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Akupressurmatte: Anwendung, Wirkung und worauf du achten solltest

Akupressurmatte: Anwendung, Wirkung und worauf du achten solltest

Die Akupressurmatte – oft auch Akupunkturmatte oder Nadelmatte genannt – ist in vielen Wohnzimmern angekommen. Gerade wer viel sitzt und unter Verspannungen im Rücken oder Nacken leidet, sucht nach einer einfachen Möglichkeit, sich zu Hause etwas Entspannung zu gönnen. Eine Akupressurmatte ist eine gepolsterte Matte, deren Oberfläche mit zahlreichen kleinen Spitzen besetzt ist, die beim Liegen oder Sitzen sanften Druck auf die Haut ausüben. In diesem Ratgeber erfährst du, wie sie wirkt, bei welchen Beschwerden viele Menschen sie nutzen, wie du sie sicher anwendest und worauf du beim Kauf achten kannst.

Was ist eine Akupressurmatte?

Eine Akupressurmatte ist eine gepolsterte Matte, deren Oberfläche mit Hunderten bis Tausenden kleinen, meist kreis- oder blütenförmig angeordneten Kunststoffspitzen besetzt ist. In der Grösse entspricht sie ungefähr einer Yogamatte. Optisch erinnert sie an ein klassisches Nagelbrett, doch die Spitzen moderner Matten sind so gearbeitet, dass sie die Haut nicht durchstechen, sondern nur Druck ausüben.

Häufig gehört ein passendes Kissen mit denselben Spitzen zum Lieferumfang, das gezielt für Nacken und Kopf eingesetzt werden kann. Im Handel begegnen dir für dasselbe Produkt verschiedene Bezeichnungen: Akupressurmatte, Akupunkturmatte, Nadelmatte, Meditationsmatte, Yantramatte, Fakirmatte oder Spike-Matte meinen im Kern alle dasselbe.

Wichtig: Die Beschreibungen in diesem Artikel beziehen sich auf typische Akupressurmatten, wie sie im Handel erhältlich sind. Aufbau, Material, Grösse und Form der Spitzen können sich von Produkt zu Produkt unterscheiden – orientiere dich im Zweifel an den Hinweisen der jeweiligen Herstellerin oder des Herstellers.

Wie wirkt eine Akupressurmatte?

Eine Akupressurmatte wirkt vor allem über mechanischen Druck auf die Haut, der die Durchblutung im betroffenen Bereich anregt und ein Gefühl von Entspannung auslösen kann. Legst du dich auf die Matte, verteilt sich dein Körpergewicht auf die vielen Spitzen. Anfangs entsteht oft ein leichter Druckschmerz, die Haut wird wärmer und röter. Nach einigen Minuten lässt dieses Gefühl bei vielen Menschen nach und weicht einer angenehmen Entspannung.

Als mögliche körperliche Mechanismen werden in der Forschung unter anderem die Ausschüttung körpereigener Botenstoffe wie Endorphine sowie eine beruhigende Wirkung auf das vegetative Nervensystem diskutiert [2]. Beides könnte erklären, warum sich viele Anwender:innen nach der Anwendung entspannter fühlen.

Die Idee hinter der Matte stammt aus der Akupressur, einer Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). In der Vorstellung der TCM fliesst eine Lebensenergie namens „Qi“ auf bestimmten Bahnen, den Meridianen, durch den Körper; Druck auf bestimmte Punkte soll diesen Fluss harmonisieren. Wichtig zu wissen: Qi und Meridiane sind zentrale Konzepte dieses traditionellen Weltbilds, jedoch keine naturwissenschaftlich messbaren Grössen. Die Matte verteilt den Druck zudem flächig und trifft keine einzelnen Punkte gezielt – streng genommen wirkt sie damit eher wie eine grossflächige Akupressur als wie eine Akupunktur, bei der feine Nadeln in die Haut gestochen werden.

Bei welchen Beschwerden wird die Akupressurmatte genutzt?

Genutzt wird die Akupressurmatte vor allem bei Muskelverspannungen, Rücken- und Nackenschmerzen sowie zur Entspannung bei Stress und Schlafproblemen. Viele Anwender:innen setzen sie als kleines Ritual am Abend ein, um nach einem langen Tag zur Ruhe zu kommen.

