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Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris) ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Autoimmunerkrankung der Haut. Dabei ist das Immunsystem überaktiv und schüttet vermehrt bestimmte Botenstoffe (Zytokine) aus, die Entzündungsreaktionen in der Haut auslösen [2]. Eine Folge davon ist, dass sich die Hornzellen der Oberhaut deutlich schneller erneuern als normal: Statt etwa eines Monats dauert dieser Prozess bei Betroffenen nur wenige Tage [2]. Die alten Zellen werden dadurch in grosser Menge an der Hautoberfläche abgestossen, was die typische, gut sichtbare Schuppung erklärt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Psoriasis als ernsthafte, nicht übertragbare Erkrankung ein und schätzt, dass weltweit mindestens 100 Millionen Menschen betroffen sind [3]. Schuppenflechte gilt heute nicht mehr nur als Hautproblem, sondern als Systemerkrankung, die mit weiteren gesundheitlichen Belastungen einhergehen kann [3].
Gut zu wissen: Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Die Hautveränderungen entstehen durch eine fehlgeleitete Reaktion des eigenen Immunsystems und können nicht durch Berührung übertragen werden [2][3].
Typisch sind scharf begrenzte, gerötete Hautstellen, die mit silbrig-weissen Schuppen bedeckt sind und oft jucken [2][4]. Diese sogenannten Plaques sind meist symmetrisch verteilt und können brennen oder schmerzen. Die Rötung entsteht durch die ausgeprägte Entzündung, die silbrigen Schuppen durch die beschleunigte Hauterneuerung.
Besonders häufig betroffen sind Körperstellen, die mechanisch beansprucht werden – vor allem die Ellbogen, die Knie, der untere Rücken und die behaarte Kopfhaut [4][5]. Grundsätzlich kann jedoch jede Hautregion betroffen sein, etwa das Gesicht, der Genitalbereich, der Bauchnabel oder die Hautfalten. Sind sichtbare Stellen wie Gesicht oder Hände betroffen, empfinden viele Menschen dies als besonders belastend [3].
Neben der Haut können auch die Nägel und die Gelenke beteiligt sein. Verändern sich die Nägel oder treten Gelenkbeschwerden auf, sollte dies ärztlich abgeklärt werden (siehe Abschnitt zu Begleiterkrankungen).
Schuppenflechte verläuft in der Regel schubweise: Auf beschwerdearme oder beschwerdefreie Phasen folgen akute Schübe mit deutlichen Hautveränderungen [4][5]. Wie lange diese Phasen dauern und wie stark ein Schub ausfällt, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Fachlich werden grob zwei Verlaufsformen unterschieden. Beim Frühtyp (Typ 1) treten erste Beschwerden meist vor dem 40. Lebensjahr auf, oft mit ausgeprägterem Verlauf. Beim Spättyp (Typ 2) beginnt die Erkrankung später und verläuft häufig milder [2]. Auch Kinder können betroffen sein, was jedoch seltener vorkommt; insgesamt tritt Psoriasis bei Erwachsenen deutlich häufiger auf als im Kindesalter [4].
Die wichtigste Grundlage ist eine genetische Veranlagung, auf die zusätzliche Auslöser treffen. Es sind mehrere Gene bekannt, die zur Entstehung beitragen, doch keines davon führt für sich allein zur Erkrankung – erst das Zusammenspiel von Veranlagung und auslösenden Faktoren lässt einen Schub entstehen [2][3]. Sind in der Familie bereits Personen betroffen, ist das eigene Risiko erhöht.
Zu den häufig beschriebenen Auslösern und verstärkenden Faktoren gehören:
Diese Faktoren lösen die Erkrankung nicht bei jedem Menschen aus, können aber bei entsprechender Veranlagung einen Schub begünstigen oder verstärken [2][12]. Einige davon lassen sich im Alltag beeinflussen – mehr dazu im Abschnitt zur Selbsthilfe.
Schuppenflechte kann mit weiteren Erkrankungen einhergehen, weshalb sie als Systemerkrankung gilt. Am bekanntesten ist die Psoriasis-Arthritis, eine entzündliche Gelenkerkrankung, die meist als Folge der Hauterkrankung auftritt und zu schmerzenden, steifen und geschwollenen Gelenken führen kann [6]. Sie kann selten auch ohne sichtbare Hautveränderungen auftreten.
Darüber hinaus berichten Übersichtsarbeiten über einen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dem metabolischen Syndrom sowie mit psychischen Belastungen wie Depressionen [3]. Die ausgeprägte Sichtbarkeit der Hautveränderungen kann zudem zu Stigmatisierung und sozialem Rückzug führen und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen [3]. Aus diesem Grund ist eine ärztliche Begleitung wichtig, die nicht nur die Haut, sondern auch mögliche Begleiterkrankungen im Blick behält.
Die Diagnose stellt in der Regel eine Hautärztin oder ein Hautarzt anhand des typischen Erscheinungsbildes der Haut. Dabei werden Aussehen, Verteilung und Beschaffenheit der Hautveränderungen beurteilt; häufig genügt diese Blickdiagnose [2][5]. In unklaren Fällen oder zur Abgrenzung von anderen Hauterkrankungen – etwa Ekzemen oder Pilzinfektionen – kann zusätzlich eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und im Labor untersucht werden [2].
Wichtig ist auch das Gespräch über Beschwerden, Begleiterkrankungen und Belastungen im Alltag. So lässt sich der Schweregrad besser einschätzen und eine passende Behandlung auswählen.
Schuppenflechte ist nicht heilbar, lässt sich aber behandeln, sodass die Beschwerden deutlich zurückgehen können [2][5]. Welche Therapie sinnvoll ist, richtet sich nach Schweregrad, betroffenen Körperstellen, Begleiterkrankungen und individuellen Bedürfnissen. Die Behandlung erfolgt meist stufenweise und wird ärztlich begleitet [1].
