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Humane Papillomviren sind eine grosse Gruppe von Viren, die Haut oder Schleimhäute befallen können. Es gibt über hundert verschiedene Typen [4]. Die meisten von ihnen sind harmlos, einige wenige sogenannte Hochrisiko-Typen können jedoch Krebs auslösen [1]. Das Wort «human» weist darauf hin, dass diese Viren von Mensch zu Mensch übertragen werden.
Eine Ansteckung ist sehr häufig: Schätzungen zufolge infizieren sich mehr als 70 Prozent der sexuell aktiven Personen im Lauf ihres Lebens mit HPV [3][4]. Besonders betroffen sind die 16- bis 25-Jährigen, weil das Infektionsrisiko zu Beginn der sexuellen Aktivität am höchsten ist und mit der Zahl der Sexualpartner:innen steigt [1].
HPV werden vor allem durch sexuellen Kontakt übertragen – über vaginalen, oralen und analen Geschlechtsverkehr [1]. Für eine Ansteckung kann bereits enger Haut- oder Schleimhautkontakt im Genitalbereich ausreichen; je nach Sexualpraxis gelangen die Viren auch in den Hals-Rachen-Raum [1][4]. Bei Warzen der Haut, etwa an Händen oder Füssen, genügt ein einfacher Hautkontakt [4].
Das Infektionsrisiko durch genitale HPV ist praktisch null, solange keine sexuellen Kontakte stattfinden, und steigt mit zunehmender Zahl der Sexualpartner:innen rasch an [4]. HPV zählen in der Schweiz und weltweit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen [4].
Die meisten HPV-Infektionen verlaufen ohne Symptome: Rund zwei Drittel zeigen keinerlei Beschwerden und heilen unbemerkt wieder ab [1]. Wenn Beschwerden auftreten, können das je nach Virustyp Genitalwarzen (Feigwarzen) oder Wucherungen im Genital- und Analbereich sein.
Weil viele Infektionen unbemerkt bleiben und sich Krebsvorstufen über Jahre still entwickeln können, sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Bei einer fortdauernden Infektion mit einem Hochrisiko-Typ kann sich über die Zeit eine Krebsvorstufe und daraus eine Krebserkrankung entwickeln [1].
Hochrisiko-Typen von HPV werden mit der Entstehung mehrerer Krebsarten in Verbindung gebracht, am häufigsten mit Gebärmutterhalskrebs [1]. Daneben können HPV auch an Krebs am Anus, am Penis sowie im Mund- und Rachenraum beteiligt sein [1]. Niedrigrisiko-Typen lösen dagegen eher harmlose Genitalwarzen aus.
Die krebsauslösenden HPV-Typen sind laut Bundesamt für Gesundheit für über 90 Prozent der Krebserkrankungen am Gebärmutterhals, rund 80 Prozent am Anus und etwa 20 Prozent im Rachenbereich verantwortlich [1]. In der Schweiz werden pro Jahr rund 250 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs sowie mehrere Tausend Fälle von HPV-bedingten Krebsvorstufen diagnostiziert [1]. Gebärmutterhalskrebs ist bei Frauen zwischen 20 und 49 Jahren die fünfthäufigste Krebsart in der Schweiz [1]. Nach Schätzungen sind in der Schweiz jährlich mehr als 5'000 Frauen mit der Diagnose einer Krebsvorstufe am Gebärmutterhals konfrontiert, und rund 80 Frauen sterben pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs [4].
Grundsätzlich kann sich jeder Mensch mit HPV anstecken und die Viren weitergeben. Schwere HPV-bedingte Erkrankungen werden zwar bei Frauen häufiger beobachtet, doch auch Männer können erkranken – etwa an Analkrebs oder Krebs im Mund-Rachen-Raum [1].
Eine HPV-bedingte Veränderung am Gebärmutterhals wird in der Schweiz vor allem über den Zervixabstrich (PAP-Test) zur Früherkennung erkannt. Dieser Test ist seit den 1970er-Jahren etabliert und wird bei unauffälligem Befund regelmässig empfohlen [1]. Je nach Befund können sich weitere Untersuchungen anschliessen [1].
