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«Augeninfarkt» ist ein umgangssprachlicher Sammelbegriff für einen Verschluss der Blutgefässe in der Netzhaut – ähnlich wie bei einem Herzinfarkt wird ein Gefäss blockiert und das dahinterliegende Gewebe nicht mehr versorgt [1]. Fachlich spricht man von einem retinalen Gefässverschluss. Die Netzhaut (Retina) enthält die lichtempfindlichen Sinneszellen; werden sie nicht mehr durchblutet, fällt das Sehen im betroffenen Bereich aus.
Der Begriff wird im Alltag nicht ganz einheitlich verwendet und manchmal auch für andere Durchblutungsstörungen am Auge oder Sehnerv benutzt. In diesem Ratgeber bezieht er sich auf die Gefässverschlüsse der Netzhaut, die zu den häufigsten und zeitkritischsten Ursachen eines plötzlichen Sehverlusts gehören. Entscheidend ist ohnehin nicht der genaue Name, sondern das rasche Reagieren bei plötzlichem Sehverlust.
Grundsätzlich unterscheidet man danach, welches Gefäss betroffen ist. Beim Arterienverschluss wird eine Netzhautarterie blockiert, sodass das dahinterliegende Gewebe keinen Sauerstoff mehr erhält. Typisch ist ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge; diese Form ist seltener, aber besonders zeitkritisch und erfordert sofortiges Handeln [1][3]. Beim Venenverschluss ist dagegen der Abfluss des Blutes gestaut, wodurch Flüssigkeit und Blut aus dem Gefäss austreten. Er kommt häufiger vor und äussert sich oft in einer langsamer fortschreitenden Sehverschlechterung oder einem «Schleiersehen» [3].
Welche Form vorliegt, lässt sich nur ärztlich klären. Für beide gilt: Je früher die Ursache erkannt und behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, das Sehvermögen und die allgemeine Gesundheit zu schützen [3].
Das Leitsymptom ist ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust oder Gesichtsfeldausfall auf einem Auge [1]. Wie stark er ausfällt, hängt davon ab, welches Gefäss und welcher Bereich betroffen ist.
Beim Arterienverschluss kommt es typischerweise zu einer schlagartigen, einseitigen Erblindung oder massiven Sehverschlechterung – oft ohne jeden Schmerz [3]. Ist nur ein Arterienast betroffen, beschränkt sich der Ausfall auf einen Teil des Gesichtsfelds. Beim Venenverschluss verläuft die Sehverschlechterung häufig langsamer; viele Betroffene bemerken einen Schleier oder eine zunehmende Trübung, besonders wenn die Stelle des schärfsten Sehens betroffen ist [3].
Ein wichtiges Vorzeichen kann eine vorübergehende, einseitige Erblindung sein, die sich nach Sekunden bis Minuten von selbst zurückbildet (fachlich Amaurosis fugax genannt). Sie gilt als möglicher Vorbote eines Gefässverschlusses oder Schlaganfalls und sollte ärztlich abgeklärt werden, auch wenn die Sicht wieder normal ist [2].
Wichtig zur Einordnung: Ein Augeninfarkt geht in der Regel nicht mit roten, juckenden oder schmerzenden Augen einher – diese sprechen eher für andere Ursachen wie eine Entzündung. Gerade die Kombination aus plötzlich und schmerzlos ist das Alarmsignal, das einen Augeninfarkt von harmloseren Beschwerden unterscheidet [1][3]. Wer das weiss, kann im Ernstfall schneller die richtige Entscheidung treffen.
Die häufigste Ursache ist ein verschlepptes Blutgerinnsel (Embolie), das ein Netzhautgefäss blockiert – ähnlich den Mechanismen, die auch einem Schlaganfall zugrunde liegen [1][2]. Die Risikofaktoren entsprechen weitgehend denen anderer Gefäss- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Zu den bekannten Risikofaktoren zählen:
Eine besondere, seltenere Ursache ist eine Entzündung der Schläfenarterie (Riesenzellarteriitis), die vor allem Menschen ab etwa 55 Jahren betrifft. Sie kann mit Kopfschmerzen, einer druckempfindlichen Schläfe oder Schmerzen beim Kauen einhergehen und erfordert rasche Behandlung, weil sonst auch das zweite Auge gefährdet sein kann [3]. Genau deshalb gehört jeder plötzliche Sehverlust umgehend ärztlich abgeklärt.
Weil das Netzhautgewebe sehr empfindlich auf Sauerstoffmangel reagiert und bereits nach kurzer Zeit dauerhaft geschädigt werden kann [1]. Beim Verschluss der zentralen Netzhautarterie kann der Schaden schon nach kurzer Zeit irreversibel sein – deshalb ist schnelles Handeln entscheidend.
Hinzu kommt ein zweiter, ebenso wichtiger Grund: Ein retinaler Arterienverschluss gilt als eine Form des «Schlaganfalls am Auge» und geht mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall im Gehirn einher [2]. Aus diesem Grund werden Betroffene mit einem Arterienverschluss in der Regel umgehend an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen, um die Ursachen wie bei einem Schlaganfall abzuklären [1][3]. Der plötzliche Sehverlust ist also nicht nur ein Augenproblem, sondern ein Warnsignal für den gesamten Kreislauf.
