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Leistenschmerzen entstehen in der Schwangerschaft vor allem durch die wachsende Gebärmutter und durch hormonelle Veränderungen, die das Bindegewebe weicher machen. Schwangerschaftshormone wie Relaxin und Östrogen lockern Bänder und Gelenke im Beckenbereich, damit sich das Becken auf die Geburt vorbereiten kann [4]. Gleichzeitig dehnt sich die Gebärmutter und übt zunehmend Druck auf umliegende Strukturen aus.
Weil in der Leiste mehrere Strukturen dicht beieinanderliegen – Bänder, Muskeln, Nerven, Gefässe sowie der Leistenkanal –, können ganz unterschiedliche Auslöser ähnliche Beschwerden verursachen. Die gute Nachricht: Die häufigsten Ursachen sind harmlose Begleiterscheinungen der Schwangerschaft. Nur ein kleiner Teil der Beschwerden weist auf etwas hin, das ärztlich abgeklärt werden sollte.
Ja – Mutterbandschmerzen zählen zu den häufigsten Ursachen für ein Ziehen in der Leiste während der Schwangerschaft. Die Mutterbänder halten die Gebärmutter im Becken in Position. Wächst die Gebärmutter, werden sie stärker beansprucht und gedehnt, was sich als ziehender, stechender oder krampfartiger Schmerz im Unterbauch und in der Leiste bemerkbar machen kann [1].
Typischerweise treten solche Dehnungsschmerzen vermehrt ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel auf, oft ein- oder beidseitig, und verstärken sich bei plötzlichen Bewegungen, langem Stehen oder beim Umdrehen im Bett. Sie halten meist nur kurz an und sind in der Regel ungefährlich.
Gut zu wissen: Eines der Mutterbänder – das runde Mutterband – verläuft durch den Leistenkanal bis in die Schamlippen. Genau deshalb können sich diese Dehnungsschmerzen so deutlich in die Leiste hinein bemerkbar machen.
Beckengürtelschmerzen sind Schmerzen im Bereich der Schambeinfuge und der Kreuz-Darmbein-Gelenke, die in die Leiste, den Unterbauch, das Gesäss oder die Oberschenkel ausstrahlen können. Schätzungen zufolge ist etwa eine von fünf Schwangeren von Schmerzen im Bereich des Beckengürtels betroffen [4]. Insgesamt erleben mehr als zwei Drittel der Schwangeren Rückenschmerzen und knapp ein Fünftel Beckenschmerzen [3].
Ursache ist die hormonell bedingte Lockerung des Beckenrings: Die Schambeinfuge (Symphyse) und die umliegenden Bänder werden weicher und beweglicher. Diese sogenannte Symphysen- oder Beckenringlockerung ist ein natürlicher Vorgang, kann aber Beschwerden verursachen. Typische Anzeichen sind Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen, beim Anheben eines Beins oder beim Wechsel der Position – manchmal begleitet von einem unsicheren Gefühl im Becken. In den meisten Fällen bilden sich die Beschwerden nach der Geburt wieder zurück.
Ein Leistenbruch (Leistenhernie) ist als Ursache möglich, bei Frauen insgesamt aber deutlich seltener als bei Männern. Dabei treten Teile des Bauchinhalts durch eine Schwachstelle der Bauchwand im Bereich des Leistenkanals nach vorne. Eine Schwangerschaft kann das Auftreten begünstigen, weil der Druck im Bauchraum steigt [5].
Typisch ist eine tastbare oder sichtbare Vorwölbung in der Leiste, die sich beim Stehen, Husten oder Pressen verstärkt und oft von einem Ziehen oder Druckgefühl begleitet wird [5]. Ein Leistenbruch sollte ärztlich beurteilt werden. Lässt sich eine Vorwölbung nicht mehr zurückdrücken und ist sie stark schmerzhaft, kann es sich um eine Einklemmung handeln – das ist ein Notfall, der rasch behandelt werden muss [5].
