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Herpes ist eine sehr verbreitete Virusinfektion, die durch Herpes-simplex-Viren (HSV) ausgelöst wird und sich in Form schmerzhafter Bläschen zeigt. Man unterscheidet zwei Virustypen: Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht überwiegend Infektionen im Mund- und Gesichtsbereich – die bekannten Fieberbläschen oder Lippenherpes –, während das Typ-2-Virus (HSV-2) vorwiegend im Genitalbereich auftritt (Herpes genitalis) [1]. Diese Zuordnung ist allerdings nicht starr: Zunehmend löst auch HSV-1 genitale Infektionen aus, und grundsätzlich können beide Virustypen an allen Körperstellen vorkommen [1].
In der Schweiz tragen rund 70 Prozent der Bevölkerung das Virus HSV-1 und etwa 20 Prozent HSV-2 in sich [1]. Hat man sich einmal angesteckt, bleibt das Virus lebenslang in den Nervenknoten und kann von dort immer wieder aktiv werden [2]. Viele Menschen merken jedoch nie etwas davon, weil sie keine Beschwerden haben [2].
Ein Herpes beginnt meist mit einem Kribbeln, Spannen oder Brennen an der betroffenen Stelle, gefolgt von kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Nach einigen Tagen platzen diese auf und werden zu Geschwüren, die anschliessend verkrusten und abheilen [1]. Beim Lippenherpes ist der Spuk nach rund einer bis zwei Wochen vorbei; im Genitalbereich verheilen die Hautstellen meist innerhalb von etwa zwei bis drei Wochen [2].
Neben den Bläschen können beim ersten Auftreten auch Allgemeinsymptome dazukommen, etwa Fieber, geschwollene Lymphknoten oder ein grippeähnliches Gefühl mit Abgeschlagenheit [1]. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem – zum Beispiel während einer Chemotherapie oder bei einer HIV-Infektion – kann die Abheilung länger dauern und schwerer verlaufen [4].
Ein Ausbruch wird vor allem dann ausgelöst, wenn das Immunsystem geschwächt oder gefordert ist. Typische Auslöser sind [2][5]:
Warum manche Menschen immer wieder Lippenherpes bekommen und andere trotz Infektion nie, ist bislang nicht vollständig geklärt [2]. Wer seine persönlichen Auslöser kennt, kann sie gezielt meiden und so die Häufigkeit von Ausbrüchen verringern.
Herpes wird durch direkten Kontakt mit dem Virus übertragen – über Schleimhautkontakt (genital, anal, oral), durch Kontakt mit infizierter Haut sowie über Schmierinfektionen [1]. Die Flüssigkeit in den Bläschen enthält besonders viele Viren, weshalb gerade ein aktiver Ausbruch ansteckend ist. Wichtig zu wissen: Ein Übertragungsrisiko besteht auch dann, wenn keine Symptome sichtbar sind [1].
Während eines Lippenherpes solltest du deshalb auf Küssen und aktiven Oralsex verzichten; bei Bläschen oder Geschwüren im Genitalbereich auf Sexpraktiken, bei denen es zu Kontakt mit den betroffenen Stellen kommt [1]. Berühre die Bläschen möglichst wenig und wasche dir danach gründlich die Hände, damit du das Virus nicht auf andere Körperstellen wie die Augen überträgst [1].
Herpes wird in erster Linie mit antiviralen Medikamenten (Virostatika) behandelt, die die Vermehrung der Viren hemmen. Zum Einsatz kommen Wirkstoffe wie Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir und Penciclovir [4]. Entscheidend ist ein früher Start: Cremes wirken am besten, wenn du sie bereits beim ersten Kribbeln aufträgst.
Bei leichtem Lippenherpes reichen oft eine antivirale Creme aus der Apotheke und eine gute Pflege der betroffenen Stelle. Manche Betroffene mit nur minimalen Beschwerden brauchen gar keine spezielle Behandlung – hier genügt es, den Bereich sauber zu halten, und kühlende Auflagen können Schmerzen und Schwellung lindern [4]. Bei stärkeren, häufig wiederkehrenden Ausbrüchen sowie bei Herpes genitalis verschreibt die Ärztin oder der Arzt häufig Tabletten mit antiviralen Wirkstoffen [4].
Für Menschen mit sehr häufigen Episoden gibt es zudem die Möglichkeit einer vorbeugenden Dauertherapie (sogenannte suppressive Therapie). Wer mehr als sechsmal pro Jahr Symptome hat, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob eine solche vorbeugende Behandlung sinnvoll ist [1]. Eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration kommt zum Schluss, dass eine langfristige Einnahme von Aciclovir oder Valaciclovir die Zahl der Rückfälle senken kann – der praktische Nutzen ist allerdings begrenzt [5].
Gut zu wissen: Eine Herpesinfektion ist behandelbar, aber bislang nicht heilbar. Das Virus bleibt nach der Erstinfektion lebenslang im Körper und kann jederzeit wieder aktiv werden [3]. Ziel jeder Behandlung ist deshalb, die Beschwerden zu lindern und Ausbrüche seltener oder milder zu machen.
Hausmittel können die Beschwerden begleitend lindern, ersetzen bei stärkeren oder wiederkehrenden Ausbrüchen aber keine antivirale Behandlung. Einfache Massnahmen wie das behutsame Reinigen der betroffenen Stelle und kühlende Auflagen können Schmerzen und Schwellung etwas mildern [4]. Pflanzliche Mittel wie Melissen- oder Zitronenmelissen-Creme werden traditionell gegen Lippenbläschen eingesetzt; die wissenschaftliche Datenlage dazu ist jedoch dünn und beruht auf wenigen, teils älteren Studien.