Dieses Zeitfenster ist der Grund, warum man bei plötzlichem Sehverlust nicht erst einen regulären Termin abwarten sollte. Auch wenn sich die Sicht zwischendurch scheinbar bessert, kann die zugrunde liegende Ursache fortbestehen. Die ärztliche Abklärung dient deshalb zwei Zielen gleichzeitig: dem Versuch, das Auge zu schützen, und der Vorbeugung schwerwiegender Folgeereignisse im Gehirn.
Die Behandlung richtet sich nach Form und Ursache und beginnt mit einer raschen augenärztlichen Untersuchung des Augenhintergrunds [1][3]. Ehrlich bleiben muss man bei den Erwartungen: Für den retinalen Arterienverschluss gibt es keine gesicherte Standardtherapie, und das Sehvermögen lässt sich häufig nicht vollständig wiederherstellen [4].
Im Vordergrund steht daher, die zugrunde liegenden Risikofaktoren abzuklären und zu behandeln, um weitere Ereignisse – auch einen Schlaganfall – zu vermeiden [4]. Beim Venenverschluss kann je nach Befund eine Behandlung einer begleitenden Schwellung der Stelle des schärfsten Sehens (Makulaödem) erfolgen, etwa mit Medikamenten, die ins Auge gegeben werden; bilden sich krankhaft neue Gefässe, kann eine Laserbehandlung nötig sein [3]. Besteht der Verdacht auf eine Riesenzellarteriitis, wird diese rasch und gezielt behandelt, um das zweite Auge zu schützen [3]. Welche Massnahmen sinnvoll sind, entscheidet die behandelnde Fachperson individuell.
Nach einem Augeninfarkt ist die weitere Betreuung wichtig – sowohl augenärztlich als auch internistisch, um Risikofaktoren langfristig im Blick zu behalten. Wenn du nach einer akuten Behandlung eine augenärztliche Nachsorge oder eine fachliche Einschätzung suchst, findest du auf truVuna Augenärztinnen und Augenärzte in deiner Nähe. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt für einen Termin.
Ist ein Augeninfarkt ein Notfall?
Ja. Ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge ist ein Notfall und sollte sofort ärztlich abgeklärt werden, im Zweifel über die Notfallnummer 144 [1]. Beim Verschluss der zentralen Netzhautarterie kann die Netzhaut schon nach kurzer Zeit dauerhaft geschädigt werden. Zudem kann ein Arterienverschluss ein Warnzeichen für einen Schlaganfall sein.
Tut ein Augeninfarkt weh?
Meist nicht. Charakteristisch ist gerade der schmerzlose Sehverlust [1][3]. Das macht die Situation tückisch, weil der fehlende Schmerz dazu verleiten kann, abzuwarten. Doch beim plötzlichen Sehverlust ist genau das gefährlich – hier zählt schnelles Handeln, unabhängig davon, ob Schmerzen bestehen.
Kann sich das Sehvermögen nach einem Augeninfarkt erholen?
Das hängt von Form, Ausmass und der verstrichenen Zeit ab. Beim Arterienverschluss bleibt das Sehvermögen häufig dauerhaft eingeschränkt, eine gesicherte Standardtherapie gibt es nicht [4]. Beim Venenverschluss und bei Astverschlüssen sind die Verläufe unterschiedlich; manche Betroffene behalten ein brauchbares Sehvermögen [3].
Was ist eine Amaurosis fugax?
Das ist eine vorübergehende, einseitige Erblindung, die sich nach Sekunden bis Minuten von selbst zurückbildet [2]. Sie kann ein Vorbote eines Gefässverschlusses oder Schlaganfalls sein. Auch wenn die Sicht wieder normal ist, sollte das rasch ärztlich abgeklärt werden, weil dahinter eine behandelbare Ursache stecken kann.
Wie kann ich einem Augeninfarkt vorbeugen?
Der wirksamste Ansatz ist, die bekannten Risikofaktoren zu erkennen und zu behandeln – etwa Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfettwerte oder Herzerkrankungen [3]. Regelmässige ärztliche Kontrollen und ein gesunder Lebensstil senken das Risiko für Gefässverschlüsse und Schlaganfälle gleichermassen.
[1] MSD Manual Ausgabe für Patienten (2024). Verschluss der zentralen Arterien und Astarterien der Netzhaut. https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/erkrankungen-der-netzhaut/verschluss-der-zentralen-arterien-und-astarterien-der-netzhaut
[2] AMBOSS (2025). Retinale Gefässverschlüsse. https://www.amboss.com/de/wissen/retinale-gefassverschlusse
[3] UniversitätsSpital Zürich (2025). Netzhauterkrankungen / Retinale Gefässverschlüsse. https://www.usz.ch/krankheit/netzhauterkrankungen/
[4] MSD Manual Profi-Ausgabe (2024). Retinaler Zentralarterienverschluss und Arterienastverschluss. https://www.msdmanuals.com/de/profi/augenkrankheiten/netzhauterkrankungen/retinaler-zentralarterienverschluss-und-arterienastverschluss
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