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Der Bindehautsack – fachsprachlich Saccus conjunctivae – ist der durch die Bindehaut gebildete Hohlraum zwischen Augapfel und Augenlid. Die Bindehaut (Konjunktiva) ist eine dünne, durchsichtige Schleimhaut, die zwei Flächen überzieht: die Innenseite der Augenlider (sogenannte tarsale oder Lid-Bindehaut) und einen Teil der Vorderseite des Augapfels (bulbäre Bindehaut). Dort, wo die Bindehaut von einem Bereich in den anderen umschlägt, entsteht eine "Tasche" – der Bindehautsack [1].
Diese Tasche umfasst zwei Bereiche, die sogenannten Übergangsfalten (Fornices):
Bei geschlossenem Auge bildet die Bindehaut einen vollständig geschlossenen Hohlraum um den vorderen Teil des Augapfels. Das bedeutet auch: Ein Fremdkörper kann nicht hinter das Auge rutschen – die Bindehaut bildet eine geschlossene Umschlagfalte, die das verhindert. Das Gewebe ist mehrfach gefaltet und sehr flexibel; diese Gewebereserve gibt dem Auge bei jeder Bewegung den nötigen Spielraum, ohne dass die Bindehaut spannt oder reisst [2].
In der Praxis lässt sich vor allem der untere Bindehautsack leicht sichtbar machen: Wenn du dein Unterlid sanft nach unten ziehst, klappt die Tasche auf. In genau diesen unteren Bindehautsack werden Augentropfen eingeträufelt.
Die Bindehaut selbst ist nur etwa 0,3 Millimeter dünn, aber dicht mit Blutgefässen und Nervenfasern durchzogen. An der Innenseite enthält sie zahlreiche Becherzellen, die Schleim produzieren – ein wichtiger Bestandteil des Tränenfilms. Die gute Durchblutung erklärt, warum die Bindehaut bei Reizungen so rasch rot wird – und auch, warum Medikamente über den Bindehautsack so wirksam aufgenommen werden können [4].
Anatomisch lässt sich der Bindehautsack in vier Abschnitte einteilen, die ineinander übergehen:
Praktisch wichtig ist vor allem der untere Übergangsbereich: Wenn man das Unterlid leicht nach unten zieht, wird die untere Bindehauttasche sichtbar und zugänglich. Genau dort hinein werden Augentropfen geträufelt – und nicht direkt auf die empfindliche Hornhaut, die im Zentrum des Auges liegt. So lassen sich Augenarzneimittel reizarm anwenden, ohne dass das Tropfgerät die Hornhaut berührt [3].
Der Bindehautsack erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig.
1. Verteilung der Tränenflüssigkeit. Die Tränenflüssigkeit wird in der Tränendrüse gebildet und durch jeden Lidschlag im Bindehautsack verteilt. So bleibt die Hornhaut feucht, glatt und sauber – die Voraussetzung für klare Sicht. Über die Tränenpünktchen im inneren Augenwinkel fliesst die Flüssigkeit anschliessend in den Tränen-Nasen-Kanal ab.
2. Schutz vor Fremdkörpern. Staub, Wimpern oder kleine Fremdkörper gelangen häufig in den Bindehautsack. Die Faltenstruktur erlaubt es, diese Partikel "einzufangen". Durch Tränenfluss und Lidschlag werden sie meist innerhalb von Sekunden wieder hinausgespült – ein wichtiger natürlicher Schutzmechanismus für die empfindliche Hornhaut [4].
3. Resorptionsfläche für Medikamente. Die Bindehaut ist sehr gut durchblutet und gut innerviert. Über sie können Augenarzneimittel – Augentropfen, Augensalben, Augengele – direkt am Wirkort aufgenommen werden. Diese Eigenschaft macht den Bindehautsack zur wichtigsten Eintrittsstelle für topische Augenarzneimittel [3].
4. Beweglichkeit und Schutz des Augapfels. Die mehrfach gefaltete Bindehaut gibt dem Auge bei jeder Bewegung Spielraum. Gleichzeitig fungiert sie als äussere Schutzschicht gegen Krankheitserreger – sie ist sensibel mit Nerven versorgt, sodass selbst kleinste Berührungen oder Fremdkörper sofort als Reiz wahrgenommen werden [2].
Augentropfen wirken nur, wenn sie auch tatsächlich in den Bindehautsack gelangen – nicht auf die Wange, ins Auge selbst oder in den Tränen-Nasen-Kanal. Studien zur Anwendungspraxis zeigen, dass beim Einträufeln häufig Fehler gemacht werden [3]. Die folgende Anleitung orientiert sich an den Empfehlungen pharmazeutischer Fachgesellschaften.
