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Die Netzhaut – fachsprachlich Retina – ist die innerste der drei Schichten, die den Augapfel auskleiden. Sie liegt zwischen dem mit Gel gefüllten Glaskörper im Augeninneren und der dahinter liegenden Aderhaut (Choroidea), die die Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt [1]. Die Retina ist nur 0,2 bis 0,5 Millimeter dünn und bedeckt rund zwei Drittel der inneren Augapfeloberfläche.
Anatomisch ist die Netzhaut funktionell ein vorgelagerter Teil des Gehirns – sie entsteht in der Embryonalentwicklung aus demselben Gewebe wie das Zentralnervensystem [4]. Das erklärt, warum Sehinformationen so direkt und schnell ins Gehirn geleitet werden können.
Auf der Netzhaut lassen sich mehrere wichtige Strukturen unterscheiden:
Der gelbe Fleck mit der Fovea centralis liegt im Zentrum der Netzhaut und ist nur rund 2 Millimeter gross. Hier wird das schärfste und farbintensivste Sehen geleistet. Die Sehnervenpapille liegt etwas nasenwärts davon – sie enthält keine Photorezeptoren und entspricht dem "blinden Fleck".
Histologisch lässt sich die Netzhaut in zehn Schichten unterteilen. Für das alltagsverständliche Bild reicht es, drei zentrale Funktionsebenen zu unterscheiden:
Eine Besonderheit: Die Netzhaut ist invers aufgebaut. Das Licht muss zuerst durch alle inneren Zellschichten hindurch, bevor es ganz hinten auf die Photorezeptoren trifft. Vereinfacht gesagt: Das Licht trifft nicht direkt zuerst auf die Sinneszellen, sondern passiert vorher andere durchsichtige Zellschichten. Diese Anordnung wirkt zunächst paradox, ist aber entwicklungsgeschichtlich bedingt und funktioniert ausgezeichnet, weil die inneren Schichten durchsichtig sind [4].
Die Netzhaut enthält zwei Hauptarten von Lichtsinneszellen, die Photorezeptoren genannt werden:
Stäbchen (ca. 120 Millionen pro Auge) sind hochempfindlich für Helligkeitsunterschiede und ermöglichen das Sehen bei wenig Licht – das Dämmerungs- und Nachtsehen. Sie können keine Farben unterscheiden und liefern ein "graustufiges" Bild. Stäbchen sind vor allem in den äusseren Bereichen der Netzhaut verteilt [4].
Zapfen (ca. 6 Millionen pro Auge) sind verantwortlich für das Farbsehen und das Sehen bei Tageslicht. Es gibt drei Zapfentypen, die jeweils auf rotes, grünes oder blaues Licht reagieren. Durch das Zusammenspiel dieser drei Typen entsteht im Gehirn das gesamte Farbspektrum, das wir wahrnehmen können. Zapfen sind besonders dicht in der Fovea centralis angeordnet – dem Punkt des schärfsten Sehens [4].
Die beiden Zelltypen ergänzen sich also in ihren Aufgaben: Mit rund 120 Millionen pro Auge sind die Stäbchen die deutlich häufigeren Photorezeptoren. Sie sind sehr empfindlich, liefern aber keine Farbinformation und sind vor allem in der Peripherie der Netzhaut verteilt, wo sie das Dämmerungs- und Nachtsehen ermöglichen. Die etwa 6 Millionen Zapfen pro Auge sind dagegen weniger lichtempfindlich, dafür in drei Typen für rotes, grünes und blaues Licht aufgeteilt und dicht im Zentrum (Fovea) angeordnet; sie ermöglichen das Farb- und Tagessehen.
Diese Aufteilung erklärt, warum Farben in der Dämmerung verblassen: Sobald das Licht zu schwach für die Zapfen wird, übernehmen die Stäbchen – aber sie sehen die Welt in Grautönen.
