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Allergologie: Was der Begriff bedeutet und umfasst

Allergologie: Was der Begriff bedeutet und umfasst

Allergologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit Allergien und weiteren Störungen des Immunsystems beschäftigt – von der Entstehung über die Diagnose bis zur Behandlung und Vorbeugung. Der Begriff begegnet dir, sobald der Verdacht auf Heuschnupfen, ein Kontaktekzem, eine Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergie im Raum steht. Dieser Ratgeber erklärt, was die Allergologie umfasst, welche Ärztinnen und Ärzte sie ausüben, wie Allergien erkannt und behandelt werden und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Was bedeutet Allergologie?

Allergologie ist die Lehre von den Allergien und befasst sich mit deren Entstehung, Erkennung, Behandlung und Vorbeugung. In der Schweiz ist sie eng mit der klinischen Immunologie verbunden: Das Gebiet umfasst die Abklärung, Therapie und Prävention allergischer Krankheiten, der Erkrankungen des Immunsystems sowie die praktischen Aspekte der Immuntherapie [1].

Eine Allergie ist dabei eine überschiessende Reaktion des Abwehrsystems auf eigentlich harmlose Stoffe – etwa Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente. Diese auslösenden Stoffe werden Allergene genannt [4]. Weil viele verschiedene Organe allergisch reagieren können, ist die Allergologie ein breites, fachübergreifendes Gebiet, das von der Forschung bis zur direkten Behandlung von Patientinnen und Patienten reicht.

Welche Ärztinnen und Ärzte betreiben Allergologie?

In der Schweiz gibt es einen eigenständigen Facharzttitel für Allergologie und klinische Immunologie. Anders als in einigen anderen Ländern handelt es sich nicht um eine blosse Zusatzbezeichnung, sondern um einen eidgenössischen Facharzttitel, der eine mehrjährige Weiterbildung und eine bestandene Facharztprüfung voraussetzt [1][2].

Die Weiterbildung dauert insgesamt rund sechs Jahre und gliedert sich in eine nicht fachspezifische Grundweiterbildung – etwa in Innerer Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Dermatologie oder Pneumologie – sowie eine dreijährige fachspezifische Weiterbildung [2]. Fachärztinnen und Fachärzte für Allergologie und klinische Immunologie decken das gesamte Spektrum allergischer und immunologischer Erkrankungen ab und arbeiten häufig in spezialisierten Spitalabteilungen. Daneben bieten auch viele Hautärztinnen und Hautärzte allergologische Abklärungen an, da Haut und Immunsystem eng zusammenhängen.

Ist die Allergologie ein Teilbereich der Dermatologie?

Nein – die Allergologie ist ein eigenständiges, fachübergreifendes Gebiet und kein blosser Teilbereich der Dermatologie. Hautreaktionen wie Juckreiz, Rötungen oder Quaddeln sind nur eine von vielen Erscheinungsformen einer Allergie [4].

Andere Allergien betreffen ganz andere Organsysteme: Heuschnupfen zeigt sich vor allem an Nase und Augen, allergisches Asthma betrifft die unteren Atemwege, und Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergien können den ganzen Körper erfassen. Deshalb arbeitet die Allergologie eng mit Fachgebieten wie der Dermatologie, der Pneumologie, der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und der Kindermedizin zusammen [1]. Stellt deine Hausärztin oder dein Hausarzt fest, dass die Beschwerden auf eine Allergie hindeuten, folgt häufig eine Überweisung an eine allergologisch ausgerichtete Praxis – je nach Beschwerdebild etwa in der Dermatologie oder direkt in die Allergologie.

Wie häufig sind Allergien in der Schweiz?

In der Schweiz leiden rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer Allergie [4]. Besonders verbreitet ist der Heuschnupfen (allergische Rhinitis), der durch Pollen ausgelöst wird; Schweizer Langzeitstudien zeigen, dass die Häufigkeit von Pollenallergien über die vergangenen Jahrzehnte deutlich zugenommen hat [8].

Neben Atemwegsallergien spielen auch Nahrungsmittelallergien eine Rolle: In der Schweiz haben etwa 2 bis 8 Prozent der Bevölkerung eine nachweisbare Lebensmittelallergie, häufig auf Hühnerei, Kuhmilcheiweiss oder Nüsse [9]. Davon abzugrenzen sind Unverträglichkeiten wie die Laktoseintoleranz, die keine Reaktion des Immunsystems sind [9].

Wie werden Allergien diagnostiziert?

Am Anfang jeder Allergiediagnostik steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden, ihren zeitlichen Verlauf und mögliche Auslöser – die Krankengeschichte ist oft aussagekräftiger als jeder Test [5]. Erst danach kommen gezielte Untersuchungen zum Einsatz, um das verantwortliche Allergen einzugrenzen.

