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Frozen Shoulder: Symptome, Ursachen und Behandlung der Schultersteife

Frozen Shoulder: Symptome, Ursachen und Behandlung der Schultersteife

Eine Frozen Shoulder – auf Deutsch Schultersteife oder medizinisch adhäsive Kapsulitis – ist eine schmerzhafte Erkrankung, bei der die Schulter über Monate zunehmend steif und unbeweglich wird. Charakteristisch ist, dass sich die Beschwerden in mehreren Phasen entwickeln und der Verlauf insgesamt lange dauern kann. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Symptome typisch sind, welche Ursachen dahinterstecken können, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Was ist eine Frozen Shoulder?

Eine Frozen Shoulder ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung des Schultergelenks, bei der sich die Gelenkkapsel entzündet, verdickt und schrumpft. Dadurch verliert die Schulter nach und nach an Beweglichkeit – sowohl bei aktiven Bewegungen als auch dann, wenn jemand anderes den Arm bewegt [1]. Die genauen Vorgänge sind noch nicht vollständig geklärt; eine zentrale Rolle spielen Entzündung, Vernarbung (Fibrose) und das Schrumpfen der Gelenkkapsel [1].

Mediziner:innen unterscheiden zwei Formen:

  • Primäre (idiopathische) Schultersteife: Sie entsteht ohne erkennbaren Auslöser und tritt als eigenständige Erkrankung auf.
  • Sekundäre Schultersteife: Sie lässt sich auf andere Ursachen zurückführen, etwa eine Verletzung, eine Operation oder eine Vorerkrankung der Schulter.

Betroffen sind vor allem Menschen zwischen etwa 40 und 60 Jahren, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer [4]. Auch Menschen mit Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko [4].

Welche Symptome treten in den drei Phasen auf?

Eine Frozen Shoulder verläuft typischerweise in drei aufeinanderfolgenden Phasen, die jeweils von unterschiedlichen Beschwerden geprägt sind [1][4]. Die Übergänge sind fliessend, und die Dauer kann von Person zu Person stark variieren. Die drei Phasen im Überblick:

  • Einfrieren ("Freezing"): Im Vordergrund stehen zunehmende Schmerzen, auch in Ruhe und nachts; die Beweglichkeit nimmt langsam ab. Die typische Dauer liegt bei etwa 6 Wochen bis 9 Monaten.
  • Gefroren ("Frozen"): Die Schmerzen lassen nach, die Steifheit bleibt; Alltagsbewegungen sind stark erschwert. Diese Phase dauert typischerweise etwa 4 bis 6 Monate.
  • Auftauen ("Thawing"): Die Beweglichkeit kehrt allmählich zurück. Die typische Dauer reicht von mehreren Monaten bis zu Jahren.

In der ersten Phase stehen oft plötzlich einsetzende Schmerzen im Vordergrund, die unabhängig von Bewegung auftreten und nachts häufig stärker werden. Mit fortschreitender Erkrankung treten die Schmerzen in den Hintergrund, während die Steifheit zunimmt: In der zweiten Phase sind alltägliche Bewegungen wie das Anziehen einer Jacke oder das Greifen nach einem Gegenstand deutlich erschwert [4]. In der dritten Phase bessert sich die Beweglichkeit langsam wieder. Eine vollständige oder nahezu vollständige Wiederherstellung von Beweglichkeit und Kraft kann jedoch insgesamt mehrere Monate bis Jahre in Anspruch nehmen [4].

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Bei der primären Form ist keine eindeutige Ursache bekannt – die genauen Mechanismen sind bislang nicht abschliessend geklärt [1]. Beobachtet wird, dass bestimmte Faktoren das Risiko erhöhen. Dazu zählen Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, eine längere Ruhigstellung der Schulter sowie frühere Schulterverletzungen [1][4].

Die sekundäre Schultersteife wird durch andere Auslöser begünstigt. Mögliche Faktoren sind:

  • Vorerkrankungen im Schulterbereich, etwa eine Kalkschulter oder eine Arthrose
  • Verletzungen oder Unfälle rund um das Schultergelenk
  • Operationen an der Schulter
  • eine längere Ruhigstellung des Arms

Gerade weil eine längere Immobilisierung die Versteifung begünstigen kann, ist es nach Verletzungen oder Eingriffen sinnvoll, die Beweglichkeit der Schulter in Absprache mit der behandelnden Fachperson frühzeitig zu erhalten [1].

Wie wird eine Frozen Shoulder diagnostiziert?

