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Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung mit schubartigem Verlauf, die typischerweise schon im Säuglings- oder Kindesalter beginnt. In der Schweiz sind etwa 4 bis 5 Prozent der Erwachsenen betroffen, während es bei Kindern rund 20 Prozent sind; bei etwa 85 Prozent der Fälle treten die ersten Symptome in den ersten fünf Lebensjahren auf. [1]
Bei vielen Menschen bessert sich das Ekzem mit zunehmendem Alter, es kann aber bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben oder nach einer beschwerdefreien Zeit erneut auftreten. [4] Typische Symptome sind starker Juckreiz, trockene, gerötete Haut und nässende oder verkrustete Ekzeme. Während im Säuglingsalter vor allem Gesicht und Streckseiten betroffen sind, zeigen sich bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen häufig zusätzlich Hand- und Fussekzeme. [1]
Gut zu wissen: Eine erstmalige Erkrankung im Erwachsenenalter ist selten. Tritt die Neurodermitis bei Erwachsenen auf, sind häufig die Hände betroffen. [4]
Neurodermitis gehört zum sogenannten atopischen Formenkreis. Darunter versteht man eine erblich mitbedingte Neigung, überempfindlich auf bestimmte Umweltstoffe zu reagieren. Häufig treten dabei auch Heuschnupfen, allergisches Asthma oder Nahrungsmittelallergien gemeinsam auf. [1][4]
Die Auslöser eines Neurodermitis-Schubs sind von Person zu Person unterschiedlich und können sich im Laufe des Lebens verändern. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen, weshalb es oft schwierig ist, einen einzelnen Auslöser eindeutig zu bestimmen. [1]
Die genauen Ursachen sind nicht abschliessend geklärt. Die Erkrankung gilt als vielschichtig: Eine genetische Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere und entzündliche Prozesse in der Haut wirken zusammen. [1] Zu den bekannten Faktoren, die einen Schub begünstigen können, gehören:
Einen Auslöser zu kennen, bedeutet nicht automatisch, ihn vollständig vermeiden zu können. Hilfreich kann es sein, über einige Wochen festzuhalten, in welchen Situationen sich die Haut verschlechtert, um persönliche Muster zu erkennen.
Die Diagnose stellt eine Hautärztin oder ein Hautarzt anhand des Hautbildes und eines ausführlichen Gesprächs. Dabei werden die betroffenen Hautstellen untersucht, die Beschwerden, der Verlauf und mögliche Begleiterkrankungen erfragt. Hinweise auf Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma in der Familie können die Einordnung erleichtern. [1][4]
In manchen Fällen kommen ergänzende Untersuchungen hinzu. Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie kann ein sogenannter Epikutantest (Pflastertest) durchgeführt werden: Dabei werden kleine Mengen möglicher Auslöser auf die Haut aufgebracht und mit einem Pflaster abgedeckt, um Reaktionen zu beobachten. Besteht der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, sollte diese gezielt abgeklärt und idealerweise durch einen Provokationstest bestätigt werden, bevor Lebensmittel dauerhaft gemieden werden. [4]
Neurodermitis ist nicht heilbar, die Beschwerden lassen sich aber mit verschiedenen Bausteinen lindern. Die Behandlung wird individuell zusammengestellt und richtet sich nach Schweregrad, betroffenen Hautstellen und persönlichen Bedürfnissen. [2] Die wichtigsten Therapiebausteine im Überblick:
Die Basistherapie ist die Grundlage jeder Behandlung. Rückfettende und feuchtigkeitsbindende Pflegemittel werden mehrmals täglich grosszügig aufgetragen, um die Haut vor dem Austrocknen zu schützen – auch dann, wenn die Haut gerade beschwerdefrei ist. [4] Studien deuten darauf hin, dass die regelmässige Anwendung von Pflegemitteln die Schwere der Erkrankung verringern, Schübe reduzieren und den Bedarf an kortisonhaltigen Mitteln senken kann; die Belege stammen überwiegend aus Studien niedriger bis moderater Qualität. [3]