Die gängigen Behandlungswege lassen sich so einordnen:
Eine rückfettende Hautpflege bildet die Grundlage jeder Behandlung – auch in beschwerdefreien Phasen [5]. Bei leichten Verläufen reichen äusserlich aufgetragene Mittel oft aus, um die Beschwerden zu lindern [2]. Reicht das nicht, kann eine Bestrahlung mit medizinisch dosiertem UV-Licht helfen, die übermässige Zellteilung zu bremsen [2][5].
Bei mittelschweren bis schweren Verläufen kommen innerliche Medikamente infrage. Dazu zählen klassische Wirkstoffe sowie sogenannte Biologika – gezielt wirkende Medikamente, die in bestimmte Entzündungsprozesse eingreifen. Aktuelle Leitlinien stützen sich bei der Auswahl der inneren Therapie auf eine Cochrane-Netzwerkmetaanalyse und empfehlen, Wirksamkeit, Sicherheit, Begleiterkrankungen und individuelle Faktoren gemeinsam abzuwägen [1]. Diese Medikamente erfordern eine sorgfältige ärztliche Überwachung, da sie Nebenwirkungen haben und regelmässige Kontrollen nötig machen [1].
Welche Kombination im Einzelfall am besten passt, lässt sich nicht pauschal sagen und wird gemeinsam mit der behandelnden Fachperson festgelegt.
Du kannst die ärztliche Behandlung mit Massnahmen im Alltag unterstützen, vor allem durch konsequente Hautpflege und das Vermeiden von Auslösern. Eine regelmässige, rückfettende Pflege hält die Haut geschmeidig und kann Schuppung und Spannungsgefühl mildern; Bäder mit Öl- oder Salzzusatz können helfen, Schuppen zu lösen [5]. Folgende Punkte sind hilfreich:
Bei der Ernährung ist Zurückhaltung angebracht: Für spezielle Diäten ist die Studienlage begrenzt, und einzelne Ergänzungsmittel zeigen in Untersuchungen bestenfalls geringe Effekte [2]. Sinnvoller als strenge Diäten ist ein insgesamt ausgewogener Lebensstil. Hausmittel und Pflege können Beschwerden lindern, ersetzen aber keine ärztliche Behandlung.
Welche Massnahmen für dich passen, hängt von deinem individuellen Verlauf ab. Wenn die Beschwerden zunehmen, sich ausbreiten, stark belasten oder zusätzlich Gelenke schmerzen, ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll. Auf truVuna findest du Hautärztinnen und Hautärzte in deiner Region. Du kannst Profile, Leistungen und Bewertungen vergleichen und passende Anbieter:innen direkt kontaktieren, um einen Termin zur Abklärung oder Beratung zu vereinbaren.
Ist Schuppenflechte ansteckend?
Nein, Schuppenflechte ist nicht ansteckend. Sie entsteht durch eine fehlgeleitete Reaktion des eigenen Immunsystems und nicht durch Krankheitserreger, die übertragen werden könnten [2][3]. Auch enger Hautkontakt birgt kein Ansteckungsrisiko. Die sichtbaren Hautveränderungen können zwar belastend wirken, sind für andere Menschen aber völlig ungefährlich.
Ist Schuppenflechte heilbar?
Nein, Schuppenflechte ist bislang nicht heilbar, lässt sich aber gut behandeln. Mit einer passenden Therapie können die Beschwerden deutlich zurückgehen, und viele Betroffene erleben längere beschwerdearme Phasen [2][5]. Da die Erkrankung chronisch verläuft und in Schüben wiederkehren kann, ist eine dauerhafte Begleitung und konsequente Hautpflege wichtig.
Welche Ärztin oder welcher Arzt ist zuständig?
Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf Schuppenflechte ist die Dermatologie, also eine Hautärztin oder ein Hautarzt. Dort werden die Hautveränderungen beurteilt, die Diagnose gestellt und eine passende Behandlung festgelegt [2][5]. Bei Gelenkbeschwerden kann zusätzlich die Rheumatologie hinzugezogen werden, da eine Psoriasis-Arthritis eine eigene Behandlung erfordert [6].
Was löst einen Schub aus?
Schübe entstehen meist durch das Zusammentreffen von Veranlagung und auslösenden Faktoren. Häufig genannt werden Infektionen, Hautreizungen, Stress, bestimmte Medikamente, Rauchen, Alkohol und Übergewicht [2][12]. Welche Faktoren bei dir eine Rolle spielen, ist individuell. Es kann helfen, persönliche Auslöser zu beobachten und sie nach Möglichkeit zu reduzieren.
[1] Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), 2025/2026, S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vulgaris, adaptiert von EuroGuiDerm (AWMF-Reg.-Nr. 013-001), JDDG / AWMF, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/013-001
[2] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), 2021, Schuppenflechte (Psoriasis), gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/schuppenflechte-psoriasis.html
[3] World Health Organization (WHO), 2016, Global report on psoriasis, WHO, https://www.who.int/publications-detail-redirect/global-report-on-psoriasis
[4] Parisi R, Iskandar IYK, Kontopantelis E, et al., 2020, National, regional, and worldwide epidemiology of psoriasis, The BMJ / PMC, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7254147/
[5] Universitätsspital Zürich (USZ), 2025, Psoriasis (Schuppenflechte): Symptome & Behandlung, USZ, https://www.usz.ch/krankheit/schuppenflechte/
[6] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Schuppenflechte mit Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis), gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/schuppenflechte-mit-gelenkentzuendung-psoriasis-arthritis.html
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