Genitalwarzen und Krebsvorstufen können – sofern sie bemerkt werden – ärztlich entfernt werden, in der Regel mit einem chirurgischen Verfahren [1]. Dabei gilt: Je früher eine Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen [1]. Der PAP-Test selbst kann eine Infektion nicht verhindern; er dient der Früherkennung [1].
Die HPV-Impfung kann vor einer Infektion mit den wichtigsten krebsauslösenden Virustypen schützen. Der heute verwendete Impfstoff schützt vor neun HPV-Typen, von denen sieben krebsauslösend und zwei hauptsächlich für Genitalwarzen verantwortlich sind [1].
Die Evidenz dafür ist solide: Ein Cochrane-Review kommt auf Basis hochwertiger Evidenz zum Schluss, dass HPV-Impfungen Krebsvorstufen am Gebärmutterhals deutlich reduzieren – besonders bei Personen, die vor einer Ansteckung geimpft wurden [2]. Den grössten Nutzen bringt die Impfung daher, wenn sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen ist; gegen eine bereits bestehende Infektion wirkt sie nicht [3]. Sie schützt aber weiterhin vor jenen abgedeckten Typen, mit denen sich eine Person noch nicht angesteckt hat [3]. Nach Schätzungen von Infovac könnten sich durch die HPV-Impfung in der Schweiz pro Jahr rund 300 neue Krebsfälle bei Frauen und 80 bis 180 bei Männern vermeiden lassen [4].
Gut zu wissen: Auch nach einer HPV-Impfung bleibt die Früherkennung mit dem PAP-Test wichtig. Die heutigen Impfstoffe decken nicht sämtliche krebsauslösenden HPV-Typen ab, weshalb regelmässige gynäkologische Kontrollen weiterhin empfohlen werden [1].
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfehlen die HPV-Impfung generell allen Jugendlichen im Alter von 11 bis 14 Jahren [1]. Auch für 15- bis 26-Jährige ist die Impfung sinnvoll und wird in diesem Alter als Nachholimpfung empfohlen [1]. Hintergrund der frühen Empfehlung: Der Schutz ist am grössten, wenn die Impfung vor Beginn der sexuellen Aktivität abgeschlossen ist [3].
Die Zahl der nötigen Dosen hängt vom Alter ab. Wird die Impfung vor dem 15. Geburtstag begonnen, genügen in der Regel zwei Dosen im Abstand von mehreren Monaten; ab dem 15. Geburtstag sind grundsätzlich drei Dosen vorgesehen [4]. Welches Schema im Einzelfall passt, klärst du am besten mit der Ärztin oder dem Arzt ab [1].
Die Empfehlungen unterscheiden sich nach Altersgruppe: Für alle Jugendlichen von 11 bis 14 Jahren gilt die HPV-Impfung als empfohlene Impfung, meist mit zwei Dosen [1][4]. Im Alter von 15 bis 26 Jahren wird sie als Nachholimpfung empfohlen, in der Regel mit drei Dosen [1][4]. Ab 27 Jahren ist die Impfung eine individuelle Entscheidung, die je nach Situation gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen wird [1]. Diese Angaben bieten eine erste Orientierung und ersetzen keine persönliche Beratung.
Männer können sich ebenso anstecken und HPV weitergeben. Deshalb ist die Impfung auch für Jungen und junge Männer relevant – Schutzmassnahmen beim Sexualverkehr und Routineuntersuchungen sind für beide Geschlechter wichtig [1].
Die HPV-Impfung gilt international als sehr gut untersucht und sicher. Das Global Advisory Committee on Vaccine Safety der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft HPV-Impfstoffe nach Auswertung von über 270 Millionen verabreichten Dosen als sehr sicher ein [5]. Schwere Reaktionen wie eine allergische Sofortreaktion (Anaphylaxie) sind mit rund 1,7 Fällen pro Million Dosen sehr selten; kurze Ohnmachten unmittelbar nach der Impfung gelten als stress- und angstbedingte Reaktion auf die Injektion und nicht als spezifischer Impfstoffeffekt [5].
Häufigere, gut bekannte Nebenwirkungen sind Schmerzen oder Entzündungszeichen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Fieber und grippeähnliche Beschwerden, die sich in der Regel von selbst zurückbilden [3]. Swissmedic, BAG und EKIF bewerten das Nutzen-Risiko-Verhältnis der zugelassenen Impfstoffe als positiv [3]. Nach Angaben der Schweizer Informationsplattform Infovac wurde bislang kein Todesfall durch eine HPV-Impfung verursacht [4].