Bei akuten Schüben kommen entzündungshemmende Wirkstoffe zum Einsatz, die äusserlich aufgetragen werden – vor allem Kortikosteroide (Kortison) oder Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus. Diese Mittel werden ärztlich verordnet und je nach Situation auch vorbeugend in beschwerdearmen Phasen angewendet. [2][4]
Reichen äusserliche Massnahmen nicht aus, stehen für Erwachsene weitere Optionen zur Verfügung. Eine UV-Therapie kann bei mittelschweren bis schweren Verläufen helfen. [2][4] Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, für die eine innerliche (systemische) Behandlung infrage kommt, gibt es zudem moderne Medikamente wie das Biologikum Dupilumab oder Januskinase-Hemmer (etwa Abrocitinib, Baricitinib, Upadacitinib) sowie klassische Immunsuppressiva wie Ciclosporin. [2] Dupilumab wird im Abstand von zwei Wochen gespritzt und kann Beschwerden wie Juckreiz und Hautausschläge nachweislich lindern; mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Reizungen an der Einstichstelle sowie Bindehaut- und Lidrandentzündungen. [4] Welche dieser Optionen geeignet ist, hängt vom Befund, von Begleiterkrankungen und vom bisherigen Behandlungsverlauf ab und wird individuell ärztlich entschieden.
Eine konsequente, milde Basispflege ist die wirksamste Alltagsmassnahme gegen Trockenheit und Juckreiz. Die Haut bei Neurodermitis ist besonders trocken, empfindlich und leicht reizbar, weshalb sie regelmässige Rückfettung braucht. [1][4] Folgende Punkte haben sich bewährt:
Gegen den Juckreiz hilft neben der Basispflege vor allem, das Kratzen möglichst zu vermeiden, da aufgekratzte Haut leichter entzündet und der Juckreiz dadurch oft noch stärker wird. Kühlende Auflagen und das konsequente Eincremen können den Drang lindern.
Eine spezielle "Neurodermitis-Diät" gibt es nicht. Pauschale Verzichtempfehlungen sind nicht sinnvoll, und Nahrungsmittel sollten nicht ohne Grund dauerhaft gestrichen werden. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ist für die meisten Betroffenen die beste Grundlage.
Anders verhält es sich, wenn der Neurodermitis nachweislich eine Nahrungsmittelallergie zugrunde liegt: Dann kann es sinnvoll sein, die auslösenden Lebensmittel gezielt zu meiden oder zu reduzieren. Eine solche Allergie sollte aber zuvor ärztlich abgeklärt und möglichst durch einen Provokationstest bestätigt werden, damit die Ernährung nicht unnötig eingeschränkt wird. [4] Wer ein Ernährungstagebuch führt, kann mögliche Zusammenhänge zwischen Mahlzeiten und Hautreaktionen leichter erkennen und mit der behandelnden Fachperson besprechen.
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden stark sind, sich verschlechtern, mit der bisherigen Pflege nicht beherrschbar sind oder Anzeichen einer Hautinfektion auftreten. Da die Hautbarriere bei Neurodermitis gestört ist, kann es leichter zu Infektionen kommen – etwa mit dem Bakterium Staphylococcus aureus, das die Beschwerden verstärken kann. [4]
Sicherheitshinweis: Wenn sich die Haut stark rötet, nässt und gelbliche Krusten bildet, kann eine bakterielle Infektion dahinterstecken. In diesem Fall ist eine ärztliche Abklärung wichtig, da unter Umständen eine Behandlung mit Antibiotika nötig ist. [4]
Auch wenn der Juckreiz den Schlaf raubt, die Lebensqualität stark einschränkt oder die seelische Belastung gross wird, lohnt sich der Gang zur Hautärztin oder zum Hautarzt. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Befund und vom individuellen Verlauf ab; die genannten Möglichkeiten sind deshalb als allgemeine Orientierung zu verstehen.
