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Bindehautentzündung: Was Hausmittel können – und was nicht

Bindehautentzündung: Was Hausmittel können – und was nicht

Bei einer Bindehautentzündung greifen viele Menschen zu Hausmitteln wie Kamillentee, Schwarztee-Kompressen oder warmen Auflagen. Manche dieser Mittel können Beschwerden lindern, andere sind nicht hilfreich oder sogar riskant – und ob ein Hausmittel überhaupt nützt, hängt stark von der Ursache ab. Dieser Ratgeber ordnet ehrlich ein, was unterstützend vertretbar ist, wovon Fachleute abraten und wann ein Arztbesuch wichtig ist.

Helfen Hausmittel bei einer Bindehautentzündung?

Hausmittel können bei einer Bindehautentzündung höchstens die Beschwerden lindern, nicht aber die Ursache zuverlässig behandeln. Insgesamt ist nicht gut untersucht, was die verschiedenen Hausmittel tatsächlich bringen – manche können Beschwerden lindern, andere sind möglicherweise wirkungslos oder sogar schädlich [1].

Entscheidend ist die Ursache: Eine bakterielle Bindehautentzündung braucht je nach Verlauf andere Massnahmen als eine allergische oder reizbedingte. Solange die Ursache nicht geklärt ist, lässt sich auch nicht sagen, ob ein Hausmittel überhaupt sinnvoll sein kann [1]. Genau deshalb ist Zurückhaltung wichtiger als der schnelle Griff zum vermeintlichen Naturmittel.

Wichtig: Bei allen nicht-sterilen Substanzen, die du in oder um das Auge anwendest, besteht die Gefahr, dass sich Krankheitserreger ansiedeln und die Beschwerden verschlimmern [1]. Das Auge ist empfindlich – hier ist Vorsicht angebracht.

Was kann unterstützend helfen?

Am ehesten vertretbar sind sanfte, hygienische Massnahmen, die das Auge nicht zusätzlich reizen. Sie behandeln nicht die Ursache, können aber unangenehme Beschwerden lindern [1].

  • Warme oder kühle Kompressen: Ein sauberer, mit warmem Wasser befeuchteter und gut ausgewrungener Waschlappen auf den geschlossenen Augen kann helfen, Sekret zu lösen und Beschwerden wie Jucken zu lindern [1].
  • Sanfte Lidreinigung: Verklebte oder verkrustete Lider lassen sich vorsichtig mit einem sauberen, feuchten Wattepad reinigen. Verwende für jedes Auge ein frisches Pad und wische ohne Druck nur über die geschlossenen Lider.
  • Befeuchtende Augentropfen (künstliche Tränen): Sie können trockene, gereizte Augen beruhigen und sind in der Apotheke erhältlich [1].
  • Augen schonen: Bildschirmpausen, kein Reiben, vorübergehend keine Kontaktlinsen.

Achte bei allem auf gründliche Händehygiene und verwende Tücher und Pads nur einmal, um eine Ausbreitung zu vermeiden.

Wovon raten Fachleute ab?

Von Kamille und anderen pflanzlichen Aufgüssen direkt am Auge raten Augenärzt:innen ab, weil sie allergische Reaktionen auslösen und das Auge zusätzlich reizen können. Kamille gehört zu den Korbblütlern, die häufig Allergien auslösen; zudem können feine Pflanzenpartikel die Augenoberfläche reizen [1].

Ebenfalls nicht zu empfehlen sind:

  • das Einträufeln von Hausmitteln wie Honig, verdünntem Apfelessig oder selbst angesetzten Lösungen ins Auge
  • nicht-sterile Tee- oder Kräuteraufgüsse als Augenspülung oder Kompresse
  • das Weiterverwenden von Augen-Make-up oder Kontaktlinsen während der Entzündung

Der gemeinsame Nenner: Nicht-sterile Substanzen am Auge bergen ein Infektionsrisiko, und die Wirksamkeit ist nicht belegt [1]. Wer das Auge reinigen möchte, ist mit einer sterilen Kochsalzlösung aus der Apotheke besser beraten als mit pflanzlichen Hausmitteln.

Sicherheitshinweis: Eine ungeklärte Bindehautentzündung solltest du nicht eigenmächtig behandeln. Treten Schmerzen, eitriges Sekret, eine Sehverschlechterung oder Bläschen im Augenbereich auf, ist eine rasche ärztliche Abklärung wichtig – Bläschen können etwa auf eine Herpes-Infektion hindeuten, die einer gezielten Behandlung bedarf.

Wann reicht Selbsthilfe nicht mehr aus?

Selbsthilfe stösst an ihre Grenzen, sobald die Beschwerden stark sind, sich verschlechtern oder nach einigen Tagen nicht bessern. Spätestens dann – und immer bei Schmerzen, Sehverschlechterung oder eitrigem Sekret – ist eine ärztliche Abklärung angezeigt [1]. Auch beim ersten Auftreten oder bei unklarer Ursache ist ein Arztbesuch sinnvoll, um ernstere Augenerkrankungen auszuschliessen.

Gerade weil sich hinter einem roten Auge mehr verbergen kann als eine harmlose Bindehautentzündung, ersetzt kein Hausmittel die fachliche Beurteilung. Wenn du unsicher bist oder die Beschwerden anhalten, findest du auf truVuna Augenärzt:innen in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt für einen Termin.

Häufige Fragen zu Hausmitteln bei Bindehautentzündung

Ist Kamillentee bei einer Bindehautentzündung sinnvoll?

Nein, von Kamille am Auge raten Fachleute ab. Kamille gehört zu den Korbblütlern und kann allergische Reaktionen auslösen; feine Pflanzenpartikel können das Auge zusätzlich reizen. Zur sanften Reinigung ist eine sterile Kochsalzlösung aus der Apotheke besser geeignet.

Was hilft schnell gegen eine Bindehautentzündung?

Ein „schnelles" Mittel gibt es nicht – die passende Massnahme hängt von der Ursache ab. Unterstützend können warme oder kühle Kompressen, eine sanfte Lidreinigung und befeuchtende Augentropfen die Beschwerden lindern. Bessern sich die Symptome nicht oder sind sie stark, ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Kann ich das Auge mit Kochsalzlösung reinigen?

Eine sterile, isotonische Kochsalzlösung aus der Apotheke kann helfen, Sekret und Verkrustungen sanft zu entfernen. Wichtig sind gründliche Händehygiene und Einmalmaterial, um keine Erreger zu übertragen. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden ersetzt das aber keine ärztliche Abklärung.

Heilt eine Bindehautentzündung von allein?

Viele Bindehautentzündungen heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab, unabhängig von Hausmitteln. Hausmittel können den Verlauf höchstens begleiten. Bei Schmerzen, Sehverschlechterung, eitrigem Sekret oder ausbleibender Besserung sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Quellen

[1] IQWiG / gesundheitsinformation.de. Wie wird eine Bindehautentzündung behandelt? gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wird-eine-bindehautentzuendung-behandelt.html

[2] Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Konjunktivitis – Ursachen und Behandlung. akdae.de. https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2015/2015-02/konjunktivitis-ursachen-und-behandlung

[3] MSD Manual (Ausgabe für Patienten) (2025). Infektiöse Bindehautentzündung. msdmanuals.com. https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/erkrankungen-der-bindehaut-und-sklera/infekti%C3%B6se-bindehautentz%C3%BCndung

[4] Universitätsspital Zürich (USZ) (2026). Bindehautentzündung (Konjunktivitis). usz.ch. https://www.usz.ch/krankheit/bindehautentzuendung/

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