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Engwinkelglaukom: Was dahintersteckt und wann es ein Notfall ist

Engwinkelglaukom: Was dahintersteckt und wann es ein Notfall ist

Das Engwinkelglaukom ist eine Form des Grünen Stars (Glaukom), die seltener vorkommt als das Offenwinkelglaukom, in ihrer akuten Ausprägung aber rasch gefährlich werden kann [1]. Dieser Ratgeber erklärt verständlich, was im Auge passiert, wie sich das Engwinkelglaukom vom häufigeren Offenwinkelglaukom unterscheidet und – besonders wichtig – welche Anzeichen auf einen akuten Glaukomanfall hindeuten, bei dem sofort gehandelt werden muss.

Was ist ein Engwinkelglaukom?

Um das Engwinkelglaukom zu verstehen, hilft ein Blick auf den Flüssigkeitshaushalt des Auges. Im Auge wird ständig Kammerwasser gebildet, das über den sogenannten Kammerwinkel – die Verbindungsstelle zwischen Regenbogenhaut (Iris) und Hornhaut – wieder abfliesst. Beim Engwinkelglaukom ist dieser Winkel zu eng oder wird blockiert, sodass das Kammerwasser nicht mehr ausreichend abfliessen kann. Dadurch steigt der Augeninnendruck, was den Sehnerv schädigen kann [1].

Der Name beschreibt also genau das Problem: einen verengten oder verschlossenen Kammerwinkel. In der Fachsprache wird diese Form auch Winkelblockglaukom genannt.

Wie unterscheidet sich das Engwinkelglaukom vom Offenwinkelglaukom?

Die beiden Hauptformen des Glaukoms unterscheiden sich vor allem darin, ob der Kammerwinkel offen oder verengt ist – und wie schnell sich Beschwerden entwickeln.

Das Offenwinkelglaukom ist die häufigere Form. Bei ihm bleibt der Kammerwinkel zwar offen, der Abfluss des Kammerwassers ist aber dennoch gestört. Die Druckerhöhung verläuft meist schleichend und über lange Zeit ohne Symptome, weshalb die Erkrankung oft jahrelang unbemerkt bleibt [1]. Das Engwinkelglaukom kommt seltener vor. Hier ist der Kammerwinkel verengt oder blockiert. Auch diese Form kann chronisch und schleichend verlaufen – die Blockade kann aber ebenso plötzlich auftreten und dann zu einem akuten Glaukomanfall führen, der sich durch sehr deutliche Beschwerden bemerkbar macht [1].

Was ist ein akuter Glaukomanfall?

Bei einem akuten Glaukomanfall wird der Kammerwinkel schlagartig blockiert, der Augeninnendruck steigt innerhalb kurzer Zeit sehr stark an [1]. Anders als beim langsam verlaufenden Glaukom macht sich dies durch deutliche, plötzlich einsetzende Beschwerden bemerkbar. Typische Anzeichen sind:

  • plötzliche, starke Schmerzen im Auge oder Kopf, oft einseitig
  • ein gerötetes, sich hart anfühlendes Auge
  • rasche Verschlechterung der Sehkraft, verschwommenes Sehen
  • farbige Ringe (Halos) um Lichtquellen
  • Übelkeit und Erbrechen

Ein akuter Glaukomanfall ist ein medizinischer Notfall. Da der erhöhte Druck den Sehnerv schädigen kann, ist eine rasche augenärztliche Behandlung wichtig [2][4]. Wer solche Beschwerden bei sich bemerkt, sollte nicht abwarten, sondern umgehend fachliche Hilfe in einer Augenklinik, augenärztlichen Notfallstelle oder Notaufnahme suchen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Enge Kammerwinkel sind bei jungen Menschen selten. Mit zunehmendem Alter wächst die natürliche Augenlinse weiter; bei manchen Menschen drückt dies die Iris nach vorn und verengt den Kammerwinkel [3]. Auch bestimmte anatomische Gegebenheiten – etwa ein von Natur aus enger Kammerwinkel oder eine ausgeprägte Weitsichtigkeit – können das Risiko erhöhen.

Zu beachten ist ausserdem, dass bestimmte Situationen oder Medikamente, die die Pupille erweitern, bei entsprechend veranlagten Personen einen Anfall begünstigen können [3]. Wenn bei dir ein enger Kammerwinkel bekannt ist, ist es sinnvoll, dies bei augenärztlichen Untersuchungen und vor der Einnahme neuer Medikamente anzusprechen.

Wie wird ein Engwinkelglaukom festgestellt?