Typische Anwendungsbereiche, von denen Nutzer:innen berichten, sind:

  • muskuläre Verspannungen im Rücken, Nacken und Schulterbereich
  • unspezifische Rückenschmerzen
  • Anspannungs- und Spannungsgefühle bei Stress
  • Einschlafschwierigkeiten und allgemeine Unruhe
  • Müdigkeit und das Bedürfnis nach einer kurzen Auszeit

Die Matte ist dabei als ergänzendes Wohlfühl- und Entspannungshilfsmittel gedacht. Sie ersetzt keine notwendige medizinische Behandlung – bei länger anhaltenden oder unklaren Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung wichtig (mehr dazu weiter unten).

Was sagt die Forschung zur Akupressurmatte?

Die Forschung zur Akupressurmatte zeigt gemischte, überwiegend vorsichtig positive Ergebnisse, vor allem bei Verspannungen und unspezifischen Rückenschmerzen. Belastbare, qualitativ hochwertige Studien sind allerdings noch begrenzt, sodass sich daraus kein allgemeingültiges Wirkversprechen ableiten lässt.

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zur Akupressur bei Rückenschmerzen fand Hinweise von mässiger Qualität, dass Akupressur mit einer stärkeren Schmerzlinderung verbunden sein kann als eine reine Physiotherapie; gleichzeitig betonen die Autor:innen, dass hochwertige Evidenz für eine abschliessende Bewertung bisher fehlt [1]. In einer randomisierten Studie verbesserte eine Akupressurmatte ergänzend zu einem Trainingsprogramm Schmerzen, Funktion und Lebensqualität bei chronischen Rückenschmerzen, besonders im mittel- bis längerfristigen Verlauf [2]. Zwei kleinere kontrollierte Pilotstudien einer deutschen Universität deuteten ebenfalls auf eine Linderung von Nacken- und Rückenschmerzen bei regelmässiger Anwendung hin [3].

Beim Thema Entspannung und Stress ist das Bild differenziert: In einer Untersuchung mit Personen mit Verspannungsschmerzen ging nach drei Wochen täglicher Anwendung die maximal empfundene Schmerzintensität zurück, während sich der durchschnittliche Schmerz kaum veränderte [4]. Eine neuere Studie fand, dass die regelmässige Nutzung das subjektiv empfundene Stresslevel senken kann, ohne dass sich messbare körperliche Stresswerte deutlich änderten [5]. Diese Befunde sind interessant, beruhen aber teils auf kleinen Stichproben und unterschiedlichen Studiendesigns und sollten daher vorsichtig interpretiert werden.

Für viele Menschen passt diese Studienlage gut zur eigenen Erfahrung: Die Matte ist ein einfaches, kostengünstiges Hilfsmittel, das ein bewusstes Innehalten und Entspannen unterstützt – und genau darin liegt für viele ihr Wert.

Wie wendest du die Akupressurmatte richtig an?

Für die Anwendung legst du dich mit dem Rücken für etwa 10 bis 30 Minuten möglichst entspannt auf die Matte – am Anfang lieber kürzer, mit zunehmender Gewöhnung länger. Wichtig ist, ruhig liegen zu bleiben und hektische Bewegungen zu vermeiden, damit die Spitzen die Haut nicht reizen.

Ein paar praktische Hinweise:

  • Langsam einsteigen: Beginne mit wenigen Minuten und steigere die Dauer nach und nach.
  • Druck anpassen: Empfindest du den Druck als zu stark, kannst du anfangs ein dünnes T-Shirt oder Tuch zwischen Haut und Spitzen legen.
  • Nacken einbeziehen: Bei Nackenverspannungen kannst du zusätzlich das mitgelieferte Nadelkissen verwenden.
  • Füsse aktivieren: Stellst du dich mit nackten Füssen oder dünnen Socken auf die Matte, lassen sich auch die Fusssohlen stimulieren – taste dich hier besonders vorsichtig heran.
  • Regelmässigkeit: Viele Anwender:innen nutzen die Matte über mehrere Wochen regelmässig, etwa als festes Abendritual.