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn du Warzen oder Wucherungen im Genital- oder Analbereich bemerkst, anhaltende Beschwerden hast oder Fragen zur Impfung und Vorsorge klären möchtest. Da viele HPV-Infektionen unbemerkt verlaufen, sind regelmässige Kontrolluntersuchungen ein wichtiger Baustein der Früherkennung [1]. Bei spezifischen Fragen zu Impfung, Diagnostik oder Nachsorge wendest du dich am besten an die Hausärztin, den Hausarzt oder an die Gynäkologie [1].
Feigwarzen und andere Hautveränderungen werden auch in der Dermatologie abgeklärt und behandelt. Eine persönliche Beratung hilft dir, die Situation richtig einzuordnen und das weitere Vorgehen auf dich abzustimmen.
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Sind humane Papillomviren immer gefährlich?
Nein, die meisten HPV-Typen sind harmlos, und rund zwei Drittel der Infektionen verlaufen ohne Symptome und heilen unbemerkt ab [1]. Gefährlich sind vor allem die sogenannten Hochrisiko-Typen: Bleibt eine Infektion mit ihnen über längere Zeit bestehen, kann sich daraus eine Krebsvorstufe und später eine Krebserkrankung entwickeln [1].
Können sich auch Männer mit HPV infizieren?
Ja, grundsätzlich kann sich jeder Mensch mit HPV anstecken und die Viren weitergeben [1]. Schwere HPV-bedingte Erkrankungen werden bei Frauen häufiger beobachtet, doch auch Männer können betroffen sein, etwa von Analkrebs oder Krebs im Mund-Rachen-Raum [1]. Schutzmassnahmen und Vorsorge sind deshalb für beide Geschlechter wichtig.
Schützt die HPV-Impfung zu 100 Prozent vor Gebärmutterhalskrebs?
Nein, die heutigen Impfstoffe decken nicht sämtliche krebsauslösenden HPV-Typen ab [1]. Die Impfung senkt das Risiko deutlich, ersetzt aber die Früherkennung nicht: Der PAP-Test wird auch nach einer Impfung weiterhin empfohlen [1]. Studien belegen, dass die Impfung Krebsvorstufen am Gebärmutterhals deutlich reduzieren kann [2].
Was kostet die HPV-Impfung in der Schweiz?
Im Rahmen der kantonalen Impfprogramme ist die HPV-Impfung für 11- bis 26-Jährige von der Franchise befreit [1]. Je nach Kanton wird sie für die empfohlene Altersgruppe kostenlos angeboten. Für genaue Auskünfte zu deiner Situation fragst du am besten bei deiner Ärztin oder deinem Arzt sowie bei deiner Krankenkasse nach [1].
[1] Bundesamt für Gesundheit (BAG), Humane Papillomaviren (HPV), https://www.bag.admin.ch/de/humane-papillomaviren-hpv
[2] Arbyn M, Xu L, Simoens C, Martin-Hirsch PPL, 2018, Prophylactic vaccination against human papillomaviruses to prevent cervical cancer and its precursors, Cochrane Database of Systematic Reviews, https://swiss.cochrane.org/de/news/kann-eine-hpv-impfung-die-entwicklung-von-gebarmutterhalskrebs-verhindern-und-sind-damit
[3] Swissmedic, Impfstoffe gegen humane Papillomaviren (HPV) – aktualisierte Informationen und Hinweise zur Sicherheit, https://www.swissmedic.ch/swissmedic/en/home/humanarzneimittel/market-surveillance/health-professional-communication--hpc-/archive/impfstoffe-gegen-humane-papillomaviren--hpv---aktualisierte-info.html
[4] Infovac, HPV – humane Papillomaviren: die Krankheit und der Impfstoff, https://www.infovac.ch/de/impfunge/nach-krankheiten-geordnet/hpv
[5] WHO Global Advisory Committee on Vaccine Safety, Safety of HPV vaccines, https://www.who.int/groups/global-advisory-committee-on-vaccine-safety/topics/human-papillomavirus-vaccines/safety
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