Für beliebte Nahrungsergänzungen wie L-Lysin liess sich in der Cochrane-Übersichtsarbeit kein vorbeugender Nutzen nachweisen [5]. Auch zu Mitteln wie Honig, Teebaumöl oder Zinksalbe gibt es keine belastbaren Belege, die eine zuverlässige Wirkung bestätigen. Wenn du Hausmittel ausprobierst, achte darauf, die Bläschen nicht zusätzlich zu reizen, und greife bei Verschlechterung oder ausbleibender Besserung auf eine ärztlich begleitete Behandlung zurück.
Am wirksamsten beugst du vor, indem du deine persönlichen Auslöser kennst und meidest. Da starke Sonneneinstrahlung ein häufiger Trigger ist, kann ein Lippenpflegestift mit Sonnenschutz die Lippen vor UV-bedingten Ausbrüchen schützen [8]. Ob vorbeugende Medikamente bei Menschen mit gesundem Immunsystem helfen, ist dagegen nicht gut untersucht [8].
Darüber hinaus unterstützen ein insgesamt stabiles Immunsystem und ein ausgewogener Alltag: ausreichend Schlaf, Bewegung und ein bewusster Umgang mit Stress können dazu beitragen, dass Ausbrüche seltener auftreten. Bei sehr häufigen Episoden ist – wie oben beschrieben – eine vorbeugende Therapie ein Thema für das ärztliche Gespräch [1].
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn Herpes häufig wiederkehrt, ungewöhnlich schwer verläuft, den Genitalbereich betrifft oder wenn besondere Risikofaktoren vorliegen. Besonders aufmerksam solltest du bei einer Beteiligung der Augen sein: Greift das Virus auf die Hornhaut über (Herpes-simplex-Keratitis), kann das zu Schmerzen, tränenden Augen, Lichtempfindlichkeit und verschwommenem Sehen führen und unbehandelt das Sehvermögen gefährden – die Behandlung sollte rasch und augenärztlich erfolgen [6].
Sicherheitshinweis: Für Neugeborene kann eine Herpesinfektion gefährlich werden [1]. Aktiv an Herpes erkrankte Personen sollten engen Kontakt mit Säuglingen meiden. Schwangere mit Herpes genitalis sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten frühzeitig ärztlichen Rat einholen, da hier besondere Vorsichtsmassnahmen nötig sein können [4].
Gerade bei wiederkehrenden Beschwerden, unklaren Hautveränderungen oder Herpes im Genital- und Augenbereich hilft eine fachliche Einschätzung, die passende Behandlung zu finden und Komplikationen zu vermeiden. Auf truVuna findest du dermatologische Praxen in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen und kontaktiere passende Anbieter:innen direkt, um einen Termin zu vereinbaren.
Ist Herpes heilbar?
Nein, eine Herpesinfektion ist nicht heilbar, aber gut behandelbar [3]. Das Virus bleibt nach der Erstinfektion lebenslang in den Nervenknoten und kann immer wieder aktiv werden [2]. Antivirale Medikamente können die Beschwerden lindern und die Dauer eines Ausbruchs verkürzen; bei häufigen Episoden ist auch eine vorbeugende Dauertherapie möglich [4][5].
Wie lange ist Herpes ansteckend?
Herpes ist vor allem während eines aktiven Ausbruchs ansteckend, weil die Bläschenflüssigkeit besonders viele Viren enthält [1]. Die Ansteckungsgefahr besteht etwa so lange, bis die Bläschen verkrustet und abgeheilt sind. Wichtig: Eine Übertragung ist grundsätzlich auch ohne sichtbare Symptome möglich [1].
Helfen Hausmittel gegen Herpes?
Hausmittel können die Beschwerden begleitend lindern, sind aber keine zuverlässige Therapie. Behutsames Reinigen und kühlende Auflagen können Schmerzen mildern [4]. Für pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungen wie L-Lysin fehlen belastbare Wirksamkeitsbelege [5]. Bei stärkeren oder wiederkehrenden Ausbrüchen sind antivirale Mittel die wirksamere Wahl.
Wann sollte ich mit Herpes zur Ärztin oder zum Arzt?
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei häufig wiederkehrendem, schwerem oder genitalem Herpes sowie bei einer Beteiligung der Augen [6]. Auch Schwangere, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Personen mit engem Kontakt zu Neugeborenen sollten frühzeitig Rat einholen [1][4].
[1] Bundesamt für Gesundheit (BAG), Herpes simplex (HSV-1, HSV-2), https://www.bag.admin.ch/de/herpes-simplex-hsv-1-hsv-2-de
[2] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Lippenherpes, gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/lippenherpes.html
[3] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Genitalherpes, gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/genitalherpes.html
[4] MSD Manual Ausgabe für Patienten, Infektionen mit Herpes-simplex-Viren (HSV), https://www.msdmanuals.com/de/heim/infektionen/herpesvirusinfektionen/infektionen-mit-herpes-simplex-viren-hsv
[5] Chi CC, Wang SH, Delamere FM, et al., 2015, Interventions for prevention of herpes simplex labialis (cold sores on the lips), Cochrane Database of Systematic Reviews, CD010095, https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD010095.pub2/full
[6] MSD Manual Ausgabe für Patienten, Herpes-simplex-Keratitis, https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/augenkrankheiten/erkrankungen-der-hornhaut/herpes-simplex-keratitis
[8] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Lässt sich Lippenherpes-Ausbrüchen vorbeugen?, gesundheitsinformation.de, https://www.gesundheitsinformation.de/laesst-sich-lippenherpes-ausbruechen-vorbeugen.html
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