Die Abklärung erfolgt in einer augenärztlichen Untersuchung. Dazu gehören in der Regel die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie), die Beurteilung des Sehnervs sowie eine Darstellung des Kammerwinkels an der Spaltlampe, die sogenannte Gonioskopie [1]. Damit lässt sich einschätzen, ob der Kammerwinkel verengt ist und ein erhöhtes Risiko besteht.

Weil ein Glaukom – gerade in der schleichenden Form – lange unbemerkt bleiben kann, sind regelmässige augenärztliche Kontrollen wichtig. Fachleute empfehlen, dass sich Menschen ab etwa 40 Jahren sowie Personen mit Risikofaktoren regelmässig untersuchen lassen [1].

Wie wird behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Form und der Dringlichkeit und wird immer individuell augenärztlich festgelegt. Beim akuten Glaukomanfall steht zunächst die rasche Senkung des Augeninnendrucks im Vordergrund [2]. Bei einem verengten Kammerwinkel kommen je nach Situation vorbeugende Massnahmen infrage, um einem (weiteren) Anfall vorzubeugen. Da auch das zweite Auge häufig ähnlich gebaut ist, wird dieses in die Überlegungen einbezogen [1].

Welche Massnahme im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach einer persönlichen Untersuchung beurteilen. Eine frühzeitige Abklärung kann helfen, einen akuten Anfall und bleibende Schäden zu vermeiden.

Wenn bei dir ein enger Kammerwinkel oder ein Glaukomrisiko bekannt ist oder du eine Vorsorgeuntersuchung wünschst, findest du auf truVuna Augenärztinnen und Augenärzte in deiner Nähe. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt. Bei akuten Beschwerden wende dich jedoch direkt an eine Notfallstelle.

Häufige Fragen zum Engwinkelglaukom

Ist ein Engwinkelglaukom immer ein Notfall?

Nein. Das Engwinkelglaukom kann auch chronisch und schleichend verlaufen. Ein Notfall ist der akute Glaukomanfall, bei dem der Augeninnendruck plötzlich stark ansteigt und deutliche Beschwerden verursacht. Dieser erfordert sofortige augenärztliche Hilfe.

Woran erkenne ich einen akuten Glaukomanfall?

Typisch sind plötzliche starke Augen- oder Kopfschmerzen, ein gerötetes, hartes Auge, rasche Sehverschlechterung, farbige Ringe um Lichtquellen sowie Übelkeit und Erbrechen. Bei solchen Anzeichen solltest du umgehend eine Augenklinik oder Notaufnahme aufsuchen.

Was ist der Unterschied zum Offenwinkelglaukom?

Beim Offenwinkelglaukom ist der Kammerwinkel offen, der Abfluss aber gestört; es verläuft meist schleichend. Beim Engwinkelglaukom ist der Kammerwinkel verengt oder blockiert, was zu einer langsamen oder plötzlichen Druckerhöhung führen kann.

Wer ist besonders gefährdet?

Das Risiko steigt mit dem Alter, da die wachsende Augenlinse den Kammerwinkel verengen kann. Auch ein von Natur aus enger Kammerwinkel oder eine ausgeprägte Weitsichtigkeit können das Risiko erhöhen. Eine augenärztliche Untersuchung gibt Aufschluss.

Kann man einem Glaukomanfall vorbeugen?

Bei bekanntem engem Kammerwinkel können augenärztlich festgelegte vorbeugende Massnahmen sinnvoll sein. Wichtig ist zudem, einen bekannten engen Kammerwinkel vor der Einnahme neuer Medikamente anzusprechen. Die Einschätzung trifft die behandelnde Fachperson.

Quellen

[1] MSD Manual, Ausgabe für Patienten, 2025, Glaukom (Grüner Star), https://www.msdmanuals.com/de/heim/augenkrankheiten/glaukom-gr%C3%BCner-star/glaukom-gr%C3%BCner-star

[2] MSD Manual, Profi-Ausgabe, 2025, Winkelblockglaukom, https://www.msdmanuals.com/de/profi/augenkrankheiten/glaukom/winkelblockglaukom

[3] Deutsches Ärzteblatt, 2024, Medikamentöse und chirurgische Therapie des Glaukoms, https://www.aerzteblatt.de/archiv/65933/Medikamentoese-und-chirurgische-Therapie-des-Glaukoms

[4] Nuessle S, Lübke J, Reinhard T et al. (Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg), 2024, Akuter Winkelblock – ein ophthalmologischer Notfall, Deutsches Ärzteblatt, https://www.aerzteblatt.de/archiv/221923/Akuter-Winkelblock-ein-ophthalmologischer-Notfall


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei plötzlichen starken Augenbeschwerden, rascher Sehverschlechterung oder Übelkeit mit Augenschmerzen suche umgehend eine augenärztliche Notfallstelle oder Notaufnahme auf.

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