [4].

Ist Adipositas heilbar?

Adipositas gilt als chronische Erkrankung, die sich über die Zeit positiv beeinflussen lässt, aber meist dauerhaft Aufmerksamkeit erfordert [1]. Mit einer nachhaltigen Umstellung von Ernährung und Bewegung sowie passender Begleitung kann Gewicht reduziert und gehalten werden. Schnelle Wunderlösungen gibt es nicht; entscheidend sind realistische Ziele und langfristig veränderte Gewohnheiten.

Übernimmt die Krankenkasse die Ernährungsberatung bei Adipositas?

Bei ärztlicher Verordnung und medizinischer Indikation wie Adipositas kann die Grundversicherung die Kosten einer Ernährungsberatung übernehmen – abzüglich Franchise und Selbstbehalt [9]. Voraussetzung ist, dass die Beratung von anerkannten, diplomierten Ernährungsberater:innen durchgeführt wird. Die genauen Bedingungen und die Anzahl übernommener Sitzungen klärst du am besten direkt mit deiner Krankenkasse.

Hilft Bewegung allein beim Abnehmen?

Bewegung ist ein wichtiger Baustein, wirkt bei Adipositas aber meist erst in Kombination mit einer Ernährungsumstellung am besten [6]. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Aktivität pro Woche [7]. Bei starkem Übergewicht sind gelenkschonende Sportarten sinnvoll; ein Einstieg sollte bei längerer Inaktivität ärztlich begleitet werden.

Wann ist eine Magenverkleinerung möglich?

Eine bariatrische Operation kommt in der Regel ab einem BMI von 40 infrage – oder ab 35, wenn bereits schwere Folgeerkrankungen bestehen und andere Massnahmen nicht ausreichend gewirkt haben [5]. Studien deuten auf eine stärkere Gewichtsabnahme als bei konservativer Behandlung hin, doch der Eingriff ist mit Risiken verbunden. Die Entscheidung trifft ein medizinisches Team gemeinsam mit der betroffenen Person.

Quellen

[1] World Health Organization (WHO), Obesity (Health Topics), https://www.who.int/health-topics/obesity

[2] Bundesamt für Gesundheit (BAG), Übergewicht und Adipositas, https://www.bag.admin.ch/de/uebergewicht-und-adipositas

[3] Bundesamt für Gesundheit (BAG) / Obsan, MonAM – Übergewicht und Adipositas (Alter: 15+), https://ind.obsan.admin.ch/indicator/monam/uebergewicht-und-adipositas-alter-15

[4] Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), Definition von Adipositas, https://adipositas-gesellschaft.de/ueber-adipositas/definition-von-adipositas/

[5] Colquitt JL, Pickett K, Loveman E, Frampton GK, 2014, Surgery for weight loss in adults, Cochrane Database of Systematic Reviews, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25105982/

[6] Bundesamt für Gesundheit (BAG) / SGED-ASEMO, Praxisleitfaden Adipositas (Adipositas-Consensus), https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/gesundheitsfoerderung-und-praevention/koerpergewicht/uebergewicht-und-adipositas/praxisleitfaden-adipositas.html

[7] World Health Organization (WHO), 2020, Guidelines on physical activity and sedentary behaviour, https://www.who.int/publications/i/item/9789240015128

[8] Schweizerische Gesellschaft für Essstörungen / Netzwerk Essstörungen Schweiz, Adipositas, https://sges-ssta-ssda.ch/essstoerungen/adipositas/

[9] Spitalzentrum Biel (öffentliches Spital), Ernährungsberatung – Kostenübernahme bei ärztlicher Verordnung, https://www.spitalzentrum-biel.ch/medizinisches-angebot/abteilungen/ernaehrungsberatung

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