Nicht jeder Schmerz in der Leiste hängt direkt mit der Schwangerschaft zusammen. Auch andere Erkrankungen können sich in den Unterbauch- und Leistenbereich projizieren. Dazu zählen unter anderem [1]:
In der frühen Schwangerschaft ist zudem eine Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität) als Ursache von Unterbauch- und Beckenschmerzen wichtig auszuschliessen. Dabei nistet sich die befruchtete Eizelle ausserhalb der Gebärmutter ein, meist im Eileiter [2]. Welche Anzeichen dabei alarmierend sind, liest du im nächsten Abschnitt.
Grundsätzlich gilt: Wenn du unsicher bist oder die Schmerzen dich belasten, sprich sie bei deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme an. Harmlose Dehnungsschmerzen bessern sich meist in Ruhe und halten nur kurz an. Bestimmte Begleitzeichen sollten jedoch zeitnah oder sofort abgeklärt werden.
Eine Eileiterschwangerschaft kann beim Reissen des Eileiters zu starken inneren Blutungen führen und ist ein medizinischer Notfall [2]. Verdächtig sind vor allem in der Frühschwangerschaft starke, oft einseitige Unterbauch- oder Beckenschmerzen, die mit vaginalen Blutungen, Schwindel, Kreislaufproblemen oder Ohnmacht einhergehen [2].
Sicherheitshinweis: Bei plötzlichen, starken oder anhaltenden Schmerzen, bei vaginalen Blutungen, Fieber, Kreislaufproblemen, Ohnmachtsgefühl oder einer nicht zurückdrückbaren, schmerzhaften Vorwölbung in der Leiste solltest du nicht abwarten, sondern umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen oder in der Schweiz den Notruf 144 wählen.
Wichtig ist ausserdem: Greife nicht eigenmächtig zu Schmerzmitteln. Viele Wirkstoffe sind in der Schwangerschaft nur eingeschränkt oder gar nicht geeignet. Eine schmerzlindernde Behandlung sollte immer ärztlich abgesprochen werden.
Bei harmlosen, durch Dehnung oder Beckenlockerung bedingten Beschwerden lässt sich der Alltag mit einfachen Massnahmen oft erleichtern. Bewährt haben sich:
Darüber hinaus deuten Studien darauf hin, dass angepasste Bewegung und gezielte Übungen Rücken- und Beckenbeschwerden in der Schwangerschaft lindern oder ihnen vorbeugen können; die Aussagekraft der Untersuchungen ist allerdings unterschiedlich und insgesamt begrenzt [3][6]. Welche Übungen für dich geeignet sind, klärst du am besten mit einer fachkundigen Begleitung ab – gerade bei Beckengürtelschmerzen kommt es auf eine schonende, individuell passende Ausführung an.
Wenn die Beschwerden anhalten, stark sind oder den Alltag deutlich einschränken, ist zunächst eine Abklärung bei deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme der richtige Schritt. Begleitend kann dann eine Physiotherapie sinnvoll sein – mit sanften, stabilisierenden Übungen, Haltungsschulung und manuellen Techniken. Auch eine osteopathische Behandlung kommt für manche Schwangere ergänzend infrage. Sie ersetzt jedoch weder die ärztliche oder hebammengestützte Betreuung noch ist sie eine Standardbehandlung bei Schwangerschaftsbeschwerden; die wissenschaftliche Beleglage zu manuellen Verfahren in der Schwangerschaft ist insgesamt begrenzt [3]. Wenn du Osteopathie in Erwägung ziehst, achte darauf, dass die behandelnde Person Erfahrung in der Arbeit mit Schwangeren hat, und sprich das Vorgehen idealerweise vorab mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme ab. Welche Massnahme im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Ursache und deinem individuellen Befund ab; die genannten Möglichkeiten sind deshalb als allgemeine Orientierung zu verstehen.
Möchtest du dich bei anhaltenden Becken- oder Leistenbeschwerden ergänzend begleiten lassen? Auf truVuna findest du Anbieter:innen für Osteopathie und verwandte Bereiche in deiner Nähe. Du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren – am besten in Absprache mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme.
