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Achillessehnenentzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Achillessehnenentzündung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein ziehender Schmerz an der Rückseite der Ferse, der morgens beim Loslaufen besonders deutlich ist – dahinter steckt häufig eine gereizte Achillessehne. Die Beschwerde betrifft oft sportlich aktive Menschen, kann aber auch im Alltag und bei wenig Bewegung auftreten. Dieser Ratgeber erklärt, wie eine Achillessehnenreizung entsteht, woran du sie erkennst, was du selbst tun kannst und welche Rolle gezieltes Training und Physiotherapie spielen.

Was ist eine Achillessehnenentzündung?

Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt beim Gehen, Laufen und Abstossen grosse Kräfte. Wird sie dauerhaft überlastet, kann sie schmerzhaft reagieren. Diese Beschwerde wird oft „Achillessehnenentzündung" oder fachlich Achillodynie genannt. [1]

Wichtig zur Einordnung: Bei länger bestehenden Beschwerden liegt meist gar keine klassische Entzündung vor, sondern eine Reizung und ein Umbau des Sehnengewebes durch Überlastung – fachlich Tendinopathie. [1] Diese Unterscheidung ist mehr als ein Wortspiel, denn sie beeinflusst, welche Behandlung sinnvoll ist.

Gut zu wissen: Die Begriffe „Achillessehnenentzündung", „Achillodynie" und „Achillessehnen-Tendinopathie" werden oft gleichbedeutend verwendet. Gemeint ist in der Regel eine überlastungsbedingte, schmerzhafte Reizung der Sehne – nicht zwingend eine akute Entzündung im engeren Sinn. [1]

Wer ist betroffen?

Eine gereizte Achillessehne tritt besonders häufig bei sportlich aktiven Menschen auf, vor allem bei Laufsportarten und Aktivitäten mit vielen Sprüngen oder schnellen Richtungswechseln. [1] „Grösstenteils Sportler" greift als Aussage aber zu kurz: Auch eine plötzliche Steigerung der Belastung, ungewohnte Aktivitäten, Fehlstellungen der Beinachse oder eine sitzende Lebensweise können eine Rolle spielen. [1] Die Beschwerde ist also nicht auf Leistungssportler:innen beschränkt.

Woran erkennt man eine gereizte Achillessehne?

Typisch ist ein Schmerz an der Rückseite der Ferse, im Bereich der Achillessehne. Häufige Merkmale sind:

  • Schmerzen, die zu Beginn einer Belastung auftreten und im Verlauf oft etwas nachlassen [1]
  • ein Anlaufschmerz nach Ruhephasen, etwa morgens bei den ersten Schritten [1]
  • Druckempfindlichkeit und teils eine tastbare Verdickung der Sehne, häufig einige Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes [1]

Bei länger anhaltenden Beschwerden können die Schmerzen auch in Ruhe auftreten. Eine unbehandelte, dauerhaft überlastete Sehne kann mit der Zeit verschleissen, was das Gewebe schwächt. [1]

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose erfolgt überwiegend klinisch, also anhand der Schilderung der Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. [1] Aufschlussreich sind der typische Schmerzverlauf, die Druckempfindlichkeit entlang der Sehne und gezielte Funktionstests.

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) sind nicht immer nötig und kommen vor allem bei unklaren Befunden, ausbleibender Besserung oder dem Verdacht auf einen Sehnenriss zum Einsatz. Ein plötzlicher, heftiger Schmerz mit einem hör- oder spürbaren Schnappen und der Unfähigkeit, sich abzustossen, kann auf einen Riss der Achillessehne hindeuten – ein Fall für rasche ärztliche Abklärung. [1]

Was hilft bei einer Achillessehnenentzündung?

Die Behandlung ist in den allermeisten Fällen konservativ, also ohne Operation. [1] Im Mittelpunkt stehen die Anpassung der Belastung und gezieltes Training der Sehne.

Häufig empfohlene Bausteine sind:

  • Belastungsanpassung: schmerzauslösende Aktivitäten vorübergehend reduzieren, statt komplett zu pausieren; schonendere Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen kann oft beibehalten werden [1]
  • Gezieltes Krafttraining der Wadenmuskulatur: insbesondere exzentrische Übungen, bei denen die Sehne unter kontrollierter Dehnung belastet wird [1][2]
  • Ergänzende Massnahmen: zeitweise Fersenkissen oder Einlagen sowie bei Bedarf schmerzlindernde Massnahmen [1]

Fachgesellschaften und Studien stützen vor allem den Stellenwert von Belastungsübungen: Eine Auswertung mehrerer randomisierter Studien zeigt, dass aktive Belastungsprogramme passiven Massnahmen überlegen sind; ob ein bestimmtes Übungsprotokoll klar besser ist als ein anderes, lässt sich nach aktueller Datenlage jedoch nicht eindeutig sagen. [2][3] Wichtig zu wissen: Solche Programme brauchen Geduld – eine spürbare Besserung stellt sich meist über mehrere Wochen bis Monate ein. [1]

Eine Operation kommt nur selten infrage, etwa wenn eine konsequente konservative Behandlung über Monate keine Besserung bringt oder die Sehne stark geschädigt ist. [1]

Welche Rolle spielt die Physiotherapie?