Nutze die Zeit auf der Matte bewusst zum Nichtstun, für ruhiges Atmen oder eine kurze Meditation. Wenn der Druckschmerz nach einigen Minuten nicht nachlässt, sondern zunimmt, beende die Anwendung lieber und verändere die Position.

Worauf solltest du beim Kauf achten?

Beim Kauf solltest du vor allem auf schadstoffgeprüfte Materialien, eine ausreichende Grösse und eine saubere Verarbeitung der Spitzen achten. Die Produkte unterscheiden sich auf den ersten Blick oft nur in Aussehen und Preis, im Detail jedoch deutlich in der Qualität.

Hilfreiche Kriterien sind:

  • Material und Schadstoffprüfung: Achte auf Bezüge aus Baumwolle oder Leinen und auf eine geprüfte, schadstoffarme Verarbeitung. Hochwertige Matten sind häufig mit Naturmaterialien wie Kokosfasern gefüllt, günstige Importe oft mit einfachem Schaumstoff.
  • Verarbeitung der Spitzen: Die Spitzen sollten glatt und gleichmässig gearbeitet sein, damit sie Druck ausüben, ohne die Haut zu verletzen.
  • Grösse: Die Matte sollte den Rücken gut abdecken.
  • Zubehör: Ein zusätzliches Nadelkissen für den Nacken und eine Tragetasche sind oft im Lieferumfang enthalten.

Wenn du die Matte regelmässig nutzen möchtest, lohnt es sich, auf Qualität und Langlebigkeit zu achten, statt allein auf den Preis.

Wann ist Vorsicht oder eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Vorsicht ist vor allem in der Schwangerschaft, bei Einnahme blutverdünnender Medikamente, bei Hauterkrankungen oder offenen Stellen im Anwendungsbereich sowie bei starken oder unklaren Beschwerden geboten. Eine Akupressurmatte gilt insgesamt als gut verträglich – die häufigste Reaktion ist eine vorübergehende Hautrötung. Sie ist aber kein Mittel, um anhaltende oder ungeklärte Beschwerden eigenständig zu behandeln.

Kläre die Anwendung vorab ärztlich oder – in der Schwangerschaft – mit deiner Hebamme ab, wenn einer der folgenden Punkte auf dich zutrifft:

  • Schwangerschaft: Bestimmte Akupressurpunkte werden traditionell mit der Wehentätigkeit in Verbindung gebracht; Akupressur und Akupunktur werden teils sogar gezielt zur Geburtsvorbereitung eingesetzt [6]. Ob das Drücken einzelner Punkte tatsächlich ein Risiko darstellt, ist fachlich umstritten und nicht eindeutig belegt [7]. Gerade deshalb solltest du eine grossflächige Anwendung in der Schwangerschaft vorab besprechen.
  • Blutverdünnende Medikamente oder Blutgerinnungsstörungen: Hier ist eine Rücksprache mit der behandelnden Fachperson sinnvoll, bevor du die Matte nutzt.
  • Hauterkrankungen, offene Wunden, Sonnenbrand oder akute Entzündungen im betroffenen Bereich: In diesen Fällen ist es besser, die Anwendung auf der betroffenen Stelle auszusetzen.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes: Lass vorab ärztlich klären, ob die Anwendung für dich geeignet ist.

Sicherheitshinweis: Wenn Rücken-, Nacken- oder Kopfschmerzen stark sind, immer wiederkehren, länger anhalten oder von Symptomen wie Taubheitsgefühlen, Lähmungserscheinungen oder ausstrahlenden Schmerzen begleitet werden, gehören sie ärztlich abgeklärt. Eine Akupressurmatte kann solche Ursachen nicht behandeln und sollte eine notwendige Diagnostik nicht verzögern.

Auch bei psychischen Belastungen wie länger anhaltender Niedergeschlagenheit, Ängsten oder Schlafstörungen kann die Matte allenfalls als Entspannungshilfe begleitend genutzt werden. Sie ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung – bei anhaltenden oder schweren Beschwerden ist professionelle Hilfe der richtige Weg.

Wenn Verspannungen oder Rückenschmerzen dich dauerhaft begleiten, kann es sinnvoll sein, die Ursache fachlich abklären und behandeln zu lassen – etwa durch Akupressur und Akupunktur in einer Praxis oder durch Physiotherapie. Auf truVuna findest du Anbieter:innen für Akupunktur und Komplementärmedizin in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt, um das für dich Passende zu finden.