Sind Leistenschmerzen in der frühen Schwangerschaft normal?
Ein leichtes Ziehen in der Leiste kommt schon früh vor, etwa durch die beginnende Dehnung der Mutterbänder. Das ist meist harmlos. In der Frühschwangerschaft sollten starke, einseitige Schmerzen zusammen mit Blutungen, Schwindel oder Kreislaufproblemen jedoch rasch ärztlich abgeklärt werden, da unter anderem eine Eileiterschwangerschaft dahinterstecken kann [2].
Warum schmerzt die Leiste nur auf einer Seite?
Einseitige Leistenschmerzen sind häufig und oft harmlos, etwa wenn die Mutterbänder asymmetrisch gedehnt werden oder ein Bein stärker belastet wird. Auch ein Leistenbruch zeigt sich meist einseitig [5]. Halten einseitige Schmerzen an, verstärken sie sich oder kommen weitere Beschwerden hinzu, ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll.
Was ist der Unterschied zwischen Mutterband- und Beckengürtelschmerzen?
Mutterbandschmerzen entstehen durch die Dehnung der Bänder, die die Gebärmutter halten, und ziehen oft in die Leiste [1]. Beckengürtelschmerzen gehen von der Schambeinfuge und den Kreuz-Darmbein-Gelenken aus und treten besonders beim Gehen, Treppensteigen oder Beinheben auf [4]. Beide sind häufig und in der Regel nicht gefährlich.
Helfen Übungen oder Physiotherapie wirklich?
Studien deuten darauf hin, dass angepasste Bewegung Rücken- und Beckenbeschwerden in der Schwangerschaft lindern kann, die Belege sind aber unterschiedlich stark [3][6]. Wichtig ist eine schonende, individuell abgestimmte Ausführung. Lass dich vor dem Start fachlich beraten, besonders bei ausgeprägten Beckengürtelschmerzen.
[1] MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise, 2025, Unterbauchschmerzen in der Frühschwangerschaft / Weibliche Beckenschmerzen, https://www.msdmanuals.com/de/profi/gyn%C3%A4kologie-und-geburtshilfe/symptome-w%C3%A4hrend-der-schwangerschaft/unterbauchschmerzen-in-der-fr%C3%BChschwangerschaft
[2] MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise, 2023, Extrauteringravidität, https://www.msdmanuals.com/de/profi/gyn%C3%A4kologie-und-geburtshilfe/st%C3%B6rungen-in-der-fr%C3%BChen-schwangerschaft/extrauteringravidit%C3%A4t
[3] Liddle SD, Pennick V, 2015, Interventions for preventing and treating low-back and pelvic pain during pregnancy, Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 9, CD001139.pub4, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26422811/
[4] National Institute for Health and Care Excellence (NICE), 2021, Management of pelvic girdle pain in pregnancy (Evidence review), NCBI Bookshelf, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK573945/
[5] Universitätsspital Zürich (USZ), 2025, Leistenbruch / Hernien, https://www.usz.ch/krankheit/leistenbruch/
[6] Prevention of low back and pelvic girdle pain during pregnancy: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials with GRADE recommendations, 2022, Physiotherapy, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0031940622000967
Eine Hornhautentzündung – medizinisch Keratitis – betrifft die Hornhaut, die klare, gewölbte Vorderschicht des Auges, die über Pupille und Iris liegt. Anders als die häufigere Bindehautentzündung kann eine Keratitis das Sehvermögen beeinträchtigen und sollte deshalb ernst genommen werden [1]. Gerade Kontaktlinsenträger:innen sind besonders gefährdet. Dieser Ratgeber erklärt, woran du eine Hornhautentzündung erkennst, welche Ursachen dahinterstecken, warum eine frühe Abklärung wichtig ist und wie sie behandelt wird. Er ersetzt keine augenärztliche Untersuchung – im Gegenteil: Gerade bei der Hornhaut ist diese Untersuchung zentral.