Die Physiotherapie ist bei einer gereizten Achillessehne ein zentraler Baustein – gerade weil die wirksamste Behandlung in einem gut angeleiteten, schrittweise gesteigerten Training besteht.

Typische Ansatzpunkte sind:

  • Belastungsaufbau: angeleitetes, dosiertes Krafttraining der Wadenmuskulatur, insbesondere exzentrische Übungen, mit langsam steigender Belastung [1][2]
  • Beweglichkeit: Dehnung und Mobilisation von Wade und Sprunggelenk
  • Technik- und Belastungsberatung: Hinweise zu Trainingsumfang, Schuhwerk und zum schrittweisen Wiedereinstieg in den Sport
  • Begleitung über die Zeit: Anpassen der Übungen an den Heilungsverlauf über mehrere Wochen bis Monate

Welche Übungen, welche Intensität und welches Tempo sinnvoll sind, hängt vom Befund ab. Da unpassend dosiertes Training Beschwerden auch verstärken kann, ist eine fachliche Anleitung hilfreicher als ein pauschales Übungsprogramm.

Was tun bei anhaltenden Schmerzen an der Achillessehne?

Wer über mehrere Wochen Schmerzen an der Achillessehne hat, bei wem die Beschwerden trotz Belastungsanpassung nicht nachlassen oder zunehmen, sollte den Fuss ärztlich abklären lassen. Das gilt besonders, wenn die Schmerzen auch in Ruhe auftreten. Ein plötzlicher, heftiger Schmerz mit einem Schnappgefühl und der Unfähigkeit, aufzutreten oder sich abzustossen, erfordert eine rasche ärztliche Abklärung, um einen Sehnenriss auszuschliessen. [1]

Wenn die Ursache geklärt ist und es um ein gezieltes, schrittweise gesteigertes Trainingsprogramm und die Begleitung über mehrere Wochen geht, ist die Physiotherapie eine sinnvolle Anlaufstelle. In der Schweiz wird sie bei ärztlicher Verordnung in der Regel über die Grundversicherung abgerechnet; Details zur Kostenübernahme klärst du am besten direkt mit deiner Versicherung.

Auf Physiotherapievergleich.ch findest du Physiotherapie-Anbieter:innen in deiner Region. Du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren, um die Behandlung deiner Achillessehnenbeschwerden zu begleiten.

Häufige Fragen zur Achillessehnenentzündung

Ist eine Achillessehnenentzündung wirklich eine Entzündung?

Oft nicht im klassischen Sinn. Bei länger bestehenden Beschwerden liegt meist eine überlastungsbedingte Reizung und ein Umbau des Sehnengewebes vor (Tendinopathie), nicht eine akute Entzündung. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie die Wahl der Behandlung beeinflusst – etwa den Stellenwert von Belastungsübungen gegenüber rein entzündungshemmenden Massnahmen. [1]

Darf ich mit einer Achillessehnenreizung weiter Sport machen?

Häufig ist eine angepasste Bewegung möglich und sogar sinnvoll, da gezielte Belastung die Sehne kräftigt. Schmerzauslösende Aktivitäten mit Sprüngen oder schnellen Richtungswechseln sollten reduziert, schonendere Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen kann oft beibehalten werden. Wie viel Belastung sinnvoll ist, sollte individuell abgestimmt werden. [1]

Welche Übungen helfen bei Achillessehnenschmerzen?

Als wichtigster Baustein gilt gezieltes Krafttraining der Wadenmuskulatur, vor allem exzentrische Übungen, bei denen die Sehne unter kontrollierter Dehnung belastet wird. Solche Programme wirken über mehrere Wochen bis Monate. Eine fachliche Anleitung hilft, die Übungen richtig und passend dosiert auszuführen. [1][2]

Wie lange dauert die Heilung?

Das ist individuell unterschiedlich. Bei einer überlastungsbedingten Reizung ist oft mit einer Besserung über mehrere Wochen bis Monate zu rechnen, sofern das Belastungsprogramm konsequent durchgeführt wird. Der Verlauf hängt von Schweregrad und Ursachen ab. [1][2]

Wann sollte ich zur Ärztin oder zum Arzt?

Bei Schmerzen, die über Wochen anhalten, sich trotz Belastungsanpassung verschlechtern oder in Ruhe auftreten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Ein plötzlicher heftiger Schmerz mit Schnappgefühl und der Unfähigkeit, aufzutreten, sollte rasch untersucht werden, um einen Sehnenriss auszuschliessen. [1]

Quellen

[1] MSD Manual, Profi-Ausgabe, 2025, Achillessehnen-Tendinopathie, https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-des-rheumatischen-formenkreises-und-des-bewegungsapparats/erkrankungen-der-f%C3%BC%C3%9Fe-und-sprunggelenke/achillessehnen-tendinopathie

[2] Maetz R. et al., 2023, Systematic Review and Meta-analyses of RCTs Comparing Exercise Loading Protocols With Passive Treatment Modalities for Midportion Achilles Tendinopathy, Orthopaedic Journal of Sports Medicine (SAGE), https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/23259671231171178

[3] Murphy M. C. et al., 2023, Eccentric exercise is more effective than other exercises in the treatment of mid-portion Achilles tendinopathy: systematic review and meta-analysis, PMC, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9878810/

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