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Eine Bifokalbrille ist eine Brille mit Zweistärkengläsern: Das Glas vereint zwei unterschiedliche Sehstärken in einer einzigen Fassung. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen – "bi" für zwei und "Fokus" für Brennpunkt. Damit lassen sich gleichzeitig zwei verschiedene Sehdistanzen korrigieren: typischerweise die Ferne (oberer Glasbereich) und die Nähe (unterer Glasbereich).
Der Aufbau ist mechanisch klar: Im oberen, grösseren Teil des Glases befindet sich die Korrektur für das Sehen in der Ferne. Im unteren Bereich – meist leicht zur Nase hin versetzt – ist ein kleineres Glassegment eingearbeitet, das die Brechkraft für den Nahbereich hinzufügt. Zwischen beiden Zonen verläuft eine sichtbare Trennlinie, das sogenannte "Fensterchen". Beim Blick nach unten – etwa zum Lesen – schauen die Augen automatisch durch den Nahteil.
Das Prinzip ist alt: Benjamin Franklin gilt als Erfinder der ersten Zweistärkenbrille im 18. Jahrhundert. Er kombinierte zwei halbierte Gläser unterschiedlicher Brechkraft in einer Fassung, um nicht ständig zwischen Lese- und Fernbrille wechseln zu müssen. Die heutigen Bifokalgläser sind technisch deutlich weiter entwickelt, das Grundprinzip ist aber geblieben.
Eine Bifokalbrille ist für Menschen gedacht, die zwei unterschiedliche Sehdistanzen gleichzeitig korrigieren müssen. Klassischerweise sind das:
Der entscheidende Faktor ist meist die Alterssichtigkeit: Sie beginnt typischerweise zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr und betrifft praktisch jeden Menschen [1]. Ursache ist die nachlassende Elastizität der Augenlinse, die sich nicht mehr so flexibel auf nahe Objekte einstellen kann. Vor dem 40. Lebensjahr wird eine Bifokalbrille deshalb selten verschrieben – mit einer wichtigen Ausnahme, auf die wir später noch eingehen.
Die Gleitsichtbrille hat die Bifokalbrille im Alltag weitgehend abgelöst, weil sie zusätzlich den Zwischenbereich abdeckt und keine sichtbare Trennlinie hat. Beide gehören zur Gruppe der Mehrstärkenbrillen, lösen das Problem aber technisch unterschiedlich. Die wichtigsten Merkmale im direkten Vergleich:
Die Gleitsichtbrille hat den Vorteil, dass auch der Zwischenbereich – etwa für die Computerarbeit oder beim Treppensteigen – scharf abgebildet wird. Bei der Bifokalbrille bleibt dieser Übergangsbereich unscharf, was im Alltag spürbar sein kann.
Wann ist die Bifokalbrille trotzdem die bessere Wahl? Manche Brillenträger:innen bevorzugen sie, weil sie zwei klar abgegrenzte Sehzonen bietet – ohne Gewöhnung an verschiedene Schärfebereiche im Glas. Auch für Spezialbrillen (z.B. bestimmte Berufsbrillen) wird sie weiterhin eingesetzt.
Vorteile
Nachteile
Gerade der letzte Punkt – das Treppensteigen – ist im Alltag relevant: Wer beim Blick nach unten durch den Nahteil schaut, sieht Stufen unscharf und in veränderter Position. Routinierte Träger:innen lernen, den Kopf stärker zu senken, um durch den Fernbereich zu schauen.
Die Preise für eine Bifokalbrille variieren stark – abhängig von Glasqualität, Fassung, Brechungsindex, Beschichtungen und Anbieter. In der Schweiz liegen einfache Bifokalbrillen häufig im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich. Hochwertigere Varianten mit dünneren Gläsern, Komfortbeschichtungen oder hochwertiger Fassung können deutlich teurer sein.
Als grobe Orientierung gilt:
Wichtig zu wissen: Bifokalbrillen sind heute eher ein Nischenprodukt. Viele Anbieter führen sie auf Anfrage, während Gleitsichtbrillen im Alltag deutlich häufiger empfohlen und beworben werden. Preislich sind Bifokalgläser oft günstiger als vergleichbare Gleitsichtgläser, weil sie technisch einfacher aufgebaut sind.
Eine grundsätzliche Übernahme der Kosten durch die obligatorische Krankenversicherung gibt es in der Schweiz für Erwachsene nicht. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Altersjahr beteiligt sich die Grundversicherung im Rahmen der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) grundsätzlich an Sehhilfen. Der Beitrag liegt bei bis zu CHF 180.– pro Jahr für Brillengläser oder Kontaktlinsen [2]. Ob und in welcher Form eine bestimmte Bifokalversorgung vergütet wird, sollte vorab mit Krankenkasse und Fachperson geklärt werden. Manche Zusatzversicherungen erstatten weitere Beträge.
Bifokalbrillen sind bei Kindern und Jugendlichen nicht der Standardfall – sie werden nur in Ausnahmesituationen verschrieben. Eine davon ist die sogenannte Myopiekontrolle: Bei stark voranschreitender Kurzsichtigkeit (Myopie) können bestimmte Bifokalgläser – vor allem sogenannte Executive Bifocals – dazu beitragen, das Fortschreiten der Myopie zu verlangsamen [3], [4]. Die Wirkung hängt allerdings von individuellen Faktoren wie dem Akkommodationsverhalten ab und fällt nicht bei allen Kindern gleich stark aus.
In der Schweiz werden heute häufiger andere Methoden zur Myopiekontrolle eingesetzt – etwa spezielle Myopiekontroll-Brillengläser oder Orthokeratologie-Linsen (Nachtlinsen). Welcher Ansatz im Einzelfall geeignet ist, gehört in die Beratung einer Augenärztin oder eines auf Kinderoptometrie spezialisierten Optikers.