Der Sehvorgang ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Optik, Biochemie und Nervenleitung – hier vereinfacht in vier Schritten:
Erst im Gehirn entsteht aus den vielen elektrischen Impulsen das Bild, das wir wahrnehmen. Das Auge liefert also die Rohdaten – die "Bildverarbeitung" geschieht im visuellen Kortex.
Erkrankungen der Netzhaut – fachlich Retinopathien – gehören zu den häufigsten Ursachen für Sehverschlechterung im Erwachsenenalter. Die Symptome richten sich nach der Ursache und reichen von verschwommenem Sehen über Gesichtsfeldausfälle bis zum vollständigen Sehverlust [2].
Die AMD gehört zu den häufigsten Ursachen für eine deutliche Sehverschlechterung bei Menschen über 60 Jahren. Sie betrifft den gelben Fleck – also den Bereich des schärfsten Sehens. Unterschieden werden:
Erste Symptome sind oft verzerrtes Sehen (gerade Linien erscheinen gewellt), ein verschwommener Punkt im Zentrum oder eine abnehmende Lesefähigkeit.
Bei Menschen mit Diabetes mellitus können erhöhte Blutzuckerwerte langfristig die feinen Blutgefässe der Netzhaut schädigen. Es entstehen kleine Aussackungen, Blutungen oder Gefässverschlüsse. In fortgeschrittenen Stadien bilden sich neue, brüchige Gefässe, die das Sehen massiv beeinträchtigen können [2]. Die Behandlung umfasst eine möglichst gute Einstellung des Blutzuckers sowie augenärztliche Massnahmen wie Laserbehandlung oder VEGF-Injektionen [3]. Menschen mit Diabetes sollten regelmässig augenärztlich kontrolliert werden.
Bei einer Netzhautablösung löst sich die Photorezeptorschicht vom darunter liegenden Pigmentepithel. Häufigste Ursache ist ein Riss oder Loch in der Netzhaut, durch das Flüssigkeit unter die Retina gelangt [2]. Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall – ohne rasche Behandlung droht der dauerhafte Sehverlust des betroffenen Bereichs. Typische Warnsignale:
Wer diese Symptome bemerkt, sollte umgehend eine Augenklinik aufsuchen.
Die Netzhaut kann auf verschiedene, schmerzfreie Weisen beurteilt werden:
Spezialisierte Netzhautsprechstunden bieten Schweizer Universitätskliniken wie das USZ an [2]. Niedergelassene Augenärzt:innen verfügen in der Regel ebenfalls über die wichtigsten Untersuchungsmethoden für die Routinekontrolle.
Verschiedene Lebensstilfaktoren können dazu beitragen, die Netzhautgesundheit langfristig zu unterstützen. Wer seine Augen langfristig schützen möchte, kann an mehreren Stellen ansetzen:
Diese Massnahmen können Erkrankungen nicht in jedem Fall verhindern – sie senken aber das Risiko und unterstützen eine gute Augengesundheit über viele Jahre.
Folgende Symptome sollten zeitnah augenärztlich abgeklärt werden – manche davon können auf eine ernsthafte Netzhauterkrankung hinweisen:
Risikogruppen sollten regelmässige augenärztliche Kontrollen wahrnehmen, auch ohne akute Beschwerden – dazu gehören Menschen mit Diabetes mellitus, mit familiärer Vorbelastung für AMD oder Retinitis pigmentosa, mit hoher Kurzsichtigkeit (über –6 Dioptrien) und Menschen über 60 Jahre.
Wenn du Veränderungen am Sehen bemerkst oder deine letzte Augenkontrolle länger zurückliegt, lohnt sich ein Termin in einer augenärztlichen Praxis. Auf truVuna findest du Augenärzt:innen in deiner Region und kannst passende Anlaufstellen für eine Untersuchung vergleichen.