Bluthochdruck ist oft leise: Viele Menschen spüren lange nichts und sind überrascht, wenn die Werte bei einer Messung dauerhaft erhöht sind. Genau deshalb lohnt es sich, früh hinzuschauen. Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stress können viel bewirken – nicht als schnelle Wunderlösung, sondern als verlässliche Unterstützung im Alltag. Wenn du nach blutdrucksenkenden Lebensmitteln suchst, wünschst du dir vermutlich konkrete Orientierung: Was darf öfter auf den Teller, wo versteckt sich zu viel Salz und welche Getränke sind sinnvoll? Dieser Ratgeber hilft dir, die wichtigsten Punkte einzuordnen, ohne aus einzelnen Lebensmitteln falsche Heilversprechen zu machen.
Rund um Hashimoto kursieren viele Ernährungsregeln: kein Gluten, kein Kohl, möglichst wenig Jod. Vieles davon ist jedoch nicht so eindeutig, wie es in Ratgebern oft klingt. Die wichtigste Einordnung vorweg: Eine spezielle Diät kann Hashimoto weder heilen noch die Autoimmunreaktion stoppen. Eine ausgewogene, entzündungsarme Ernährung kann dich aber im Alltag unterstützen und das Risiko für Nährstoffmängel senken. Dieser Ratgeber zeigt dir, was die aktuelle Studienlage zu Jod, Selen, Gluten und Co. wirklich hergibt – und worauf du achten solltest, wenn du Schilddrüsenmedikamente einnimmst.
Wahrscheinlich hast du schon einmal den Begriff „Osteoblasten“ gehört. Meistens fällt er im Zusammenhang mit Erkrankungen. Tatsächlich bemerken wir erst, wenn etwas nicht funktioniert, wie die Arbeit aller Bestandteile des Körpers aufeinander abgestimmt ist. Normalerweise verrichten Osteoblasten und ihre Gegenspieler, die Osteoklasten, ihre Tätigkeit in den Knochen fast unbemerkt. Du weisst wahrscheinlich, dass Krafttraining und Bewegung nicht nur Muskeln stärkt. Die kräftigende Wirkung betrifft auch die Knochensubstanz. Osteoblasten und andere Knochenzellen sind massgeblich daran beteiligt, deine Knochen beständig an die täglichen Erfordernisse anzupassen. In der folgenden Übersicht fassen wir die wichtigsten Fakten über diese spannenden Aktivitäten im Körper zusammen.
Das Risiko für einen Sturz auf regennasser Strasse, beim Treppensteigen oder in der Dunkelheit ist vor allem bei älteren Menschen hoch. Da die Knochen im Alter weniger robust sind, ist es dann nicht immer mit blauen Flecken getan. Die Folge können auch Knochenbrüche sein, betroffen ist dabei nicht selten der Oberschenkelhals. Welche Symptome sich bei der Oberschenkelhalsfraktur im Alter zeigen und welche Risikofaktoren eine Fraktur begünstigen, erfährst du in unserem Ratgeber. Wir erklären zudem, was du bei einem Verdacht auf einen Bruch des Oberschenkelhalses tun solltest und wie dieser behandelt wird.
Ein Ziehen unter den Rippen, ein Stechen beim tiefen Einatmen, Druck im Oberbauch – viele beschreiben solche Beschwerden als Zwerchfellschmerzen. Wichtig zu wissen: Das Zwerchfell selbst lässt sich als Schmerzquelle für Laien kaum eindeutig bestimmen. Beschwerden in dieser Region können von der Brustwand mit Rippen und Muskulatur, von der Atemmuskulatur, von Magen und Speiseröhre, von Lunge und Rippenfell oder – seltener – tatsächlich vom Zwerchfell selbst ausgehen. Dieser Ratgeber erklärt dir, welche Ursachen infrage kommen, wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist, was du selbst tun kannst und wann Physiotherapie sinnvoll sein kann.