Anleitung: Augentropfen richtig anwenden
- Hände gründlich waschen. Kontaktlinsen vorher herausnehmen und frühestens 15 Minuten danach wieder einsetzen (sofern nicht anders verordnet).
- Kopf leicht in den Nacken neigen und mit einem Finger das Unterlid sanft nach unten ziehen, sodass sich der Bindehautsack öffnet.
- Blick nach oben richten und einen Tropfen in den unteren Bindehautsack fallen lassen. Die Flasche dabei nicht das Auge oder die Wimpern berühren lassen – das wäre ein Verkeimungsrisiko.
- Auge etwa eine Minute sanft schliessen (nicht zukneifen) und gleichzeitig mit einem Finger leicht auf den inneren Augenwinkel drücken (Tränenpunkt). Das verlängert die Wirkdauer am Auge.
- Bei mehreren Präparaten: mindestens 5–15 Minuten Abstand zwischen den Anwendungen einhalten. Salben oder Gele immer zuletzt.
Die Tropfflasche immer mit fest geschlossener Schutzkappe und gemäss Packungsbeilage lagern. Viele Augentropfen sind nach Anbruch nur begrenzt haltbar, häufig etwa vier Wochen. Massgeblich ist immer die Packungsbeilage – das Anbruchdatum lässt sich gut auf dem Fläschchen vermerken [3].
Augenarzneimittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Welche Form im Einzelfall am besten passt, hängt von der Erkrankung, der Wirkstoffeigenschaft und der gewünschten Wirkdauer ab:
Auch Salbe und Gel werden in den unteren Bindehautsack appliziert. Bei der Augensalbe drückt man einen etwa ein Zentimeter langen Strang in den unteren Fornix und schliesst dann das Auge sanft. Werden mehrere Präparate verordnet, kommt die Salbe zuletzt – die fettige Schicht würde sonst die Aufnahme nachfolgender Tropfen behindern [3].
Augenarzneimittel sind beim Hersteller steril – beim Hausgebrauch droht jedoch die Verkeimung. Wenige Hygieneregeln senken das Risiko deutlich:
Weil der Bindehautsack ständig in Kontakt mit der Umwelt steht, ist er anfällig für verschiedene Erkrankungen. Die häufigste ist die Bindehautentzündung.
Die Konjunktivitis gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen. Typische Symptome sind:
Die Konjunktivitis kann verschiedene Ursachen haben: bakteriell (meist eitrig-klebrige Sekretion, ansteckend), viral (häufig im Rahmen einer Erkältung, sehr ansteckend), allergisch (z. B. Heuschnupfen, beidseitig, starkes Jucken) oder nicht-infektiös (durch trockene Luft, Rauch, Chemikalien) [5]. Bakterielle und virale Formen sind hochansteckend – wer betroffen ist, sollte auf strenge Handhygiene achten, eigene Handtücher benutzen und Kontakt zu Risikogruppen meiden.
Staub, Sand, Wimpern oder kleine Insekten können sich im Bindehautsack festsetzen. In den meisten Fällen werden sie durch Tränenfluss und Lidschlag wieder hinausgespült. Bleibt ein Fremdkörper jedoch sitzen und schmerzt oder reizt, kann die Augenärztin nach Umklappen der Augenlider den Fornix einsehen und den Fremdkörper entfernen [2].
Die Untersuchung erfolgt in der Regel mit der Spaltlampe, einem speziellen Mikroskop mit einer schmalen, stark fokussierten Lichtquelle. Damit kann die Augenärztin die Bindehaut, den vorderen Augenabschnitt und mögliche Auffälligkeiten vergrössert beurteilen. In manchen Fällen werden die Augenlider sanft umgeklappt, um den oberen oder unteren Fornix komplett einsehen zu können – das ist die einzige Möglichkeit, dort versteckte Fremdkörper oder kleine Veränderungen zuverlässig zu erkennen [4]. Bei Verdacht auf eine bakterielle Konjunktivitis kann zusätzlich ein Abstrich genommen werden, um den Erreger zu bestimmen [5].
Nicht jede Rötung oder jedes Brennen im Auge braucht sofort einen Augenarztbesuch. Folgende Symptome sollten jedoch ärztlich untersucht werden:
Bei einer Bindehautentzündung kann die Augenärztin oder der Augenarzt mit einer Spaltlampen-Untersuchung die Ursache klären und – wenn nötig – Augentropfen verschreiben. Eine schwere Komplikation wie eine Hornhautbeteiligung (Keratokonjunktivitis) lässt sich so frühzeitig erkennen [5].