Häufige Fragen zur Akupressurmatte

Ist eine Akupressurmatte gefährlich?

Für gesunde Erwachsene gilt die Anwendung als gut verträglich; die häufigste Reaktion ist eine vorübergehende Rötung der Haut und ein anfänglicher Druckschmerz. Vorsicht ist in der Schwangerschaft, bei blutverdünnenden Medikamenten, Hauterkrankungen, offenen Wunden sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen geboten – in diesen Fällen solltest du die Nutzung vorab ärztlich abklären.

Wie lange sollte man auf einer Akupressurmatte liegen?

Üblich sind etwa 10 bis 30 Minuten pro Anwendung. Zu Beginn empfiehlt es sich, mit nur wenigen Minuten zu starten und die Dauer langsam zu steigern, damit sich Haut und Körper an den Reiz gewöhnen. Lege bei zu starkem Druck anfangs ein dünnes Tuch zwischen Haut und Spitzen.

Hilft eine Akupressurmatte gegen Rückenschmerzen?

Studien deuten darauf hin, dass eine Akupressurmatte bei Verspannungen und unspezifischen Rückenschmerzen kurzfristig Linderung verschaffen und ergänzend zu Bewegung sinnvoll sein kann [1][2][3]. Die Belege beruhen aber auf eher kleinen Studien, weshalb die Wirkung individuell unterschiedlich ausfallen kann. Bei starken oder anhaltenden Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Darf man eine Akupressurmatte in der Schwangerschaft benutzen?

In der Schwangerschaft solltest du die Anwendung vorab mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme besprechen. Hintergrund ist, dass bestimmte Akupressurpunkte traditionell mit der Wehentätigkeit in Verbindung gebracht werden [6]; ob davon ein tatsächliches Risiko ausgeht, ist fachlich nicht eindeutig geklärt [7]. Eine individuelle Abklärung gibt dir Sicherheit.

Was ist der Unterschied zwischen Akupressurmatte und Akupunktur?

Eine Akupressurmatte übt mit vielen stumpfen Spitzen flächigen Druck auf die Haut aus, ohne sie zu durchstechen – sie wirkt also wie eine grossflächige Akupressur. Bei der Akupunktur werden hingegen feine Nadeln gezielt an einzelnen Punkten in die Haut gestochen. Die Matte ist damit eine sanfte, selbst anwendbare Variante für zu Hause, während Akupunktur durch eine Fachperson erfolgt.

Quellen

[1] Li, Y. et al., 2021, Clinical Efficacy and Safety of Acupressure on Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis, Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine (Wiley), https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1155/2021/8862399

[2] Frizziero, A. et al., 2021, Efficacy of an Acupressure Mat in Association with Therapeutic Exercise in the Management of Chronic Low Back Pain: A Prospective Randomized Controlled Study, Applied Sciences (MDPI), https://www.mdpi.com/2076-3417/11/11/5211

[3] Hohmann, C. D. et al., 2012, The Benefit of a Mechanical Needle Stimulation Pad in Patients with Chronic Neck and Lower Back Pain: Two Randomized Controlled Pilot Studies, Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine (Hindawi), https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3446809/

[4] Kjellgren, A. et al., 2011, Does relaxation on a bed of nails (spike mat) induce beneficial effects? A randomized controlled pilot study, Alternative Medicine Studies, https://journals.pagepress.net/ams/article/view/ams.2011.e5

[5] Kisker, J. et al., 2024, Regular use of acupressure mats reduces perceived stress at subjective but not psychophysiological levels: Insights from a three-week relaxation training, Applied Psychology: Health and Well-Being (Wiley), https://iaap-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aphw.12490

[6] Smith, C. A. et al., 2017, Acupuncture or acupressure for induction of labour, Cochrane Database of Systematic Reviews, https://www.cochrane.org/evidence/CD002962_acupuncture-or-acupressure-induction-labour

[7] Springer, Die Geburtshilfe – Akupunktur in der Geburtshilfe, springermedizin.de (eMedpedia), https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/die-geburtshilfe/akupunktur-in-der-geburtshilfe

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