Zu den wichtigsten Verfahren gehören:

  • Hauttests: Beim Prick-Test werden Allergenlösungen auf die Haut aufgetragen und leicht eingestochen; Rötung und Quaddelbildung werden nach etwa 15 bis 20 Minuten abgelesen [3].
  • Bluttests: Im Labor wird das Blut auf spezifische Antikörper (spezifisches IgE) gegen einzelne Allergene untersucht [3].
  • Epikutantest (Pflastertest): Bei chronischen, juckenden Hautveränderungen prüft dieser Test über mehrere Tage Reaktionen vom verzögerten Typ, etwa bei Kontaktallergien.
  • Provokationstests: Hier wird der Körper unter ärztlicher Beobachtung gezielt mit einem vermuteten Allergen konfrontiert, zum Beispiel zur Abklärung von Nahrungsmittel- oder Arzneimittelallergien [5].

Genau genommen unterscheidet die Medizin verschiedene Reaktionstypen – etwa die rasche, durch IgE vermittelte Soforttyp-Reaktion und verzögerte Reaktionen, wie sie bei Kontaktallergien typisch sind [5]. Welcher Test geeignet ist, hängt vom vermuteten Auslöser und vom Beschwerdebild ab.

Gut zu wissen: Ein positiver Allergietest bedeutet zunächst nur eine Sensibilisierung – also dass dein Körper Abwehrstoffe gegen einen Stoff gebildet hat. Eine Allergie liegt erst vor, wenn dazu auch passende Beschwerden auftreten. Deshalb werden Testergebnisse immer zusammen mit der Krankengeschichte beurteilt [3][5].

Welche Behandlungen gibt es bei Allergien?

Die Allergiebehandlung ruht auf drei Säulen: das Allergen meiden, Beschwerden mit Medikamenten lindern und – wo sinnvoll – die Ursache mit einer spezifischen Immuntherapie angehen. Welche Kombination passt, entscheidet sich individuell nach Auslöser, Beschwerden und Lebensumständen [3][5].

Die wichtigste und wirksamste Massnahme ist, das auslösende Allergen so weit wie möglich zu meiden [5]. Reicht das nicht aus, helfen Medikamente gegen die Symptome: Antihistaminika gegen Juckreiz, Niessen und Fliessschnupfen, entzündungshemmende Glukokortikoide (Kortison-Präparate) sowie bei allergischem Asthma Medikamente, die die Atemwege erweitern [5].

Einen ursächlichen Ansatz bietet die spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Dabei wird der Körper über längere Zeit – meist über etwa drei Jahre – schrittweise an das Allergen gewöhnt, indem es in steigender Dosis als Spritze, Tropfen oder Tablette verabreicht wird [6]. Für diesen Ansatz ist die Wirksamkeit bei bestimmten Allergenen und Altersgruppen in zahlreichen Studien und Leitlinien belegt: Er kann Beschwerden langfristig lindern und den Medikamentenbedarf senken [6][7]. Die meisten Menschen vertragen die Behandlung gut, schwere Reaktionen sind selten [6]. Eine Hyposensibilisierung wird ärztlich verordnet und setzt eine genaue Diagnose voraus [3].

Warum sollten Allergien behandelt werden?

Unbehandelte Allergien können die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und sich im Verlauf ausweiten. Bei einem Teil der Betroffenen kann sich aus einem Heuschnupfen der oberen Atemwege ein allergisches Asthma der unteren Atemwege entwickeln – fachlich als «Etagenwechsel» bezeichnet [3][8].

Ob und wie oft dieser Übergang eintritt, lässt sich nicht für die einzelne Person vorhersagen; er ist nicht zwangsläufig, kommt aber vor. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann Beschwerden gut kontrollieren und einer Verschlechterung entgegenwirken [3]. Gerade bei Kindern gelten die Erfolgsaussichten einer rechtzeitigen Behandlung als besonders günstig, weil eine Allergie umso besser anspricht, je kürzer sie besteht [7].

Sollten Kinder bei Allergieverdacht zuerst zur Kinderärztin?

Die erste Anlaufstelle bei Kindern ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Sie können am besten einschätzen, ob hinter den Beschwerden tatsächlich eine Allergie steckt oder eine andere Ursache – denn gerade bei Säuglingen und Kleinkindern mit ihrem sich noch entwickelnden Immunsystem sind die Anzeichen oft nicht eindeutig.

Besteht weiterhin der Verdacht auf eine Allergie, kann eine Überweisung an eine allergologisch ausgerichtete Fachperson folgen. Spezialisierte Angebote für Kinder gibt es in der Schweiz sowohl in der Pädiatrie als auch in der Allergologie [2].

Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Eine Abklärung ist sinnvoll, sobald allergieverdächtige Beschwerden den Alltag beeinträchtigen, immer wiederkehren oder sich verschlimmern. Dann lassen sich Auslöser bestimmen, eine passende Therapie einleiten und mögliche Folgeerkrankungen früh berücksichtigen [3].

Besondere Aufmerksamkeit gilt Hinweisen auf eine Beteiligung der Lunge wie Husten, pfeifender Atmung oder Atemnot. In diesem Fall ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig, um das Risiko von Asthmaanfällen zu verringern.

Sicherheitshinweis: Atemnot, ein Engegefühl in Hals oder Brust, Kreislaufprobleme oder eine sich rasch ausbreitende Schwellung nach Kontakt mit einem Allergen können Zeichen einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) sein. In diesem Fall solltest du sofort den Notruf 144 wählen [3][5].

Wenn du eine allergologische oder dermatologische Anlaufstelle suchst, hilft ein Vergleich verschiedener Angebote in deiner Region. Auf truVuna findest du Anbieter:innen in deiner Nähe – vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt.

Häufige Fragen zur Allergologie

Was ist der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Unverträglichkeit?

Eine Allergie ist eine Reaktion des Immunsystems auf einen eigentlich harmlosen Stoff, bei der Abwehrstoffe gebildet werden [4]. Eine Unverträglichkeit (Intoleranz) wie die Laktoseintoleranz beruht dagegen nicht auf einer Immunreaktion, sondern zum Beispiel auf einem Mangel an bestimmten Enzymen [9]. Beschwerden können sich ähneln, die Ursachen und damit die Abklärung unterscheiden sich jedoch deutlich.

Kann man Allergien heilen?

Die meisten Allergien lassen sich nicht dauerhaft heilen, aber gut behandeln und kontrollieren [3]. Mit dem Meiden des Allergens und Medikamenten lassen sich Beschwerden lindern. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) setzt an der Ursache an und kann Beschwerden bei geeigneten Allergenen langfristig verringern; ihre Wirksamkeit ist in Studien und Leitlinien belegt [6][7].

Wie lange dauert eine Hyposensibilisierung?

Eine Hyposensibilisierung dauert in der Regel etwa drei Jahre [6]. In dieser Zeit wird das Allergen regelmässig in steigender Dosis verabreicht. Je länger und konsequenter die Behandlung durchgeführt wird, desto grösser ist tendenziell der zu erwartende Erfolg [6][7]. Den genauen Ablauf legt die behandelnde Fachperson individuell fest.

Zu welcher Fachperson geht man bei Allergieverdacht?

Erste Anlaufstelle ist meist die Haus- oder Kinderarztpraxis, die einschätzen kann, ob die Beschwerden auf eine Allergie hindeuten [2]. Bei Bedarf folgt eine Überweisung an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Allergologie und klinische Immunologie oder an eine allergologisch ausgerichtete dermatologische Praxis [1]. Welche Anlaufstelle passt, hängt vom Beschwerdebild ab.

Quellen

[1] Schweizerisches Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF/FMH), 2016, Weiterbildungsprogramm Facharzt für Allergologie und klinische Immunologie, siwf.ch. https://www.siwf.ch/weiterbildung/facharzttitel-und-schwerpunkte/allergologie-und-klinische-imm.cfm

[2] SDBB / berufsberatung.ch, Berufsbild Facharzt/-ärztin für Allergologie und klinische Immunologie, berufsberatung.ch. https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=6759

[3] aha! Allergiezentrum Schweiz, Allergien, Allergietests und Behandlung, aha.ch. https://www.aha.ch/allergiezentrum-schweiz

[4] Bundesamt für Gesundheit (BAG), Allergien in der Schweiz, bag.admin.ch. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/umwelt-und-gesundheit/wohngifte/wohngifte-und-gesundheitliche-beschwerden/gebaeudebezogene-krankheiten.html

[5] MSD Manual, 2024/2025, Übersicht über allergische Reaktionen / Übersicht der allergischen und atopischen Erkrankungen, msdmanuals.com. https://www.msdmanuals.com/de/heim/immunst%C3%B6rungen

[6] Allergieinformationsdienst, Helmholtz Munich, Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), allergieinformationsdienst.de. https://www.allergieinformationsdienst.de/therapie/spezifische-immuntherapie-hyposensibilisierung

[7] AWMF / DGAKI (Pfaar O. et al.), S2k-Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen, awmf.org. https://register.awmf.org

[8] Swiss Medical Forum, 2019, Luftverschmutzung, Klima und Allergien (SAPALDIA-/SCARPOL-Daten), medicalforum.ch. https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2019.08346

[9] Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Allergien und Unverträglichkeiten, blv.admin.ch. https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/lebensmittel-und-ernaehrung/ernaehrung/empfehlungen-informationen/naehrstoffe/allergien-und-unvertraeglichkeiten.html

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