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Der Begriff Optometrie stammt aus dem Griechischen: „optos" (sehen) und „metron" (Mass). Im Kern geht es darum, Sehfunktionen objektiv und subjektiv zu messen und auf dieser Grundlage individuelle Sehhilfen oder weitere Schritte zu empfehlen.
Optometrist:innen sind Fachleute, die:
In der Schweiz ist die Optometrie ein anerkannter Fachhochschulberuf [1]. Optometrist:innen haben einen Bachelor- oder Masterabschluss und sind dazu ausgebildet, weit über die klassische Brillenanpassung hinaus zu beraten.
Im Schweizer System gibt es drei eng verbundene, aber unterschiedliche Berufe:
Der Übergang ist fliessend: Viele Schweizer Optikerbetriebe beschäftigen Optometrist:innen, und in einer optometrischen Untersuchung können oft erste Hinweise auf Augenerkrankungen gefunden werden, die dann an die augenärztliche Praxis weiterverwiesen werden [2].
Eine umfassende optometrische Untersuchung umfasst typischerweise folgende Bereiche:
Refraktion und Sehleistung:
Untersuchung der Augenoberfläche und -strukturen:
Funktionelle und screenende Tests:
Beratung und Empfehlung:
Die Dauer einer ausführlichen optometrischen Sitzung liegt zwischen 30 und 60 Minuten. Eine reine Brillenanpassung ist deutlich kürzer (15–30 Minuten).
Optometrische Untersuchungen können in folgenden Situationen sinnvoll sein:
Auch wenn keine Beschwerden bestehen, ist eine optometrische Routinekontrolle ein niedrigschwelliger Weg, kleine Veränderungen früh zu erkennen.
Ein wichtiger Aufgabenbereich der modernen Optometrie ist die Sehvorsorge. Viele Augenerkrankungen entwickeln sich schleichend und werden ohne professionelle Kontrolle erst spät bemerkt [3]:
Findet die Optometristin Auffälligkeiten, erfolgt eine zeitnahe Überweisung an die augenärztliche Praxis. Optometrist:innen können mit Geräten wie Funduskamera, OCT oder Tonometrie Auffälligkeiten erkennen und dokumentieren – die medizinische Diagnose und Therapie von Augenerkrankungen erfolgt durch Augenärzt:innen. So bleibt die Optometrie ein wichtiger Bestandteil der Sehgesundheit – ergänzend, nicht ersetzend zur augenärztlichen Versorgung.
Über die Standardanpassung hinaus gibt es Bereiche, in denen Optometrist:innen besonders gefragt sind:
Die Optometrie ist in der Schweiz ein anerkannter Fachhochschulberuf [1]. Die wichtigsten Ausbildungswege:
Schweizer Optometrist:innen arbeiten in Augenoptik-Fachgeschäften, augenärztlichen Praxen, Spezialkliniken, in der Industrie (Brillenhersteller, Linsenfirmen) und in der Forschung. Der Beruf ist im Wandel: Mit der zunehmenden Bedeutung der Sehgesundheit übernehmen Optometrist:innen mehr und mehr screenende Aufgaben in der Vorsorge [2].
Optometrische Untersuchungen werden in der Schweiz in der Regel nicht von der obligatorischen Grundversicherung übernommen. Sie gelten als nicht-ärztliche Leistung. Eine augenärztliche Untersuchung ist im Rahmen der ambulanten Leistungen über die Krankenkasse abrechenbar, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.
Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Altersjahr sieht die Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) gemäss aktueller Regelung und auf ärztliche Verordnung einen Beitrag von bis zu CHF 180.– pro Jahr für Brillengläser oder Kontaktlinsen vor [4]. Die konkreten Voraussetzungen und Beträge sollten vor dem Kauf direkt mit Krankenkasse, Augenärzt:in oder Optiker:in abgeklärt werden.
Einige Zusatzversicherungen für ambulante Leistungen beteiligen sich an optometrischen Untersuchungen oder Sehhilfen mit pauschalen Jahres- oder Mehrjahresbeiträgen. Die genauen Konditionen variieren stark zwischen den Anbietern.
Schweizer Optikerbetriebe bieten häufig vergünstigte oder im Rahmen eines Brillenkaufs kostenfreie Sehtests an. Erweiterte optometrische Sitzungen (mit Fundus, Tonometrie, Gesichtsfeld) werden meist separat abgerechnet.
Die heutige Optometrie nutzt eine Reihe technologisch hochentwickelter Geräte, die früher allein der ärztlichen Praxis vorbehalten waren:
Mit diesen Geräten können Optometrist:innen viele Auffälligkeiten frühzeitig erkennen und dokumentieren. Die medizinische Diagnose und Therapie von Augenerkrankungen erfolgt durch Augenärzt:innen.
Die Wurzeln der Optometrie reichen zurück bis ins Mittelalter, als die ersten Brillenmacher in Italien tätig waren. Im 19. Jahrhundert wurde mit der Erfindung des Augenspiegels (Hermann von Helmholtz, 1851) die Augenheilkunde revolutioniert; gleichzeitig professionalisierte sich die Brillenanpassung.