Neurodermitis-Schulungen vermitteln Wissen und praktische Strategien für den Alltag mit der Erkrankung. In der Schweiz werden solche strukturierten Schulungen für Erwachsene und Jugendliche beispielsweise im Rahmen der Angebote von aha! Allergiezentrum Schweiz und am Inselspital Bern angeboten. [1]
Zu den typischen Inhalten gehören Informationen zur Erkrankung, Anleitung zur richtigen Hautreinigung und -pflege, Hinweise zur Vermeidung von Auslösern, Strategien gegen das Kratzen sowie Entspannungstechniken. Weil Neurodermitis mit Schlafmangel, anhaltendem Juckreiz und psychischer Belastung einhergehen kann, können begleitend auch Entspannungsverfahren oder psychologische Unterstützung hilfreich sein. Ziel ist es, den Umgang mit der Erkrankung im Alltag zu erleichtern und Schübe besser zu bewältigen.
Wenn du unsicher bist, welche Behandlung oder Pflege zu deiner Haut passt, oder wenn deine Beschwerden zunehmen, ist eine dermatologische Abklärung der nächste Schritt. Eine fachliche Begleitung hilft, einen individuellen Behandlungsplan zu finden und Auslöser gezielt anzugehen.
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Ist Neurodermitis bei Erwachsenen heilbar?
Nein, Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung und nicht heilbar. Die Beschwerden lassen sich aber mit konsequenter Basispflege, entzündungshemmenden Mitteln und bei Bedarf weiteren Therapien oft deutlich lindern. Viele Betroffene erleben beschwerdearme Phasen, die mit dauerhafter Hautpflege und dem Meiden persönlicher Auslöser unterstützt werden können. [2][4]
Ist Neurodermitis ansteckend?
Nein, Neurodermitis ist nicht ansteckend. Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, an deren Entstehung eine erbliche Veranlagung, eine gestörte Hautbarriere und entzündliche Prozesse beteiligt sind. [1][4] Sie wird also nicht durch Kontakt übertragen, sondern entsteht durch das Zusammenspiel innerer und äusserer Faktoren.
Kann Neurodermitis im Erwachsenenalter erstmals auftreten?
Ja, das ist möglich, aber selten. Meist beginnt die Erkrankung im Säuglings- oder Kindesalter. Tritt sie erstmals bei Erwachsenen auf, sind häufig die Hände betroffen. [4] Auch eine zwischenzeitlich verschwundene Neurodermitis kann im Erwachsenenalter erneut aufflammen.
Welche Creme hilft bei Neurodermitis?
Grundlage ist eine rückfettende, feuchtigkeitsspendende Basispflege ohne reizende Inhaltsstoffe, die mehrmals täglich aufgetragen wird. [4] Bei akuten Schüben verordnen Hautärztinnen und -ärzte zusätzlich entzündungshemmende Wirkstoffe wie Kortison oder Calcineurin-Inhibitoren. [2] Welche Produkte und Wirkstoffe passen, hängt vom Hautzustand ab und sollte ärztlich abgestimmt werden.
Hilft eine bestimmte Diät gegen Neurodermitis?
Eine spezielle Neurodermitis-Diät gibt es nicht, und Lebensmittel sollten nicht ohne Grund gemieden werden. Nur wenn eine Nahrungsmittelallergie ärztlich bestätigt ist, kann das gezielte Meiden der auslösenden Lebensmittel sinnvoll sein. [4] Für die meisten Betroffenen ist eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung die beste Basis.
[1] aha! Allergiezentrum Schweiz, Neurodermitis (atopisches Ekzem/atopische Dermatitis), https://www.aha.ch/allergiezentrum-schweiz/info-zu-allergien/ekzem-hautreaktion/neurodermitis-atopische-dermatitis-ekzem
[2] Werfel T. et al., 2024, S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (Teil 1 und Teil 2), JDDG – Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft / AWMF-Register-Nr. 013-027, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-027
[3] van Zuuren E.J. et al., 2017, Emollients and moisturisers for eczema, Cochrane Database of Systematic Reviews, https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD012119.pub2/full
[4] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de, Neurodermitis bei Babys, Kleinkindern und Erwachsenen sowie Lichttherapie, Tabletten und Spritzen, https://www.gesundheitsinformation.de/neurodermitis-bei-babys-kleinkindern-und-erwachsenen.html
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