Säuglinge und Kinder: Tränende, verklebte oder gerötete Augen bei Neugeborenen sollten immer ärztlich abgeklärt werden – mögliche Ursachen sind verengte Tränenwege, Infektionen oder entzündliche Reaktionen. Auch bei Klein- und Schulkindern mit anhaltender Konjunktivitis empfiehlt sich eine augenärztliche Vorstellung, weil Kinder die Symptome oft nicht klar benennen können und Komplikationen erst spät bemerkt werden [5].
Wenn du Augentropfen verordnet bekommen hast und unsicher bist, wie du sie richtig in den Bindehautsack einträufelst, hilft auch eine kurze Beratung in der Apotheke – Apotheker:innen sind geschult, die Anwendung praktisch zu zeigen. Auf truVuna findest du Augenärzt:innen in deiner Region und kannst passende Anlaufstellen für anhaltende oder unklare Augenbeschwerden vergleichen.
Der Bindehautsack ist die kleine, gefaltete Tasche aus Bindehaut zwischen Augapfel und Augenlid. Er entsteht, weil die Bindehaut von der Innenseite des Lides am Übergang zur Vorderseite des Augapfels umschlägt. In diese Tasche werden Augentropfen eingeträufelt; sie ist zudem wichtig für die Verteilung der Tränenflüssigkeit und den Schutz des Auges [1].
Der Bindehautsack liegt zwischen der Innenseite von Ober- und Unterlid einerseits und dem vorderen, weissen Teil des Augapfels andererseits. Der praktisch wichtigste Abschnitt ist der untere Übergangsbereich (Fornix conjunctivae inferior) – er wird beim Eintropfen von Augenarzneimitteln genutzt [2].
Hände waschen, Kopf leicht in den Nacken neigen, das Unterlid mit dem Zeigefinger sanft nach unten ziehen und den Blick nach oben richten. Einen Tropfen senkrecht in den Bindehautsack fallen lassen, ohne das Auge oder die Wimpern zu berühren. Anschliessend rund eine Minute die Augen sanft schliessen und leicht auf den inneren Augenwinkel drücken [3].
Die Hornhaut im Zentrum des Auges ist sehr empfindlich, ein direkter Tropfenaufprall verursacht einen reflexartigen Lidschluss und ist unangenehm. Im Bindehautsack hingegen wird die Flüssigkeit reizarm aufgenommen und über die gut durchblutete Bindehaut resorbiert. So entfaltet das Medikament seine Wirkung zuverlässig [3].
Die häufigste Erkrankung ist die Bindehautentzündung (Konjunktivitis); sie gehört zu den häufigsten Augenerkrankungen überhaupt [4]. Weitere häufige Probleme sind trockene Augen, allergische Reaktionen, Bindehauteinblutungen und Fremdkörper im Bindehautsack. Anhaltende oder schmerzhafte Beschwerden sollten augenärztlich abgeklärt werden.
[1] Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft (SOG-SSO). Patienteninformationen zu Augenanatomie und häufigen Augenerkrankungen. Verfügbar unter: https://www.sog-sso.ch/de/fuer-patientinnen/haeufige-augenerkrankungen (abgerufen am 27.05.2026). Nationale Fachgesellschaft der Schweizer Augenärzt:innen; redaktionell geprüfte Patienteninformationen.
[2] Universitätsspital Zürich, Augenklinik. Allgemeine Ophthalmologie und Patienteninformation zu Bindehautanatomie. Verfügbar unter: https://www.usz.ch/fachbereich/augenklinik/ (abgerufen am 27.05.2026). Schweizer Universitätsklinik; Patienteninformation zur Augenanatomie und Diagnostik.
[3] Gräfe, K. A. Richtig tropfen will gelernt sein. Pharmazeutische Zeitung (PZ), Ausgabe 37/2015. Verfügbar unter: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-372015/richtig-tropfen-will-gelernt-sein/ (abgerufen am 27.05.2026). Pharmazeutische Fachzeitschrift; evidenzbasierter Fachbeitrag zur korrekten Anwendung von Augenarzneimitteln.
[4] Universitätsspital Zürich. Krankheitsbild Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Verfügbar unter: https://www.usz.ch/krankheit/bindehautentzuendung/ (abgerufen am 27.05.2026). Schweizer Universitätsklinik; Patienteninformation zu Häufigkeit, Symptomen und Behandlung der Konjunktivitis.
[5] Kantonsspital Winterthur (KSW). Bindehautentzündung / Konjunktivitis – Patienteninformation. Verfügbar unter: https://www.ksw.ch/gesundheitsthemen/bindehautentzuendung-konjunktivitis/ (abgerufen am 27.05.2026). Schweizer Kantonsspital; Patienteninformation zur Konjunktivitis mit Hinweis auf Diagnostik und Behandlung.
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