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Optometrie weltweit zu einem eigenständigen Beruf mit akademischer Ausbildung. In der Schweiz ist die Optometrie heute als Fachhochschulstudiengang an der FHNW etabliert [1]. Die Schweizer Optometrie ist international anerkannt und bildet die Brücke zwischen der klassischen Augenoptik und der medizinisch-ophthalmologischen Versorgung.
Ein wichtiger optometrischer Bereich sind funktionelle Sehprobleme, die nicht durch eine klassische Fehlsichtigkeit erklärbar sind. Dazu zählen:
Eine optometrische Untersuchung kann diese funktionellen Probleme gezielt erkennen und mit Übungsprogrammen, Prismengläsern oder veränderten Sehgewohnheiten verbessern. Bei Verdacht auf neurologische Ursachen erfolgt eine Überweisung an Augenärzt:in oder Neurolog:in.
Eine grobe Orientierung, welche Anliegen zu welcher ersten Anlaufstelle passen:
Die beiden Berufsgruppen ergänzen sich. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Optometrist:in und Augenärzt:in ist ideal für eine umfassende Sehgesundheit.
Mit der zunehmenden Bildschirmnutzung wächst die Bedeutung der Arbeitsplatz-Optometrie. Wer täglich viele Stunden am Computer oder Tablet verbringt, kennt die typischen Symptome:
Optometrist:innen bieten in diesem Bereich:
Wer beruflich überwiegend am Bildschirm arbeitet, profitiert oft von einer dedizierten Bildschirmbrille zusätzlich zur normalen Gleitsicht- oder Einstärkenbrille.
Wenn du eine Sehkontrolle, eine Brillenanpassung oder eine optometrische Beratung suchst, lohnt sich ein Vergleich der Anbieter in deiner Region. Auf truVuna findest du Optiker:innen in deiner Region. Vergleiche Profile, Leistungen und Bewertungen – und frage gezielt nach, ob optometrische Leistungen wie Kontaktlinsenanpassung, Hornhaut-Topografie, Tränenfilm-Analyse oder erweiterte Sehprüfungen angeboten werden.
Was macht ein:e Optometrist:in?
Optometrist:innen messen Sehfunktionen, prüfen die Augenoberfläche und das Sehverhalten, suchen nach Hinweisen auf Funktionsstörungen oder Augenerkrankungen und passen Brillen und Kontaktlinsen an. Sie beraten zu Sehkomfort, Vorsorge und Sehhilfen und überweisen bei auffälligen Befunden an Augenärzt:innen.
Was ist der Unterschied zwischen Augenoptiker:in und Optometrist:in?
Augenoptiker:innen haben eine Lehre (EFZ) absolviert und passen Brillen und Kontaktlinsen an, führen Sehtests durch und beraten. Optometrist:innen haben einen Fachhochschul-Abschluss und können darüber hinaus erweiterte optometrische Untersuchungen durchführen, etwa Tränenfilm-Diagnostik, Hornhaut-Topografie oder screenende Tests auf Augenerkrankungen.
Ersetzt eine optometrische Untersuchung die Augenärzt:in?
Nein. Optometrist:innen dürfen keine Diagnosen von Augenerkrankungen stellen, keine Medikamente verordnen und keine Behandlungen durchführen. Sie können aber wichtige Hinweise erkennen und an die augenärztliche Praxis weiterverweisen. Bei akuten Sehproblemen, Schmerzen oder Verdacht auf Krankheit ist die augenärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle.
Wie oft sollte ich eine optometrische Untersuchung machen?
Bei Erwachsenen ohne Beschwerden ist eine regelmässige optometrische Kontrolle sinnvoll; das passende Intervall hängt von Alter, Beschwerden, Risikofaktoren und bekannten Augenerkrankungen ab und sollte individuell mit Optometrist:in oder Augenärzt:in festgelegt werden. Bei familiärer Vorbelastung (Glaukom, Makuladegeneration), bei Diabetes oder bei bekannten Augenfehlern empfehlen sich häufigere Intervalle.
Bezahlt die Krankenkasse die Optometrie in der Schweiz?
Die obligatorische Grundversicherung übernimmt optometrische Untersuchungen in der Regel nicht. Augenärztliche Untersuchungen werden hingegen als ambulante medizinische Leistung über die Grundversicherung abgerechnet, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Manche Zusatzversicherungen leisten Pauschalbeiträge an Sehhilfen oder erweiterte Untersuchungen – ein Blick in die eigene Police lohnt sich.
[1] Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW): Bachelor of Science in Optometrie. Hochschule für Technik. https://www.fhnw.ch/de/studium/technik/optometrie
[2] Organisation für Schweizer Optometrie (OSO, vormals SBAO): Berufsbild Optometrist:in. https://www.optometrie.swiss/
[3] Boyd K. Eye Exams 101 – What to Expect from a Comprehensive Eye Exam. American Academy of Ophthalmology, 2024. https://www.aao.org/eye-health/tips-prevention/eye-exams-101
[4] Bundesamt für Gesundheit (BAG): Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) – Kapitel 25 "Sehhilfen". Offizielle Schweizer Verordnung des EDI nach Art. 33 KVG. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/versicherungen/krankenversicherung/krankenversicherung-leistungen-tarife/Mittel-und-Gegenstaendeliste.html
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