Eine neue Bifokalbrille braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit. Die Augen müssen lernen, automatisch durch die richtige Glaszone zu blicken. In den ersten Tagen oder Wochen können dabei Unannehmlichkeiten auftreten:
Diese Symptome klingen bei den meisten Träger:innen nach wenigen Tagen bis Wochen ab. Hilfreich ist es, die Brille anfangs nicht durchgängig zu tragen und sich schrittweise an die neue Sehweise zu gewöhnen.
Halten die Beschwerden über zwei bis drei Wochen an, lohnt sich ein Besuch beim Optiker. Möglicherweise wurde der Nahteil nicht optimal positioniert, oder die Gläser müssen nachjustiert werden. Eine präzise Anpassung – inklusive der Bestimmung von Augenabstand, Durchblickhöhe und Vorneigung – ist bei Mehrstärkengläsern entscheidend für die Verträglichkeit.
Aus diesem Grund wird auch empfohlen, eine Bifokalbrille nicht ohne fachliche Beratung online zu bestellen: Eine korrekte Zentrierung der Gläser und eine individuelle Anpassung an die Anatomie sind nicht aus der Ferne machbar.
Wenn du unsicher bist, ob eine Bifokalbrille oder eine andere Mehrstärkenlösung für dich passt, hilft ein Beratungsgespräch bei einem Optiker. Hier können die individuelle Sehstärke, der Alltag (Beruf, Hobbys, Bildschirmarbeit) und die gewünschte Ästhetik besprochen werden. Auf truVuna findest du Optiker:innen in deiner Region – vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und finde einen Einstieg, der zu dir passt.
Was ist der Hauptunterschied zwischen Bifokalbrille und Gleitsichtbrille?
Die Bifokalbrille hat zwei klar getrennte Sehzonen mit sichtbarer Trennlinie – einen Fernbereich oben und einen Nahbereich unten. Die Gleitsichtbrille bietet einen stufenlosen Übergang zwischen Fern-, Zwischen- und Nahsicht ohne sichtbare Linie. Damit deckt sie auch mittlere Entfernungen scharf ab, die bei der Bifokalbrille unscharf bleiben.
Für wen ist eine Bifokalbrille besser als eine Gleitsichtbrille?
Eine Bifokalbrille kann sinnvoll sein, wenn du klar abgegrenzte Sehzonen bevorzugst, ein grosses stabiles Lese- und Fernsichtfeld brauchst und auf den Zwischenbereich verzichten kannst. Auch bei bestimmten Spezialbrillen für berufliche Aufgaben kommt sie weiterhin zum Einsatz.
Kann ich eine Bifokalbrille online bestellen?
Grundsätzlich ja, empfohlen wird es aber nicht. Mehrstärkengläser brauchen eine präzise Anpassung an deine Anatomie (Pupillendistanz, Durchblickhöhe, Vorneigung). Diese Messungen erfolgen am besten beim Optiker vor Ort. Eine ungenau zentrierte Bifokalbrille kann zu Verspannungen, Kopfschmerzen und schlechter Sehqualität führen.
Wie lange dauert die Eingewöhnung an eine Bifokalbrille?
Bei den meisten Träger:innen klingen anfängliche Symptome wie Schwindel oder Kopfschmerzen nach wenigen Tagen bis zwei Wochen ab. Dauert es länger, ist eine Nachjustierung beim Optiker ratsam.
Gibt es Bifokalbrillen ohne sichtbare Trennlinie?
Klassische Bifokalbrillen haben immer eine erkennbare Trennlinie zwischen Fern- und Nahteil. Wer keine sichtbare Linie möchte, ist mit einer Gleitsichtbrille besser bedient – sie sieht von aussen wie eine normale Einstärkenbrille aus und bietet zusätzlich einen scharfen Zwischenbereich.
[1] Wolffsohn JS, Davies LN. Presbyopia: Effectiveness of correction strategies. Progress in Retinal and Eye Research, 2019. Aston University, School of Optometry. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30448730/ (zur fachlichen Einordnung der Presbyopie und der Korrekturoptionen; peer-reviewed Übersichtsarbeit)
[2] Bundesamt für Gesundheit (BAG): Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) – Kapitel 25 "Sehhilfen". Offizielle Schweizer Verordnung des EDI nach Art. 33 KVG. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/versicherungen/krankenversicherung/krankenversicherung-leistungen-tarife/Mittel-und-Gegenstaendeliste.html (zur Regulierung des CHF 180.- Sehhilfen-Beitrags für Kinder/Jugendliche)
[3] Cheng D, Woo GC, Drobe B, Schmid KL. Effect of bifocal and prismatic bifocal spectacles on myopia progression in children: three-year results of a randomized clinical trial. JAMA Ophthalmology, 2014. Zusammenfassung in American Academy of Ophthalmology Editor's Choice. https://www.aao.org/education/editors-choice/bifocals-slow-high-myopia-progression-in-children (zur Wirkung von Bifokalbrillen bei Myopie-Kontrolle bei Kindern; peer-reviewed)
[4] International Myopia Institute / European Society of Ophthalmology: Update and guidance on management of myopia. European Journal of Ophthalmology, 2021. https://myopiainstitute.org/wp-content/uploads/2021/03/International-Myopia-Institute-European-Society-Ophthalmology-European-Journal-Ophthalmology-Update-and-guidance-on-management-of-myopia-March21.pdf (zur Übersicht der Wirksamkeit verschiedener Myopiekontroll-Optionen; peer-reviewed Fachgesellschaft)
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