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Eine metabolische Azidose ist eine Übersäuerung des Blutes, bei der der pH-Wert unter den Normbereich fällt, weil zu wenig Bikarbonat als Puffer zur Verfügung steht. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist: Werte unter 7 gelten als sauer, Werte über 7 als basisch. Das Blut ist normalerweise leicht basisch und liegt in einem engen Rahmen von etwa 7,35 bis 7,45 [2][3]. Sinkt dieser Wert ab, sprechen Fachleute von einer Azidose; medizinisch wird die metabolische Azidose über ein Bikarbonat-Defizit im Blut definiert [1][5].
Eine Azidose bedeutet, dass das Blut zu sauer ist (pH unter dem Normbereich), eine Alkalose, dass es zu basisch ist (pH über dem Normbereich). Schon kleine Abweichungen sind bedeutsam, weil der pH-Wert die Funktion zahlreicher Eiweisse und damit fast alle Abläufe im Körper beeinflusst [3].
Damit der Wert stabil bleibt, nutzt der Körper sogenannte Puffersysteme. Das wichtigste ist das Kohlendioxid-Bikarbonat-System: Befinden sich zu viele Wasserstoff-Ionen (Säure) im Blut, fängt das Bikarbonat sie ab. Dabei entsteht Kohlensäure, die zu Wasser und Kohlendioxid zerfällt – das Kohlendioxid wird über die Lunge abgeatmet [2][9]. Ergänzend wirken weitere Puffer auf Phosphat- und Proteinbasis. Lunge und Nieren arbeiten dabei zusammen: Die Lunge reguliert das Kohlendioxid, die Nieren steuern, wie viel Bikarbonat zurückgehalten und wie viel Säure ausgeschieden wird [9][14].
Eine metabolische Azidose entsteht, wenn im Körper zu viele Säuren anfallen oder zu viel Bikarbonat verloren geht, sodass die Pufferkapazität des Blutes nicht mehr ausreicht. Die Bikarbonat-Konzentration sinkt, und überschüssige Säure kann nicht mehr ausreichend abgefangen werden [1][5].
Bei der metabolischen Azidose liegt die Ursache im Stoffwechsel oder bei den Nieren, bei der respiratorischen Azidose dagegen in der Atmung. Eine respiratorische Azidose entsteht, wenn zu wenig Kohlendioxid abgeatmet wird – etwa bei chronischen Lungenerkrankungen oder einer beeinträchtigten Atmung –, sodass sich Säure in Form von Kohlendioxid anstaut [1][8]. Welche Form vorliegt, lässt sich über die Blutwerte unterscheiden und ist für die Behandlung entscheidend.
Zu den häufigsten Auslösern zählen ein entgleister Diabetes mellitus, eine eingeschränkte Nierenfunktion, schwere Durchfallerkrankungen, Vergiftungen und ein Schock [1]. Im Einzelnen lässt sich nachvollziehen, was dabei geschieht:
Auch ein übermässiger Gebrauch von Abführmitteln, starker Alkoholkonsum oder längeres Hungern können den Säure-Basen-Haushalt belasten [1]. Welche Ursache vorliegt, lässt sich nur ärztlich klären.
Ein typisches Zeichen ist eine vertiefte, beschleunigte Atmung – die sogenannte Kussmaul-Atmung –, mit der der Körper versucht, Säure in Form von Kohlendioxid abzuatmen [2][4]. Eine leichte Azidose kann allerdings auch ohne deutliche Beschwerden verlaufen [2].
Mögliche weitere Symptome sind:
Diese Beschwerden sind unspezifisch und können viele Ursachen haben. Eine Selbstdiagnose ist nicht möglich – entscheidend ist die ärztliche Einordnung.
Eine ärztliche Abklärung ist dringend, sobald Anzeichen wie eine auffällig tiefe, schnelle Atmung, starke Müdigkeit, Verwirrtheit, wiederholtes Erbrechen oder ein fruchtiger Atemgeruch auftreten. Solche Symptome können auf eine ernsthafte Stoffwechselentgleisung hindeuten, die rasch behandelt werden muss [2][4].
Sicherheitshinweis: Eine ausgeprägte Übersäuerung des Blutes ist ein medizinischer Notfall. Treten bei Menschen mit Diabetes eine tiefe, beschleunigte Atmung, ein nach Aceton riechender Atem oder zunehmende Benommenheit auf, solltest du nicht abwarten, sondern unverzüglich ärztliche Hilfe holen – im Zweifel über die Notfallnummer 144 [4].
Die Diagnose erfolgt über eine Blutgasanalyse, die den pH-Wert, die Bikarbonat-Konzentration und den Kohlendioxid-Partialdruck im Blut misst [1]. Anhand dieser Werte lässt sich unterscheiden, ob eine metabolische oder respiratorische Azidose vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist. Zusätzlich berechnen Ärzt:innen häufig die sogenannte Anionenlücke – ein rechnerischer Wert, der Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache gibt [1].