Die Netzhaut (Retina) ist eine hauchdünne Gewebeschicht an der Innenseite des Auges, in der Licht in Nervensignale umgewandelt wird. Sie enthält Millionen von Lichtsinneszellen – Stäbchen für das Dämmerungssehen und Zapfen für das Farbsehen – und leitet die Sehinformationen über den Sehnerv ans Gehirn weiter. Ohne intakte Netzhaut kann das Auge keine Bilder erzeugen [1].
Stäbchen sind sehr lichtempfindlich und für das Dämmerungs- und Nachtsehen zuständig, sehen aber keine Farben. Zapfen sind weniger lichtempfindlich, ermöglichen aber das Farbsehen und das scharfe Sehen bei Tageslicht. Das menschliche Auge enthält rund 120 Millionen Stäbchen und 6 Millionen Zapfen. Zapfen liegen besonders dicht in der Fovea centralis – dem Punkt des schärfsten Sehens [4].
Bei einer Netzhautablösung löst sich die Photorezeptorschicht vom darunter liegenden Pigmentepithel, meist durch einen Riss oder ein Loch in der Netzhaut. Typische Symptome sind plötzlich auftretende Lichtblitze, viele schwarze Punkte und ein dunkler Schatten im Sichtfeld. Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall – ohne rasche Behandlung droht ein dauerhafter Sehverlust [2].
Zu den häufigsten Netzhauterkrankungen gehören die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), die diabetische Retinopathie, die Netzhautablösung, retinale Gefässverschlüsse und die erblich bedingte Retinitis pigmentosa. Sie alle können zu erheblichen Sehverschlechterungen führen, weshalb regelmässige augenärztliche Kontrollen – besonders bei Risikogruppen – sinnvoll sind [2].
Die Netzhaut wird mit einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie) direkt betrachtet, meist nach Erweiterung der Pupille mit Augentropfen. Moderne Verfahren wie die optische Kohärenztomografie (OCT) zeigen die Netzhautschichten in hoher Auflösung. Bei spezifischen Fragestellungen kommen Fluoreszenzangiografie und Fundusfotografie zum Einsatz. Diese Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei.
[1] Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft (SOG-SSO). Patienteninformationen zu Augenanatomie und häufigen Augenerkrankungen. Verfügbar unter: https://www.sog-sso.ch/de/fuer-patientinnen/haeufige-augenerkrankungen (abgerufen am 27.05.2026). Nationale Fachgesellschaft der Schweizer Augenärzt:innen; redaktionell geprüfte Patienteninformationen.
[2] Universitätsspital Zürich (USZ), Augenklinik. Netzhauterkrankungen – Überblick. Verfügbar unter: https://www.usz.ch/krankheit/netzhauterkrankungen/ (abgerufen am 27.05.2026). Schweizer Universitätsklinik; ausführliche Patienteninformation zu Ursachen, Symptomen und Behandlungen der wichtigsten Netzhauterkrankungen.
[3] Universitätsspital Zürich (USZ), Augenklinik. Netzhautchirurgie / Netzhauterkrankungen Behandlung und Diabetische Retinopathie. Verfügbar unter: https://www.usz.ch/fachbereich/augenklinik/angebot/netzhautchirurgie/ und https://www.usz.ch/fachbereich/augenklinik/angebot/diabetische-retinopathie/ (abgerufen am 27.05.2026). Schweizer Universitätsklinik; Patienteninformation zu konservativer und operativer Behandlung von AMD, diabetischer Retinopathie und Netzhautablösung.
[4] dasGehirn.info – Stäbchen und Zapfen / Perfektes Teamwork. Verfügbar unter: https://www.dasgehirn.info/wahrnehmen/sehen/von-staebchen-und-zapfen und https://www.dasgehirn.info/wahrnehmen/sehen/perfektes-teamwork (abgerufen am 27.05.2026). Gemeinsames Wissenschaftsportal von Hertie-Stiftung, Neurowissenschaftlicher Gesellschaft, ZKM und DZNE; redaktionell geprüfte Fachinformationen zu Neurowissenschaften.
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