Die Diagnose stützt sich in erster Linie auf das Gespräch und die körperliche Untersuchung. Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, die bei Bedarf an eine orthopädische Fachperson überweist. Typisch ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung, die besonders die Aussenrotation betrifft und auch dann bestehen bleibt, wenn die Fachperson den Arm passiv bewegt [1].

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen die Schultersteife selbst oft nicht direkt. Sie dienen vor allem dazu, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschliessen – etwa eine Arthrose, eine Kalkschulter oder einen Sehnenriss [1].

Gut zu wissen: Eine typische Frozen Shoulder entwickelt sich meist schrittweise und ist in der Regel kein medizinischer Notfall [1]. Plötzliche starke Schmerzen, Beschwerden nach Unfall, sichtbare Fehlstellung, Fieber, Rötung, Überwärmung oder ein deutlich krankes Allgemeingefühl sollten jedoch rasch ärztlich abgeklärt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Im Vordergrund stehen konservative, also nicht-operative Massnahmen, die sich nach der jeweiligen Phase der Erkrankung richten. Ein wichtiger Baustein ist die Physiotherapie mit Fokus auf der Beweglichkeit der Schulter [4].

In der schmerzhaften ersten Phase geht es vor allem darum, die Beschwerden zu lindern. Dabei können zum Einsatz kommen:

  • entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente (sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika)
  • in manchen Fällen Kortisonspritzen in das Gelenk, um die Entzündung zu dämpfen
  • begleitende Massnahmen wie Wärme- oder Kälteanwendungen

Sobald die Schmerzen nachlassen, gewinnt die schrittweise Mobilisation an Bedeutung, um die Beweglichkeit zurückzugewinnen. Entscheidend ist die passende Dosierung: In der schmerzhaften Einfrierphase sollten aggressive Dehnungen und forcierte Mobilisation vermieden werden. Übungen sollten vorsichtig, kontrolliert und möglichst im schmerzarmen Bereich ausgeführt werden. In späteren Phasen kann die Mobilisation schrittweise gesteigert werden, angepasst an Schmerzlevel, Beweglichkeit und Belastbarkeit [1].

Eine Operation – etwa das arthroskopische Lösen der verklebten Kapsel – kommt nur in seltenen Fällen infrage, wenn konservative Massnahmen über längere Zeit nicht ausreichend wirken. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der Phase, den Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen ab und wird individuell mit der behandelnden Fachperson entschieden.

Wie können Physiotherapie und Osteopathie unterstützen?

Bewegungs- und manuelle Therapien gehören zu den am häufigsten eingesetzten Behandlungsformen bei einer Frozen Shoulder. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit zu manueller Therapie und Bewegungsübungen kam allerdings zu dem Schluss, dass die Belege für ihren Nutzen als alleinige Massnahme begrenzt sind [2]. In der Praxis werden sie deshalb häufig mit weiteren Bausteinen wie Schmerzmedikation oder Injektionen kombiniert.

Gerade in der Phase, in der die Steifheit überwiegt, kann eine begleitete Bewegungstherapie helfen, die Beweglichkeit Schritt für Schritt zu verbessern. Eine fachliche Anleitung ist dabei hilfreich, um die Übungen richtig zu dosieren und Überlastungen zu vermeiden. Ergänzend führst du Übungen in der Regel zu Hause selbstständig weiter.

Eine fachliche Begleitung kann besonders in der Physiotherapie sinnvoll sein, um Beweglichkeit und Belastbarkeit schrittweise aufzubauen. Osteopathie kann je nach Beschwerdebild ergänzend eingesetzt werden, etwa wenn begleitende Spannungsmuster oder Bewegungseinschränkungen im Schultergürtel eine Rolle spielen. Sie ersetzt jedoch kein individuell angepasstes Bewegungsprogramm.

Wenn du bei Schulterschmerzen oder Schultersteife fachliche Unterstützung suchst, kann eine persönliche Beratung helfen, ein zu deiner Situation passendes Vorgehen zu finden. Auf truVuna findest du osteopathische Praxen in deiner Nähe – vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Praxen direkt.

Wie ist die Prognose und wie lange dauert es?

Eine Frozen Shoulder bessert sich in den meisten Fällen mit der Zeit, der Verlauf zieht sich aber oft über einen langen Zeitraum hin. Vom Beginn bis zur weitgehenden Erholung können mehrere Monate bis zu zwei oder drei Jahre vergehen [2][4]. In einzelnen Fällen bleibt eine leichte Bewegungseinschränkung dauerhaft bestehen.