Im Zentrum der Behandlung steht die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung, da nur so der Säure-Basen-Haushalt dauerhaft ausgeglichen werden kann [1]. Eine diabetische Ketoazidose wird beispielsweise mit Insulin und Flüssigkeit behandelt, bei einem Nierenversagen kann eine Dialyse nötig sein [1][2].
Die zusätzliche Gabe von Bikarbonat (Natriumbikarbonat) ist nicht in jedem Fall sinnvoll. Sie kann bei bestimmten Formen der Azidose angebracht sein, in anderen Situationen aber wenig nützen oder sogar Risiken bergen – etwa eine überschiessende Alkalose oder eine Natrium- und Flüssigkeitsüberlastung [1]. Ob und wie behandelt wird, entscheidet sich deshalb immer nach dem individuellen Befund.
Bei gesunden Menschen führt die Ernährung normalerweise nicht zu einer metabolischen Azidose, weil die Puffersysteme die Säuren aus der Nahrung zuverlässig abfangen [9][15]. Selbst bei hohem Konsum säurebildender Lebensmittel übersäuert das Blut nicht, solange die Pufferkapazität ausreicht.
Anders sieht es bei einer chronischen Nierenerkrankung aus: Hier ist eine chronische metabolische Azidose eine häufige Begleiterscheinung, die bei über 20 % der Betroffenen auftritt [5][31]. In diesem Fall kann die Ernährung – etwa ein höherer Anteil an Obst und Gemüse sowie eine massvolle Eiweisszufuhr – die Behandlung unterstützen [5]. Ergänzend wird teils Bikarbonat in Tablettenform eingesetzt. Studien deuten darauf hin, dass eine Korrektur der Azidose das Fortschreiten der Nierenerkrankung verlangsamen kann; die Datenlage ist allerdings nicht einheitlich, und die Effekte fallen eher klein aus [6][7]. Solche Massnahmen gehören in ärztliche Begleitung und ersetzen keine ursächliche Behandlung.
Wenn eine chronische Erkrankung vorliegt und du deine Ernährung gezielt anpassen möchtest, kann eine fachliche Ernährungsberatung sinnvoll sein – idealerweise in Abstimmung mit deinem behandelnden ärztlichen Team. Auf truVuna findest du Anbieter:innen für Ernährungsberatung in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt.
Ist eine metabolische Azidose gefährlich?
Eine leichte Azidose kann ohne Symptome verlaufen, eine ausgeprägte ist jedoch ernst zu nehmen. Sinkt der pH-Wert stark ab, drohen Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall und Bewusstseinsstörungen. Eine schwere Übersäuerung gilt als medizinischer Notfall und muss rasch behandelt werden [1][2].
Was ist der Unterschied zwischen Azidose und Alkalose?
Bei einer Azidose ist das Blut zu sauer, der pH-Wert liegt unter dem Normbereich von etwa 7,35 bis 7,45. Bei einer Alkalose ist das Blut zu basisch, der pH-Wert liegt darüber. Beide können entweder den Stoffwechsel (metabolisch) oder die Atmung (respiratorisch) als Ursache haben [3][8].
Kann man eine Übersäuerung des Blutes selbst feststellen?
Nein, eine metabolische Azidose lässt sich nicht selbst feststellen. Sie wird über eine Blutgasanalyse nachgewiesen, die pH-Wert und Bikarbonat misst. Die Symptome sind unspezifisch, weshalb nur eine ärztliche Untersuchung Klarheit bringt [1].
Hilft basische Ernährung gegen eine Azidose?
Bei gesunden Menschen ist eine basische Ernährung zur Vermeidung einer Blut-Übersäuerung nicht nötig, da die Puffersysteme ausreichen. Bei einer chronischen Nierenerkrankung kann eine angepasste Ernährung die Behandlung unterstützen – das sollte aber ärztlich begleitet werden und ersetzt keine ursächliche Therapie [5][9].
[1] MSD Manual, Profi-Ausgabe, 2025, Metabolische Azidose, https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/endokrine-und-metabolische-krankheiten/s%C3%A4ure-basen-regulation-und-st%C3%B6rungen/metabolische-azidose
[2] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Azidose / Übersicht über den Säure-Basen-Haushalt, https://www.msdmanuals.com/de/heim/hormon-und-stoffwechselerkrankungen/s%C3%A4ure-basen-haushalt/azidose
[3] AMBOSS, 2023, Säure-Basen-Haushalt, https://www.amboss.com/de/wissen/S%C3%A4ure-Basen-Haushalt/
[4] AMBOSS, 2025, Diabetische Ketoazidose, https://www.amboss.com/de/wissen/diabetische-ketoazidose-im-kindes-und-jugendalter-amboss-sop
[5] Die Nephrologie (Springer), 2012, Chronische metabolische Azidose bei Niereninsuffizienz, https://link.springer.com/article/10.1007/s11560-012-0670-7
[6] Universimed, 2025, Metabolische Azidose und Nierenfunktion – was wir wirklich wissen, https://www.universimed.com/ch/article/nephrologie/metabolische-azidose-nierenfunktion-390485
[7] PMC / Die Nephrologie, 2024, What is confirmed in the treatment of metabolic acidosis in chronic kidney disease?, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11632079/
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