Die lange Dauer und die zeitweise starken Schmerzen können den Alltag und die Arbeitsfähigkeit deutlich belasten, vor allem wenn der Beruf körperlich fordernd ist oder Überkopfarbeiten umfasst [4]. Eine realistische Einordnung des Verlaufs hilft, Geduld aufzubringen und die Behandlung über die verschiedenen Phasen hinweg konsequent fortzuführen.

Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?

Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Schulterschmerzen und eine zunehmende Bewegungseinschränkung über mehrere Wochen anhalten oder sich verschlimmern. Da Schulterbeschwerden viele Ursachen haben können, lässt sich so klären, ob tatsächlich eine Schultersteife vorliegt oder eine andere Erkrankung [1]. Auch wenn die Beschwerden nach einer Verletzung oder Operation auftreten, ist eine frühzeitige Einschätzung ratsam, um einer weiteren Versteifung entgegenzuwirken.

Sicherheitshinweis: Suche rasch ärztliche Hilfe, wenn plötzlich starke Schulterschmerzen auftreten, die Beschwerden nach einem Sturz oder Unfall begonnen haben, die Schulter sichtbar fehlgestellt ist oder der Verdacht auf eine ausgekugelte Schulter besteht. Auch starke Schwellung, Rötung, Überwärmung, Fieber, ein deutlich krankes Allgemeingefühl, neu auftretender deutlicher Kraftverlust oder die Unfähigkeit, den Arm anzuheben, sollten zeitnah abgeklärt werden.

Häufige Fragen zur Frozen Shoulder

Wie lange dauert eine Frozen Shoulder?

Der gesamte Verlauf zieht sich meist über mehrere Monate bis zu zwei oder drei Jahre hin und gliedert sich in drei Phasen [2][4]. Die Dauer der einzelnen Phasen ist individuell unterschiedlich. In den meisten Fällen bessert sich die Beweglichkeit mit der Zeit, in seltenen Fällen bleibt eine leichte Einschränkung zurück.

Ist eine Frozen Shoulder psychosomatisch bedingt?

Bei der primären Form ist die genaue Ursache nicht geklärt [1]. Ein gesicherter psychosomatischer Auslöser ist nicht belegt. Klar ist hingegen, dass die langwierigen Beschwerden und die zeitweise starken Schmerzen psychisch belastend sein können. Bei der Einordnung der Ursachen hilft eine ärztliche Abklärung.

Welche Bewegung ist bei einer Frozen Shoulder typisch eingeschränkt?

Charakteristisch ist eine schmerzhafte Einschränkung vor allem der Aussenrotation, die auch bei passiver Bewegung durch eine andere Person bestehen bleibt [1]. Dieses Muster unterscheidet die Schultersteife von manchen anderen Schultererkrankungen und ist ein wichtiger Hinweis bei der Untersuchung.

Geht eine Frozen Shoulder von selbst weg?

In vielen Fällen bessert sich eine Frozen Shoulder im Verlauf deutlich, auch ohne Operation [4]. Der Prozess kann sich jedoch über Monate bis Jahre hinziehen, und bei einem Teil der Betroffenen bleiben leichte Einschränkungen zurück. Eine Behandlung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu erhalten beziehungsweise zurückzugewinnen. Welche Massnahmen sinnvoll sind, hängt von der Phase ab.

Kann ich mit einer Frozen Shoulder arbeiten?

Das hängt stark von den Beschwerden und von der beruflichen Belastung ab. Vor allem in der schmerzhaften und der steifen Phase können Alltagsbewegungen und Überkopfarbeiten deutlich erschwert sein [4]. Wie stark die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, sollte individuell mit der behandelnden Fachperson besprochen werden.

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE), 2022, S2e-Leitlinie Schultersteife (AWMF-Register Nr. 187-020), AWMF, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-020

[2] Page MJ, Green S, Kramer S, Johnston RV, McBain B, Chau M, Buchbinder R, 2014, Manual therapy and exercise for adhesive capsulitis (frozen shoulder), Cochrane Database of Systematic Reviews, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10882424/

[3] Mezian K, Coffey R, Chang KV, StatPearls, 2025, Adhesive Capsulitis (Frozen Shoulder), NCBI Bookshelf, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK532955/

[4] American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS), OrthoInfo, Frozen Shoulder (Adhesive Capsulitis), https://orthoinfo.aaos.org/en/diseases--conditions/frozen-shoulder

[5] Dehlinger F et al., 2023, Die S2e-Leitlinie Schultersteife, Obere Extremität (Thieme), https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2123-4952

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